Zwei Ärzte in Bad Arolsen gehen in den Ruhestand

Samstag, 04. April 2026 13:23 geschrieben von  Michael Fränkel
Mit Cornelia Klute-Pfitzner und Dr. Peter Dravoj verabschiedet das Krankenhaus Bad Arolsen zwei langjährige Ärzte in den Ruhestand. Mit Cornelia Klute-Pfitzner und Dr. Peter Dravoj verabschiedet das Krankenhaus Bad Arolsen zwei langjährige Ärzte in den Ruhestand. Foto: Gesundheit Nordhessen Holding AG

BAD AROLSEN. Mit Cornelia Klute-Pfitzner und Dr. Peter Dravoj verabschiedet das Krankenhaus Bad Arolsen in diesem Jahr zwei prägende ärztliche Persönlichkeiten in den Ruhestand. Während die Chirurgin nach 23 Jahren am Haus aufhört, blickt der Oberarzt der Inneren Medizin auf 35 Jahre Tätigkeit in Bad Arolsen zurück.

„Die Chirurgie ist mein Handwerk“

Einen einfachen Weg hat Cornelia Klute-Pfitzner nie gesucht. Die 67-jährige Chirurgin, die in diesem Jahr nach 23 Jahren am Krankenhaus Bad Arolsen in den Ruhestand geht, hat ihren Weg stets selbst gestaltet: als Mutter, als Frau in einem männerdominierten Fach und als Ärztin mit einem ungewöhnlich breiten Spektrum.

Aufgewachsen in Lütersheim bei Volkmarsen, legte die Familie früh den Grundstein für Cornelia Klute-Pfitzners Eigenständigkeit. Auf Wunsch der Eltern absolvierten sie, ihre zwei Schwestern und ihr Bruder zunächst eine Berufsausbildung, bevor sie studieren durften. Sie erlernte in Köln den Beruf der Medizinisch-Technischen Radiologieassistentin, bevor sie das Medizinstudium in Köln und Bonn aufnahm und später nach Marburg wechselte. Mitten ins Studium fiel die Geburt ihres Sohnes – von da an war die angehende Ärztin studierende und später berufstätige Mutter, nahezu durchgängig in Vollzeit. Ihre eigene Mutter stand ihr dabei verlässlich zur Seite und übernahm, wenn nötig, die Betreuung des Enkels.

Als Frau in die Chirurgie

1988 schloss Cornelia Klute-Pfitzner ihr Studium ab, 1989 absolvierte sie ihr Praktisches Jahr an den Städtischen Kliniken Kassel, dem heutigen Klinikum Kassel. Ursprünglich hatte sie die Gynäkologie im Blick – doch eine freie Stelle ließ auf sich warten. Die junge Medizinerin entschied sich anders: für die Chirurgie. Die Chirurgie sei ihr Handwerk gewesen und habe ihr von Beginn an am meisten Spaß gemacht. Eine Entscheidung, die sie nie bereut hat.

In einem Fach, das lange von Männern dominiert wurde, behauptete sie sich durch Kompetenz, freundliche Durchsetzungsfähigkeit und eine breite operative Ausbildung. Ihr Berufsweg führte sie durch verschiedene Kliniken in Hessen und Nordrhein-Westfalen, bevor sie 2003 an das Krankenhaus Bad Arolsen kam.

Vielseitigkeit als Stärke

Ihre chirurgische Ausbildung reichte von der Unfall- und orthopädischen Chirurgie bis hin zu viszeralchirurgischen Eingriffen. Am Krankenhaus Bad Arolsen entwickelten sich in enger Abstimmung mit dem Team die Unfallchirurgie sowie die Hand- und Fußchirurgie zu ihren Schwerpunkten – ergänzt durch Zusatzqualifikationen in Sportmedizin und Reisemedizin. Geschäftsführer Nikolai Dippel betonte, Cornelia Klute-Pfitzner habe stets höchste Professionalität mit echtem Interesse an neuen Methoden verbunden. Für Patientinnen, Patienten und das Team sei sie gleichermaßen eine nahbare und sehr gefragte Ansprechpartnerin gewesen. Für 23 Jahre am Krankenhaus gelte ihr großer Dank.

Ein Team, das trägt

Besonders am Herzen lag der Chirurgin die Gemeinschaft im Krankenhaus. Die gemeinsamen Jahre, der kollegiale Austausch und das gegenseitige Vertrauen haben ihre Zeit in Bad Arolsen geprägt. Teamarbeit verstand die Oberärztin nicht als Pflicht, sondern als Grundlage guter Medizin – und als das, was einen langen Berufsweg erst wirklich trägt.

Neue Wege im Ruhestand

Mit ihrem Mann möchte Cornelia Klute-Pfitzner das Reisen per Wohnmobil ausprobieren und die Welt auf eigene Faust erkunden. Als dreifache Oma plant sie, sich ehrenamtlich in der Kita ihrer Enkelkinder zu engagieren. Und auch das Seniorenheim, in dem ihre inzwischen verstorbene, zuvor an Demenz erkrankte Mutter gelebt hat, möchte sie künftig unterstützen.

Nach Jahrzehnten in einem Beruf, der viel fordert, blickt die Ärztin zurück und gleichzeitig nach vorn. Die Welt habe sich in den letzten Jahren sehr verändert. Technik könne ein wichtiges Hilfsmittel sein, aber menschliche Kontakte nicht ersetzen. Wenn man Technik richtig einsetze, könnten kleine Dinge zu großen Erfolgen ausgebaut werden.

