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WITTGENSTEIN. Eigentlich haben Philipp und Daniel bereits lange Feierabend. Doch sie bleiben extra länger, um mir die Befragung und die Fotos für unsere Serie „Menschen hinter den Kulissen“ im 112-Magazin zu ermöglichen. Ohne, dass sie Überstunden aufschreiben könnten, oder ich ihnen eine Vergütung anbieten könnte. Einfach so. Ganz uneigennützig.

Es ist regnerisch und kühl an diesem Tag und trotzdem begleiten sie mich zum Hubschrauberlandeplatz direkt neben der Bad Berleburger Rettungswache. Das ist eigentlich der Platz, der immer für Fotomotive genutzt wird, wenn nicht gerade ein Hubschrauber darauf steht.

Auf dem Weg dorthin komme ich mit Daniel ins Gespräch, während Philipp den Rettungswagen im Hintergrund postiert. Beide sind noch in der Ausbildung. „Notfallsanitäter“ ist das Ziel. Jenes neue Berufsbild im Rettungsdienst mit dreijähriger Ausbildung, das 2015 geschaffen wurde und den Menschen viel abverlangt.

Daniel erzählt mir auf dem Weg zum Landeplatz, dass es sein Ziel ist, nach der Ausbildung auch im Rettungsdienst in Wittgenstein zu arbeiten. Nicht weiter zu studieren, wie es einige seiner Kollegen vorhaben. Obwohl sein Vater Arzt ist, auch Notarzt im Rettungsdienst war, bevor er in einer Hausarztpraxis tätig wurde, steht für Daniel fest: „Ich möchte hier bleiben“.

Philipp hat den Rettungswagen in perfekte Fotoposition gebracht. Über fünf Tonnen wiegt der Mercedes Sprinter und darf nur mit Lkw-Führerschein bis 7,5 Tonnen gefahren werden. Für Philipp gar kein Problem. Als ehrenamtlicher Feuerwehrmann darf der sympathische Azubi selbst Laster mit noch deutlich mehr Tonnen steuern. Da ist ein Sprinter kein Thema.

Philipp steigt aus. Er lächelt. Er freut sich auf den Artikel und die Fotos. Auch er möchte nach seiner Ausbildung im Rettungsdienst seiner Heimatstadt arbeiten. Nun bringe ich beide erst einmal in die passende Position fürs Foto. Der Regen macht ihnen bis auf ein Augenzwinkern gar nichts aus. Das können sie ab. Einmal funken, einmal nebeneinander stellen. Vor den Wagen, jetzt daneben. Einzeln hinstellen und bitte einmal nebeneinander hinhocken. Geduldig machen beide meine Wünsche mit und warten ab, bis die Fotos im Kasten sind. Dann geht’s mit dem Wagen zurück in die wenige Meter entfernte Wache. Philipps Ausbildungsstelle. Daniel arbeitet 20 Kilometer weiter südwestlich. Die Wache Erndtebrück ist seine Ausbildungsstelle.

Das sind Philipp und Daniel:

Wer sind die beiden eigentlich, Philipp und Daniel?

Philipp Cyriax, 24 Jahre alt. Realschule, Fachabitur, Krankenpflegeausbildung. Das ist der bisherige Werdegang des jungen Bad Berleburgers im Schnelldurchlauf. „Meine Schulpraktika habe ich in handwerklichen Bereichen gemacht. In einer Autowerkstatt, oder einer Tischlerei“, berichtet er. Sein Vater, Krankenpfleger in der Anästhesie und Intensivmedizin, hatte Philipp noch den Impuls gegeben, auch einen medizinischen Beruf anzusehen. Philipp wurde ein Praktikum im Krankenhaus ermöglicht. Und da war es passiert: „Das Medizinische hat mir sehr gut gefallen“, erinnert der junge Mann sich. Es folgten ein Fachabitur für Sozial- und Gesundheitswesen mit anschließender Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Danach die anspruchsvolle Arbeit auf einer Intensivstation einer Lungenfachklinik. „Das hat mir sehr gefallen“.

Dennoch hat Philipp seinen Beruf noch einmal gewechselt und ist zum Rettungsdienst gekommen: Überhaupt hatte ihn der Rettungsdienst schon gereizt, als er die ersten Begegnungen in der Notaufnahme hatte, oder im Feuerwehrdienst, den er bereits in der Jugendfeuerwehr begonnen hatte.

