Der BAW 212: Gefahren, geprüft und für gut befunden

Mittwoch, 02. Februar 2011 13:52 geschrieben von  Redaktion 112-Magazin
Der BAW 212: Gefahren, geprüft und für gut befunden Titelbild: 112-Magazin, Fotostrecke 112-Magazin

AUTOTEST. Nach monatelanger Wartezeit wurde der BAW 212 mit seinen 166 Pferdestärken und zuschaltbarem Allrad endlich geliefert. Ich reiste von Hessen mit dem ICE nach Penzberg in Bayern. Abgeholt wurde ich mit meinen Kennzeichen im Gepäck vom Chef des Autohauses persönlich am Bahnhof - natürlich im BAW 212. Ein Meisterwerk der Technik, allerdings stammt der PKW nicht aus den Stahlschmieden deutscher Hersteller, sondern aus China, wenngleich viel deutsche Technik im 212-er verbaut ist. 112-Magazin hat den BAW 212 auf "Herz und Nieren" geprüft und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Sparsam, zuverlässig, robust und mit garantiert viel Fahrspaß.

Nachdem ich den 212-er beim Händler in Penzberg abgeholt und eine Einweisung in den PKW absolviert hatte, ging die Fahrt über die A7 in Richtung Puttgarden, dort wurde der BAW auf der Fähre geparkt und in Dänemark ausgeschifft. Um den Dieselmotor zu schonen, beschleunigten wir den SUV moderat und mussten nach etwa 850 Kilometer Fahrtstrecke den Tank auffüllen. Verbrauch etwa neun Liter pro 100 Kilometer. Dank der Klimaanlage war die Reise bei hohen Temperaturen ein Genuss. Nach weiteren 650 Kilometern erreichten wir unseren Zielort in Schweden, genauer gesagt Fegen, wo wir die Nacht im Vandrarhem am Fegensee verbrachten. Unsere zwei Wachtelhunde hatten wir über Nacht im Auto gelassen, Platz genug war ja vorhanden. 

Nach einem sehr guten Frühstück verabschiedeten wir uns von unseren Gastgebern Burghard und Steffanie und stiegen in den BAW ein. Der Diesel sprang umgehend an und so steuerten wir über den Inlandsvägen (E 45) den Götakanal an. Von atemberaubender Schönheit präsentierte sich Schweden, Bergrücken, tiefe Täler, Seen und kaum ein Auto auf der Straße. Über das Schiebedach strömte frische Luft zu den Hunden. Wir waren so begeistert, dass wir die Gegend mit dem Rad erkunden wollten. Also runter von der Piste und abseits der Straße in den Wäldern einen "Rastplatz" gesucht.  An einem Fluss, den wir durchfuhren, musste ich den Allrad einschalten, mit Leichtigkeit zog sich der BAW aus dem nassen Element ans andere Ufer. Über die Stromversorgung ließen wir einen Lüfter frische und kühle Luft zu den Hunden transportieren, danach ging es auf unsere E-Bikes und wir durchkämmten Wälder, umrundeten Seen und kamen nach zwei Stunden zum Fahrzeug zurück. 

Aus der Kühlbox entnahmen wir unsere Verpflegung und gekühlte Getränke. Auch die Hunde bekamen ihr Futter und konnten anschließend im nahen See, im eiskalten Wasser, ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. Etwa eine Stunde dauerte die Ruhephase, danach wurde der 212-er bepackt, Hunde in die Box gesperrt und die Räder auf dem Heckträger verstaut. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir durch unwegsames Gelände den Inlandsvägen und nahmen erneut mit 70 km/h Fahrt auf. Der Diesel brummte monoton bis zum Göta Kanal (Schwedens historisch größtes Bauprojekt). Dort angekommen, füllten wir etwa neun Liter AdBlue nach. An erneutes Tanken war nicht zu denken, der 80-Liter-Tank war erst zur Hälfte leer. Allerdings wollte ich den Ölstand überprüfen und siehe da, es gibt ihn noch, den Ölmessstab zum Herausziehen, ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Fazit: Alles in Ordnung im Motor und im Motorraum, der auffallend aufgeräumt ist. 

Aufgesattelt und das Gaspedal betätigt, geht es weiter auf der E 45 bis nach Mora. An einer Tankstelle wird Diesel aufgefüllt und ein Kaffee getrunken. Die Zeit drängte und so saßen wir erneut im BAW 212, um nach insgesamt 12 Stunden in Ytterhogdal anzukommen. Hunde raus, Räder abgenommen und unsere Koffer im Haus verstaut. Gut 1800 Kilometer hatten wir in zwei Tagen von Hessen nach Mittelschweden zurückgelegt und ich muss sagen, dass ich in dem Fahrersitz des BAW gut gereist bin. Übrigens hat der Sitz enorm viele Möglichkeiten der elektrischen Verstellung. Auch die gute Qualität der Sitze überrascht. Noch suche ich nach Fehlern, kann aber beim besten Willen nichts Negatives an dem Chinesen erkennen. Übrigens besitzt der 212er ein 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF, das butterweich schaltet, ohne zu rucken oder zu mucken. Die Nacht ist fast taghell, trotzdem schlafen wir nach der langen Reise gut ein. 

