WILLINGEN. Mit der miesen Masche des falschen Bankmitarbeiters hat ein Betrüger die Bankkarten samt PIN von zwei Seniorinnen erbeutet. Dank aufmerksamer Angehöriger eines der Opfer, die den Täter nach der Abholung einer Karte unauffällig verfolgten und seinen Standort fortlaufend an die Polizei übermittelten, konnte der Mann schließlich am Bahnhof in Korbach festgenommen werden.
Nach bisherigen Erkenntnissen erbeutete der Täter am Donnerstagnachmittag, 6. August 2026, zunächst einen hohen dreistelligen Betrag von einer Seniorin. An ihrer Haustür täuschte er eine akute Notlage vor und brachte die völlig überrumpelte Frau auf diese Weise dazu, ihm ihre Bankkarte sowie die dazugehörige PIN auszuhändigen. Mit der Karte hob er anschließend den Geldbetrag ab.
Danach begab sich der Täter zur Wohnung einer weiteren Rentnerin. Zuvor hatte er die Frau angerufen und sich als Mitarbeiter ihrer Hausbank ausgegeben. Durch geschickte Gesprächsführung machte er ihr weis, dass offenbar unberechtigte Abbuchungen von ihrem Konto stattfinden sollten. Um dem nachzugehen, benötige er die Bankkarte und die dazugehörige PIN.
Noch während des Telefonats klingelte der Mann an der Tür der Seniorin, stellte sich als Bankmitarbeiter vor und nahm die Bankkarte der Frau entgegen.
Im Nachbarhaus wohnende Angehörige des Opfers sahen zufällig, wie der Mann das Haus verließ, und wurden misstrauisch. Nachdem sie die Rentnerin auf den jungen Mann angesprochen hatten, erfuhren sie, dass dieser soeben in den Besitz ihrer Bankkarte gelangt war.
Sofort stieg das Ehepaar ins Auto und suchte nach dem Verdächtigen. Wenig später entdeckten die Angehörigen den 19-Jährigen und folgten ihm unauffällig, bis er in einen Bus stieg. Zeitgleich informierten sie die Polizei in Korbach über den Sachverhalt und übermittelten eine detaillierte Personenbeschreibung sowie den aktuellen Aufenthaltsort des Tatverdächtigen.
Anschließend folgten die Angehörigen dem Bus bis nach Willingen-Usseln und beobachteten, wie der junge Mann dort in einen Zug nach Korbach stieg. Aufgrund der guten Täterbeschreibung und der fortlaufenden Standortmeldungen konnte der 19-Jährige schließlich bei der Ankunft des Zuges in Korbach von hinzugeeilten Streifen der Polizeistation Korbach festgenommen werden.
Bei der Durchsuchung des Mannes fanden die Beamten eine der erbeuteten Bankkarten sowie das offenbar damit abgehobene Bargeld und stellten beides sicher. Wegen Betruges in zwei Fällen muss sich der 19 Jahre alte Mann aus dem Hochsauerlandkreis nun verantworten. Ermittlungen gegen ihn und mögliche Komplizen dauern an. (pnd/r)
Tipps der Redaktion
Damit Betrüger mit solchen Maschen möglichst keine Chance haben, rät die Redaktion zu besonderer Vorsicht:
- Bankkarten, PIN oder Zugangsdaten niemals an unbekannte Personen herausgeben – auch dann nicht, wenn sich jemand als Bankmitarbeiter ausgibt.
- Bei angeblich dringenden Problemen mit dem Konto das Gespräch beenden und die eigene Bank über eine bekannte Telefonnummer selbst kontaktieren.
- Niemanden unter Zeitdruck zu Entscheidungen drängen lassen. Gerade ungewöhnlich hektische oder dramatische Geschichten sollten misstrauisch machen.
- Bankmitarbeiter benötigen an der Haustür keine PIN und nehmen normalerweise auch nicht unangekündigt Bankkarten zur „Überprüfung“ mit.
- Angehörige älterer Menschen sollten solche Betrugsmaschen regelmäßig ansprechen und deutlich machen, dass bei Unsicherheit jederzeit nachgefragt werden kann.
- Kommt einem eine Situation verdächtig vor, sollte möglichst frühzeitig die Polizei verständigt werden. Personenbeschreibung, Fluchtrichtung oder Fahrzeugdaten können dabei wichtige Hinweise liefern.
- Wurde eine Bankkarte bereits herausgegeben, sollte sie schnellstmöglich über die Bank gesperrt und anschließend die Polizei informiert werden.
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