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Montag, 24 September 2012 12:09

Jagd in Schweden - Teil 7

ÖSTERSUND.  Die Begegnung mit Sestrid, die nun meine neue Jagdführerin für die nächsten Tage sein wird, ist herzlich.  Ich stelle mir aber beim Anblick der 23-jährigen blonden Frau die Frage, ob die Bengtssons mich quälen wollen oder die Dame wirklich das jagdliche Handwerk versteht, die Gegend kennt und sie mir deshalb zur Seite gestellt wird. Die junge Sestrid hat die Rundungen an den richtigen Stellen und ist trotz allem schlank und durchtrainiert.  Sie fragt mich, ob wir sofort zur Jagdhütte in die Berge aufbrechen wollen oder erst morgen Früh. Ich entschließe mich, die Jagdhütte gleich aufzusuchen. Mein Gepäck wird auf ein komisches Vehikel verfrachtet, das vorne Räder und hinten Ketten hat. Schon sind wir unterwegs zur Berghütte, im Licht der Scheinwerfer erkenne ich die Gefahren der Nachtfahrt nicht, erst am nächsten Tag sehe ich welche Wege wir hinauf zur Hütte gemeistert haben. Nun, wir halten an einem Hochplateau  dem ein kleiner See angegliedert ist und laden unsere Waffen und das Gepäck ab. Nun geht es auf schusters Rappen 30 Minuten über Trampelpfade Bergauf und Bergab. In der Nähe eines Flusses liegt zwischen Haushohen Felsquadern ein altes mit Grassoden auf dem Dach belegtes Holzhaus. Wir treten ein und Sestrid wirft eine große Petroleumlampe an, weist mir ein Bettgestell mit Bären und Elchfellen zu und beginnt sofort mit dem Entfachen eines Feuers im gemauerten Kamin und dem Herd. Auch ich habe einiges an Proviant dabei, so zum Beispiel eine Rote Stracke aus Hirsch und Rehfleich und geräucherten Wildschweinrücken aus dem Waldecker Land. Auch deutsches Brot, das nicht so süsslich wie das Schwedische schmeckt, wird von mir auf den Tisch gebracht. Das Wasser im Gußeisernen Kessel auf dem Herd wird schnell heiss und schon ist der Kaffee mit Wodka aufgebrüht. Die Nächte sind bereits sehr kalt sagt Sestrid und morgen Früh wird es den ersten Frost geben. Wir pirschen morgen zu einem Fernwechsel von Elch und Bären, wir müssen um 05:00 Uhr raus, um 04:30 Uhr ist Wecken,  ich soll jetzt schlafen meint die blonde Schwedin. Nach dem guten Abendbrot und drei Tassen Kaffee mit Wodka fällt mir das nicht schwer und nachdem die Wikingerin ( so nenne ich sie jetzt in Gedanken ) den Kamin und die Patromaxlampe gelöscht hat falle ich in einen tiefen Schlaf aus dem ich um 04:45 Uhr unsanft geweckt werde. Ich habe das Gefühl, gerade erst einige Minuten geschlafen zu haben. Die Petromaxlampe ist an und ein nicht definierbarer süsser Tee steht auf dem Tisch. Das Frühstück besteht aus Kellogsflocken  ( Ich hasse Kellogsflocken ) die in Milch getungt sind. Ich bekomme die Portion gerade so runter und frage nach der Toilette, Sestrid nimmt eine Taschenlampe und führt mich nach draussen zu einem Häuschen mit Plumpsklo. Habe ich hier einen Abenteuerurlaub alla Y-Reisen gebucht nach dem Motto " Wir buchen Sie fluchen"  frage ich mich? Ausserdem ist es kalt wie im Kühlhaus. Die Notdurft ist schnell erledigt, das Wasserfass zum Händewaschen ignoriere ich, da sich bereits durch den Nachtfrost eine dünne Eisschicht auf der Oberfläche gebildet hat. Beim Eintreten in die warme Hütte fragt mich die Wikingerin sofort ob ich mir die Hände gewaschen habe. Wortlos drehe ich mich um, gehe zum Trog  und tauche die Flossen in das kalte Nass. Die kann aber auch nerven... Der Rucksack, den jeder mitnimmt,  wird  nach ihren Anweisungen gepackt . Munition, Wasserflache, Verbandspäckchen, Messer, Wechselwäsche, Essensration und Schlafsack sind Hauptbestand des Packplanes. Im Morgengrauen treten wir unseren Marsch zum Jagdplatz am besagten Wildwechsel an. Rucksack geschultert und  Waffe in Vorhalte gehen wir los und ich nehme mir vor, der kleinen  Wikingerin heute eine Lektion in Sachen Ausdauer zu erteilen. Schließlich habe ich jahrelang Triathlon und Marathonläufe absolviert. Das teile ich ihr auch genau so mit und mit einem Achselzucken nimmt sie das kommentarlos zu Kenntnis.

