KASSEL. Täuschend echt aussehende Smartphones und Smartwatches beschäftigen derzeit die Kasseler Kriminalpolizei. Eine Tätergruppierung soll gefälschte Markenprodukte verkauft haben, die äußerlich und selbst beim Einschalten den Eindruck erwecken, von Apple zu stammen. Erst beim Einrichten bemerkten die Käufer, dass es sich um Totalfälschungen handelt.
Wie die Polizei am Dienstag, 18. August 2026, mitteilt, bearbeiten die Ermittler derzeit rund zwei Dutzend Betrugsfälle. Neben den laufenden Ermittlungen gegen die Tätergruppierung warnt die Polizei vor besonders günstigen Angeboten und gibt Hinweise, wie sich Käufer vor solchen Betrugsmaschen schützen können.
Täuschend echte Fälschungen in Originalverpackungen
Die ersten Anzeigen der Betrugsserie wurden bereits vor einigen Wochen bei der Polizei erstattet. In den meisten bislang bekannten Fällen waren Apple-Smartphones und Apple-Watches in Originalverpackungen über ein Kleinanzeigenportal als Neuware angeboten worden. Die Preise lagen deutlich unter dem üblichen Marktpreis und wirkten dadurch für die späteren Opfer besonders attraktiv.
Nach der Kontaktaufnahme erhöhten die Verkäufer nach Angaben der Polizei häufig den Druck. So wurde beispielsweise behauptet, das Angebot sei nur an diesem Tag gültig oder es gebe bereits mehrere Interessenten.
Anschließend vereinbarten die Betrüger Verkaufstreffen im öffentlichen Raum. Diese fanden an unterschiedlichen Orten in Kassel und im Landkreis Kassel statt, unter anderem in Lohfelden und Hofgeismar.
Die Opfer stammen aus ganz Nordhessen sowie aus Südniedersachsen. Nach der Bezahlung erhielten sie das vermeintlich originalverpackte Produkt. Häufig wurde sogar eine Rechnung ausgehändigt, wodurch der Kauf zusätzlich seriös erschien.
Auch in Geschäften und Straßenbahnen angesprochen
Nach Angaben der Ermittler gab es zudem mehrere Fälle, in denen Mitglieder der Tätergruppierung die späteren Betrugsopfer direkt in Geschäften, Spielhallen oder Straßenbahnen ansprachen. Diese Fälle ereigneten sich überwiegend in der Kasseler Innenstadt.
Auch dort wurden die vermeintlichen Apple-Produkte zum Kauf angeboten. Wie bei den zuvor vereinbarten Treffen bemerkten die Käufer erst im Nachhinein, dass sie eine Fälschung erhalten hatten und einem Betrug aufgesessen waren. Ein Kontakt zu den Verkäufern ließ sich anschließend nicht mehr herstellen.
Tatverdächtige identifiziert und Wohnungen durchsucht
Durch die Ermittlungen der Kriminalbeamten konnten einzelne Mitglieder der Tätergruppierung identifiziert werden, die im Landkreis Kassel leben.
Im Zuge der Ermittlungen wurden mehrere Wohnungen von Tatverdächtigen durchsucht. Trotz der laufenden Ermittlungen kann nach Einschätzung der Polizei nicht ausgeschlossen werden, dass die Verkaufsgeschäfte fortgeführt werden.
Polizei gibt Tipps zum Schutz vor Betrug
Um sich beim Kauf eines Smartphones oder einer Smartwatch vor einem Betrug zu schützen, gibt die Polizei folgende Hinweise:
- Kaufen Sie hochwertige Geräte nur bei autorisierten Fachhändlern, zertifizierten Online-Shops oder direkt beim Hersteller.
- Achten Sie bei Verkaufsplattformen im Internet auf die Angabe vollständiger Kontaktdaten und belastbare Bewertungen des Anbieters sowie bei Online-Shops auf ein ordnungsgemäßes Impressum.
- Seien Sie misstrauisch, wenn der Preis für das Gerät deutlich unter dem üblichen Marktpreis liegt – hier besteht erhöhte Fälschungsgefahr.
- Vermeiden Sie spontane Käufe und lassen Sie sich von Formulierungen wie „nur heute verfügbar“ oder „bereits viele Anfragen“ nicht unter Druck setzen.
- Holen Sie vor dem Kauf die Seriennummer beziehungsweise die IMEI-Kennung ein und überprüfen Sie diese auf der Homepage des Geräteherstellers. Auch hier ist jedoch Vorsicht geboten: Diese Nummern können imitiert werden.
- Hinweise auf einen Betrugsversuch mit einer Warenfälschung können auch eine ungewöhnliche oder mangelhafte Verpackung sein.
- Kaufwillige sollten aufhorchen, wenn ein Anbieter auf Nachfragen ausweichend reagiert oder um eine direkte Kontaktaufnahme außerhalb der eigentlichen Verkaufsplattform bittet.
- Nehmen Sie Zahlungen nur mit Käuferschutz, beispielsweise über PayPal, ohne Vorauszahlung oder Vorkasse vor. So besteht die Möglichkeit, dass Sie Ihr Geld zurückerhalten.
- Wer den Verdacht hat, Opfer eines Betruges geworden zu sein, sollte unverzüglich Anzeige bei der örtlich zuständigen Polizeidienststelle oder über die Onlinewache erstatten. (ots/r)
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