„Eine sehr anspruchsvolle und tolle Ausbildung“, sagt Philipp zu seiner Entscheidung, zum Rettungsdienst zu wechseln. Ein Schritt, den er keine Minute bereut hat. „Es ist jeden Tag lohnend, zur Arbeit zu gehen“. Und er ist sehr froh, dass es nicht wie in anderen Landkreisen praktiziert wurde, seine Krankenpflegeausbildung anzurechnen und die Rettungsdienstausbildung zu verkürzen. „Es gebe sehr viele Dinge, die ich dann im ersten Lehrjahr versäumt hätte und so nicht gewusst hätte“, erklärt er. „Beispielsweise die Immobilisation der Patienten, oder der Umgang mit dem Spineboard“, fährt er fort.

Was das Besondere für den 24-Jährigen an seiner Ausbildung und dem Berufsbild ausmacht, erklärt er mir an einem Einsatzbeispiel: „Ich war bei einem Einsatz dabei, bei dem es darum ging, einen sterbenden Patienten zu betreuen. Und mit der Fürsorge, der Applikation von Sauerstoff und Schmerz lindernden Medikamenten haben wir ihm auch in dieser Situation noch etwas Gutes getan – auch, wenn er kurze Zeit später verstorben ist und das von Anfang an klar war“. Da ist es kurz still im Raum und dann fährt Philipp fort: „Deshalb ist ein Dienst aber nicht schlecht verlaufen. Der Dienst ist immer gut verlaufen, wenn wir unseren Patienten etwas Gutes tun konnten und das Beste, alles was wir gelernt haben, gegeben haben“.

Und wer ist Daniel? Daniel Impelmann, 20 Jahre, Realschule und Gymnasium und dann direkt ins Blaulichtmillieu.

Ob sein Vater Schuld daran ist, möchte ich wissen. Daniel muss lachen. „Der hat auf jeden Fall eine Teilschuld daran“, gibt er zu. Als er noch ein Kind gewesen sei, habe er von seinem Vater schon einmal das Eine oder Andere vom Notarzteinsatz gehört. Schon recht früh hat Daniel dadurch auch Interesse am Rettungsdienst gefunden. Bereits mit 10 Jahren trat er als ehrenamtlicher Helfer damals ins Jugendrotkreuz des DRK Ortsvereins Bad Berleburg ein, in dem er heute noch aktiv ist. „Die Entscheidung, tatsächlich zum Rettungsdienst zu gehen, kam erst später. So in 2017 war das. Nach der Einführung des Berufsbild Notfallsanitäter in 2015 habe ich mich sehr intensiv informiert und dann diesen Weg gewählt“. An diese Entscheidung schlossen sich ein erster Schulblock, ein Praktikum in der Notaufnahme eines Krankenhauses und schließlich der erste Einsatz als dritter Mann in einer Rettungswache an. An den ersten Einsatz dort erinnert Daniel sich noch gut: „Unklarer Notfall war gemeldet. Und obwohl man als Dritter Mann noch Welpenschutz genießt, war ich ziemlich aufgeregt“, berichtet er. Und das habe sich noch gesteigert, als man kurz vor der Einsatzadresse gewesen sei. „Aber als wir dort waren, kannte ich den Patienten schon aus dem Praktikum in der Notaufnahme und es ging ihm zum Glück auch nicht allzu schlecht“, war Daniel damals erleichtert.

