HOCHSAUERLANDKREIS. Die Verkehrsunfallentwicklung im Hochsauerlandkreis zeigt im Jahr 2025 ein differenziertes Bild: Während die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle leicht gestiegen ist, sind sowohl die Unfälle mit Personenschaden als auch die Zahl der verunglückten Menschen zurückgegangen.
Landrat Thomas Grosche, stellv. Abteilungsleiterin Mareen Weische und der Direktionsleiter Verkehr Victor Ocansey stellten die Zahlen im Rahmen einer Pressekonferenz vor. „Die statistische Wahrscheinlichkeit in unserem Kreisgebiet in einen Verkehrsunfall mit Personenschaden oder Schlimmeren verwickelt zu werden, ist geringer als in anderen Teilen von NRW“, so der Landrat und Behördenleiter der Kreispolizeibehörde. „Das ist aber keineswegs ein Grund, sich zurückzulehnen – im Gegenteil! Ein höchstmögliches Maß an Verkehrssicherheit für die Menschen in unserem Kreis ist unser Auftrag und unsere eigene Verpflichtung zugleich. Daher gibt es für uns Jahr für Jahr viel zu tun.“
Die Verunglücktenhäufigkeitszahl liegt im Hochsauerlandkreis mit 402 pro 100.000 Einwohnern weiterhin deutlich unter dem Landesdurchschnitt Nordrhein-Westfalens.
Im Jahr 2025 registrierte die Polizei im Hochsauerlandkreis 8901 Verkehrsunfälle. Der Anstieg ist vor allem auf Sachschadensunfälle sowie Verkehrsunfallfluchten zurückzuführen.
Positiv ist hingegen die Entwicklung bei den schweren Unfallfolgen:
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weniger Verkehrsunfälle mit Personenschaden
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weniger Verunglückte insgesamt
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weniger Verkehrstote
Die Zahl der Verkehrstoten sank von 10 auf 9.
„Unser Ziel bleibt klar: Kein Mensch soll im Straßenverkehr sein Leben verlieren. Jeder tödliche Unfall ist einer zu viel und schmerzt uns alle sehr“, betont Polizeirat Victor Ocansey.
Motorradunfälle bleiben Schwerpunkt
Motorradfahrende sind weiterhin überproportional häufig an schweren Verkehrsunfällen beteiligt. Obwohl sie nur einen vergleichsweise kleinen Anteil (6%) am gesamten Unfallgeschehen (28%) ausmachen, stellen sie einen großen Anteil der Schwerverletzten. Im Jahr 2025 verstarben zudem drei Motorradfahrer.
Das Hochsauerlandkreis gilt seit vielen Jahren als eine der attraktivsten Motorradregionen Deutschlands. Kurvenreiche Landstraßen, abwechslungsreiche Topografie und landschaftlich reizvolle Strecken ziehen jedes Jahr zahlreiche Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer an.
Doch genau diese Eigenschaften machen das Sauerland auch zu einer Region mit besonderen Herausforderungen für die Verkehrssicherheit.
Häufigste Unfallursache ist nicht angepasste Geschwindigkeit.
„Motorradunfälle sind zahlenmäßig nicht dominant, aber häufig mit besonders schweren Folgen verbunden, denn gerade hinter jeder Kurve kann der Tod lauern“, erklärt Ocansey.
Ein weiterer Faktor, der die Präventionsarbeit erschwert: Ein großer Teil, etwa 70%, der verunfallten Motorradfahrenden stammt nicht aus dem Hochsauerlandkreis.
Kinder im Radverkehr stärker betroffen
Eine besondere Entwicklung zeigt sich im Bereich der Verkehrsunfälle mit Kindern.
Während die Zahl der verunglückten Radfahrenden insgesamt leicht rückläufig ist, ist die Zahl der verunglückten Kinder auf Fahrrädern gestiegen.
„Kinder gehören zu den verletzlichsten Verkehrsteilnehmern. Sie können Geschwindigkeiten und Entfernungen oftmals noch nicht zuverlässig einschätzen“, so Ocansey.
Die Polizei setzt deshalb weiterhin intensiv auf Verkehrserziehung und Radfahrausbildung in Schulen.
