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BAD BERLEBURG. „Es war eine gute Kameradschaft von Anfang und man wurde einfach super aufgenommen“, ist Mark Stremmel voll des Lobes. Er berichtet mir von seinen ersten Gehversuchen im Löschzug der Bad Berleburger Feuerwehr. Heute - das ist nur etwas weniger als ein Jahr später - zeigen er und sein Kamerad Moritz Eigner mir, was damit gemeint ist. Beide jungen Feuerwehrleute kenne ich bisher nicht. Und als ich mich mit ihnen zum Termin treffe, da ist das für mich einfach so, als würden wir uns schon immer kennen. „Man wird in der Runde nach dem Dienstabend nicht einfach sitzen gelassen, man kommt einfach mit jedem ins Gespräch. Niemand sieht einen hier von der Seite an nach dem Motto: Was will der denn hier?“, schildert Mark mir seine Eindrücke, die er hier von Anfang an erlebt hat. Und viele seiner heutigen Kameraden kannte der Bad Berleburger damals nicht. Ein bisschen empfinde ich es heute auch so, wie Mark damals. Denn obwohl ich die beiden Feuerwehrmänner nicht kenne, haben sie mich sehr herzlich empfangen. Mit Handschlag. Mit Lächeln und mit großer Geduld, all meine Fragen zu ihrem Werdegang zu beantworten. Der nämlich war bei den beiden nicht so, wie eigentlich in den meisten Fällen engagierter Feuerwehrleute. Mark und Moritz sind ganz aus freien Stücken in die Feuerwehr eingetreten. Nicht, wie viele ihrer Kameraden über die Jugendfeuerwehr. Sondern mitten aus dem Leben als junge Erwachsene.

Ein Großbrand in der Nachbarschaft war der letzte Impuls

Wie war das denn? Warum ist Mark Stremmel im Juni 2019 mit 33 Jahren in die Bad Berleburger Feuerwehr eingetreten? Ganz, ganz früher – vor mehr als 20 Jahren hatte er schon mal einen kurzen Versuch unternommen. Damals in der Jugendfeuerwehr Aue- Wingeshausen, der Ortschaft in der der Familienvater seine Kindertage verbracht hat. Aber eine Verbindung zu seinem jetzigen Eintritt in den Löschzug aus dieser Zeit gibt es nicht mehr. Vielmehr war einer der Hauptauslöser einer seiner heutigen Kameraden: „Wir haben hier in der Stadt ein Haus gekauft. Mein Kamerad Markus Crusius ist dort mein Nachbar“, erzählt Mark. Selbst aktiver Feuerwehrmann im Löschzug und sehr daran interessiert, dass die Einsatzkräfte Verstärkung bekommen. „Komm vorbei. Komm, mach mit! , hat Markus mir immer wieder ans Herz gelegt“, berichtet Mark. „Er war schon ein treibender Keil“, lacht er. Aber der letzte Anstoß, der habe doch immer noch gefehlt. „Der kam dann im Mai letzten Jahres. Da brannte der Westfälische Hof“, erinnert sich Mark. Der Westfälische Hof war in Bad Berleburg einst ein sehr gutes und bekanntes Traditionshotel und später ein Massagecenter. Im Mai wurde das Gebäude ein Raub der Flammen. „Das konnte ich von unserem Haus aus sehen. Wir wohnen genau oberhalb am Berg“, berichtet er. „Und das war dann der Punkt, an dem ich mich entschieden habe, endgültig bei der Feuerwehr mitzumachen“, berichtet Mark. „Direkt den Donnerstag danach war ich da“, erinnert sich der hauptberufliche Werkzeugmechaniker. An jenem Dienstabend waren die Kameraden damit beschäftigt, ihre Materialien nach dem Großbrand zu reinigen und in Ordnung zu bringen. Also eine Aufgabe, die sicher nicht zu den Traumaufgaben eines Feuerwehrmannes an seinem allerersten Dienstabend gehört. „Ich bin direkt da geblieben und habe mitgemacht“, erinnert sich Mark. Da war es passiert: Der junge Mann war Feuerwehrmann. Mit Leib und Seele, seine Passion und die unvergleichbare Kameradschaft hatte er hier gefunden. Fortan war Mark bei fast allen Dienstabenden dabei, wurde mit Material ausgestattet, erhielt einen Funkmeldeempfänger, und: „Ich durfte mit zu Einsätzen fahren“. Das war etwas Neues für den Quereinsteiger. „Die Pumpe geht schneller, wenn der Pieper geht. Nachts noch schneller“, gibt er zu. Aber mittlerweile gehe es besser. Auch weil er weiß: „Es ist hier von der Führung super getaktet und man weiß dann genau, was man zu tun hat. Man wird nie alleine gelassen“. Mark strahlt. Er freut sich über die großartige Unterstützung seiner Kameraden.