Hin und wieder auch schon regulär im Einsatz

Heute sind er und sein Kollege Philipp auch immer wieder als „zweiter Mann“ im Rettungswagen im Einsatz. Denn ein Teilziel der Ausbildung haben sie mit ihrer Rettungssanitäterprüfung schon erreicht. Und dabei hatte es Daniel gleich kalt erwischt: „Wir wurden zu einem Verkehrsunfall alarmiert. Nachts, gegen kurz nach drei. Die Leitstelle meldete, dass ein Notrufsystem ausgelöst hatte und sich keiner meldet“, erinnert er sich. Als er mit seinem Kollegen an der Adresse ankam, war zunächst nichts zu erkennen. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckten Daniel und der mit ihm fahrende Notfallsanitäter Reifenspuren in einem Grünstreifen, die in ein Waldstück führten. Kurze Zeit später wurde Großalarm ausgelöst: Zwei Männer waren eingeschlossen, hatten mit ihrem Auto Bäume gefällt. Ein Hubschrauber kam zur Einsatzstelle, die Feuerwehr, weitere Rettungs- und Notarztwagen, die Polizei und ein Organisatorischer Leiter. Nach rund vier Stunden war Daniels Einsatz beendet, die Verletzten waren gut versorgt und haben den Unfall gut überstanden. „Da war ich ziemlich aufgeregt, aber es hat alles gut geklappt“, erinnert er sich. „Erst Mal gehen Puls und Blutdruck ziemlich in die Höhe, wenn einen der Melder mit voller Lautstärke nachts aus dem Schlaf reißt“, erklärt Daniel. „Nach etwa einer Minute wird man dann wieder ruhiger“, fährt er fort. Das sind Dinge, die auch die beste Ausbildung niemanden lehren kann. Und die Ausbildung ist sehr hochwertig in Siegen. Da sind sich beide einig. „Wir erfahren eine sehr große Wertschätzung“, schwärmen Philipp und Daniel. Daniel erzählt mir, dass sich die Ausbildung neben Schulblöcken und Wachpraktika in viele Krankenhauseinsätze aufteilt. In der Notaufnahme, der Pflegestation, der Intensivstation, der Anästhesie, einer Psychiatrie und einer Kinderabteilung. Überall dort werden die beiden auf ihren späteren Beruf vorbereitet. Um ihren Patienten das Beste geben zu können. Jeden Tag aufs Neue.

Publiziert in SI Retter
Donnerstag, 12 März 2020 13:14

"Mädchen, Ihr passt in die Welt !"

WITTGÉNSTEIN. Als ich an der Rettungswache ankomme, stehen RTW und NEF draußen. In der Fahrzeughalle herrscht reges Treiben. Corinna Horn und Laura-Marie Linke, heute eine Besatzung des DRK Rettungsdienstes, sind bei der Fahrzeugwäsche und der Reinigung der Halle. Hochdruckreiniger, Bürsten, Flitschen und Wasserschlauch sind im Einsatz.

„Direkt das Klischee erfüllen: Frauen putzen!“, scherzen sie, als ich die Halle betrete. Die beiden jungen – und tatsächlich auch kleinen – Frauen haben mir gestattet, sie im Rahmen unserer Serie zu besuchen und zu ihrer Arbeit zu befragen. Insbesondere sollen sie mir berichten, wie es ist, als Frau in einer vermeintlichen Männerdomäne zu arbeiten. Mit diesem Mythos räumt Corinna aber ziemlich zu Anfang auf, nachdem wir uns die Küche der Wache gesetzt haben: „Eigentlich ist der Rettungsdienst keine reine Männerdomäne. Der Beruf ist genau so für Frauen, wie für Männer“, macht sie deutlich.

Seit neun Jahren im Einsatz

Seit neun Jahren bereits, damals mit 31 Jahren hat Corinna Kontakt zum Rettungsdienst und arbeitet hauptberuflich dort. „Das fing alles mit einem Praktikum an“, erinnert sich die Mutter von zwei Kindern. „Damals“, so erklärt sie mir, habe sie eine Heilpraktikerausbildung absolviert und dabei müsse man auch Kenntnisse über Notfallmedizin haben. „Das hat aber zu dieser Zeit bei mir nicht so gesessen und dann habe ich die Kenntnisse in einem Rettungsdienstpraktikum aufgebessert“, berichtet sie. Und bereits während dieses Praktikums habe sie sich entschieden, umzusteigen und zum Rettungsdienst zu gehen. Trotz zweier kleiner Kinder zu Hause. Es folgten ein Bewerbungsverfahren und dann auch tatsächlich die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. „Ich hatte bisher immer Glück in beruflichen Gesprächen und es lief immer sehr gut für mich. Aber als ich aus dem Bewerbungsgespräch beim Rettungsdienst kam, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass dieses Gespräch überhaupt nicht gut war“, erinnert sich Corinna. „Gedanklich hatte ich ab diesem Tag mit der Verwirklichung meines Wunsches abgeschlossen“ war sie damals verunsichert. Und weiter: „Meiner Tochter Sarah, die damals noch die Grundschule besuchte, hatte ich versprochen, dass sie ein Handy bekommt, falls ich die Ausbildungsstelle bekomme“, weiß Corinna heute noch. Ob sie auch noch wisse, wie das mit der Zusage gewesen sei, frage ich die junge Frau. Corinna lacht: „Oh ja, das weiß ich noch ganz genau! Ich hatte meine Tochter aus der Schule abgeholt und dann den Briefkasten geleert. Dann habe ich den Brief vom DRK Rettungsdienst geöffnet und gesagt: „Ich fasse es nicht, die haben mich genommen!“, erinnert sie sich. Und auch an die Freude von Tochter Sarah: „Mama, ich kriege ein Handy!“, war die damals begeistert.

