WALDECK-FRANKENBERG. Wie in jedem Jahr wird der Tag des Gartens am zweiten Sonntag im Juni gefeiert. Eine besondere Gelegenheit, die Kleingärten und Anlagen in ganz Deutschland am 14. Juni noch mehr als sonst für Interessierte zu öffnen, Aktionen durchzuführen und zum Austausch in die Gärten einzuladen. Heute stellen wir den Bio-Garten vor, beachten Sie bitte die Öffnungszeiten auf der Homepage des Bio-Gartens.
Wie alles begann
Als die Menschheit vor 10.000 Jahren aufhörte zu nomadisieren, begann sie damit, Gartenbau zu betreiben. Die ersten Gärten entstanden und begannen, kultureller und spiritueller Ausdruck ihrer Epochen und Regionen zu werden. Aus der Antike sind die hängenden Gärten von Babylon als Beispiel zu nennen. In Europa sind aus dem Mittelalter die Klostergärten bekannt, Nutzgärten voller christlicher Symbolik der kräuterkundigen Mönche. Die barocken Gartenanlagen waren ausgeprägte Demonstrationen absolutistischer Macht, aber auch Ausdruck des Standes der wissenschaftlichen Aufklärung. Die Fontäne im Park Wilhelmshöhe, der zunächst in perfekter Symmetrie angelegt war, sollte in ihrer Höhe mit der Fontäne in Versailles konkurrieren. Sie war aber auch Ausdruck des neuesten Standes der aufkommenden wissenschaftlichen Aufklärung, nämlich der Montanwissenschaft und der Hydraulik. Als bedrohlich galt die Natur, daher wurde sie als gezähmt dargestellt.
Romantik
Die Landschaftsgärten kamen in der Romantik und der humanistischen Aufklärung auf. Caspar David Friedrich malte die Schönheit der Natur und nahm ihr das Bedrohliche. Zu Zeiten der Französischen Revolution wurde der Englische Garten in München angelegt und war von den absolutistischen Herrschern für das aufkommende Bürgertum geöffnet. Mit seinem Verhaltenscodex sollte er revolutionäres Gedankengut im Keim ersticken. Er prägt bis heute unsere Vorstellungen von Schönheit organischer Formgebung.
Bio-Garten
Der Bio-Garten ist sicher nicht in einer Reihe der großen Gärten einzuordnen. Eher passt er als kleine Institution gut in ein demokratisches Gefüge, einem Miteinander vieler Menschen, das von Beteiligung und Mitbestimmung geprägt ist. Sicher finden im Bio-Garten wichtige Fragestellungen unserer Zeit Antworten. In einer Zeit aufkommender sozialer Kälte steht das Miteinander im Bio-Garten ganz oben auf der Agenda. Die Würde des Menschen ist Ausgangspunkt der alltäglichen Arbeit im Bio-Garten. Auch das Grundgesetz ist auf diesem Artikel 1 aufgebaut: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Dies wurde mit der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2006 noch einmal speziell für Menschen mit Behinderung untermauert und ist Grundlage für das Handeln aller Menschen im Bio-Garten. Hier findet demokratische Praxis statt, die von Mitbestimmung und Beteiligung lebt. In einer Zeit der Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch Umweltzerstörung und Klimawandel wirtschaftet der Bio-Garten biologisch. Er nutzt die Produktivkraft der Natur.
Biologischer Gartenbau
Unter wissenschaftlicher Begleitung der Conscious Farmer aus Schwalefeld (theconsciousfarmer.org) wird nach neuesten Erkenntnissen und Methoden (Mared Garden) biologischer Gartenbau betrieben. Zusammen mit dem Falkenhof in Strothe bildet der Bio-Garten eine Vermarktungsgemeinschaft. Insgesamt arbeiten ca. 120 Menschen im Bio-Garten, verteilt in kleinen Gruppen auf die Standorte in Flechtdorf, Arolsen und Korbach. 34 hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen, neun Auszubildende und fast 80 Menschen mit Behinderung. Gerne wird direkt ab Gärtnerei verkauft, wo es nicht nur frische Tomaten, Gurken, Auberginen, Paprika und viel Blattgemüse gibt. Die Zierpflanzengärtnerei bietet ein schönes Sortiment an Beet- und Balkonpflanzen und zum Jahresausklang steht ein Herbstzauber-Sortiment bereit. Es lohnt sich immer ein Besuch und der Einkauf regional erzeugter frischer Erzeugnisse aus dem Gartenbau. In der Floristik werden wunderschöne Blumensträuße gebunden und Gestecke hergestellt - in der warmen Jahreszeit mit Blumen aus eigenem Anbau. Wöchentlich werden Blumensträuße in der Umgebung ausgeliefert. In der Küche wird aus dem selbst gezogenen Gemüse ein Bio-Essen zubereitet.
Gäste werden empfangen
Im Garten unter den Obstbäumen können in schönem Ambiente auch Gäste empfangen werden. Nach Voranmeldung werden auch Besuchergruppen begrüßt, die verschiedene Angebote in Anspruch nehmen: Als Demonstrationsbetrieb ökologischer Landbau werden Führungen durch die Gärtnerei gegeben, die auch mit einer Mahlzeit angereichert werden können. Im Bio-Garten gibt es auch die Möglichkeit für einen Bundesfreiwilligendienst, ein Freiwilliges Ökologisches oder ein Freiwilliges Soziales Jahr.
Ausbildung und Berufsorientierung
Schon viele junge Menschen haben im Bio-Garten Flechtdorf die Möglichkeit genutzt, vor der Ausbildung zur Berufsorientierung ein Jahr Erfahrung in einem Sozialunternehmen zu sammeln und verschiedene Berufsbilder kennenzulernen. Alle Menschen, die im Bio-Garten Flechtdorf arbeiten, spüren diesen Geist des Miteinanders und teilen die Freude daran, ein kleines Stück Land zu bearbeiten, die unsere Vorfahren vor 10.000 Jahren vielleicht entdeckt haben.
Öffnungszeiten
Standort Flechtdorf
Sommerzeit 01.04.–30.09.
Montag bis Donnerstag:
09.00–16.00 Uhr
Freitag: 9.00–14.30 Uhr
Standort Bad Arolsen:
Montag bis Donnerstag:
9.00–15.00 Uhr
Freitag: von 9.00–13.00 Uhr
Mehr erfahren Sie über diesen Link: Bio-Garten Flechtdorf hier klicken.
Bio-Garten-Flechtdorf GmbH
Vor dem Prinzenberg
34519 Diemelsee Flechtdorf
Tel. 05633 98 96 0
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Standort Bad Arolsen:
Rauchstraße 27 A
34454 Bad Arolsen
Tel. 05691 – 1462







