WOMELSDORF. Am Samstagmorgen gegen 09:00 Uhr übten Feuerwehr und Rettungsdienste im Grobelweg oberhalb von Womelsdorf. Der Einsatzauftrag dabei war durchaus anspruchsvoll: Ein mit zwei Personen besetzter Pkw war bei kühlem, nebligen Wetter in eine Baumgruppe gefahren. Ein Brand drohte, sich vom Motorraum aus auszubreiten – dargestellt durch schwarzen Rauch. Es befanden sich jedoch noch zwei Personen im Auto, die es zu befreien galt. Außerdem war der Twingo derart in Schieflage geraten, dass er abzurutschen drohte. Somit gab es für die Feuerwehren aus Schameder und Womelsdorf, sowie die Rettungskräfte des DRK Ortsvereins Bad Laasphe, des Malteser Hilfsdienstes Bad Laasphe mit Notarzt Dr. Tobias Baxmann und eine Rettungswagenbesatzung der DRK Rettungswache Womelsdorf, die die Übung mit einem Reservefahrzeug in ihrer Freizeit absolvierte, gleich mehrere zeitkritische Aufgaben in enger Absprache zu bewältigen.
Während der Pkw gegen weiteres Abrutschen mit speziellen Gurten durch die Feuerwehr gesichert werden musste, gingen weitere Kameraden parallel mit schwerem Gerät vor und unterstützten die Rettungskräfte bei der Versorgung der beiden Patienten. Die Beifahrerin, die bewusstlos im Fahrzeug saß, musste dabei sofort gerettet werden. „Sofortrettung“ heißt das im Fachjargon. Das bedeutet, der Patient muss aus dem Fahrzeug, egal wie. Sofort. Unmittelbar. Eine weitere, adäquate Versorgung im Fahrzeug ist bei bewusstlosen Patienten nicht möglich. Zum Beispiel kann ein Patient im Sitzen nicht mit einem Beatmungsschlauch versorgt, oder reanimiert werden. Am Unterbleiben dieser Maßnahmen wird er aber unmittelbar schwersten Schaden nehmen, oder versterben. Deshalb duldet dieses Szenario keine Verzögerung. Auf eine Schonung der Wirbelsäule zum Beispiel kann in diesem Fall zunächst zugunsten einer sofortigen Befreiung keine Rücksicht genommen werden. Diese Situation „Person bewusstlos, Sofortrettung indiziert“ galt es für die Einsatzkräfte sofort zu erkennen.
Der Fahrer war im Fußbereich im Fahrzeug eingeklemmt. Ihn mussten die Einsatzkräfte mit schwerem Gerät befreien. Auch hier musste ein Augenmerk auf die Zeit gelegt werden. Er war schwer verletzt, aber nicht unmittelbar in Lebensgefahr. In der Rettungsmedizin werden diese Patienten, vor allem bei mehreren Verletzten, mit Farben entsprechend ihrer vitalen Bedrohung gekennzeichnet. Während die Beifahrerin hier „rot“ kategorisiert war, wurde der Fahrer mit „gelb“ eingestuft. Bei seiner Rettung bestand zumindest nicht unmittelbar die Gefahr, dass er verstirbt. Aber eine Verschlechterung (zum Beispiel wegen innerer Verletzungen) war jederzeit möglich. Hier wird den Einsatzkräften für eine Rettung ein Zeitfenster von etwa zwanzig bis dreißig Minuten gegeben. Dabei können wichtige medizinische Versorgung, Immobilisation, oder Sicherungsmaßnahmen am Fahrzeug in der nötigsten Form erfolgen, ohne die Zeit aus dem Auge zu verlieren.
Die Besonderheit bei der Übung am Samstag war die Belastungsreaktion eines Feuerwehrmannes, die ebenfalls Bestandteil der zu lösenden Aufgabe war. Lisa Birkelbach und Florian Kroh, beides auch Feuerwehreinsatzkräfte, aber auch in der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) engagiert, hatten dies in ihrem Übungsdrehbuch bewusst mit eingearbeitet. Die Belastungsreaktion sollte von den Führungskräften sofort erkannt werden, die daraufhin gezielt die PSNV-E-Kräfte nachfordern.
Am Feuerwehrgerätehaus in Womelsdorf fanden dann realitätsnahe Einsatznachbesprechungen mit den PSNV-E Kräften statt, wie nach schweren und belastenden Einsätzen üblich. In diesem Verlauf zeigten sich bei einem weiteren Feuerwehrmann Belastungsreaktionen, die dann durch die speziell geschulten Kräfte angegangen wurden.