Wie ist das nun, als kleine, recht zierliche Frau im Rettungsdienst zu arbeiten. Das möchte ich wissen. Corinna freut sich, mir berichten zu können, dass es da kaum Besonderheiten gibt. „Wir hatten mal einen Tag, da mussten wir auf offener Straße eine Frau reanimieren, einen psychisch kranken und hochaggressiven Menschen einweisen, einen Mann mit hochgradiger Atemnot versorgen – es war einfach richtig viel und anspruchsvoll an diesem Tag. Das war im ersten Praktikum der Ausbildung und ich dachte mir, wenn das jeden Tag so ist, ist es wirklich heftig“, berichtet Corinna. Aber Gedanken, dass sie das als Frau anders empfindet, kamen ihr da nicht. Denn: „Das ging an diesem Tag allen Kollegen so“.

„Aber natürlich wird man hin und wieder mal angesprochen. Wir hatten uns mal was zu essen geholt und wurden recht belächelnd von einem Mann angesprochen, der uns fragte, wie wir ihm denn helfen wollten, wenn er mal einen Notfall hat“, erzählt mir Corinna. Sie war damals mit Laura unterwegs. „Wir haben es ihm dann erklärt, dass wir das können“, erinnert sie sich. „Aber ich war davon schon ein wenig genervt“, gibt sie zu.

Auch im privaten Umfeld waren die Resonanzen auf ihre Berufswahl nicht immer positiv: „Wie willst Du das denn machen?“, „Wie soll das gehen mit den Kindern?“, „Meinst Du das wäre was für Dich?“, waren häufige Einwände. „Es hat mir keiner zugetraut“, erinnert sie sich. Heute ist Corinna Notfallsanitäterin, hat bereits neun Jahre Berufserfahrung und bei allen Einsätzen ihre Frau gestanden. Und, für sie sehr wichtig: „Ich habe nicht einmal gezweifelt. Und meine Kollegen wurden mal gefragt, ob es sich bemerkbar macht mit einer Frau zu arbeiten. Dass sie eventuell weniger belastbar sein könnte, oder nicht alle Arbeiten machen kann. Das sei aber zu keiner Zeit auch nur einmal so empfunden worden“, freut sich die Notfallsanitäterin. „Das ist wirklich sehr wichtig für mich“, macht sie deutlich.

Auch Laura, die zweite Frau, die heute ihren Dienst versieht, hatte schon das eine oder andere Mal mit Vorurteilen zu tun, wenn auch unbewusst: „Die Patienten möchten es nicht immer zeigen, aber ihre Blicke, wenn eine Frau zum Einsatzort kommt, sind sehr präsent“, verrät sie. „Das Vertrauen muss man sich dann erst mal erarbeiten“, erklärt Laura. Sie hat sich schon sehr früh, noch zur Schulzeit entschieden, zum Rettungsdienst zu gehen. Damals war sie 16 Jahre alt, gerade im Schulpraktikum im Krankenhaus. Die Begegnungen mit dem Rettungsdienst dort gaben bei ihr damals den Ausschlag. In 2006 begann sie ihre Ausbildung und ist seitdem auch beruflich im Rettungsdienst ihrer Heimat tätig.

Emotionale Aspekte machen manchmal nachdenklich

„Von den Anforderungen her fühle ich mich für alles gewappnet und genau so hochwertig, wie die männlichen Kollegen“, berichtet Laura. Das einzige, was sie manchmal nachdenklich mache, seien die emotionalen Aspekte. „Wenn es um Kinder geht, die vielleicht auch noch das Alter haben, wie die eigenen“, führt die Mutter einer eineinhalbjährigen Tochter als Beispiel an. „Oder generell mit jungen Menschen und dramatischen Fällen“, ergänzt Corinna ihre Kollegin und gute Freundin. Die beiden erzählen mir von einem Einsatz, bei dem sie eine junge Frau verloren haben: „Da muss man auch hinterher einfach mal weinen, aber dann ist es auch wieder gut“. Kurze Stille in der Küche der Rettungswache, in der Notfallsanitäter Marco gerade ein feudales Mittagessen für sich und seine beiden Kolleginnen zubereitet. „Ich muss die Kleinen doch versorgen, die kommen mir ja gar nicht an den Herd“, lacht er.

