Ignoriertes rotes X: Rettungswagen behindert

Freitag, 20. März 2026 00:42 geschrieben von  Michael Fränkel
Auf der A 5 kam es am 18. März 2026 nach Missachtung des roten „X“ zu einem Unfall mit Rückstau. Auf der A 5 kam es am 18. März 2026 nach Missachtung des roten „X“ zu einem Unfall mit Rückstau. Foto: Polizeipräsidium Mittelhessen

GIEßEN. Das Ignorieren gesperrter Fahrstreifen auf Autobahnen stellt Verkehrsteilnehmer und Polizei immer wieder vor große Herausforderungen. Wird ein Fahrstreifen zum Beispiel wegen Bauarbeiten oder eines Unfalls gesperrt, weisen Wechselverkehrszeichen frühzeitig darauf hin: Zunächst erscheint ein gelber Schrägpfeil, der zum Spurwechsel auffordert, anschließend folgen die roten gekreuzten Schrägbalken – das rote ❌ – als Zeichen für den gesperrten Fahrstreifen.

Nicht selten ist die Baustelle oder Unfallstelle an dieser Stelle noch nicht zu sehen. Trotzdem haben die Anzeigen einen konkreten Zweck: Sie sollen den Verkehr lenken, Gefahren reduzieren und – soweit möglich – den Verkehrsfluss aufrechterhalten. Außerdem schaffen Fahrstreifensperrungen Raum für Rettungsdienst, Feuerwehr und Bergungsfahrzeuge. Staut sich der Verkehr auf dem durch das rote „X“ gesperrten Streifen bis zur Einsatzstelle zurück, fehlt dieser Platz. Das kann die Versorgung von Verletzten und zugleich die Räumung der Unfallstelle deutlich verzögern – aus einem vermeintlichen Vorteil Einzelner wird so ein Nachteil für alle.

Hinzu kommt: Das Befahren eines gesperrten Fahrstreifens ist eine Ordnungswidrigkeit. Kommt es dabei zusätzlich zur Behinderung von Personen, die Hilfe leisten, droht sogar ein einmonatiges Fahrverbot.

Welche Folgen die Missachtung eines gesperrten Fahrstreifens haben kann, verdeutlicht ein Vorfall vom vergangenen Dienstag auf der A 5 bei Friedberg. Gegen 11.20 Uhr war ein 18-Jähriger aus dem Landkreis Celle mit einem Dacia Logan auf dem linken Fahrstreifen aus Richtung Frankfurt in Fahrtrichtung Kassel unterwegs. Wegen Arbeiten der Autobahnmeisterei zeigten die Wechselverkehrszeichen zunächst den gelben Schrägpfeil an, danach wurde der linke Fahrstreifen durch das rote „X“ vollständig gesperrt.

Der Fahrer fuhr dennoch so lange links weiter, bis er auf einen Sperranhänger der Autobahnmeisterei samt Zugfahrzeug auflief. Beim Versuch, dem Sperranhänger auszuweichen und noch auf die mittlere Spur zu wechseln, kollidierte er zunächst mit dem Mercedes Vito eines 42-jährigen Mannes aus Biedenkopf. Durch diese Kollision prallte der Dacia gegen das Zugfahrzeug des Sperranhängers.

Der 18-Jährige sowie sein 15-jähriger Beifahrer mussten leicht verletzt mit Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht werden. Der Fahrer des Mercedes und Arbeiter der Autobahnmeisterei wurden nicht verletzt. Diese befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls nicht in der Nähe des Sperranhängers und des Zugfahrzeugs. Am Dacia entstand Totalschaden. Auf 9000 Euro wird der Gesamtsachschaden geschätzt. Für anderthalb Stunden bildete sich ein fast acht Kilometer langer Rückstau.

Bereits bei der Anfahrt zur Unfallstelle stellten Beamte der Autobahnpolizei fest, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer die Zeichen der Verkehrsbeeinflussungsanlage ignorierten und weiter auf dem gesperrten linken Fahrstreifen fuhren. Sowohl die Streife als auch ein Rettungswagen wurden dabei auf der Anfahrt behindert. Die Autobahnpolizei registrierte insgesamt 72 Verkehrsteilnehmer, die das rote „X“ missachteten. Die Ordnungswidrigkeiten wurden zur Anzeige gebracht. Gegen 28 Fahrer wird wegen des Verdachts der Behinderung von hilfeleistenden Personen ermittelt. (ots/r)

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Zuletzt bearbeitet am Freitag, 20. März 2026 00:52

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