Herzmedizin im regionalen Netzwerk

Freitag, 19. Juni 2026 12:36 geschrieben von  Michael Fränkel
Am Informationsabend in Frankenberg v. l.: Sassan Pur (Geschäftsführung Korbach), Anne Bülling (Geschäftsführung Frankenberg), Yaseen Omar (Chefarzt Zentrale Notaufnahme, Frankenberg), Prof. Dr. med. Bernhard Schieffer (Direktor der Kardiologie am Uniklinikum Marburg), Serguei Korboukov (Chefarzt Kardiologie, Korbach), Prof. Dr. med. Birgit Markus, (stellv. Direktorin der Kardiologie am Uniklinikum Marburg), Landrat Jürgen van der Horst. Am Informationsabend in Frankenberg v. l.: Sassan Pur (Geschäftsführung Korbach), Anne Bülling (Geschäftsführung Frankenberg), Yaseen Omar (Chefarzt Zentrale Notaufnahme, Frankenberg), Prof. Dr. med. Bernhard Schieffer (Direktor der Kardiologie am Uniklinikum Marburg), Serguei Korboukov (Chefarzt Kardiologie, Korbach), Prof. Dr. med. Birgit Markus, (stellv. Direktorin der Kardiologie am Uniklinikum Marburg), Landrat Jürgen van der Horst. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH

FRANKENBERG. Unter dem Motto „Ihr Herz im Fokus“ hat das Klinikum Waldeck-Frankenberg am Standort Frankenberg zu einer Informationsveranstaltung in das Philipp-Soldan-Forum eingeladen. Im Mittelpunkt stand die regionale Versorgung von Herzpatienten – von der ersten Diagnostik bis zur spezialisierten Behandlung im Netzwerk.

Als Gastredner präsentierten sich Serguei Korboukov, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Waldeck-Frankenberg am Standort Korbach, und Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg. Vor zahlreichen interessierten Bürgern verdeutlichten die Referenten, wie die enge Vernetzung der Kliniken eine lückenlose Rettungskette in der Region sicherstellt.

Die erste Stunde entscheidet

Yaseen Omar, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme und Kardiologe in Frankenberg, eröffnete die Vortragsreihe mit einem klaren Fokus auf die Basisversorgung im ländlichen Raum. Er betonte, dass der lokale Erstversorger oft über Leben und Tod entscheidet, da die erste Stunde nach einem Infarkt maßgeblich für die Langzeitprognose des Patienten ist.

  • Diagnostik vor Ort: In Frankenberg werden die initiale Diagnostik und Stabilisierung durchgeführt.
  • Effiziente Triage: Nicht jeder Fall muss verlegt werden. Viele Krankheitsbilder wie Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen sowie Schlaganfälle in der Stroke Unit werden direkt vor Ort versorgt, um die Zentren nicht zu überlasten.
  • Vernetzte Rettung: Falls eine Verlegung nötig ist, wird diese von Frankenberg veranlasst und die aufnehmende Klinik direkt informiert. So kann diese die Zeit während des Transports nutzen, um die operative Versorgung des Patienten vorzubereiten. Dadurch erfolgt die Versorgung im Zentrum so schnell, als wäre der Patient direkt dort eingeliefert worden.

Invasive Kardiologie und Nachsorge in Korbach

Serguei Korboukov, Chefarzt der Kardiologie des Klinikums Waldeck-Frankenberg am Standort Korbach, gab Einblicke in die spezialisierte Infrastruktur seiner Klinik. Seit 2008 wurde dort die invasive Kardiologie kontinuierlich ausgebaut.

  • Hochleistungsmedizin: Mit einem 24/7-Herzkatheterlabor, einer Chest-Pain-Unit und einer Stroke Unit ist Korbach als Notfallstufe 2 für die Region unverzichtbar.
  • Sektorenübergreifende Nachsorge: Über das Medizinische Versorgungszentrum wird eine engmaschige poststationäre Betreuung komplexer Patienten sichergestellt.
  • Vertrauensvolle Kooperation: Für Korboukov ist eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den Partnerkliniken die Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Kardiologie im Netzwerk

Die Experten unterstrichen die regionale Versorgungsqualität. Dabei wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit der Standorte Frankenberg und Korbach sowie die Anbindung an überregionale Partnerkliniken eine wichtige Grundlage für eine schnelle und sichere Versorgung von Herzpatienten bildet.

Zukunft der Medizin: Spezialisierung und Zentralisierung

Prof. Dr. Bernhard Schieffer, Direktor der Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg, warf einen Blick auf die strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen. Er verdeutlichte, dass Ressourcen aufgrund des zunehmenden Kostendrucks und Personalmangels gezielter gesteuert werden müssen.

  • Trend zur Ambulantisierung: Viele Eingriffe, die früher stationär erfolgten, werden schon jetzt und künftig regelhaft ambulant durchgeführt.
  • Qualität durch Zentralisierung: Hochkomplexe Eingriffe erfordern eine Zentralisierung, um die nötige Erfahrung und technische Ausstattung zu gewährleisten.
  • Positive Bilanz: Schieffer vermittelte Zuversicht beim Publikum. Die Versorgung in der Region Waldeck-Frankenberg/Marburg sei hervorragend organisiert und stabiler als in vielen Ballungsräumen.

Gemeinsam in die Zukunft

Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund der Fusion des Kreiskrankenhauses Frankenberg und des Stadtkrankenhauses Korbach zum neuen Klinikum Waldeck-Frankenberg statt. Diese strukturelle Verbindung, kombiniert mit der langjährigen Kooperation mit dem Universitätsklinikum Marburg und dem Klinikum Kassel, schafft ein starkes medizinisches Netzwerk.

Dieses Netzwerk verknüpft eine stabile Basisversorgung mit moderner Hochleistungsmedizin und bringt diese direkt zu den Menschen in der Region. Der Abend endete mit einem intensiven Austausch, bei dem die Bürger ihre Fragen direkt an die Experten richten konnten – ein lebendiger Beweis dafür, dass die regionale Herzmedizin ihre Patienten fest im Blick hat.

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