KASSEL. Die HNO-Klinik am Klinikum Kassel bietet ein neues Behandlungsangebot für Patienten mit Schlafapnoe an. Als erste Klinik in Nordhessen setzt das Klinikum dabei auf einen teilimplantierbaren Zungenschrittmacher.
Chronisches Schnarchen ist mehr als eine störende Eigenart. Besonders wenn es zu Atemaussetzern, sogenannten Apnoen, kommt, erhöht sich das Risiko für schwerwiegende Folgen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes deutlich.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird standardmäßig eine CPAP-Therapie eingesetzt. Dabei schlafen die Patienten mit einer Maske, die durch einen kontinuierlichen Überdruck die Atemwege offenhält.
„Es gibt Patienten, denen die CPAP-Therapie nicht hilft“, sagt Dr. Jens Haferkamp, Somnologe (DGSM) und Oberarzt der HNO-Klinik am Klinikum Kassel. „Für diese Patienten kann der Zungenschrittmacher als Alternative geeignet sein.“
Für wen eignet sich ein Zungenschrittmacher?
Der Zungenschrittmacher ist ein Gerät, das die Zungenmuskulatur sowie die Muskulatur des Gaumens und des Zungengrundes stimuliert. Dadurch zieht sich die Muskulatur zusammen, wodurch die Atemwege weiter werden.
Im Klinikum Kassel wird mit einem teilimplantierbaren Gerät gearbeitet. Das bedeutet: Elektroden und Spule werden den Patienten eingesetzt, Batterie und Steuerung befinden sich in einem Chip. Dieser wird abends auf den Hals aufgeklebt und morgens wieder entfernt.
„Geeignet ist der Zungenschrittmacher für Patienten, die bereits im Schlaflabor waren, eine Therapie mit Maske versucht und bestenfalls auch eine Unterkieferprotrusionsschiene ausprobiert haben“, erklärt Dr. Haferkamp.
Bei den Betroffenen sollten nicht zu viele Atemaussetzer bestehen. Auch der Atemantrieb darf nicht gestört sein. Genannt werden ein AHI-Wert unter 65 pro Stunde und weniger als 25 Prozent sogenannte zentrale Apnoen.
Starkes Übergewicht stellt ebenfalls ein Ausschlusskriterium dar. Der BMI sollte unter 35 liegen.
Wenn die gängigen Behandlungsansätze entweder nicht vertragen wurden oder nicht funktioniert haben und die Patienten die weiteren Bedingungen erfüllen, kann der Zungenschrittmacher helfen.
Ablauf der Operation
Bei der Operation macht Dr. Haferkamp einen kleinen Schnitt unterhalb des Kinns. Dort wird die Muskulatur vorsichtig auseinandergedrängt, um den Nerv zu erreichen, der für die Vorwärtsbewegung der Zunge zuständig ist.
Anschließend werden zwei Elektroden rechts und links angenäht, die später der Stimulation dienen.
Der operative Eingriff ist mit einem kurzen stationären Aufenthalt von etwa vier Tagen verbunden.
„Die Patienten kommen zur operativen Nachsorge ungefähr zehn Tage nach der Entlassung zur Kontrolle und zum Fadenzug. Nach sechs bis acht Wochen erfolgt bei uns die Inbetriebnahme des Zungenschrittmachers und erste Einstellungen“, schildert Dr. Haferkamp den weiteren Ablauf.
In der weiteren Folge werden die Einstellungen und die Verträglichkeit kontrolliert. Abschließend erfolgt eine Kontrolle des Therapieerfolgs im Schlaflabor.
Die HNO-Klinik ist auch langfristig Ansprechpartner für die Patienten. „Es reichen dann jährliche Kontrollen über unsere Sprechstunde“, sagt der Facharzt.
Wie jede operative Therapie ist auch der Einsatz des Zungenschrittmachers nicht komplett risikofrei.
„Der Nutzen ist aber im Vergleich dazu sehr groß. Patienten, die sonst keine Möglichkeit haben, ihre Atemaussetzer zu behandeln, können mit einem solchen Zungenschrittmacher sehr effektiv therapiert werden und sehr viel Lebensqualität zurückgewinnen“, sagt Dr. Haferkamp.
Weitere Informationen und Kontakt zur HNO-Klinik gibt es auf der Website von Gesundheit Nordhessen.







