Infocafé Mutmacher: Neuer Termin

Montag, 12. Januar 2026 00:22 geschrieben von  Michael Fränkel
Bei Kaffee und Kuchen informierten sich Betroffene über Sporttherapie bei Krebserkrankungen. Es referierte Norbert Schlechter, Leiter der Physikalischen Therapie am Kreiskrankenhaus. Bei Kaffee und Kuchen informierten sich Betroffene über Sporttherapie bei Krebserkrankungen. Es referierte Norbert Schlechter, Leiter der Physikalischen Therapie am Kreiskrankenhaus. Foto: Kreiskrankenhaus Frankenberg gGmbH

FRANKENBERG. Beim letzten Termin des vergangenen Jahres des Infocafés „Mutmacher“ im Kreiskrankenhaus drehte sich alles um Sport und Bewegung für Krebspatienten. Norbert Schlechter, Leiter der Physikalischen Therapie in der Klinik, erklärte anschaulich, welche positiven Effekte Bewegung auf die Erkrankung haben kann.

Bewegung beeinflusst Rezidivrate

Herr Schlechter begann mit einer positiven Botschaft: Nachweislich reduziert leichtes Training bei Krebserkrankungen die Nebenwirkungen medikamentöser Therapien, die Nachwirkungen von operativen Eingriffen, psychische Begleiterscheinungen wie Angst, Depressionen oder Schlafstörungen und nicht zuletzt die Rezidivrate (erneutes Auftreten des Tumors). Die individuelle Belastbarkeit steht dabei immer im Vordergrund.

Im Detail erklärte er, mit welchen Sportarten und mit welcher Intensität sich die besten Effekte erzielen lassen. Herr Schlechter empfiehlt vor allem Ausdauertraining in Kombination mit Krafttraining zur Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems und des Bewegungsapparates. Vor Therapiebeginn und auch in der Nachsorge sind eine halbe bis volle Stunde, dreimal pro Woche, anzustreben. Auch bei vorher untrainierten Personen zeigt sich so sehr schnell eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens.

Wenn es der Zustand des Patienten zulässt, ist ein Beginn des Trainings sogar vor einer geplanten Therapie oder Operation zur Prähabilitation hilfreich. Der Begriff meint die gezielte körperliche und mentale Vorbereitung auf eine bevorstehende Operation oder Behandlung, um die Erholung zu beschleunigen. Der Körper kann so mit gesteigerter Leistungs- und Belastungsfähigkeit in die Therapie starten. Der Patient kann von Beginn an mitwirken, um die Erkrankung aktiv zu bekämpfen.

Therapie mit Sport begleiten

Während der Chemo- oder Bestrahlungstherapie ist an den Behandlungstagen Schonung angezeigt. Doch an den Zwischentagen helfen zehnminütige Einheiten – dreimal pro Tag mit leichter bis mittlerer Belastung – einem Abbau der Muskeln und der Leistungsfähigkeit vorzubeugen. Auch Nebenwirkungen wie zum Beispiel die Fatigue (chronisches Erschöpfungssyndrom) können so eingegrenzt werden.

In der Klinik mobilisieren die Mitarbeitenden der Physikalischen Therapie die Patientinnen und Patienten nach operativen Eingriffen. Schon wenige Tage nach der OP wird damit begonnen, um die Beweglichkeit zu erhalten oder wiederzuerlangen, Fehlhaltungen und damit verbundenen Muskelverkürzungen oder -verspannungen Einhalt zu gebieten, den Kreislauf zu stabilisieren und Lymphödemen vorzubeugen. Dies sollte auch nach der Entlassung beibehalten werden. Herr Schlechter bat die Zuhörer, in jeder Phase genau auf ihren Körper zu achten und eine Überlastung zu vermeiden. Wenn Schwindel, starke Schmerzen oder Blutungen im OP-Bereich auftreten, sollte auf Sport verzichtet werden.

Gut tut, was Spaß macht

Wie ein roter Faden zog sich der Appell von Herrn Schlechter durch den Vortrag, sich genau zu überlegen, welche Art von Sport sich für einen persönlich eignet. Prinzipiell ungeeignet sind nur wenige Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr wie Kampf- und Spielsportarten mit direktem Gegnerkontakt oder Geräteturnen. Um eine generelle Überlastung zu vermeiden, verzichtet man besser auf Wettkämpfe oder Leistungssport. Alles, was Spaß macht und guttut, ist geeignet.

Schon immer sportlich Aktiven fällt die Auswahl einer Sportart leichter, denn sie wissen, was ihnen guttut. Vielen anderen hilft es sehr, den „inneren Schweinehund“ zu überlisten, wenn sie in einer Gruppe oder mit Musik trainieren. Wichtig ist es, eine Sportart auszuwählen, die man dauerhaft und regelmäßig ausübt. Die Zuhörerinnen berichteten von eigenen Erfahrungen, der Auswahl von Reha-Sport-Kursen und dem vielfältigen Angebot der örtlichen Sportvereine.

Gabriele Schalk, kommissarische Leiterin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus, schloss den informativen Part der Veranstaltung mit Daten aus der aktuellen Forschung. Danach haben Patientinnen durch eine Ernährungsumstellung auf gesunde Kost in Kombination mit regelmäßigem Sport eine um 50 % erhöhte Chance, dass der Brustkrebs nicht wieder aufflammt.

Neuer Termin am 20.01.2026

Das inzwischen etablierte Format wird auch 2026 fortgesetzt. Zum ersten Treffen am 20. Januar ist Thorsten Junk, Inhaber der Lahnapotheke Gießen, eingeladen. Der erfahrene Apotheker referiert unter dem Titel „Gut informiert durch die Chemotherapie“ über komplementärmedizinische Maßnahmen. Er erläutert anschaulich, wie Betroffene durch gezielte, sanfte Methoden ihre Lebensqualität steigern und belastende Nebenwirkungen eigenständig lindern können. Im Fokus steht dabei die ganzheitliche Unterstützung, um den Körper im Einklang mit dem medizinischen Behandlungsplan bestmöglich zu stärken. Jeder ist herzlich willkommen und darf sich über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 06451 55 355 anmelden oder auch Themenwünsche nennen.

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