Der Feuerwehrmann-Anwärter hat das Ziel, Maschinist zu werden und Atemschutzgeräteträger. Besonders interessiert ihn der Einsatz auf der Drehleiter.

"Man kann jederzeit hier her kommen - es wird belohnt" (Mark Stremmel, Feuerwehrmann in Bad Berleburg)

Etwas nachdenklich wird Mark, als ich ihn frage, ob er sich Einsatzsituationen vorstellen kann, vor denen er Angst hat. „Das sind Einsätze, bei denen ich Bekannten begegne, die in eine Notsituation geraten sind“. Da muss er nicht lange überlegen. Vor den Gefahren, die es dort geben könnte, hat er weniger Angst, denn er weiß: „Man kann sich hier auf das Wissen und die Anweisungen der Führung verlassen“. Seit Mark in der Feuerwehr ist, hat er übrigens einen heißen Verehrer, der es kaum abwarten kann, ihm zu folgen und in der Jugendfeuerwehr anzufangen: Sein Sohn Max, acht Jahre alt. „Papa, ich will auf jeden Fall zur Feuerwehr!“, bekommt Mark sehr oft von seinem Jungen zu hören. „Auch meine Tochter ist sehr beeindruckt von der Arbeit der Feuerwehr. Aber ob sie auch dort mitmachen möchte, weiß ich nicht“, lacht Mark. Und wie ist das mit der Unterstützung der Ehefrau bei seiner neuen Tätigkeit? „Das ist super und gar kein Problem“, freut er sich. „Meine Frau hat sofort und immer wieder gesagt: Klar, mach das“, ist er begeistert.

Dem engagierten Helfer ist zum Schluss unseres Gespräches eine Botschaft wichtig: „Es geht auch in meinem Alter ohne Vorbereitung in die Feuerwehr einzutreten. Man kann sich jederzeit trauen, hier her zu kommen. Es wird belohnt“.

Bauingenieur als Hilfe für seine Kameraden

Neben mir sitzt Moritz. Er wirkt ein wenig aufgeregt. Das muss er gar nicht sein. Denn ebenso wie Mark, macht er einen super Job in der Feuerwehr. „Ich bin 19“, antwortet er mir, als ich ihn nach seinem Alter frage. Er ist nun schon seit über einem Jahr in der Feuerwehr, geht noch zur Schule. „Ich mache Abitur und danach studiere ich. Ich möchte Bauingenieur werden“, verrät er mir. Sein Traum ist es, seine Kameraden dann auch in Einsatzfragen unterstützen zu können: „In welche Richtung könnte ein Gebäude einstürzen? Sind es tragende Balken, und wie werden sie beansprucht?“, diese Fragen würde er gerne für seine Kameraden klären.

