RÖSPE. Paul Bultmann, ein junger Mann aus Bad Berleburg, ist am Rösper Weiher zum Joggen unterwegs. Es ist schönes Herbstwetter, der Weiher ruhig und verlassen. Bis Paul plötzlich einen Mann im Weiher bemerkt, der um sich schlägt und in Panik um Hilfe ruft.
Person im Wasser
Über Notruf 112 fordert Paul Hilfe an. Er kommt mit seinem Notruf bei der Kreisleitstelle Siegen-Wittgenstein raus. „Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst, in welcher Stadt ist der Notfallort?“, klingt die ruhige Stimme aus Pauls Handy. Etwas aufgeregt schildert der junge Mann dem Disponenten die Situation: „Hier ist ein Mensch im Wasser, der ruft um Hilfe. Der ist mitten im See, sicher 30 Meter. Kommen Sie schnell“. Der Disponent schafft es, Paul etwas zu beruhigen und ihm weitere wichtige Fragen zu stellen. Währenddessen alarmiert er aber bereits die Einsatzkräfte und teilt das dem Anrufer auch mit, damit ihm die Zeit der Notrufabfrage nicht verloren kommt. Der DRK Rettungsdienst aus Womelsdorf, der Leiter der Feuerwehr Erndtebrück, die Löschgruppen Womelsdorf und Birkelbach, sowie die Drehleiter aus Erndtebrück erhalten den Einsatzbefehl mit dem Stichwort „Person im Gewässer“. Die Alarm- und Ausrückeordnung bei diesem Einsatzstichwort sieht die Drehleiter als Rettungsmittel vor, weil ein Erreichen einer exponierten Stelle im Gewässer damit gut möglich sein kann. Zusätzlich zum Rettungswagen kommt bei diesem Einsatzstichwort auch ein Notarzt zum Einsatz. In diesem Fall entscheidet der Disponent, den Notarzt mittels Rettungshubschrauber einfliegen zu lassen. In Siegen erhält „Christoph 25“ von der ADAC Luftrettung GmbH seinen Einsatzbefehl ins Zinsetal. Immer noch spricht der Disponent mit Anrufer Paul Bultmann. Wie er zum See gekommen ist, möchte er wissen, um den Einsatzkräften eine optimale Anfahrtbeschreibung geben zu können. Diese sind zu der Zeit bereist auf dem Weg, nehmen Funkkontakt mit der Leitstelle auf – mit einem weiteren Disponenten. „Bitte begeben Sie sich nicht in Gefahr. Wir sind schon unterwegs und schnell bei Ihnen. Gehen Sie nach vorne und weißen sie die Kollegen ein“, der letzte Rat des Disponenten an Paul. Der junge Mann läuft nach vorne, in dem Moment kommt ihm der Rettungswagen aus Womelsdorf bereits entgegen, kurz darauf folgt der Leiter der Feuerwehr und im selben Moment fliegt der Rettungshubschrauber die Einsatzstelle an. Keine sechs Minuten nach Notrufbeginn! Der Hubschrauber dreht eine Runde und geht tiefer. Notfallsanitäter Erkan Okcu von der Berufsfeuerwehr Siegen öffnet seine Tür und wirft ein kleines Päckchen in den Weiher. Kurz nach dem Aufkommen auf der Wasseroberfläche füllt sich das Päckchen mit Luft und bläst sich auf. In Sekundenschnelle. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Restube, von dem „Christoph 25“ gleich vier Stück an Bord mitführt. „Das kann sowohl von vorne, als auch von hinten vom Notarzt aus einer der beiden Schiebetüren abgeworfen werden“, erklärt Markus Scheld, Pilot bei „Christoph 25“. In Sekundenschnelle ist das Restube aufgeblasen und schwimmfähig und bietet dem Strömungsretter der Berufsfeuerwehr Siegen, der hier den Ertrinkenden darstellt, einen Halt, um nicht unter zu gehen und nicht selbst kraftaufwändig paddeln zu müssen, um an der Wasseroberfläche zu bleiben. Die Feuerwehrleute aus Erndtebrück, Birkelbach und Womelsdorf bereiten nun die Rettung des Mannes vor. Nachdem er sich am Restube festhalten kann und nicht mehr akut gefährdet ist, in den nächsten Sekunden unterzugehen, werfen die Feuerwehrleute ihm eine Wurfleine zu und können ihn mit vereinten Kräften zum Ufer ziehen, wo der DRK Rettungsdienst die medizinische Versorgung übernehmen würde. „Wenn wir als erstes an so einer Einsatzstelle sind, landen wir nach dem Abwurf des Restube in unmittelbarer Nähe und unser HEMS läuft los und wirft dem Ertrinkenden dann eine Leine zu“, erklärt Markus Scheld. „Hier hätten wir als nächstes am Schießstand der Kreisjägerschaft landen können“, erklärt der Pilot. Für ihn und seine Besatzung stellte der Einsatz und der Anflug eine anspruchsvolle Situation dar: „Der Weiher war rundherum von Bäumen umgeben und im Tal war es recht windig. Das macht es anspruchsvoll“. Dennoch hat am Donnerstag alles super funktioniert. Davon konnten sich auch Thomas Tremmel, der als Amtsleiter des Amt 38 für den Rettungsdienst, den Bevölkerungsschutz und den Katastrophenschutz zuständig ist, überzeugen. Er hatte die Übung am Donnerstagnachmittag initiiert. Beeindruckt zeigte sich auch Prinz Gustav zu Sayn Wittgenstein Berleburg, der mit seinem Sohn die Übung mitverfolgte und sein Gelände für die Rettungskräfte gerne zur Verfügung stellte. Immer wieder dürfen Feuerwehren oder Rettungsdienste im Gebiet der Wittgenstein Berleburg`schen Rentkammer Übungen und Lehrgänge durchführen. Auch Revierleiter Sebastian Wagner machte sich vor Ort ein Bild vom schnellen und effektiven Vorgehen der Einsatzkräfte.
Mit einfachen Mitteln Leben retten
„Das Restube ist in allen Rettungshubschraubern in Deutschland verlastet“, erklärt Markus Scheld und ist begeistert, wie schnell man mit einfachen Mitteln effektiv helfen und Menschenleben retten kann. „Das sind so einfache Mittel. Eine Wurfleine, ein aufblasbares und wiederverwendbares Restubesystem, bei dem man nur die CO-2 Patrone nach dem Einsatz tauschen muss. Damit können wir Menschenleben retten!“ Der Siegener Rettungshubschrauber hat vier Restubes an Bord und die Station in Siegen zusätzlich eine Wurfleine, um im Einsatzfall schnellstmöglich Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren und zu retten.
Nach der eigentlichen Übung gab es noch zwei weitere Anflüge, bei denen auch Notärztin Dr. Lisa Roth den Abwurf des Restubes aus der Schiebetür üben konnte und auch René Klöckner, als weiterer HEMS den Abwurf üben konnte. Direkt im Anschluss an die Übungsflüge wurde der Rettungshubschrauber bei einem realen Einsatz in Erndtebrück gebraucht. Nach zwei Minuten waren Markus Scheld, Erkan Okcu und Dr. Lisa Roth vor Ort, um ihre Kollegen vom DRK Rettungswagen zu unterstützen.






