Rettung aus der Flut - Wildunger Bergretter Oliver Münch eilt Menschen mit dem Hubschrauber zur Hilfe

Mittwoch, 28 Juli 2021 13:54 geschrieben von
Oliver Münch von der Bergwacht Bad Wildungen war gemeinsam mit der Bundespolizei Fliegerstaffel Fuldatal im Hochwassergebeit im Einsatz, um Menschen mit dem Hubschrauber zu retten. Oliver Münch von der Bergwacht Bad Wildungen war gemeinsam mit der Bundespolizei Fliegerstaffel Fuldatal im Hochwassergebeit im Einsatz, um Menschen mit dem Hubschrauber zu retten. Fotos: Bergwacht Bad Wildungen

BAD WILDUNGEN/HEIMERZHEIM. Donnerstagmorgen, 08:30 Uhr. An seiner Arbeitsstelle bekommt Oliver Münch von der Bergwacht Bad Wildungen einen Anruf: Es werden Luftretter im Hochwasserkatastrophengebiet benötigt. Menschen sind in Lebensgefahr, müssen von umfluteten Hausdächern gerettet werden. Für den 33-jährigen Bad Wildunger und auch seinen Arbeitgeber, die Kommunalwald GmbH Waldeck-Frankenberg, gar keine Sekunde des Zögerns: Oliver Münch wird den Einsatz sofort wahrnehmen.

„Da hat mein Arbeitgeber sofort zugestimmt und war froh, dass es Menschen gibt, die in dieser Situation helfen können“, ist Oliver Münch begeistert von der unkomplizierten Einstellung seines Arbeitgebers.

Dann geht es ganz schnell: Oliver fährt zur Bergrettungswache in Bad Wildungen und rüstet sich für den Luftrettungseinsatz aus, während in Fuldatal bei Kassel zwei Hubschrauber der Bundespolizei starten. Jene Fliegerstaffel, die mit den Kameraden der Bergwacht Bad Wildungen vier Mal im Jahr in und um Bad Wildungen Luftrettungseinsätze trainiert – für den Ernstfall, der nun in einer ganz anderen Dimension eingetreten ist, als man es eigentlich erwartet. Regionale Einsätze, bei denen ein Wanderer in Not geraten ist und in unwegsamem Gelände nicht vom Rettungsdienst erreicht werden kann, hat Oliver Münch schon geflogen. Ein Hochwassereinsatz aber, bei dem Menschen ertrunken sind und einige sich in letzter Sekunde auf Hausdächer oder Bäume retten konnten, und nun auf seine Hilfe warten – das ist für den 33-Jährigen Neuland. „Da war schon eine Aufregung da“, gesteht er mir in unserem Gespräch. Aber nach dem ersten Einsatz, so erzählt er mir, habe sich das schnell gelegt.

Oliver Münch kam mit einem Hubschrauber vom Typ EC 155 in Heimerzheim, unweit der A61 zum Einsatz. Die Kollegen mit dem zweiten Hubschrauber, einer Super Puma, sind in den Landkreis Ahrweiler geflogen.