Von der Kneipe in die Feuerwehr

Auch Moritz ist Quereinsteiger. Hatte noch nichts mit der Feuerwehr zu tun. Der Besuch einer privaten Feier änderte dies. „Wir waren anschließend noch in einer Kneipe und ich saß bei einem Maschinisten hier aus dem Zug am Tisch. Da kamen wir mal kurz über die Feuerwehr ins Gespräch“, erinnert sich Moritz an die Anfänge. „Dann war das so interessant für mich, dass die Feuerwehr den ganzen Abend unser Thema war“, berichtet er weiter. Da war der Funke auf Moritz übergesprungen. Nur einen Tag nach dem Kneipenbesuch knüpfte er sofort Kontakt zu einem Feuerwehrmann, den er bereits aus Schulzeiten kannte. „Ich habe mir sofort die formellen Dinge klären lassen“, erzählt Moritz. Und schon am nächsten Donnerstag war er zum ersten Mal beim Dienstabend im Feuerwehrhaus. „Was kann man denn sonst an einem Donnerstagabend machen?“, fragt er mich. Nach wenigen Besuchen stand für ihn fest: „Ich bleibe hier!“ Und auch für Moritz hatte der Brand des Westfälischen Hofes im Mai eine besondere Bedeutung: „Das war mein erster Einsatz in der Feuerwehr“, erklärt er. Direkt zu Beginn dieses Einsatzes wurde er gefordert: „Auf dem Weg zum Gerätehaus musste ich an der Brandstelle vorbei fahren. Aber da war alles blockiert mit Autos, die einfach angehalten haben. Ich kam nicht mehr weiter“, erzählt er. Er habe gehupt und aus dem Fenster gerufen: „Hier ist ein Feuerwehrmann, der muss durch“. Moritz berichtet mir: „Das musst Du Dir vorstellen. Die Einsatzfahrzeuge kommen gleich und man kommt nicht durch, weil die Leute einfach anhalten und gucken“. Irgendwie schaffte er es dann schließlich doch, zum Gerätehaus zu kommen und mit einem der Löschfahrzeuge auszurücken. Wie denn seine Eindrücke auf dem Weg zu diesem Einsatzort dann waren, möchte ich wissen. „Ich kannte meinen Truppführer ganz gut und auf ihn habe ich vertraut. Es wurden genaue Anweisungen vor Ort gegeben und das war genau so, wie ich es mir gewünscht habe. Viele Dinge konnte ich ja noch gar nicht wissen“, berichtet er mir. „An der Einsatzstelle hat alles sehr gut funktioniert“, ist er begeistert. Nach dem Ende dieses Einsatzes war der Tag für Moritz aber noch lange nicht vorbei: „An dem Abend war ich noch bei einem Feuerwehrlehrgang und so um kurz vor elf war ich dann erst wieder zu Hause“, erinnert er sich. Am nächsten Morgen musste Moritz früh raus. Schule. In Siegen. Eine Stunde mit dem Auto musste er fahren. „Das war alles kein Problem. Ich war nicht erschöpft, ich hatte ja vorher super Hilfe vor Ort“.

Für Moritz ist es die Abwechslung, die den Reiz an der Feuerwehrarbeit ausmacht. Er ist fasziniert darüber, „eine Gemeinschaft zu bilden und anderen zu helfen“. Und: „Es ist mir wichtig, dass die Feuerwehr Präsenz zeigt, in der Öffentlichkeit gesehen wird und auch Wertschätzung erfährt“, schließt Moritz das Gespräch ab, bevor wir nach draußen gehen, um Fotos zu machen.

Ich bin mir sehr sicher, dass es Dank so engagierter Menschen wie Mark und Moritz dazu kommt, dass die Wünsche von Moritz hinsichtlich der Feuerwehr erfüllt werden. Denn seine spannende Geschichte wird in der Öffentlichkeit gelesen, seine Einsatzeindrücke und die tolle Einstellung und das Engagement der beiden Quereinsteiger werden ganz sicher Wertschätzung erfahren. Menschen wie diese beiden werden die Feuerwehr nach vorne bringen und sie reicher machen.

Gelebte Kameradschaft auch für die Berichterstatter

Zum Thema Kameradschaft: Da die beiden noch keinen Lkw-Führerschein besitzen, konnte kein Löschfahrzeug zum Foto raus gefahren werden. Als Feuerwehrmann Jan Schenk von dem Termin hörte, bot er sofort und ganz aus eigenen Stücken an: „Wenn Ihr einen braucht, der Euch eben ein Auto für den Fototermin raus fährt, dann meldet Euch. Ich mache das sofort“.

