Dreiste Schockanrufe - Gold und Schmuck erbeutet

Dienstag, 24. März 2026 15:01 geschrieben von  Michael Fränkel
Ein angeblicher Staatsanwalt setzte die Korbacher Seniorin massiv unter Druck und forderte zur Abwendung einer Haftstrafe die Herausgabe von wertvollem Gold. Ein angeblicher Staatsanwalt setzte die Korbacher Seniorin massiv unter Druck und forderte zur Abwendung einer Haftstrafe die Herausgabe von wertvollem Gold. Foto: Symbolfoto / KI-generiert

KORBACH. Mit sogenannten Schockanrufen haben dreiste Betrüger in zwei Fällen Schmuck und Gold im Wert von mehreren zehntausend Euro ergaunert. In beiden Fällen erzählten sie den Seniorinnen aus Korbach die Lügengeschichte von einem schweren Unfall von Angehörigen und einer nun angeblich fälligen Kaution, um eine Haftstrafe zu verhindern. Ermittlungen in diesen Fällen hat die Kriminalpolizei Kassel übernommen und sucht nun nach Zeugen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben oder Hinweise auf die Geldabholer geben können. Erneut warnt die Polizei eindringlich vor dieser Betrugsmasche und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Im ersten Fall hatten die Betrüger am Donnerstag, 12. März, gegen 23 Uhr eine Korbacher Seniorin angerufen. Eine weibliche Stimme meldete sich und schrie mit heulender Stimme, dass sie einen schweren Unfall hatte. Anschließend übergab die Anruferin an einen Mann, der sich als „Herr Wachmann“ vom „K 1“ vorstellte. Er schilderte, dass die Tochter der Angerufenen eine junge Mutter von zwei Kindern überfahren habe und anschließend geflüchtet sei. Die angefahrene Frau sei an den Unfallfolgen gestorben. Schließlich habe man die Tochter der Seniorin festnehmen können, sie solle am nächsten Tag einem Haftrichter vorgeführt werden. Nur durch eine hohe Kaution könne eine Haft abgewendet werden. Nach Geld und Wertgegenständen fragte der angebliche „Herr Wachmann“ die Seniorin aus. Nachdem die Seniorin unter Druck gesetzt wurde, sagte sie, dass sie nur bei ihrer Bank Gold habe, das könne sie aber erst am nächsten Tag holen. Der Betrüger verpflichtete die Seniorin, mit niemandem über dieses Telefonat zu sprechen oder zu telefonieren, und kündigte einen Anruf eines Staatsanwaltes für Freitag an.

Am Folgetag meldete sich dann der angebliche „Staatsanwalt Dr. König“. Weisungen folgend fuhr die betagte Frau zu ihrer Hausbank und hielt dabei ständig über ihr Mobiltelefon Kontakt zum angeblichen Staatsanwalt. Gegen 9 Uhr holte sie mehrere Goldbarren aus ihrem Schließfach und fuhr zum Korbacher Obermarkt. In der Nähe des Bürgerhauses parkte sie ihr Auto, bis ein Mann, der als „Herr Kowalski“ angekündigt war, zu ihr kam. Sie übergab gegen 10 Uhr das Gold im Wert von mehreren zehntausend Euro. Anschließend wurde sie noch länger am Telefon gehalten, bis sie gegen 11.30 Uhr beim Amtsgericht Korbach wegen der angeblichen Kaution nachfragte. Als sie anschließend auch ihre Tochter erreichen konnte, wurde ihr klar, dass sie auf dreiste Betrüger reingefallen war. Den „Herrn Kowalski“ konnte sie wie folgt beschreiben:

  • etwa 35 bis 40 Jahre alt

  • auffällig klein

  • kurze, dunkle Haare

  • Dreitagebart

  • trug dunkle Oberbekleidung

Auch beim zweiten Fall am Donnerstag, 18. März, gegen 14 Uhr, schilderte ein angeblicher Polizist einen von der Tochter der angerufenen Seniorin verursachten Unfall in Berlin, bei dem eine junge Frau zu Tode gekommen sei. In langen Telefonaten mit mehreren Tätern wurde ihr erklärt, dass eine Kaution gezahlt werden müsse, da ihre Tochter ansonsten in Haft gehe. Auch diese Seniorin hatte kein Geld oder Wertgegenstände zuhause, aber bei ihrer Bank im Schließfach. Ermahnt wurde die Seniorin eindringlich zu ihrer angeblichen Schweigepflicht, zudem meldeten sich die Betrüger am Folgetag erneut telefonisch. Auf Anweisung der Betrüger, die sich abwechselnd als Staatsanwälte Dr. Hofer und Dr. König vorstellten, holte sie gegen 9.30 Uhr Gold aus ihrem Schließfach. Gegen 12 Uhr übergab sie das Gold und weiteren Schmuck im Gesamtwert von mehreren zehntausend Euro in der Humboldtstraße in Korbach an den Abholer, der als „Herr Kobalski“ angekündigt war.

Misstrauisch wurde die Frau, als sich die Anrufer nicht mehr wie versprochen meldeten, und rief beim Notruf der Polizei und ihrer Tochter an. Den Abholer konnte die Seniorin wie folgt beschreiben:

  • etwa 170 cm groß

  • schlanke Figur

  • kurze, schwarze, krause Haare

  • kurzer, schwarzer, krauser Bart

  • schwarz bekleidet

In beiden Fällen ermittelt nun die EG SÄM der Kasseler Kriminalpolizei. Wer am 13. März gegen 10 Uhr am Korbacher Marktplatz oder am 19. März gegen 12 Uhr in der Korbacher Humboldtstraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen hat, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 0561 9100 beim Polizeipräsidium Nordhessen zu melden.

Präventionshinweise der Polizei warnen eindringlich vor den unterschiedlichen Maschen der professionell agierenden Betrüger:

  • Legen Sie sofort auf, wenn es bei einem unerwarteten Anruf ums Geld, Vermögen oder Daten geht. Lassen Sie sich nicht von den Geschichten täuschen. Nur so lässt sich verhindern, Opfer von Betrügern am Telefon zu werden. Egal mit welcher Geschichte die Betrüger agieren oder als was sie sich ausgeben. Alle Geschichten münden in einer Geldforderung.

  • Seien Sie wachsam und misstrauisch. Besprechen Sie sich mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld oder Überweisung oder die Übergabe von Geld oder Wertgegenständen denken.

  • Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft rufen niemals an, um über Unfälle, tragische Ereignisse, Festnahmen oder ähnliches zu berichten. Ebenso fordern sie niemals Kautionszahlungen am Telefon oder ermahnen Sie zur Verschwiegenheit. Dabei handelt es sich um eine Betrugsmasche.

  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben.

  • Warnen Sie Ihre Angehörigen und Bekannten vor dieser Masche.

  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie sofort auf, wenn Sie ein solcher Anruf erreicht. Verständigen Sie anschließend die Polizei über den Notruf 110.

  • Übergeben Sie niemals Geld an Unbekannte.

  • Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige. (ots/r)

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