Alter Christoph 7 zu neuem Leben erweckt

Mittwoch, 15 Mai 2013 20:09 geschrieben von

KASSEL. Neuer Einsatz für einen alten Rettungshubschrauber: Die Originalmaschine, die seit 1976 als Christoph 7 zigtausendfach zu lebensrettenden Einsätzen auch in Waldeck-Frankenberg startete, soll künftig als mobiles Museumsstück am Boden die Geschichte(n) der Luftrettung für jedermann erlebbar machen. Premiere feiert die von vielen Händen ehrenamtlich restaurierte BO 105 beim Hessentag in Kassel, wo der orangefarbene Helikopter auf dem Ausstellungsgelände der Bundespolizei vor dem Staatstheater stehen wird.

Seit Ende 1974 hebt Christoph 7 vom Dach des Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhauses tagtäglich zu Rettungseinsätzen nach Verkehrs- oder Arbeitsunfällen, nach medizinischen Notfällen oder für akute Verlegungen von Patienten ab. Dabei nutzte die Crew in den ersten Jahrzehnten eine Maschine, die Luftfahrtgeschichte schrieb: Die BO 105 des damaligen Herstellers Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB). Nach etwa anderthalbjähriger Nutzung der ersten Maschine wurde Mitte Juli 1976 eine neue BO in Dienst gestellt.

Wachsende medizinische Ausstattung brauchte Platz
Bis zum Austausch gegen ein Modell mit längerer Kabine - die anwachsende medizinische Ausstattung erforderte mehr Platz - Mitte der 90er Jahre flogen die Kasseler Luftretter mit dem Hubschrauber, der die Kennung D-HDFK trug. Die "DFK", wie Crewmitglieder die alte Maschine kurz nannten, ging zum Hersteller zurück, wurde dort fortan als Trainingsgerät für Piloten und Mechaniker genutzt. Doch weder bei Ärzten und Rettungsassistenten noch bei Piloten und Flugtechnikern der damaligen Bundesgrenzschutz-Staffel Mitte geriet der alte Christoph 7 jemals in Vergessenheit.

Als die Kasseler Luftretter im vergangenen Jahr Wind davon bekamen, dass "ihre" alte Maschine ins Ausland verkauft oder gar verschrottet werden sollte, schaltete sich der Förderverein der Luftrettungsstation Christoph 7 um Vorsitzenden und Notarzt Peter Stahl ein. Der Vorschlag, die "DFK" künftig als Ausstellungsstück bei besonderen Veranstaltungen oder im Kasseler Technikmuseum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, kam bei den Verantwortlichen des MBB-Nachfolgeunternehmens Eurocopter gut an. Nach entsprechenden Verhandlungen holte man den Hubschrauber per Tieflader "nach Hause".

"Im jämmerlichen Zustand"
"Als sie kam, war sie in einem jämmerlichen Zustand", berichtet Rainer Philipp. Er ist Flugtechniker bei der Bundespolizei in Fuldatal und gehört zu einer Gruppe ehrenamtlicher (Hub-)Schrauber. Seit Februar treffen sich ehemalige und aktive Piloten, Luftfahrzeugtechniker, Notärzte und Rettungsassistenten nach Feierabend, um dem herunter gekommenen Helikopter zu neuem Glanz zu verhelfen. In bislang rund 250 Mannstunden haben die Helfer den Lack aufpoliert oder an einigen Stellen erneuert, Bodenbleche und Schubfächer erneuert, Sitze neu bezogen oder ausgebaute Cockpit-Instrumente wieder aufgetrieben und ersetzt. "Da zählte vor allem eines: Kontakte, Kontakte, Kontakte", berichtet Rainer Philipp.

Zahlreiche Teile für die Maschine habe man für diesen außergewöhnlichen Zweck kostenlos von verschiedenen Firmen der Branche zur Verfügung gestellt bekommen. Die kleinen Beulen und Macken, die der alte Christoph 7 hat, sollen jedoch bleiben: "Narben machen ein Gesicht interessant", findet Techniker und Co-Pilot Philipp, "man soll doch sehen, dass die Maschine geflogen ist".