Zum Abschluss verabschieden wir uns. Wieder mit Handschlag. Rund zwei Stunden ihrer Freizeit habe ich den beiden Feuerwehrleuten für die Serie geraubt. Und das an einem Sonntag. „Echt super, dass die beiden das machen“, denke ich mir. Und was dann passiert, kann ich kaum glauben: Beide bedanken sich bei mir, dass ich den Bericht über sie verfassen möchte und sie gefragt habe, ob sie bei der Serie mitmachen. Das sitzt. Ich bin tief beeindruckt und verstehe ein wenig, wie sie sich bei der Aufnahme in die Feuerwehr gefühlt haben müssen.

Publiziert in SI Feuerwehr
Donnerstag, 12 März 2020 13:14

"Mädchen, Ihr passt in die Welt !"

WITTGÉNSTEIN. Als ich an der Rettungswache ankomme, stehen RTW und NEF draußen. In der Fahrzeughalle herrscht reges Treiben. Corinna Horn und Laura-Marie Linke, heute eine Besatzung des DRK Rettungsdienstes, sind bei der Fahrzeugwäsche und der Reinigung der Halle. Hochdruckreiniger, Bürsten, Flitschen und Wasserschlauch sind im Einsatz.

„Direkt das Klischee erfüllen: Frauen putzen!“, scherzen sie, als ich die Halle betrete. Die beiden jungen – und tatsächlich auch kleinen – Frauen haben mir gestattet, sie im Rahmen unserer Serie zu besuchen und zu ihrer Arbeit zu befragen. Insbesondere sollen sie mir berichten, wie es ist, als Frau in einer vermeintlichen Männerdomäne zu arbeiten. Mit diesem Mythos räumt Corinna aber ziemlich zu Anfang auf, nachdem wir uns die Küche der Wache gesetzt haben: „Eigentlich ist der Rettungsdienst keine reine Männerdomäne. Der Beruf ist genau so für Frauen, wie für Männer“, macht sie deutlich.

Seit neun Jahren im Einsatz

Seit neun Jahren bereits, damals mit 31 Jahren hat Corinna Kontakt zum Rettungsdienst und arbeitet hauptberuflich dort. „Das fing alles mit einem Praktikum an“, erinnert sich die Mutter von zwei Kindern. „Damals“, so erklärt sie mir, habe sie eine Heilpraktikerausbildung absolviert und dabei müsse man auch Kenntnisse über Notfallmedizin haben. „Das hat aber zu dieser Zeit bei mir nicht so gesessen und dann habe ich die Kenntnisse in einem Rettungsdienstpraktikum aufgebessert“, berichtet sie. Und bereits während dieses Praktikums habe sie sich entschieden, umzusteigen und zum Rettungsdienst zu gehen. Trotz zweier kleiner Kinder zu Hause. Es folgten ein Bewerbungsverfahren und dann auch tatsächlich die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. „Ich hatte bisher immer Glück in beruflichen Gesprächen und es lief immer sehr gut für mich. Aber als ich aus dem Bewerbungsgespräch beim Rettungsdienst kam, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass dieses Gespräch überhaupt nicht gut war“, erinnert sich Corinna. „Gedanklich hatte ich ab diesem Tag mit der Verwirklichung meines Wunsches abgeschlossen“ war sie damals verunsichert. Und weiter: „Meiner Tochter Sarah, die damals noch die Grundschule besuchte, hatte ich versprochen, dass sie ein Handy bekommt, falls ich die Ausbildungsstelle bekomme“, weiß Corinna heute noch. Ob sie auch noch wisse, wie das mit der Zusage gewesen sei, frage ich die junge Frau. Corinna lacht: „Oh ja, das weiß ich noch ganz genau! Ich hatte meine Tochter aus der Schule abgeholt und dann den Briefkasten geleert. Dann habe ich den Brief vom DRK Rettungsdienst geöffnet und gesagt: „Ich fasse es nicht, die haben mich genommen!“, erinnert sie sich. Und auch an die Freude von Tochter Sarah: „Mama, ich kriege ein Handy!“, war die damals begeistert.