Nach 2 Kilometern weiss ich, dass ich besser den Mund gehalten hätte. Ich  bin absolut durchgeschwitzt und ausser Atem als wir an einem Höhenpass rast machen. Das mit dem Marathon muss aber schon etwas länger her sein bemerkt das blonde Gift emotionslos . Warum sind hübsche Weiber eigentlich immer so grausam ? Noch ca. 2 Kilometer, dann sind wir am Ziel  sagt sie, nimmt ihren Rucksack und die Waffe auf und schreitet mit kurzen schnellen Schritte durch die Gegend. In weiter Ferne kann ich ein Bergmassiv mit weissen Gipfeln erkennen als wir an einem Steilhang am Rande einer Krüppelkiefer - Ansammlung halten. Vor uns ist in ca. 100 Meter Entfernung ist ein ausgetretener Wildwechsel zu erkennen. Hier sind Bär, Elch, Luchs und Wolf zu Hause. Die Freifläche ist mit Heidelbeer und Preiselbeergewächsen durchzogen, dazwischen  befinden sich Birkenanflug und Fichten, sowie Krüppelkiefer auf einer Breite von 400 Metern. Moose und Flechten halten den Boden immer Nass. Hier, so die Wikingerin, schlagen wir den Platz auf und warten auf die Elche. Sestrid  zieht sich vor meinen Augen aus und schlüpft in  neue und trockene Jagdkleidung. Ich versuche weg zu schauen, das misslingt mir aber völlig und ich kann ihr Lächeln nur zu genau deuten.  Ich soll mich ebenfalls umziehen sagt sie, damit ich keine Erkältung bekomme.  In mein Erdloch lege ich meinen Poncho aus Bw-Zeiten, baue mir eine Gwehrauflage und gehe so in Stellung, dass ich herannahendes Wild gut ansprechen -und gegebenfalls einen sicheren Schuss antragen kann. Ja, nun kommt mir die Bundeswehrzeit zu Gute. Der Grenadier und Hauptfeldwebel in Aktion...Die Nebel werden von der Sonne aufgesogen und uns bietet sich ein herrliches Landschaftspanorama. Nach ca. 1 Stunde kommt eine Elchkuh mit einem Kalb angewechselt, Sestrid deutet mir an diese vorbei ziehen zu lassen, und nach weiteren 15 Minuten schiebt sich auf ca. 100 Metern ein riesiger Elchbulle durch das Geäst. Nun kommt meine Person ins Spiel. Ich lege die M 03 auf meine Brüstung, schalte den Leuchtpunkt des Zeiss an und ändere die Einstellung auf 8-fache  Vergrößerung. Der Bulle steht aber nicht quer zu mir und so warte ich mit dem Einstechen der Waffe. Nun endlich setzt er sich in Bewegung, der Wind steht günstig und nach ca. 10 Metern steche ich die Waffe ein und schicke dem Bullen die 9,3 entgegen. Der Elch  reagiert darauf aber gar nicht, schreitet mit weiten Schritten Richtung Waldrand um kurz davor schwankend umzufallen. Zufrieden mit dem Ergebnis gratuliert mir Sestrid. Über Funk telefoniert sie in schwedischer Sprache mit irgend jemanden, wir begeben uns zu dem Elch und  ich bin überglücklich, so einen kapitalen Bullen gestreckt zu haben. Erschöpft setze ich mich auf den Rucksack und lasse alles noch einmal Revue passieren. Das Anwechseln des Elches, die Drehung und der Schuss¨¨, bis mich die Wikingerin mit dem Satz " Soll ich die Arbeit allein machen ? " in die Wirklichkeit zurück holt. Natürlich nicht, sage ich und beginne den Elch aufzubrechen.  Nach ca. 2 Stunden kommt ein Quad und zieht den Elch Richtung Fluss. Wir machen uns auf den Rückweg zur Hütte und erreichen diese am frühen Nachmittag. Die Wikingerin macht den Kamin und den Herd wieder an, auch die Petromaxlampe sorgt für Helligkeit und Wärme. Sestrid  sagt mir, dass sie noch einmal zum Transportfahrzeug zurück geht um Proviant zu holen, sie wirft mir ein Stück Kernseife zu uns sagt " Wasch dich im Bergsee, du stinkst " . So, nun habe ich mein Fett aber weg. Ich habe eh vor mich zu waschen und brauche ihre Ratschläge nicht sage ich ihr. Der Bergsee ist kalt und nach dem ich mich abgeseift habe tauche ich unter, springe aus dem Wasser  um in langen Sätzen die wärmende Hütte zu erreichen. Hier schlage ich mir vor dem Kamin die Felle um den Körper und schlafe ein. 