In diesem Zusammenhang erinnert sich Laura an eine recht witzige Begebenheit aus einem Einsatz: „Da mussten Corinna und ich zu einem Fußballturnier. Ein Alt Herren Turnier, und wir mussten mitten auf den Platz“, erinnert sie sich. „Da haben wir uns während der Anfahrt abgesprochen und gedacht: Da sind gleich lauter echte Männer auf dem Platz und der Tribüne. Da müssen wir selbstbewusst auftreten und dürfen nicht kichern oder so“, erzählt Laura mit einem Lächeln. Und genau so haben die beiden es auch gemacht. „Die Umstehenden haben wir sofort in die Versorgung mit eingebunden und wir haben allen gesagt, wie es jetzt läuft“, freuen sich beide. Und das Resultat ? „Das hat alles super geklappt. Die haben alle gespurt“, lacht Laura.

Und so kommt es sehr häufig vor, dass sich zuvor augenscheinlich skeptische Patienten oder Umstehende im Anblick einer zierlich erscheinenden Notfallsanitäterin an Laura wenden: „Ganz häufig wird mir dann gesagt: Mädchen, Du passt in die Welt!“. Das freut die beiden sehr – gar keine Frag. „Die Patienten hätten ja eigentlich gestandene Männer erwartet“, lacht Laura.

Und was hätte ich heute erwartet? Dass es schon Probleme mit manchen Situationen gibt, die man vielleicht nicht so einfach meistern kann, oder dass es Dinge gibt, die die zierlichen Frauen nicht leisten können. Fehlanzeige! Ich habe zwei gestandene Frauen im Rettungsdienst erlebt, die ihren Beruf für das Leben gefunden haben. Die viele Menschen vor bleibenden Schäden oder gar dem Tod bewahrt haben und zu denen man einfach sagen muss: „Mädchen, ihr passt in die Welt!“

Publiziert in SI Retter

WALDECK-FRANKENBERG. Was bewegt einen jungen Menschen dazu, einen anspruchsvollen Beruf mit hoher Verantwortung zu wählen? Wie gehen junge Erwachsene mit besonders belastenden Situationen um? Sind die Ausbilder in der Schule streng? Was macht den Reiz an einem Arbeitsplatz im Rettungsdienst aus?

Heute habe ich drei junge Menschen getroffen, die den Mut haben, mir all diese Fragen zu beantworten und die mir einen Einblick gewähren: In ihre Motivationen, Gedanken, Wünsche und Einstellungen – vielleicht auch in ihre Befürchtungen, Sorgen oder Bedenken.

Frankenberg, Auestraße. Hier befindet sich der DRK Kreisverband Frankenberg, der im Süden des Landkreises den Rettungs- und Notarztdienst sicherstellt.

Hier werde ich von drei jungen und auf den ersten Eindruck bereits sehr netten Menschen in Empfang genommen. „Die sitzen schon hier, wie die Hühner auf der Stange“, scherzt Jens Köster. Er ist der Rettungsdienstleiter des DRK Kreisverband Frankenberg und hat die drei Auszubildenden in den Aufenthaltsraum der Rettungswache, die ebenfalls im DRK Kreisverband untergebracht ist, gebeten. Ich stelle mich kurz vor und sage, was ich vorhabe. Neben den drei „Akteuren“ unserer Serie sind auch noch viele andere Rettungsdienstmitarbeiter vor Ort. Die, die heute ihren Dienst versehen. Ich kenne die drei Auszubildenden, die bereit sind, mir über ihre Arbeit zu erzählen, nicht. Ich sehe sie heute zum ersten Mal. Sie stehen auf, kommen zu mir, begrüßen mich per Handschlag und stellen sich vor. Tolle Geste. Ich bin auf Anhieb begeistert.