„Die Entwicklungen rund um den Fahrrad- und Pedelecverkehr nehmen wir sehr ernst. Auch wenn einzelne Zahlen in diesem Jahr rückläufig sind, wäre es völlig falsch, sich darauf auszuruhen. Gerade der Anstieg bei verunglückten Kindern zeigt uns, dass wir hier weiter intensiv arbeiten müssen. Deshalb werden Rad- und Pedelecverkehr im Jahr 2026 einen noch stärkeren Schwerpunkt unserer Verkehrssicherheitsarbeit bilden“, so Ocansey.
Junge Erwachsene weiterhin Risikogruppe
Die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen ist weiterhin überdurchschnittlich häufig an Verkehrsunfällen beteiligt.
„Junge Erwachsene stellen nur einen kleinen Anteil an der Bevölkerung, tauchen aber deutlich häufiger im Unfallgeschehen auf“, erklärt Ocansey. „Das kommt ganz besonders im Hochsauerlandkreis, der der flächenmäßig größte Kreis im Land ist, zum Tragen, da der öffentliche Nahverkehr oder innovative Mobilitätslösungen nicht wie in Ballungsgebieten in jedem Stadtteil oder gar an jeder Straßenecke zur Verfügung stehen kann. Die Menschen in ländlichen Regionen sind auf die Fahrzeugmobilität regelrecht angewiesen.“
Programme wie Crash Kurs NRW (https://polizei.nrw/artikel/realitaet-erfahren-echt-hart) bleiben daher ein wichtiger Bestandteil der Verkehrssicherheitsarbeit.
Alkohol, Drogen und Unfallflucht
Auch im Jahr 2025 bleibt der Einfluss von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr ein wichtiges Thema.
„Wer berauscht fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmende“, betont Ocansey. „Hier gibt es keinerlei Kompromisse, denn es geht um nichts Geringeres als Menschenleben!“
Verkehrsunfallfluchten
Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten ist von 1661 auf 1746 gestiegen. Gleichzeitig konnte die Polizei ihre Aufklärungsquote von 44% auf 46% weiter verbessern, was ein Ansporn für die gute Ermittlungsarbeit der Verkehrskommissariate ist. „Beinahe jede zweite Verkehrsunfallflucht geht in die Fänge unserer Ermittlerinnen und Ermittler“, so Ocansey. „Das ist zwar ein verhältnismäßig guter Ermittlungswert, aber auch nicht gut genug. Wir arbeiten weiter hart daran, noch besser zu werden.“
Verkehrssicherheit bleibt Gemeinschaftsaufgabe
Die Polizei setzt weiterhin auf einen sinnvollen Dreiklang aus Prävention, Kontrolle und Zusammenarbeit mit Kommunen und Netzwerkpartnern.
„Verkehrssicherheit entsteht nicht nur durch Regeln, sondern vor allem durch Rücksicht, Aufmerksamkeit und Verantwortung im Straßenverkehr“, so Landrat Thomas Grosche. „Verkehrssicherheit funktioniert aber auch am besten im Netzwerk. Deshalb freue ich mich sehr, dass der Hochsauerlandkreis am 30. Mai 2026 dem bislang bundesweit größten Präventionsnetzwerk für Verkehrssicherheit im Rahmen einer öffentlichen landeszentralen Veranstaltung in der Arnsberg-Neheimer Fußgängerzone unter Beteiligung von NRW-Innenminister Herbert Reul und Verkehrsminister Oliver Krischer beitreten wird – der NRW-Initiative #sicherimStraßenverkehr.“ (https://sicherimstrassenverkehr.nrw/)
8.901 Verkehrsunfälle im HSK
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Weniger Unfälle mit Personenschaden
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Weniger Verunglückte insgesamt
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Verkehrstote von 10 auf 9 gesunken
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Motorradunfälle weiterhin häufig mit schweren Folgen
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Mehr verunglückte Kinder auf Fahrrädern
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Junge Erwachsene weiterhin überdurchschnittlich beteiligt
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Alkohol- und Drogenunfälle leicht gestiegen
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Unfallfluchten nehmen zu – Aufklärungsquote verbessert (ots/r)
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