Wie ist das nun, als kleine, recht zierliche Frau im Rettungsdienst zu arbeiten. Das möchte ich wissen. Corinna freut sich, mir berichten zu können, dass es da kaum Besonderheiten gibt. „Wir hatten mal einen Tag, da mussten wir auf offener Straße eine Frau reanimieren, einen psychisch kranken und hochaggressiven Menschen einweisen, einen Mann mit hochgradiger Atemnot versorgen – es war einfach richtig viel und anspruchsvoll an diesem Tag. Das war im ersten Praktikum der Ausbildung und ich dachte mir, wenn das jeden Tag so ist, ist es wirklich heftig“, berichtet Corinna. Aber Gedanken, dass sie das als Frau anders empfindet, kamen ihr da nicht. Denn: „Das ging an diesem Tag allen Kollegen so“.

„Aber natürlich wird man hin und wieder mal angesprochen. Wir hatten uns mal was zu essen geholt und wurden recht belächelnd von einem Mann angesprochen, der uns fragte, wie wir ihm denn helfen wollten, wenn er mal einen Notfall hat“, erzählt mir Corinna. Sie war damals mit Laura unterwegs. „Wir haben es ihm dann erklärt, dass wir das können“, erinnert sie sich. „Aber ich war davon schon ein wenig genervt“, gibt sie zu.

Auch im privaten Umfeld waren die Resonanzen auf ihre Berufswahl nicht immer positiv: „Wie willst Du das denn machen?“, „Wie soll das gehen mit den Kindern?“, „Meinst Du das wäre was für Dich?“, waren häufige Einwände. „Es hat mir keiner zugetraut“, erinnert sie sich. Heute ist Corinna Notfallsanitäterin, hat bereits neun Jahre Berufserfahrung und bei allen Einsätzen ihre Frau gestanden. Und, für sie sehr wichtig: „Ich habe nicht einmal gezweifelt. Und meine Kollegen wurden mal gefragt, ob es sich bemerkbar macht mit einer Frau zu arbeiten. Dass sie eventuell weniger belastbar sein könnte, oder nicht alle Arbeiten machen kann. Das sei aber zu keiner Zeit auch nur einmal so empfunden worden“, freut sich die Notfallsanitäterin. „Das ist wirklich sehr wichtig für mich“, macht sie deutlich.

Auch Laura, die zweite Frau, die heute ihren Dienst versieht, hatte schon das eine oder andere Mal mit Vorurteilen zu tun, wenn auch unbewusst: „Die Patienten möchten es nicht immer zeigen, aber ihre Blicke, wenn eine Frau zum Einsatzort kommt, sind sehr präsent“, verrät sie. „Das Vertrauen muss man sich dann erst mal erarbeiten“, erklärt Laura. Sie hat sich schon sehr früh, noch zur Schulzeit entschieden, zum Rettungsdienst zu gehen. Damals war sie 16 Jahre alt, gerade im Schulpraktikum im Krankenhaus. Die Begegnungen mit dem Rettungsdienst dort gaben bei ihr damals den Ausschlag. In 2006 begann sie ihre Ausbildung und ist seitdem auch beruflich im Rettungsdienst ihrer Heimat tätig.

Emotionale Aspekte machen manchmal nachdenklich

„Von den Anforderungen her fühle ich mich für alles gewappnet und genau so hochwertig, wie die männlichen Kollegen“, berichtet Laura. Das einzige, was sie manchmal nachdenklich mache, seien die emotionalen Aspekte. „Wenn es um Kinder geht, die vielleicht auch noch das Alter haben, wie die eigenen“, führt die Mutter einer eineinhalbjährigen Tochter als Beispiel an. „Oder generell mit jungen Menschen und dramatischen Fällen“, ergänzt Corinna ihre Kollegin und gute Freundin. Die beiden erzählen mir von einem Einsatz, bei dem sie eine junge Frau verloren haben: „Da muss man auch hinterher einfach mal weinen, aber dann ist es auch wieder gut“. Kurze Stille in der Küche der Rettungswache, in der Notfallsanitäter Marco gerade ein feudales Mittagessen für sich und seine beiden Kolleginnen zubereitet. „Ich muss die Kleinen doch versorgen, die kommen mir ja gar nicht an den Herd“, lacht er.

