Gestrickte Hilfe gegen kalte Füße

Dienstag, 03. Februar 2026 20:26 geschrieben von  Michael Fränkel
Im Info-Café Mutmacher standen praktische Unterstützung und fachliche Hinweise für Chemo-Patientinnen im Mittelpunkt. Im Info-Café Mutmacher standen praktische Unterstützung und fachliche Hinweise für Chemo-Patientinnen im Mittelpunkt. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH

FRANKENBERG. Im Info-Café Mutmacher des Klinikum Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg standen diesmal zwei Gäste im Mittelpunkt, die Chemo-Patientinnen mit praktischer Unterstützung und fachlichem Rat begleiteten. Gunda Riedesel bringt mit selbst gestrickten Wollsocken Wärme in die Behandlung, Apotheker Thorsten Junk gab Hinweise zu Wirkungen und Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie.

Bunte Socken wärmen Fuß und Herz

Jede achte Frau in Deutschland erhält die Diagnose Brustkrebs. Oft folgt eine Chemotherapie, bei der langandauernde Infusionen den Körper fordern. Als häufige, unangenehme Begleiterscheinung treten kalte Füße auf – ein Problem, das Patientinnen das ganze Jahr über und nicht nur im Winter belastet.

Für die 76-jährige Gunda Riedesel aus Hatzfeld ist Stricken eine große Leidenschaft. Zufällig erfuhr sie, dass in der Chemo-Ambulanz Wollsocken für Patientinnen benötigt werden. Kurz entschlossen besorgte sie Wolle und begann, warme, weiche, bunt gemusterte Socken zu stricken. Unterstützung erhält sie von ihrer Tochter Anja Riedesel, die Wolle mitbringt und sie auch zur Übergabe der fertigen Socken begleitet hat: „Meine Mutter schafft ein Paar Socken pro Tag. Sie versorgt unsere ganze Familie und wir tragen sie alle sehr gerne.“

Dank für das Engagement kam auch aus dem Klinikteam: Die Leitende Oberärztin Gabriele Schalk, die derzeit die kommissarische Leitung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe übernommen hat, bedankte sich herzlich für die Spende der Strümpfe: „Ich bin begeistert von der aufwendig doppelt gestrickten Ferse, das ist Profi-Arbeit. Die Socken sind wunderschön bunt und weich und ein liebevolles Trostpflaster für unsere Patientinnen.“

Fachwissen nimmt die Angst vor der Therapie

Neben der emotionalen Unterstützung bot der Nachmittag fachliche Einblicke durch Apotheker Thorsten Junk, Inhaber der Lahn-Apotheke in Gießen. Seine Apotheke ist ein spezialisierter Partner des Klinikums; eine Fachapothekerin für Onkologie stellt die individuellen Infusionen für die Chemotherapien in Frankenberg her.

In seinem Vortrag legte Junk großen Wert darauf, Vorbehalte gegenüber der medikamentösen Therapie abzubauen. Er erläuterte, wie moderne Begleitmedikamente Nebenwirkungen heute effektiv abmildern können. Ein zentraler Appell galt der Sicherheit: „Vertrauen Sie Ihrem behandelnden Arzt und nicht selbsternannten Internet-Experten“, so Junk. Eindringlich warnte er vor unkontrollierter Selbstmedikation mit frei verkäuflichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln, da diese gefährliche Wechselwirkungen auslösen oder den Therapieerfolg gefährden könnten.

Er erklärte außerdem, wie Mediziner mit einer ausgeklügelten Begleitmedikation Nebenwirkungen reduzieren und den Therapieverlauf engmaschig kontrollieren. Bei starken oder ungewöhnlichen Nebenwirkungen melden sich Ärzte beim Apotheker, um gemeinsam das weitere Vorgehen abzustimmen und bei Bedarf alternative Medikamente zu finden. Bei Bedarf vermittelt die Chemo-Ambulanz in Frankenberg Patientinnen zudem den direkten Kontakt zur Fachapothekerin für Onkologie.

Einfache Hausmittel mit großer Wirkung

Apotheker Junk betonte, dass Patientinnen bereits mit einfachen Mitteln viel erreichen können, ohne dafür eine Apotheke aufsuchen zu müssen. Als Empfehlung nannte er Leinöl aufgrund seines hohen Anteils an α-Linolensäure, um Entzündungen im Körper entgegenzuwirken. Für die Pflege der Mundschleimhaut empfahl er Spülungen mit Olivenöl, die beruhigend auf Irritationen wirken. Zur Vorbeugung gegen Übelkeit riet er zu regelmäßigen kleinen Mahlzeiten und einer ausreichenden Trinkmenge. Besonders wichtig sei zudem, verordnete Medikamente gegen Übelkeit (Antiemetika) strikt nach Zeitplan einzunehmen, um Symptome von Beginn an wirksam auszubremsen. Im Anschluss nahm sich Junk Zeit, um auf individuelle Fragen der Gäste einzugehen.

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