Teil 8 lesen Sie morgen - Schauen Sie rein

Publiziert in Archiv - Sammlung
Sonntag, 02 September 2012 10:15

Nachsuche auf einen angeschweissten Rehbock

 

DIEMELSEE/BENKHAUSEN. Nachdem ich heute meinen 17. Hochzeitstag mit meiner Fau zusammen gefeiert und  köstlich bei Wiele´s Montecatini in Korbach gegessen habe, schiebe ich mich auf dem Sofa ein als das Telefon klingelt und der alte Weltkriegsveteran Karl Wilke aus Benkhausen anruft um mich am nächsten Tag mit meinen Hunden zur Nachsuche bittet. Ein Jagdgast hat einen  Bock angeschweisst, er ist in das Nachbarrevier gewechselt, Schweiss ( Blut ) wurde allerdings nicht gefunden. Nun, gesagt, getan, am nächsten Morgen um 08:00 Uhr stehe ich Gewehr bei Fuss und die Hunde am Riemen bei Karl in seiner Werkstatt.  Ich habe mich für die Mauser 66 s im Kaliber 8 x 68 entschieden, ich kenne das Revier genau, habe ich doch etliche Jahre das Revier gepachtet, geleitet und bejagd. Im übrigen ein sehr gutes Sauenrevier. Die revierübergreifende Nachsuche hat Karl Wilke bereits geklärt, als wir mit 4 Jägern aufbrechen um den Anschuss zu begutachten. Der Schütze erklärt mir vor Ort, wo der Anschuss ist, das Trefferbild und die Fluchtrichtung schildert er mir genau. Das ist gut, so weiss ich, wie schwer die Verletzung des Stückes ist. Ich nehme die Schweisshalsung samt Riemen, lege die Halsung der alten Hündin an und die junge Hündin, die noch viel lernen muss kommt an meine linke Seite . Schweiss ist nicht zu sehen also lasse ich die erfahren Hündin am Riemen die Arbeit allein machen. Wie gewohnt findet die Hündin auf Anhieb den ( für uns unsichtbaren ) Anschuss, überwindet einen Stacheldrahtzaun und legt sich in den Riemen, 50 Meter durch Buchenhochwald, weiter Bergauf über einen Weg und  weitere 70 Meter Bergauf in ein Fichtenstangengehölz. Überall findet man Stellen wo Sauen gebrochen oder sich Malbäume ausgesucht haben. Nach weiteren 30 Metern bleibt die Hündin abrupt stehen, ein Zeichen, dass vor uns Wild liegt. Ich schnalle die Hündin und zu meiner Überraschung bögelt sich die Hündin über den Kamm in eine weitere Fichtenschonung ein. Ich laufe hinterher und es geht nun bergab.  Nun ist die Hündin Standlaut, die junge Wachtelhündin  muss ich jetzt schnallen, diese ich nicht mehr zu halten, beide Hunde geben Standlaut als ich ausser Atem die Fichtenschonung an der Grenze zu Schweinsbühl erreiche. Die junge Hündin apportiert mir den Rehbock...oder, das was davon noch übrig ist. Die Sauen haben hier ganze Arbeit geleistet und ausser dem Hinterlauf und dem Rücken nichts mehr von dem Bock übrig gelassen. Der Schütze ist erleichtert, dass die Qualen des Rehbocks beendet wurden. Mit den Resten des Bocks mache ich die Hunde genossen, die sichtlich zufrieden sind. Das Haupt des Bocks hingegen bleibt verschollen.

Text und Fotos: Klaus Rohde

 

Publiziert in Archiv - Sammlung

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