In diesem Zusammenhang erinnert sich Laura an eine recht witzige Begebenheit aus einem Einsatz: „Da mussten Corinna und ich zu einem Fußballturnier. Ein Alt Herren Turnier, und wir mussten mitten auf den Platz“, erinnert sie sich. „Da haben wir uns während der Anfahrt abgesprochen und gedacht: Da sind gleich lauter echte Männer auf dem Platz und der Tribüne. Da müssen wir selbstbewusst auftreten und dürfen nicht kichern oder so“, erzählt Laura mit einem Lächeln. Und genau so haben die beiden es auch gemacht. „Die Umstehenden haben wir sofort in die Versorgung mit eingebunden und wir haben allen gesagt, wie es jetzt läuft“, freuen sich beide. Und das Resultat ? „Das hat alles super geklappt. Die haben alle gespurt“, lacht Laura.

Und so kommt es sehr häufig vor, dass sich zuvor augenscheinlich skeptische Patienten oder Umstehende im Anblick einer zierlich erscheinenden Notfallsanitäterin an Laura wenden: „Ganz häufig wird mir dann gesagt: Mädchen, Du passt in die Welt!“. Das freut die beiden sehr – gar keine Frag. „Die Patienten hätten ja eigentlich gestandene Männer erwartet“, lacht Laura.

Und was hätte ich heute erwartet? Dass es schon Probleme mit manchen Situationen gibt, die man vielleicht nicht so einfach meistern kann, oder dass es Dinge gibt, die die zierlichen Frauen nicht leisten können. Fehlanzeige! Ich habe zwei gestandene Frauen im Rettungsdienst erlebt, die ihren Beruf für das Leben gefunden haben. Die viele Menschen vor bleibenden Schäden oder gar dem Tod bewahrt haben und zu denen man einfach sagen muss: „Mädchen, ihr passt in die Welt!“

Publiziert in SI Retter

WALDECK-FRANKENBERG UND REGIONEN. Wie versprochen gibt es hier wieder Neuigkeiten zur bereits angekündigten Serie über die Menschen hinter den Kulissen der Einsatzstellen. Heute Abend wird unsere Serie den Auftakt machen. Im Abstand von etwa drei Wochen stellen wir Euch hier Menschen vor, die jeden Tag für unsere und Eure Sicherheit im Einsatz sind.

Egal, ob haupt- oder ehrenamtlich, egal ob Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst. Egal ob Luftrettung, Notfallseelsorge oder Bergwacht. Alle Helfer kommen hier zu Wort, alle die rund um die Uhr bereit sind, zu Einsätzen zu starten.

Viele, viele Menschen haben bereits Pate gestanden und uns exklusive Einblicke gewährt. Im Hintergrund läuft die Suche nach Menschen aus dem Blaulichtbereich, die bereit sind, uns und Euch über ihre Arbeit zu berichten, immer noch weiter. So werden wir auch in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder Einsatzkräfte ansprechen und sie bitten, uns ihre Geschichte zu erzählen.

Den entsprechenden Artikel findet Ihr dann in der jeweiligen Region und Sparte, in der derjenige tätig ist. Wie gewohnt wird der Artikel aber auch in unserem Facebook-Account gepostet, sodass er darüber dann einfach gefunden werden kann.

Wenn Ihr, liebe Leser, jemanden kennt von dem Ihr meint, dass wir ihn hier unbedingt vorstellen sollten, dann schlagt ihn uns vor und wir nehmen Kontakt auf und erzählen seine Geschichte.

Auf Anregung unseres Kollegen Marvin Schreck möchten wir in absehbarer Zeit auch unsere Mitarbeiterschaft vorstellen, um Euch auch zu zeigen, wer hier bei uns hinter den Kulissen steckt.

Wir hoffen, dass Euch die künftig vorgestellten Geschichten hier gefallen und einen interessanten Einblick in die die wichtige Arbeit der Einsatzkräfte bieten können.

Für Wünsche und Anregungen Eurerseits sind wir dankbar und jederzeit offen.

Seid gespannt, mit welcher Persönlichkeit unsere neue Serie heute Abend beginnt.

Euch allen ein schönes und hoffentlich ruhiges Wochenende!

Publiziert in Feuerwehr

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