Wir gehen runter in die Fahrzeughalle. Denn gerade lässt sich die Sonne blicken und so wollen wir erst Fotos machen und danach zusammen reden. Lara Scheller, das ist eine der drei Auszubildenden, die heute für mich da sind, setzt sich ans Steuer des Rettungswagens, während Fabian Lütteken, der zweite im Bunde mit mir in den Patientenraum steigt. Eric Schröder, der dritte Azubi heute, ist Laras „Beifahrer“. Einige Meter fahren wir zu einem großen, freien Parkplatz, um die Fotos zu machen.

Vom Garten-und Landschaftsbau zum Rettungsdienst

Beim anschließenden Gespräch in der Wache erzählt Fabian mir, dass er eigentlich gelernter Garten- und Landschaftsbauer ist. Über eine Tätigkeit im Krankentransport bei der Diakonie und seinen Onkel – Leitstellendisponent, Rettungsdienstmitarbeiter und Feuerwehrmann – sei er dann dazu gekommen, sich noch mal für eine neue Berufsausbildung zu bewerben. Fabian möchte, genau wie seine beiden Mitstreiter Lara und Eric Notfallsanitäter werden.

„Menschen zu helfen, egal in welcher Situation sie sich befinden, das macht es aus“, erzählt mir der junge Mann mir bereits in den ersten Minuten des Gesprächs mit großer Begeisterung. Das ist ehrlich, kommt von Herzen. Das merkt man sofort. „Sie einfach nach Hause zu tragen, oder mit ihnen zum Arzt zu gehen – das ist eigentlich egal“, fährt er fort. Natürlich sei aber auch ein sehr großes Interesse an der Notfallmedizin ein ganz entscheidender Punkt für den 23-Jährigen.

Darauf wird er nicht nur in der Rettungswache gut vorbereitet – auch im DRK Bildungszentrum Mittelhessen in Marburg und in der der dortigen Uniklinik wird Fabian für seinen Einsatz fit gemacht: „Im Krankenhaus zum Beispiel, gab es am Anfang schon eine Hemmschwelle für mich. Das war ja eine völlig neue Situation“, erklärt Fabian, als ich ihn nach seinem ersten Patientenkontakt während des Praktikums frage. „Aber das Pflegepersonal ist richtig gut und mittlerweile ist das so, als würde ich das schon immer machen“, freut sich der junge Mann, der gerade im dritten und letzten Ausbildungsjahr ist, und im Sommer seine Prüfung absolviert. Schiss davor? „Auf jeden Fall!“ Da antworten auch die beiden anderen spontan. Sie lachen aber auch alle. Denn man werde sehr gut vorbereitet, unterstreicht Fabian. „Hier ist es so, dass wir im ersten Jahr im Einsatz nur beobachten und schauen sollen und gar nicht weiter tätig werden bei den Einsätzen“, beschreibt er. „Wir sollen lernen einen Patienten, eine Wohnung, oder eine Umgebung einzuschätzen. Und sehen und erkennen, wie die Kollegen einen Einsatz abarbeiten – durch Zusehen lernen“. Ist es denn nicht schwer, zuzuschauen, wenn die Kollegen arbeiten? „Ich war froh, dass ich dieses Jahr hatte und viel mitnehmen konnte. Das war in dieser Situation nicht schwierig für mich. Jetzt, im dritten Jahr, ist es selbstverständlich für mich, einen Einsatz abarbeiten zu können“, nennt er mir die Vorzüge dieser Vorgehensweise.

Bevor ich mit Lara weiter spreche, hat Fabian noch einen Appell an die Menschen da draußen: „Die Leute, vor allem auch Jugendliche, sollten darüber nachdenken, wofür der Rettungsdienst wirklich da ist: Nicht, um Betrunkene nach Hause zu fahren, oder für Bauchschmerzen seit drei Wochen. In der Zeit, wo wir bei so einem Einsatz gebunden sind, kann woanders ein Mensch sterben, weil ein Rettungsteam von weiter weg kommen muss“, gibt der junge Mann zu bedenken.

