DACHSLOCH. Dramatisches Übungsszenario am Freitagnachmittag für die Einsatzkräfte Wittgensteiner und hessischer Feuerwehren: Ein Bauernhof brennt, Kinder werden vermisst, Tiere sind in Gefahr. Das war die Ausgangsmeldung, mit der die Einsatzkräfte des Löschzuges Elsofftal und der Löschgruppen Bromskirchen und Somplar ins Dachsloch geschickt wurden. Tim Kessler von der Feuerwehr Bromskirchen hatte diese länderübergreifende Übung ausgearbeitet. Allendorfs Gemeindebrandinspektor Christian Henkel-Strieder erklärte vor Ort den Sinn: "Es gibt jedes Jahr eine grenzüberschreitende Übung der Kameraden aus dem Elsofftal und der Feuerwehren aus Bromskirchen und Somplar. Das wird immer im Wechsel von unserer Seite, oder von Wittgensteiner Seite ausgerichtet". Gerade der hessische Weiler Dachsloch ist dabei ein anspruchsvoller Übungsort: "Zwar gibt es eine Löschwasserzisterne mit etwa 15.000 Litern Löschwasser, aber das kann im Ernstfall auch knapp werden. Hier müssen wir etwas tun", erklärte Christian Henkel-Strieder vor Ort. Er machte auch deutlich, dass die Höfe in dem abgelegenen Bergdorf sehr exponiert liegen und eine Anfahrt dort entsprechend lange Zeit in Anspruch nimmt. Da ist man froh, die Bewohner des Dachslochs von beiden Seiten, auch aus dem unmittelbar angrenzenden Wittgenstein, bedienen zu können.
Zusammenarbeit über Bundesländer hinweg
Wie gut die Zusammenarbeit der Feuerwehren funktioniert, wurde am Freitag deutlich: Während die Kräfte aus Bromskirchen und Somplar unter schwerem Atemschutz, den sie bereits während der Anfahrt angelegt hatten, sofort zur Menschenrettung und zur Tierrettung in die brennende Scheune vorgingen, bauten die Wittgensteiner Kameraden eine Wasserversorgung von den Tanklöschfahrzeugen und der Zisterne aus auf. Dabei wurde den Feuerwehrkräften durch die Besitzerin der Tiere und die Mutter der vermissten Kinder gleich zu Beginn der Übung richtig Druck gemacht. Mit Überzeugung spielte die Frau beim Eintreffen der ersten Kräfte eine besorgte Hofbesitzerin und Mutter, die den Feuerwehrleuten laut schreiend entgegenrannte, sie an der Jacke zog und um Hilfe für ihre Kinder und Tiere flehte. Trotz der durchaus realistischen Darstellung, die Tim Kessler sich überlegt hatte, blieben die Feuerwehrleute souverän und ruhig. Sie bereiteten den Innenangriff sehr schnell und routiniert vor und erklärten der aufgelösten Frau währenddessen, dass sie alles tun würden, um zu helfen. Dass sie zuerst nach den Kindern und dann nach den Tieren schauen würden.
Tierrettung als Übungsteil
Zusätzlich erschwert wurde der Einsatz bei sengender Hitze durch tatsächliche Tiere, die sich genau im und am Übungsobjekt befanden: Enten, Gänse, Pferde, Esel und Hühner, die sich direkt vor der Scheune aufhielten, mussten von den Einsatzkräften in Schach gehalten und in eine angrenzende Freifläche getrieben werden. Mit langen Besen als Barriere und gutem Zureden der Einsatzkräfte gelang diese Aufgabe gut und auch schnell. Anspruchsvoller wurde es für die Atemschutzgeräteträger: Diese mussten in der verrauchten Scheune, in der sich weitere Pferde, Schweine und Hasen befanden, nach den vermissten Kindern suchen. Dazu nutzten die Kräfte eine Wärmebildkamera, um im dichten Rauch Menschen am Boden erkennen zu können. Drei Kinder der Bromskirchener Jugendfeuerwehr hatte Tim Kessler im verwinkelten Bau verstecken lassen. Diese mussten die Atemschutzgeräteträger ins Freie geleiten oder tragen und dort an andere Kräfte übergeben. Schließlich mussten auch die beiden Pferde, die für die Übung extra in der Scheune angebunden worden waren, ins Freie geleitet werden. Für die Feuerwehrleute, die vielleicht selbst gar keine Großtiere besitzen, sicher eine besondere Herausforderung, noch dazu unter schwerem Atemschutz. Doch die Pferde waren auf der Seite der Einsatzkräfte und gingen mit ihnen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Das laute Schnaufen unter den Masken, die fremden Personen, die Unruhe im Allgemeinen und das ungewöhnliche Aussehen der Atemschutzträger störte die Tiere nicht.
Nachdem alle Tiere ins freie gebracht waren und auch alle vermissten Kinder aus der brennenden Scheune geholt worden waren, konnten die Kameraden sich schließlich dem Löschangriff und auch dem Erhalt des direkt angrenzenden Wohnhauses widmen. Auch dies gelang hervorragen und lief bereits parallel zur Menschen- und Tierrettung. Dabei galt es nicht nur, nach Glutnestern zu suchen, sondern auch einen Löschangriff mittels Wasserwerfer vom Tanklöschfahrzeug aus Alertshausen durchzuführen, oder im angrenzenden Bereich eine Acetylengasflasche zu kühlen. Wertvolle Dienste brachte dabei auch die Löschwasserzisterne, von der aus die Feuerwehr Wunderthausen mit ihrem Fahrzeug und einer speziellen Tragkraftspritze die Löschwassereinspeisung der Fahrzeuge und Einsatzkräfte vor Ort sicherstellte.
Nach etwa einer Stunde konnte die Übung beendet werden und alle Aufgaben waren von den Feuerwehrleuten gelöst worden. Im Anschluss an die Übung waren die Kameraden zu Essen und Getränken in der Jause Dachsloch eingeladen, zu der auch die beübte Scheune gehörte.