Geweckt werde ich um 8 Uhr vom Duft des Kaffees, der durch den Filter lief. Mein erster Blick gilt meinem 212-er, in den ich mich nun schlussendlich doch verliebt habe. Heute geht es in die Berge nach Äre, dort soll gewandert werden. Wanderrucksäcke und Hunde ins Auto, die Kühlbox angeschlossen und schon ging die Fahrt ins 160 Kilometer entfernte Äre. In dem Wandergebiet mit dem Berg Äreskutan (1420 Meter), muss auch im Mai und Juni mit wechselndem Wetter gerechnet werden. Die schneebedeckten Gipfel versuchten der starken Sonneneinstrahlung standzuhalten, trotzdem ergossen sich riesige Wassermassen ins Tal. Der BAW nahm die Herausforderung an und schob sich, fast gemütlich, den Berg hoch. Hier merkte man dem SUV sein Gewicht von 2,3 Tonnen nicht an. Bemerkenswert, wie sanft das Getriebe die Gänge wählte. Oben am Gipfel stellten wir den BAW ab und machten uns auf Schusters Sohlen auf den Weg. Nach etwa 60 Minuten mussten wir vor den Wetterkapriolen kapitulieren. Aus dem sonnigen Wandertag wurde innerhalb von Minuten eine Fluchtbewegung. Hagelschauer prasselten auf uns ein, sodass wir fußläufig den Rückweg antraten. Klitschnass und durchgefroren nahmen wir im BAW Platz und ließen den Motor an, um uns aufzuwärmen. Nach der Abfahrt aßen wir in einem Imbiss noch einen Burger, danach ging es zurück ins sonnige Ytterhogdal.

Für den nächsten Tag nahmen wir uns eine Radtour vor, leider hatte ich vergessen, die Ladekabel mit einzupacken. Die lagen im Radkeller in Deutschland. Selbst ein teures Rotwild fährt ohne aufgeladenes Akku nicht, daher kontaktierten wir unseren Sohn und per Express wurden die Ladekabel versendet. Satte 185 Euro kostet der Spaß, die Teile kamen aber pünktlich an. Ich nutzte die radlose Phase und gab dem BAW die Sporen im Gelände. Die Fahrt ging durch alte Kieferwälder, durch Morast und über Steinfelder. Ab und zu musste ich die Untersetzung einschalten und gebe zu, dass ich mit dem Verhalten in unwegsamen Gelände und bei Steigungen bis zu 60 % von der Leichtigkeit des Offroaders überzeugt wurde und ich richtig Spass hatte. Die Seilwinde als Ultima Ratio musste ich nicht einsetzen. Selbst bei tiefgründigen Böden zog sich der BAW immer wieder selbst aus dem Schlamassel. Nachdem die Geländetauglichkeit überprüft worden war, musste der Wagen erstmal in die Waschanlage. Die Rückfahrt von Sveg nach Ytterhogdal wurde von einem guten Gefühl begleitet. Abends saßen wir am Lagerfeuer und brieten Lachse und Frikadellen. Meine Gedanken galten dem BAW, hoffentlich bleibt er so mobil und zuverlässig. 

Nach 14 Tagen traten wir die Rückreise an. Hunde ins Auto, Räder auf den Heckträger und ab ging die Fahrt zunächst nach Fegen, wo wir bei Burghard und Steffanie die Nacht im Vanrarhem verbrachten. Am Folgetag überquerten wir die Brücke, die Schweden von Dänemark trennt. Der 166 PS starke Diesel überschritt kurz vor der Fähre den Kilometerstand von 4000. Nun hatte ich noch 999 Kilometer bis zur ersten Inspektion, die ich in Herzhausen bei der Firma Lohof in Vöhl anmeldete. Doch zuvor drückte ich auf der deutschen Autobahn das Gaspedal ordentlich durch. Selbst bei einer Geschwindigkeit von 150 km/h lag der 212-er ruhig auf der Straße. Am 16. Juni um 9 Uhr sollte ich zur Inspektion nach Herzhausen kommen. Mir wurde vom Chef persönlich ein Kaffee angeboten. Innerhalb von 20 Minuten war die Inspektion erledigt. Die nächste Inspektion ist bei 15.000 Kilometer angesagt. Wichtig: Die Inspektionsintervalle dürfen nicht überschritten werden, sonst verliert der Besitzer seinen Garantieanspruch.

Zieht man nach etwa sechs Wochen und einer gefahrenen Kilometerleistung von 5200 Kilometern ein Resümee, kann ich behaupten zuvor keinen besseren Offroader gefahren zu haben. Technik, Fahrverhalten, Zuverlässigkeit und Werkstattservice sind nicht zu toppen. Erwähnenswert wäre noch, dass beim Kauf eines neuen BAW 212 auf einen guten Unterbodenschutz und eine zusätzliche Hohlraumversiegelung geachtete werden muss. Die Firma Schwerdtner in Penzberg hatte diese beiden werterhaltenden Maßnahmen angeboten und mit Body Shield von MAKRA durchgeführt. Dazu habe ich noch eine Anhängerkupplung montieren lassen, sodass ich auf einen Gesamtpreis von 43.000 Euro kam. 

Inzwischen mehren sich die Gerüchte, dass die Chinesen die Preise für den BAW 212 anziehen wollen. Wer sich also für diesen Offroader interessiert, der sollte jetzt noch zugreifen. In Österreich müssen Kunden bereits fast 60.000 Euro für den 212-er auf den Tisch legen. Der Verbrauch wird mit 8,5 l/100km (kombiniert), 11,5 l/100km (Innenstadt), 8,3 l/100km (Stadtrand), 7,4 l/100km (Landstraße), angegeben. Kraftstoffart: Diesel. CO₂ Klasse G. CO₂ -Emission 244 Gramm/Kilometer (kombiniert). Schadstoffklasse Euro 6, grüne Plakette. Wer sich über den BAW 212 weiter informieren möchte, kann die Banner anklicken, wobei wir uns auch gleich bei den teilnehmenden Firmen für die Bannerschaltung bedanken möchten. Unter diesem Artikel gibt es noch einige Impressionen aus dem Schwedenurlaub uns aus Deutschland in Form von Fotos zu sehen.   

 

      

Zuletzt bearbeitet am Montag, 29. Juni 2026 12:28

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