OnkoAktiv hilft, Bewegung bei Krebs gezielt zu nutzen

Donnerstag, 10. September 2026 22:35 geschrieben von  Michael Fränkel
Jakob Muth, Bewegungs- und Sportwissenschaftler mit Lizenzprüfung Onkologie, bietet die Onkologische Sportberatung regelmäßig an. Jakob Muth, Bewegungs- und Sportwissenschaftler mit Lizenzprüfung Onkologie, bietet die Onkologische Sportberatung regelmäßig an. Foto: GNH: I. Eisel

KASSEL. Gezielte Bewegung kann Menschen während und nach einer Krebserkrankung unterstützen. Das Angebot „OnkoAktiv“ des Tumorzentrums Nordhessen hilft dabei, passende Sport- und Bewegungsangebote zu finden und Bewegung in den Alltag zu integrieren.

Sport und Bewegung gewinnen in allen Phasen einer onkologischen Erkrankung zunehmend an Bedeutung. Bereits zu Beginn einer Therapie kann gezielte körperliche Aktivität dazu beitragen, Nebenwirkungen zu mildern und den Therapieverlauf positiv zu beeinflussen. Auch während der Behandlung ist es sinnvoll, aktiv zu bleiben oder zu werden. Bewegung kann auf vielfältigen körperlichen und psychischen Ebenen helfen.

„Die Studienlage zu begleitendem Sport bei einer Krebstherapie ist sehr umfangreich und die positiven Effekte sind überzeugend“, sagt Jakob Muth. Der Bewegungs- und Sportwissenschaftler mit Lizenzprüfung Onkologie bietet die onkologische Sportberatung am Klinikum Kassel an. Außerdem ist er durch das Netzwerk „OnkoAktiv“ zusätzlich dafür qualifiziert.

Bedeutung von Sport während und nach der Therapie

„Sport und Bewegung können während der Therapie Nebenwirkungen lindern und körperlichen Abbauprozessen entgegenwirken - sowohl muskulär als auch konditionell. Nach der Therapie sind Sport und Bewegung wichtig, um chronische Folgeerkrankungen zu vermeiden oder einzudämmen“, so Jakob Muth.

Bei einer Krebserkrankung fällt es Betroffenen häufig schwer, ein passendes Sport- und Bewegungsangebot zu finden. Viele sind unsicher, welche Aktivitäten für sie geeignet sind. Die onkologische Sportberatung „OnkoAktiv“ unterstützt daher während und nach einer Krebserkrankung dabei, Sport und Bewegung stärker in den Alltag zu integrieren.

„Unsicherheit und Motivationsschwierigkeiten sind keine Seltenheit. Sie kommen sogar bei den Kindern und Jugendlichen, mit denen ich regelmäßig arbeite, vor. Ziel der Beratung ist es daher auch, diese Hindernisse zu überwinden und die Freude am Training zu fördern“, so Jakob Muth.

Die Beratung bei Jakob Muth erfolgt flexibel in Präsenz oder telefonisch. Sie orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und ist unabhängig von bisherigen sportlichen Erfahrungen. Zum Angebot gehören:

• die Vermittlung wohnortnaher Sportangebote,
• die Erstellung individueller Trainingspläne,
• praxisnahe Bewegungsempfehlungen.

Ablauf der Beratung

Wie die Beratung abläuft, erläutert Jakob Muth: „Am Anfang steht die gründliche Anamnese, das heißt, ich schaue mir die Diagnose an und bespreche, welche anderen Probleme es gibt. Dann setzen wir dort an, wo die Person sich bereits sicher fühlt, und klären etwa, ob sie den Sport, den sie vorher gemacht hat, weiter betreiben kann. Oder ob sie mit Bewegung ganz neu anfängt.“

Häufige Beschwerden bei Krebserkrankungen

Zu den Beschwerden, die in der Beratung häufig zur Sprache kommen, zählen laut Muth Fatigue, Verlust von Ausdauerleistungsfähigkeit, muskuläre Einbußen, Polyneuropathie oder auch Gangunsicherheiten.

Bei der Empfehlung kann es sich um ein Gruppentraining handeln – zum Beispiel in einer Krebssportgruppe. Am Klinikum Kassel selbst gibt es spezifische Sportgruppen bei Polyneuropathie oder zum Schließmuskeltraining. Es kann aber auch Vereins- oder Individualsport das Richtige sein – je nachdem, was die Patient*innen an Interessen und Ressourcen mitbringen. „Egal, wo man gerade steht, Freude an der Bewegung ist wichtig, um dabei zu bleiben“, so Jakob Muth.

Die onkologische Sportberatung wird vom Tumorzentrum Nordhessen angeboten.

Das Tumorzentrum ist ein zertifiziertes Zentrum des OnkoAktiv-Netzwerks des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT).

Termine und Anmeldung

Die Sportberatung findet regelmäßig montags von 14 bis 16.40 Uhr statt. Ein Beratungstermin dauert 40 Minuten und ist kostenlos.

Die Anmeldung zu „OnkoAktiv“ erfolgt über die Patientenlotsinnen: Telefon: 0561/980-3518, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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