Schlag gegen Kindesmissbrauch

Mittwoch, 21. Januar 2026 09:38 geschrieben von  Michael Fränkel
Beamte der hessischen Polizei stellten bei den Durchsuchungen zwischen dem 12. und 16. Januar 2026 über 400 Datenträger als Beweismittel sicher. Beamte der hessischen Polizei stellten bei den Durchsuchungen zwischen dem 12. und 16. Januar 2026 über 400 Datenträger als Beweismittel sicher. Foto: Symbolfoto / KI-generiert

WIESBADEN. Hessische Strafverfolgungsbehörden setzen ihren Einsatz zur Bekämpfung von Kindes- und Jugendmissbrauch sowie kinder- und jugendpornografischer Inhalte konsequent fort.

In der vergangenen Woche fand zwischen Montag und Freitag (12. bis 16. Januar 2026) die erste Schwerpunktmaßnahme des Jahres statt. Ermittlerinnen und Ermittler der Polizei durchsuchten im Auftrag der hessischen Staatsanwaltschaften insgesamt 68 Wohnungen und Häuser, wobei das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) den Einsatz koordinierte. Über 400 Datenträger konnten im Rahmen dieser Maßnahmen, die sich gegen 65 Beschuldigte richteten, sichergestellt werden.

Beschuldigte Personen – allesamt Männer – sind zwischen 14 und 72 Jahre alt. Ihnen wird überwiegend die Herstellung, der Besitz und die Verbreitung von Kinder- und Jugendpornografie zur Last gelegt. In 15 Fällen steht zudem der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von unter 18-Jährigen im Raum. Nach jetzigem Stand der Ermittlungen stehen die Beschuldigten untereinander nicht im Austausch.

Knapp zehn Beschuldigte mussten die Beamtinnen und Beamten im Anschluss an die Wohnungsdurchsuchungen zwecks Vernehmung auf die nächstgelegene Dienststelle begleiten. Ein Haftbefehl wurde vollstreckt. Umfangreiche Beweismittel wurden sichergestellt, darunter 405 Speichermedien aller Art. Diese Datenträger werden nun ausgewertet, kriminalistisch bewertet und auf weitere Ermittlungsansätze geprüft.

Durchsuchungsmaßnahmen fanden in den Städten Darmstadt, Frankfurt am Main, Gießen, Hanau, Kassel und Wiesbaden statt. Zudem waren die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Fulda, Gießen, Groß-Gerau, Hersfeld-Rotenburg, Hochtaunus, Kassel, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Main-Kinzig, Main-Taunus, Marburg-Biedenkopf, Offenbach, Odenwald, Rheingau-Taunus, Schwalm-Eder, Vogelsberg, Waldeck-Frankenberg und Wetterau betroffen. Jeweils eine Maßnahme wurde zudem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen durchgeführt.

Zur Bekämpfung, Verfolgung und Aufklärung von Sexualstraftaten zum Nachteil Minderjähriger wurde vor über fünf Jahren bei der hessischen Polizei die Einheit „FOKUS“ (Fallübergreifende Organisationsstruktur gegen Kinderpornografie Und Sexuellen Missbrauch von Kindern) gegründet. Über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören dieser Ermittlungseinheit inzwischen an. Hinweise, die von ihnen bearbeitet werden, erreichen sie auf verschiedenen Wegen:

  • Beispielsweise erstatten Bürgerinnen oder Bürger Anzeige(n) auf Polizeirevierien oder über die Online-Wache auf der Homepage der hessischen Polizei.

  • Teilweise entwickeln sich aus bereits laufenden Verfahren Folgeverfahren.

  • In den meisten Fällen erhalten die hessischen Ermittlerinnen und Ermittler jedoch Hinweise von Internetdienstleistern oder der US-amerikanischen Organisation NCMEC (National Center for Missing and Exploited Children), die von Internetprovidern über Missbräuche im Zusammenhang mit Kinder- und Jugendpornografie oder sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen informiert wird.

Amerikanische oder in Amerika tätige Netzbetreiber sind verpflichtet, mögliche strafbare Inhalte an NCMEC zu melden. NCMEC schickt die Daten weiter in die Länder, in Deutschland an das Bundeskriminalamt, von wo aus sie an die Polizeien der Bundesländer weitergeleitet werden. In Hessen lag die Zahl der NCMEC-Meldungen im vergangenen Jahr bei 4290 Fällen. Eine spezielle Stelle im HLKA mit 29 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kontrolliert diese Meldungen darauf, ob ein Kind akut real missbrauchsgefährdet ist und direkter Handlungsbedarf besteht.

Einheiten wie „FOKUS“ sind seit Februar 2024 fester Bestandteil der Regelorganisation der sieben hessischen Polizeipräsidien und des HLKA. Mit dem Ziel, polizeiliche Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in Hessen zu bündeln und zu intensivieren, verfolgt die hessische Polizei mit mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gezielt Sexualstraftaten an Kindern und Jugendlichen. Alleine im vergangenen Jahr wurden über 1600 Durchsuchungsbeschlüsse sowie 48 Haftbefehle gegenüber knapp 1620 Beschuldigten vollstreckt und mehr als 15.400 Datenträger sichergestellt. (ots/r)

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