Einsatzfahrzeuge in Sachsenhausen und Netze übergeben

Montag, 17 Mai 2021 16:32 geschrieben von
Über zwei neue Einsatzfahrzeuge können sich die Waldecker Wehren freuen - am 11. Mai wurde in Sachsenhausen ein Wechselladerfahrzeug (WLF) mit vier Abrollbehältern und in Netze ein mittleres Löschfahrzeug (MLF) öffentlich übergeben. Über zwei neue Einsatzfahrzeuge können sich die Waldecker Wehren freuen - am 11. Mai wurde in Sachsenhausen ein Wechselladerfahrzeug (WLF) mit vier Abrollbehältern und in Netze ein mittleres Löschfahrzeug (MLF) öffentlich übergeben. Foto: Freiwillige Feuerwehr Waldeck

WALDECK. Über zwei neue Einsatzfahrzeuge können sich die Waldecker Wehren freuen - am 11. Mai wurde in Sachsenhausen ein Wechselladerfahrzeug (WLF) mit vier Abrollbehältern und in Netze ein mittleres Löschfahrzeug (MLF) öffentlich übergeben. Beide Fahrzeuge sind bereits seit einigen Monaten im Einsatz, konnten aber wegen der Corona-Pandemie erst jetzt übergeben werden.

Die Veranstaltung startete mit kurzer Verspätung aufgrund eines Einsatzes der Feuerwehr Sachsenhausen, wo unter anderem auch das WLF benötigt wurde, unter Einhaltung der Hygieneregeln in kleiner Runde. Bürgermeister Jürgen Vollbracht begrüßte die Stadtbrandinspektoren, die Wehrführungen aus Sachsenhausen und Netze, die Mitglieder des Magistrates und die Fraktionsvorsitzenden an der Stadthalle in Sachsenhausen mit einem kurzen Grußwort. Stadtbrandinspektor Andreas Przewdzing stellte die wichtigsten Fakten zum Wechselladerkonzept und dem MLF vor. Er bedankte sich bei den politischen Gremien für die Bereitstellung der rund 420.000 Euro zur Verbesserung des Brandschutzes und der allgemeinen Hilfe für die Bevölkerung. Er betonte, dass die Fahrzeuge nicht für die Feuerwehr, sondern für die Sicherheit der Bevölkerung angeschafft wurden.

Stadtverordnetenvorsteher Werner Pilger bedankte sich für die Einladung und freute sich, dass die notwendigen Haushaltsmittel nach einigen Beratungen durch die Stadt bereitgestellt werden konnten. Er ging besonders auf die leider immer größer werdende Personalknappheit in Freiwilligen Feuerwehren ein und hob hervor, dass es gerade deshalb wichtig sei, die Feuerwehr mit modernster Technik auszustatten, damit durch technische Ausrüstung auch mit wenig Personal bestmögliche Hilfe geleistet werden kann und die Einsatzkräfte motiviert werden. Nachdem alle Reden abgehalten waren, stellte der Bürgermeister offiziell die Fahrzeuge in den Dienst der Stadt Waldeck. Anschließend wurden den politischen Gremien die Fahrzeuge und dessen Funktionen vorgestellt und einzeln besichtigt.

Das in Sachsenhausen stationierte Fahrzeug auf Basis eines 7,5t Mitsubishi Fuso ist mit seinen vier Abrollbehältern das erste Wechsellader-System im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Es ist speziell auf die einsatztaktischen Belange der Feuerwehr der Stadt Waldeck abgestimmt. Das WLF wird bei Einsätzen in der gesamten Stadt Waldeck eingesetzt. Das Fahrzeug stand seit Inbetriebnahme bereits 15 mal im Einsatz. Es steht ebenfalls für die überörtliche Hilfe bei Einsätzen in anderen Kommunen gerne auf Anforderung bereit, z.B. mit dem AB Flutlicht bei Dunkelheit, dem AB Mulde/Wasser bei Waldbränden oder dem AB Brand/Feuer bei Großbränden mit seinem Einsatzstellenhygieneraum.

Der Vorteil eines Wechselladersystems besteht darin, dass man modular erweitern kann, ohne weitere Fahrgestelle vorhalten zu müssen. Es ist an die räumlichen Gegebenheiten des Feuerwehrhauses sowie Einsatzlagen speziell angepasst. Das Fahrzeug ersetzt den Gerätewagen-Nachschub (Baujahr 1993) und das Flutlichtmastfahrzeug (Baujahr 1983), die damals jeweils in Eigenleistung ausgebaut wurden. Der Abrollbehälter technische Hilfe ist für die verschiedensten Hilfeleistungseinsätze individuell konzipiert. Auf ihm ist eine umfangreiche Ausstattung für die Bewältigung und Absicherung von Ölspuren und Öl auf Gewässern verlastet. Außerdem eine Ausrüstung für kleinere Gefahrguteinsätze sowie Unwettereinsätze.