„Als wir ankamen, haben wir schon gesehen, was los ist“, berichtet Oliver mir. Der junge Mann sieht Menschen auf Hausdächern, eingeschlossen von braunem Wasser. „Einige haben uns aus der Luft zu verstehen gegeben, dass sie noch aushalten und haben uns vorbei gewunken“, erzählt er. Weiter zu den Menschen, die am Ende ihrer Kräfte waren, die sehnlichst auf die Rettung aus der Luft gewartet haben. „Die haben uns herbei gewunken“, beschreibt er seine Eindrücke. Wie dann das weitere Vorgehen war, möchte ich von ihm wissen. „Wir haben geschaut, ob nichts gefährliches in der Nähe war und dann sind wie sofort runter gegangen“, erklärt er mir. Der Fachmann der Bergrettung hing dabei am Stahlseil, das von einem Windenoperator der Bundespolizei abgelassen wurden – hunderte Male trainiert, zum Beispiel am Hahnberg bei Bad Wildungen, oder am Bilstein. Unten bei den Menschen angekommen erklärt der Bergretter ihnen kurz, was nun geschehen wird, und wie der Winch, also das Aufziehen mit der Winde, ablaufen wird. Die Piloten halten ihre Maschine währenddessen wie eine Eins in der Luft. Was unter ihnen passiert, sehen sie nur eingeschränkt. Sie müssen sich auf die Kommunikation mit Bergretter und Windenoperator verlassen. „Und das hat einfach wunderbar funktioniert mit der Bundespolizei“, freut sich Oliver Münch. Nach der kurzen Einweisung der zu Rettenden werden diese in ein so genanntes Rettungsdreieck gepackt und dann gemeinsam mit dem Bergretter an Bord der Maschine geholt. „Die waren ganz ruhig beim Winchvorgang“, erinnert sich Oliver. Wenn die Menschen an Bord des Hubschraubers waren, wurden sie zu einem nahe gelegenen Sportplatz geflogen und dort von Hilfsorganisationen untersucht und weiter versorgt oder betreut. Der Hubschrauber drehte dann direkt wieder ab, um die nächsten Menschen von den Hausdächern zu retten. „Die waren so dankbar beim Aussteigen...“, beschreibt der Bergretter seine Eindrücke von den Landungen am Sportplatz.

„Es ging wirklich Step by Step“, erinnert er sich an die Einsatzabläufe vor Ort. Als Pausen dienten nur die obligatorischen Landungen, um den Hubschrauber wieder betanken zu können. Mobile Tankwagen der Bundespolizei und der Bundeswehr sind dazu ins Schadensgebiet gefahren. In Heimerzheim waren die Retter insgesamt mit drei Hubschraubern im Einsatz: „Die Bundeswehr war noch dort, wir mit der Bundespolizei mit der EC 155 und ebenfalls die Bundespolizei noch mit einer EC 135“, berichtet Oliver. Letzterer Hubschrauber verfügt bei der Bundespolizei allerdings nicht über eine Winde. „Mit diesem Hubschrauber wurden Erkundungsflüge gemacht. Er hat nach Menschen in Not gesucht, und diese an die beiden Windenhubschrauber gemeldet“, berichtet er.

Ich frage ihn, ob es denn eine gefährliche oder haarige Situation im Einsatz gegeben hat. Gefährlich sei es nicht gewesen, aber einen sehr anspruchsvollen Winch habe es schon gegeben. „Da stand ein Mensch kniehoch im Wasser mitten in einem engen Innenhof und ich dann auch. Das war wirklich sehr eng dort und eine große Herausforderung für die Hubschrauberbesatzung“, macht Oliver deutlich. Aber alles hat super geklappt. „Da weiß man einfach, wofür man das lernt“, resümiert er den Einsatz, der noch bis 19:00 Uhr an diesem Donnerstag andauerte. „Dann sind wir zum Hauptsitz der Bundespolizeifliegerstaffel nach Sankt Augustin geflogen. Schichtwechsel für die Besatzungen. Wir haben dort übernachtet und am nächsten Tag hatten wir eine Bereitschaft aufrecht zu erhalten“, erklärt Oliver mir, der bereits seit 2010 ehrenamtlicher Luftretter bei der Bergwacht ist. Da kam es für den Bad Wildunger aber zu keinem Einsatz mehr. Gegen 21:00 Uhr war der dann am Freitag wieder zu Hause in Bad Wildungen. Mit dem tollen Gefühl, mit seinem Wissen und seinem ehrenamtlichen Engagement Menschen in höchster Not aus einer Extremsituation gerettet zu haben.

Mich interessiert abschließend, wie sein Umfeld seinen Einsatz nach der Rückkehr gesehen hat. Oliver muss nicht lange überlegen: „Die große Erleichterung war sofort als erstes zu spüren. Sie waren heilfroh, dass mir nichts passiert ist. Denn sie hatten ja auch in den Medien mitbekommen, dass dort bereits Einsatzkräfte verunglückt und auch leider ums Leben gekommen waren“, schildert er. „Und vor allem meine Frau und meine Eltern waren sehr stolz“. Wie wir finden auch mit Recht. Wir sagen „Danke für Deinen Einsatz, lieber Oliver und mach weiter so, denn das ist ganz großes Kino!“

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