Krankenhaus stärkt Kompetenz im Umgang mit Demenz

Mittwoch, 15. Juli 2026 05:22 geschrieben von  Michael Fränkel
Bärbel van Hagen (links) und Simone Sprenger richten die „Haltestelle" im Krankenhaus Bad Arolsen ein. Bärbel van Hagen (links) und Simone Sprenger richten die „Haltestelle" im Krankenhaus Bad Arolsen ein. Foto: GNH

BAD AROLSEN. Das Krankenhaus Bad Arolsen ist ein Krankenhaus für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt auf Altersmedizin. Vor diesem Hintergrund stärkt das Haus weiter die fachlichen Kompetenzen der Teams.

Für das Pflegewissen ist wegen des zunehmenden Lebensalters der Patienten wichtig, die Erkrankung Demenz in den Fokus zu nehmen. Eine sechsmonatige Fortbildung haben die erfahrenen Pflegefachkräfte Simone Sprenger und Bärbel von Hagen absolviert und dürfen sich jetzt ganz offiziell Demenzexpertinnen nennen. Beide arbeiten bereits seit den 90er-Jahren im Haus und sind aktuell als pflegepädagogische Leitungen tätig. Sie zeigen: Man lernt nie aus.

„Im Umgang mit Demenzerkrankten war es uns wichtig, auf dem neuesten fachlichen Stand zu sein“, sagt Bärbel von Hagen, Praxisanleiterin und Arbeitskreissprecherin Praxisanleitung Bad Arolsen. „Wir können damit den Pflegeprozess der erkrankten Menschen noch besser und individueller gestalten. Unsere Patienten sollen die bestmögliche Pflege und Lebensqualität von uns erhalten.“ Simone Sprenger, pflegepädagogische Leitung und Praxisanleiterin, ergänzt: „Besonders gut hat uns der Grundkurs Validation gefallen, weil wir hier am meisten für unseren Arbeitsalltag mitnehmen konnten.“ Validation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass man sich mithilfe einer besonderen Technik in die andere Person hineinversetzt und so eine neue Haltung und Kommunikation annimmt.

Die fremde Umgebung im Krankenhaus, die unbekannten Abläufe und die Unruhe machen den Demenz-Erkrankten oftmals Angst. Sie fragen sich: Wo bin ich? Was mache ich hier und wer sind all die fremden Menschen? Ein Krankenhausaufenthalt sollte aber für jeden Menschen so angenehm wie möglich verlaufen. Um den spezifischen Anforderungen gerecht zu werden, werden die Pflegefachkräfte im Krankenhaus Bad Arolsen kontinuierlich sensibilisiert und geschult und sind so immer auf dem neuesten Stand der Medizin und der Pflege.

Barbara Heidemann, Pflegedienstleitung am Krankenhaus Bad Arolsen, erläutert: „Die Arbeit mit demenziellen Erkrankungen kann umso besser erfolgen, wenn vertiefte Kenntnisse im Umgang mit den komplexen Versorgungssituationen vorhanden sind. Sowohl das medizinische Fachwissen als auch die personenzentrierte Pflege sind wichtig - das heißt, wir erwerben das Verständnis für die subjektive Lebenswelt von Menschen mit Demenz. Themen wie Biographiearbeit, Kommunikationstechniken bei eingeschränkter Sprachfähigkeit sowie der Umgang mit herausforderndem Verhalten werden praxisnah vertieft. Auch die Abgrenzung zwischen Demenzsymptomen und akuten Verwirrtheitszuständen (Delir) spielt eine wichtige Rolle.“

Für die geriatrische Station bedeutet die Weiterbildung der beiden Kolleginnen konkrete Verbesserungen im Alltag. Durch das neu vertiefte Fachwissen, das die beiden nun an ihre Kollegen weitergeben, können Pflegekräfte gezielter deeskalierend arbeiten, Angstzustände reduzieren und Orientierungshilfen besser einsetzen. Angeregt durch die Fortbildung wurde zum Beispiel eine neue Haltestelle im Haus eingerichtet. Diese soll vermeiden, dass desorientierte Menschen auf dem Weg „nach Hause“ einfach das Haus verlassen, denn sogenannte Hinlauftendenzen sind vor allem bei Demenz immer wieder zu beobachten.

Auch die Angehörigen profitieren von der Weiterbildung. Durch eine verständlichere Kommunikation und intensivere Einbindung fühlen sie sich stärker in den Pflegeprozess eingebunden und besser informiert. Das stärkt Vertrauen und erleichtert den oft emotional belastenden Umgang mit der Erkrankung.

Nikolai Dippel, Geschäftsführer des Krankenhauses Bad Arolsen, sagt: „Regelmäßige Fortbildungen sind wichtige Bausteine für die Versorgung älterer Menschen. In einer alternden Gesellschaft wird die Zahl demenziell erkrankter Patienten weiter steigen. Umso wichtiger ist es, unsere Fachkräfte ständig gezielt zu qualifizieren und moderne pflegerische Konzepte in den Alltag zu integrieren.“

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