Mit dem Abrollbehälter Brand schlägt die Wehr neue Wege zur Verbesserung der Einsatzstellenhygiene ein. Die Einsatzkräfte können im Hygieneraum direkt an der Einsatzstelle vor den Gefahren der Langzeitkontamination und somit vor Gesundheitsgefahren im Feuerwehrdienst geschützt werden. Außerdem ist der Hygieneraum elektrisch beheizbar. Er kann von Löschfahrzeugen mit Wasser eingespeist werden, welches am Handwaschbecken elektrisch erwärmt wird. Zudem sind auf ihm Ausrüstungsgegenstände für größere Brandeinsätze verlastet, wie z.B. 200 Liter Schaummittel, 880 Meter B-Schlauch, ein 5000 Liter Faltbehälter, ein Schnelleinsatzzelt, Wasserentnahme-Armaturen und die neue Multifunktionsleiter.

Wechsellader mit Abrollbehältern Brand, technische Hilfe, Flutlicht und Mulde

Der Abrollbehälter Mulde ist für den Transport kontaminierter Einsatzmittel von der Einsatzstelle geeignet und wurde zudem in Eigenleistung zu einem 10.000l großen Wasserreservoir für Waldbrände inkl. A-Saugvorrichtung und B-Einfülleinrichtung umgebaut. Ebenso neu ist der  Abrollbehälter Flutlicht.  Er besteht aus der Plattform des in der Vergangenheit schon sehr oft bewährten Flutlichtmastfahrzeugs, mit einem bis auf 8,5 Meter hydraulisch ausfahrbaren Polyma-Lichtmast. Der Lichtmast wurde in Eigenleistung mit sechs blendfreien je 23.000 Lumen starken LED-Scheinwerfern und einem Super Silent Stromaggregat mit einer Leistung von 14 KVA aufgerüstet.  Die Planungen des Wechselladers begannen bereits vor gut 2 Jahren. Es wurden Angebote durch die Verwaltung in sehr enger Zusammenarbeit mit den Stadtbrandinspektoren eingeholt und Beratungstermine mit Mercedes-Benz und den Aufbaufirmen Komtec und Heinz Meyer Feuerwehrbedarf abgehalten. Ende 2019 konnte nach mehreren Beratungs- und Besichtigungsterminen der Auftrag an die Firma Komtec als Generalunternehmen durch die politischen Gremien erteilt werden. Die Anschaffungskosten von 220.000 Euro für Fahrzeug und Abroller wurden auf zwei Haushaltsjahre verteilt sowie für die Abroller ein Zuschuss aus der Hessenkasse beantragt.

Im April 2020 wurde der Wechsellader mit dem AB Mulde nach Sachsenhausen überführt. Etwa sieben Monate später konnte dann das Fahrzeugkonzept durch die Abrollbehälter technische Hilfe und Brand vervollständigt werden. In der Zwischenzeit wurde die Plattform des Flutlichtmastfahrzeugs teils in Eigenleistung in einen Abrollbehälter umgebaut. Am neuen Fahrzeug wurden 20 Maschinisten in den letzten Monaten umfangreich von einem Ausbilderteam einzeln geschult. Hierzu gehört unter anderem auch das Auf- und Absatteln sowie Rangieren der Abroller. Um die Einweisung in die Bedienung und Beladung der Abrollcontainer Corona-konform zu gestalten, wurden mehrere Ausbildungsvideos gedreht, die sich die Einsatzkräfte online ansehen konnten. Ein in Netze stationierte Fahrzeug auf Basis eines 7,5t Iveco Daily und Magirus Aufbau ist ein individuell auf die Stadt Waldeck angepasstes Löschfahrzeug.

Mittleres Löschfahrzeug (MLF) mit 1.000 Litern Löschwasser

Der Staffelbesatzung steht eine moderne feuerwehrtechnische Beladung für vielfältige Einsätze zur Verfügung. Das Fahrzeug ersetzt ein altes Löschgruppenfahrzeug 8 (Baujahr 1989) und bringt 1.000 Liter Löschwasser aus dem verbauten Löschwassertank mit einer fest verbauten Feuerlöschkreiselpumpe FPN 10-1000 zur Einsatzstelle. Damit ist es das erste wasserführende Fahrzeug in Netze. Zudem ist das Fahrzeug mit einem durch den Fahrzeugmotor betriebenen LED-Lichtmast ausgestattet. Neben der Beladung nach Norm für Brandeinsätze und einfache technische Hilfeleistungseinsätze bringt das Fahrzeug Ausrüstung zur Schachtrettung und weitere Zusatzbeladung mit zur Einsatzstelle.  Die Planungen des MLF begannen bereits im Jahr 2018. Durch die Stadtverwaltung wurde in Zusammenarbeit mit den Stadtbrandinspektoren das Fahrzeug ausgeschrieben. Hierbei gab leider nur ein Bieter ein Angebot ab. Daraufhin wurde die Ausschreibung zurückgezogen und erneut ausgeschrieben. Bei dieser Neuausschreibung gaben zwei Interessenten ein Angebot ab und der Zuschlag konnte an die Firma Magirus in Ulm erteilt werden. Im Februar 2020 konnte nach zweijähriger Planungs- und Bauphase das Fahrzeug durch eine Abordnung der Feuerwehr Netze in Ulm abgeholt werden. Das Fahrzeug mit einem Anschaffungswert von 200.000 Euro wurde zu einem Drittel durch die Brandschutzförderrichtlinie des Landes Hessen bezuschusst.

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Letzte Änderung am Montag, 17 Mai 2021 17:15

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