BIELEFELD / MARSBERG / LICHTENAU / DIEMELSTADT. Eine verheerende Serie von insgesamt 18 Glätteunfällen infolge von plötzlichem Blitzeis hat auf der Autobahn 44 zwischen der Anschlussstelle Diemelstadt und dem Kreuz Wünnenberg-Haaren ein kilometerlanges Trümmerfeld hinterlassen und drei Menschenleben gefordert.
Gemeldet wurde der erste folgenschwere Zusammenstoß gegen 01.30 Uhr am Freitag (23. Januar 2026) in Fahrtrichtung Dortmund, als ein 48-jähriger Bielefelder mit einem 3,5-Tonnen-Lkw auf einen am Seitenstreifen abgestellten Sattelauflieger auffuhr. Infolge der massiven Kollision geriet der mit Papier beladene Sattelzug unmittelbar in Vollbrand, wobei der 48-jährige Fahrer des auffahrenden Lastwagens noch an der Unfallstelle verstarb.
Hinzugezogen wurden nach der ersten Alarmierung um 01.45 Uhr zunächst Feuerwehren aus dem Stadtgebiet Warburg, da der brennende Lkw in Fahrtrichtung Kassel gemeldet worden war. Einheiten der Feuerwehr Marsberg folgten um 02.15 Uhr mit der Alarmierung in Fahrtrichtung Kassel, um die Brandbekämpfung und Absicherung zu unterstützen.
Ereignet hat sich ein weiterer tragischer Unfall gegen 02.30 Uhr ebenfalls in Fahrtrichtung Kassel, bei dem zwei weitere Personen ihr Leben verloren. Ein Lkw-Fahrer beabsichtigte, vom rechten auf den linken Fahrstreifen zu wechseln, um einen in Schrittgeschwindigkeit fahrenden Pkw zu überholen, wobei der Lastwagen zunächst den Pkw leicht touchierte und anschließend auf dem linken Fahrstreifen auf einen anderen Lkw aufprallte. In dem auffahrenden Fahrzeug, das zunächst fälschlicherweise als Pkw gemeldet worden war, erlitten der 60-jährige Fahrer und sein 63-jähriger Beifahrer – beide italienische Staatsangehörige – tödliche Verletzungen.
Spiegelglatte Fahrbahnen auf der Autobahn sowie auf den Zufahrtswegen über Essentho, Meerhof und Oesdorf erschwerten die Anfahrt der Rettungskräfte massiv und machten das Vordringen zu den 18 Unfallstellen zeitweise extrem schwierig. Insgesamt forderte die Unfallserie neben den drei Todesopfern laut Polizei elf Leichtverletzte, während die Feuerwehr von insgesamt 18 Verletzten berichtet, die durch den leitenden Notarzt und den organisatorischen Leiter Rettungsdienst des Kreises Höxter gesichtet und auf Krankenhäuser verteilt wurden.
Sicherung der Einsatzstelle sowie die Brandbekämpfung hatten für die Feuerwehr und den Rettungsdienst oberste Priorität. Zur Brandbekämpfung wurde mit Tanklöschfahrzeugen ein Pendelverkehr eingerichtet, während mehrere Trupps unter Atemschutz gegen die Flammen des brennenden Lastwagens vorgingen.
Errichtet haben die Hilfsorganisationen wie das DRK aus Brilon und Warburg sowie die Johanniter aus Altenbeken Wärmezelte direkt auf der Fahrbahn, um die im Stau stehenden Menschen zu versorgen. Insgesamt 720 Mahlzeiten sowie Heißgetränke wurden im Verlauf des Einsatzes an Betroffene und Einsatzkräfte ausgegeben.
Unterstützung bei der Erkundung des unübersichtlichen Trümmerfeldes lieferte zudem eine Fachgruppe Drohne, deren Bilder wertvolle Hilfe bei der Koordination der zahlreichen beteiligten Fahrzeuge leisteten. Aus dem ZFR Meschede rückte zusätzlich ein Sonderfahrzeug für umfangreiche technische Rettung an, um die komplexen Bergungsmaßnahmen zu unterstützen.
Geborgen werden mussten die drei Verstorbenen schließlich durch die Feuerwehr unter Einsatz von hydraulischem Rettungsgerät. Parallel dazu kümmerten sich Polizeibeschäftigte um Zeugen und Angehörige, wobei auch ein Team der Psycho-Sozialen-Notfallversorgung (PSNV) für die Betreuung nachgefordert wurde.
Ableitungen im Bereich der Anschlussstelle Diemelstadt und am Kreuz Wünnenberg-Haaren sorgten für eine weiträumige Umfahrung des gesperrten Abschnitts. Während die Fahrbahn in Richtung Dortmund gegen 17.10 Uhr wieder komplett freigegeben werden konnte, dauerten die intensiven Arbeiten in Fahrtrichtung Kassel bis in den späten Nachmittag an.
Beteiligt waren an den umfangreichen Maßnahmen zudem die untere Wasserbehörde, die Straßenmeisterei mit speziellen Reinigungsfahrzeugen sowie kommunale Streudienste auf den Zuwegen. Spezialfirmen mit Kränen und Baggern unterstützten die Einsatzkräfte bei der Bergung der teils umgestürzten oder überschlagenen Lkw.
Geleitet wurde der über 14 Stunden dauernde Großeinsatz vom stellvertretenden Wehrleiter Michael Hüwel und Wehrleiter Cyrill Stute, wobei insgesamt 50 Einsatzkräfte der Marsberger Einheiten aus Meerhof, Essentho, Oesdorf, Westheim, Giershagen, Marsberg und Leitmar vor Ort waren.
Aktuell dauern die Ermittlungen der Unfallaufnahme-Teams aus Bielefeld und Münster an, wobei Zeugen gebeten werden, sich unter dem Hinweistelefon 0521-545 5149 zu melden. (ots/r & Fw Marsberg)







