FRANKENBERG. Beim „Info-Café Mutmacher“ des Klinikums Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg standen Sozialrecht, finanzielle Absicherung und der Weg zurück in den Beruf nach einer Krebserkrankung im Mittelpunkt.
Das Klinikum Waldeck-Frankenberg berichtete am 10. Juli 2026 über die Veranstaltung. Dank moderner Therapien überleben heute 60 Prozent der Krebspatienten langfristig. Die Krankheit wandelt sich damit zunehmend zur chronischen Erkrankung. Viele Betroffene sind zwar vom Tumor geheilt, aber noch lange nicht gesund: Sie leiden unter Spätfolgen wie chronischer Erschöpfung, Schlafstörungen oder Nervenschäden und stehen vor großen finanziellen sowie beruflichen Herausforderungen. Um Orientierung zu bieten, lud das Klinikum Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg im Rahmen der Reihe „Info-Café Mutmacher“ zu einem existenziellen Themennachmittag ein.
Kompetente Orientierung im Behördendschungel
Im Mittelpunkt der vom Frankenberger Krankenhaus organisierten Veranstaltung stand das für Betroffene lebenswichtige Thema Sozialrecht und die finanzielle Absicherung nach einer Krebserkrankung. Als hochkarätiger Referent informierte Prof. Dr. Ulf Seifart, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie sowie Ärztlicher Direktor der Klinik Sonnenblick in Marburg, welche als einzige Klinik in Hessen ein sozialmedizinisches Kompetenzzentrum unterhält.
Der Experte besitzt die Zusatzbezeichnung Sozialmedizin und ist leitender Ärztlicher Direktor der Deutschen Rentenversicherung Hessen. Unterstützt wurde er im Diskussionsteil von der Leitenden Oberärztin Gabriele Schalk, die ebenfalls Fragen beantwortete und Tipps gab.
Finanzielle Weichenstellungen frühzeitig überdenken
Prof. Dr. Seifart verdeutlichte anhand von Fallbeispielen, wie sich die finanzielle Situation entwickeln kann und welche Entlastungen bei welchen Behörden beantragt werden können. Ein zentraler Sorgenfaktor ist das Geld. Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung sinkt das Einkommen spürbar: Das anschließende Krankengeld liegt deutlich unter dem vorherigen Nettoeinkommen und wird für maximal 78 Wochen gezahlt.
Der Referent riet eindringlich, Folgeschritte wie Arbeitslosengeld oder eine Erwerbsminderungsrente sehr frühzeitig zu überdenken, da Behörden oft langsam arbeiten. Um im „Dschungel“ der Zuständigkeiten den Überblick zu behalten, empfahl er Lotsen. Kompetente Ansprechpartner seien hierbei Krebsberatungsstellen, DKH, Selbsthilfegruppen, Sozialdienste, VDK, Internetportale wie das der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, aber auch Rehabilitation.
Zurück in den Beruf: Der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg
Ein weiterer Schwerpunkt war die berufliche Wiedereingliederung. Rund 63 Prozent aller Krebspatienten kehren ins Berufsleben zurück. Prof. Dr. Seifart betonte, dass dies am ehesten mit einem strukturierten Plan gelingt.
Die Statistik spricht eine klare Sprache: 86 Prozent der Angestellten schaffen mithilfe eines strukturierten Wiedereingliederungsplans den dauerhaften Einstieg – ohne Plan geben hingegen 50 Prozent wieder auf. Wie wertvoll dieser Schritt ist, schilderte eine Zuhörerin: Ihr Arbeitsplatz und -umfang wurden in Absprache mit dem Chef und dem BMAS-Beauftragten flexibel ihrer Belastbarkeit angepasst.
Die Arbeit gebe ihr durch die Aufgaben, den Tagesablauf und die sozialen Kontakte enorme mentale Kraft und lasse die Gedanken an die Erkrankung in den Hintergrund treten. Prof. Dr. Seifart bestärkte dies und ermunterte Patienten, wann immer möglich – auch zwischen den Chemophasen –, zur Arbeit zu gehen und offen mit der eigenen Belastbarkeit umzugehen. Vorgesetzte und Kollegen seien meist sehr unterstützungsbereit. Zudem können diverse Wiedereingliederungshilfen, etwa für die ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes, beantragt werden.
Ein voller Erfolg für Betroffene und Angehörige
Die rege Beteiligung und die Fragerunde zeigten, wie groß der Informationsbedarf ist und dass sich viele Patienten im Vorfeld unzureichend informiert fühlten. Dank der profunden Antworten von Prof. Dr. Seifart konnten viele Ängste genommen werden.
„Die Klinik in Frankenberg beweist damit einmal mehr, dass zu einer ganzheitlichen Patientenversorgung mehr gehört als die reine Medizin: nämlich den Menschen auch auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben aktiv zu begleiten“, resümierte die Leitende Oberärztin Gabriele Schalk am Ende des informativen Nachmittags.
Info-Café Mutmacher wieder am 21. Juli
Der nächste Termin des Info-Cafés findet am 21. Juli 2026 um 15 Uhr statt. Der neue Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. med. Mehmet Yiğit, wird über „Neues in der hormonellen Mammakarzinomtherapie“ referieren. Um Anmeldung wird gebeten über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 06451/55-355.