Auch Dr. Peter Dravoj geht nach 35 Jahren als Oberarzt am Krankenhaus Bad Arolsen in den Ruhestand

„Tiefe Dankbarkeit – für den ehrenvollsten aller Berufe“

Eigentlich wollte Dr. Peter Dravoj Dermatologe werden. Dass er nun auf 35 Jahre als Internist und seit 20 Jahren als Gastroenterologe am Krankenhaus Bad Arolsen zurückblickt, verdankt sich einer Verkettung glücklicher Umstände. Am Ende dieses Monats geht der bekannte Oberarzt in den Ruhestand.

Geboren 1958 im fränkischen Fürth und aufgewachsen ab 1964 in Offenbach, legte Peter Dravoj 1976 sein Abitur mit der Note 1,0 ab und begann noch im selben Herbst das Medizinstudium. Es war die Erfüllung eines lang gehegten Berufstraums. Nach dem Staatsexamen 1982, der Promotion im April 1983 sowie 15 Monaten als wehrpflichtiger Truppenarzt startete er seine internistische Facharztausbildung im Evangelischen Krankenhaus Gießen, wo er sich rasch in Endoskopie und Intensivmedizin einarbeitete. 1987 führte ihn die berufliche Stelle seiner späteren Ehefrau nach Nordhessen. Am Marienkrankenhaus Kassel schloss er 1991 die Facharztausbildung für Innere Medizin ab. Noch im selben Jahr folgte er dem Ruf nach Bad Arolsen, wo ihn die Stadt und das Krankenhaus vom ersten Moment an überzeugten.

Ein Arzt für die ganze Breite der Medizin

Was Dr. Peter Dravojs berufliche Tätigkeit in Bad Arolsen geprägt hat, war die Vielfalt. Sonografie und Endoskopie bildeten seinen fachlichen Schwerpunkt, doch auch Intensivmedizin, Kardiologie und Röntgendiagnostik waren ihm nicht fremd. Um seine Kenntnisse auszubauen, erwarb er von 2003 bis 2005 die Facharztanerkennung für Gastroenterologie am Klinikum Kassel und schloss vor zehn Jahren eine Weiterbildung in Hepatologie ab.

Im Umgang mit seinen Patientinnen und Patienten war ihm stets die Verbindung aus theoretischem Wissen, praktischen Fertigkeiten und empathischer Führung wichtig. Geschäftsführer Nikolai Dippel erklärte, Dr. Peter Dravoj verkörpere genau das, was einen Arzt ausmache: medizinische Kompetenz über die gesamte Breite der Inneren Medizin, eine außerordentliche Verlässlichkeit und eine menschliche Zugewandtheit. Für seinen jahrzehntelangen Einsatz für das Krankenhaus Bad Arolsen und die Menschen in der Region sei man ihm zu großem Dank verpflichtet.

Ein Team wie eine zweite Familie

Besonders am Herzen lag Dr. Peter Dravoj das Team. Das Endoteam sei ihm wie eine zweite Familie gewesen. Kinder im ähnlichen Alter, gemeinsame Jahre und ein vertrauensvoller Austausch weit über das Berufliche hinaus prägten diese Zeit.

Seinen Aufgabenbereich – schwerpunktmäßig Endoskopie und gastroenterologische Ambulanz – gibt er in die Hände von Hussein Aljouk, den er drei Monate lang begleitet hat und als ruhigen, freundlichen und kompetenten Kollegen schätzt.

Nach 35 Jahren bedauert Dr. Peter Dravoj, dass das Krankenhaus Bad Arolsen nicht mehr alle Leistungen anbieten kann. Gleichzeitig hat er einen klaren Wunsch für die Zukunft: Die Geriatrie, die jetzt der Schwerpunkt ist, solle weiter ausgebaut werden, damit rehabilitationsfähigen alten Menschen die Chance gegeben werden könne, wieder selbstständig leben zu können. Daneben freue er sich, dass die ambulante fachärztliche Versorgung der hier lebenden Menschen auf dem kardiologischen Sektor durch Dr. Bertolt Linder und auf dem gastroenterologischen Sektor durch Hussein Aljouk aufrechterhalten werden konnte. Zugleich hoffe er sehr, dass auch diese beiden ambulanten Bereiche personell und materiell weiterentwickelt werden können.

Dankbarkeit als Leitmotiv

Im Ruhestand zieht es Dr. Peter Dravoj in die Berge – Wanderungen in der Bergwelt, häufigere Besuche bei seinem Sohn in Innsbruck und mehr Zeit für die Familie stehen an. Leichtathletik, Wasserski und ausgedehnte Fahrradtouren sollen ebenso mehr Raum bekommen wie die Intensivierung lang vernachlässigter Freundschaften. Ob er der Medizin ganz den Rücken kehrt, lässt er bewusst offen.

Was nach 44 Jahren in einem Beruf bleibt, den Dr. Peter Dravoj selbst als den ehrenvollsten aller bezeichnet, ist tiefe Dankbarkeit – für seine Familie, für seine Frau und die beiden Kinder, für Patientinnen und Patienten und natürlich für die Kolleginnen und Kollegen, die ihn akzeptierten und ihn über all die Jahre fachlich und menschlich begleiteten. Nach eigenem Empfinden habe ihm das Leben außerordentlich viel geschenkt.

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