"Wollen Eindruck erwecken, wir könnten zum Einsatz starten"
Um der BO 105 auch in der Kabine das alte Rettungshubschrauber-Flair wieder einzuhauchen, "haben wir zum Beispiel ausgemusterte Absaugpumpen und andere medizinische Geräte der damaligen Zeit vom Rot-Kreuz-Krankenhaus bekommen", schildert Uwe Baumert, Pilot und Schatzmeister des Fördervereins. Ziel der intensiven Restaurierung soll es laut Flugtechniker Philipp nämlich sein, möglichst authentisch zu sein und beim Betrachter den Eindruck zu erwecken, "wir könnten mit dem Hubschrauber sofort zum nächsten Rettungseinsatz starten". Zu diesem Eindruck sollen auch die Wappen, Schriftzüge oder Symbole von verschiedenen Hilfsorganisationen verhelfen, die einst an der Maschine angebracht waren. Ein Kollege aus dem Lager habe eine ganze Kiste mit original Aufklebern zur Verfügung gestellt. "Das war wie Weihnachten", sagt Rainer Philipp mit einem Funkeln in den Augen.

Für den aus dem Schwalm-Eder-Kreis stammenden Flugtechniker ist "das hier wie mein Baby geworden" - und seine Kollegen Willi Fischer, Rudi Krainer und Gunther Schulte-Hiltrop hat die Restaurierung des einstigen Christoph 7 ebenfalls völlig in den Bann gezogen. Beim Schrauben in einer Halle der Bundespolizei-Fliegerstaffel sprechen sie über alte Zeiten und freuen sich, einen Teil davon in die Gegenwart hinüber zu retten. Das sind sie nicht nur allen an der Luftrettung Interessierten schuldig, sondern vor allem auch "ihrem" alten Hubschrauber: "Er hat viel Gutes getan und viele Leben gerettet, jetzt tun wir ihm was Gutes und helfen ihm wieder auf die Beine", lautet die Mission.

Einmalig in Deutschland
Schon heute fiebern die Männer vom BO-Schrauberteam dem 13. Juni entgegen: Dann nämlich wird der fertige "Oldtimer" per Tieflader durch die Kasseler Innenstadt zum Theatervorplatz gebracht, wo der Förderverein des Rettungshubschraubers gemeinsam mit der Bundespolizei-Fliegerstaffel vertreten ist. Die restaurierte BO 105 wird dann neben aktuellen Hubschraubern stehen und während des Hessentags zu bestaunen sein. "Dass ein ehemaliger Rettungshubschrauber eine neue Funktion als Ausstellungsstück bekommt, ist in Deutschland einmalig", sagt Rainer Philipp, "das hat es noch nicht gegeben".

Vielfältige Verwendungsmöglichkeiten
Für Fördervereins-Vorsitzenden Peter Stahl wird der restaurierte Helikopter weit über den Aha-Effekt beim Hessentag hinauswirken. So soll das künftige Ausstellungsstück nicht nur im Technikmuseum stehen, sondern Crewmitgliedern als Trainingsgerät zur Verfügung stehen. "Wer in der BO 105 bei beengten Platzverhältnissen unter Verwendung aktueller medizinischer Geräte trainiert, wird in unserer aktuellen Maschine vom Typ EC 135 hervorragend arbeiten können", sagt Stahl, der selbst seit vielen Jahren in der Luftrettung tätig ist. Nicht zuletzt soll die "DFK" dem Förderverein als exklusive Informationsplattform dienen und bei Tagen der offenen Tür von Krankenhäusern, Rettungsdiensten oder Feuerwehren ausgestellt werden.

Noch fehlt Transportanhänger
Um den Transport der etwa 1200 Kilogramm schweren Maschine künftig zu bewerkstelligen, benötigt der Förderverein noch einen geeigneten Anhänger. "Den wollen und können wir aber nicht von den Spenden und Förderbeiträgen der Vereinsmitglieder bezahlen", unterstreicht der Vorsitzende. Schließlich dient das Vereinskapital ausschließlich der Förderung der aktiven Luftrettung. Daher sucht der Verein nun Personen und Firmen, die eigens für die Anschaffung des Transportanhängers spenden.


Weitere Informationen gibt es unter folgender Kontaktadresse:
Förderverein der Luftrettungsstation „Christoph 7“ Kassel e.V.,
Hansteinstraße 29, 34121 Kassel, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Homepage Christoph 7

Letzte Änderung am Donnerstag, 16 Mai 2013 08:48

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