BAD WILDUNGEN / SCHWALMSTADT. Der Bedarf an qualifizierten Pflegefachkräften ist hoch – gleichzeitig stellen familiäre Verpflichtungen für viele Interessierte eine Hürde auf dem Weg in den Beruf dar. Um neue Zielgruppen für die Pflege zu gewinnen, hat das Asklepios Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe Nordhessen erstmals einen Ausbildungskurs in Teilzeit angeboten. Zehn Absolventinnen erhielten nun ihre Abschlusszeugnisse in Bad Wildungen.
Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die neben einer Ausbildung familiäre Verpflichtungen wie Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen bewältigen müssen. Mit dem Teilzeitmodell hat das Asklepios Bildungszentrum einen neuen Weg eingeschlagen, um diesen Personengruppen den Zugang zum Pflegeberuf zu erleichtern. Während die reguläre Ausbildung drei Jahre dauert, wurde sie im Teilzeitformat bei identischen Inhalten auf vier Jahre gestreckt. Dadurch konnte die wöchentliche Ausbildungszeit auf 30 Stunden reduziert werden.
Der Unterricht und die Praxiseinsätze fanden in einem festen Zeitfenster zwischen 8 und 14 Uhr statt, die Wochenenden blieben grundsätzlich frei, und die Urlaubszeiten orientierten sich an den Schulferien. Der erste Kurs setzte sich ausschließlich aus Müttern im Alter zwischen 27 und 48 Jahren zusammen.
„Wir haben hier mit einer sehr zielorientierten und reflektierten Gruppe gearbeitet“, resümiert Mirna Schötteldreier, stellvertretende Bereichsleitung Pflegeausbildung, die den Kurs in der zweiten Hälfte von Ingrid Ast-Eubel übernommen hatte.
Die praktische Ausbildung absolvierten einige Teilnehmerinnen an den Asklepios Kliniken Bad Wildungen und andere am Asklepios Klinikum Schwalmstadt. Dabei gab es besondere organisatorische Anforderungen, etwa bei der Integration in die bestehenden Stationsabläufe. Dennoch gelang es den Teilnehmerinnen schnell, sich in die Teams zu integrieren.
„Sie wurden auf den Stationen sehr geschätzt, insbesondere aufgrund ihrer Lebenserfahrung, ihrer Reife und ihres ganzheitlichen Blicks“, beschreibt Ast-Eubel den Unterschied zu den für gewöhnlich jüngeren Auszubildenden.
Im Rahmen gemeinsamer Seminarformate entwickelte sich eine gefestigte Lerngemeinschaft. Zudem zeichnete sich der Kurs durch eine hohe Diskussionsbereitschaft und einen intensiven fachlichen Austausch aus. Ergänzt wurde die Ausbildung durch verschiedene Exkursionen und praxisnahe Lernformate, darunter eine Klassenfahrt nach Marburg sowie Besuche von Fachinstitutionen und außerschulischen Lernorten. Ein weiterer zentraler Bestandteil war das Projekt „Auszubildende leiten eine Station“, das gemeinsam mit Teilnehmenden der Vollzeitausbildung durchgeführt wurde.
Bei der Zeugnisübergabe zeigten sich die Absolventinnen stolz und erleichtert über den erfolgreichen Abschluss. Auch Lehrkräfte und Praxisanleitende ziehen eine positive Bilanz des erstmalig durchgeführten Teilzeitkurses. Einigkeit besteht darin, dass dieses Ausbildungsmodell neue Zielgruppen für den Pflegeberuf erschließt.
„Nur so erreichen wir Menschen, die aufgrund familiärer Verpflichtungen sonst keine Möglichkeit hätten, eine Ausbildung zu absolvieren“, lautet das Fazit aller Beteiligten. So sieht es auch Ulrich Barckhausen, der abschließend betont: „Wir freuen uns sehr, dass rund zwei Drittel der Absolventinnen in unseren nordhessischen Kliniken bleiben. Ohne die Entscheidung für eine Teilzeitausbildung hätten wir diese qualifizierten Fachkräfte nicht gewinnen können.“
Erfolgreich die Ausbildung zur Pflegefachfrau absolvierten Asiyeh Alizadehafifi, Alaa Aljazzar, Bayan Almouazin, Tereza Babayan, Katharina Becker, Lydia Binjos, Angele-Saskia Kuhlewey, Bianca Mombrei, Mandy Pötter und Adrienne Yurt.