"Ich würde das immer wieder machen - nur viel früher"

Lara ist zu ihrer Ausbildung, die sie ganz frisch erst im September begonnen hat, „nach Hause gekommen“, als es zum ersten Wachenpraktikum ging. „Ich war vorher hier schon in einer hauptamtlichen Stelle als Rettungssanitäterin beschäftigt“, erzählt sie mir und ist unverkennbar stolz auf ihren Werdegang. „Das war ein sehr schönes Gefühl, zum ersten Praktikum endlich wieder hier her kommen zu dürfen“, berichtet sie mit einem Strahlen im Gesicht. Warum die feste Stelle als Rettungssanitäterin aufgegeben und noch mal die Strapazen einer Ausbildung auf sich nehmen? Das interessiert mich. „Der medizinische Hintergrund hat mich schon immer sehr interessiert und ich wollte noch mehr lernen und auch alleinverantwortlich Entscheidungen treffen dürfen“, erklärt mir Lara. Einen Weg, den sie nicht bereut hat: „Ich würde das jederzeit wieder machen, nur früher“, lacht sie. Das Besondere am Rettungsdienst macht für die junge Frau die Abwechslung aus: „Vor der Tätigkeit im Rettungsdienst habe ich in einem Behindertenwohnheim gearbeitet. Im Rettungsdienst waren die medizinischen Aspekte aber viel abwechslungsreicher. Aber die Richtung, das Medizinische, und Menschen helfen zu können - das passte von Anfang an“, erzählt sie. Dass Lara dabei auch an Feiertagen, oder am Wochenende arbeiten muss, macht ihr nichts aus. Ganz im Gegenteil: „Ich habe diese Dienste gerne. Ich gehe sowieso nicht feiern und trinke auch nichts“, verrät sie. Dann sei es viel sinnvoller, in der Woche mal einen Tag frei zu haben, an dem man dann Amtsbesuche, Arzttermine, oder andere Termine passend legen und wahrnehmen könne. Ich frage Lara, welche Einsatzmeldungen bei ihr den Stresspegel erhöhen. „Verkehrsunfall“, das kommt wie aus der Pistole geschossen. „Da weiß man nie, was einen erwartet. Bei den anderen Meldebildern wird schon etwas klarer, was los sein könnte, bei einer Atemnot zum Beispiel“, erklärt Lara. Sie berichtet mir von einem Verkehrsunfall, der ihr besonders in Erinnerung geblieben ist: „Das war ein Motorradunfall. Der Fahrer war in einen Hang gestürzt und musste durch Unterstützung der Feuerwehr aufwändig gerettet werden“, erinnert sie sich. Und doch verrät sie mir: „Man wird aber ruhiger und das ist auch wichtig, damit der Patient auch optimal versorgt wird“. „Das kommt einfach mit der Zeit“, erklärt Lara. Auch Lara frage ich, ob es etwas gibt, was unbedingt Erwähnung in ihrer Geschichte zur Serie finden sollte. Sie berichtet mir von einem Wunsch, den sie hat: „Der Rettungsdienst sollte als das anerkannt werden, was er auch ist: Ein Beruf mit viel medizinischem Wissen, medizinischen Maßnahmen vor Ort und einer intensiven Beschäftigung mit dem menschlichen Körper“, macht Lara deutlich. „Das ist kein Job, den man mal eben machen kann“.

"Es bringt nichts, zehn Minuten auf den Rettungsdienst zu warten und nichts zu tun - Dann ist der Zug abgefahren!"

Eric Schröder ist das Nesthäkchen. Er ist 20 Jahre alt und direkt mit dem 18. Lebensjahr in die Ausbildung eingestiegen. „Bis ich volljährig war und im Rettungsdienst anfangen durfte, habe ich als Überbrückung in einem Altenpflegeheim gearbeitet“, berichtet er mir über seinen Weg zum Rettungsdienst. Das Interesse für die Notfallmedizin sei schon immer sehr groß gewesen und es sei niemand aus der Familie bereits im Rettungsdienst, oder einem Medizinberuf tätig. Eric befindet sich auch, genau wie Fabian, im dritten Lehrjahr, hat im Sommer seine Prüfung. Was ist für ihn das Besondere am Rettungsdienst? „Man übernimmt sehr viel Verantwortung“, macht Eric deutlich. Dennoch kann er ganz freien Herzens sagen: „Ich habe diese Entscheidung auf gar keinen Fall bereut“. Zwar gebe es Dinge, die man wissen und mit denen man sich auseinandersetzen müsse, aber das sei bisher kein Problem für ihn. „Den Schichtdienst, körperliche oder psychische Belastungen, die manche Einsätze mit sich bringen – das muss man schon mögen“, gibt er zu bedenken. „Wenn man merkt, dass man erlebte Eindrücke nicht wegstecken kann, muss man sich das auch selbst eingestehen“, warnt der junge Mann. Zum Glück, so erzählt Eric mir, komme es nicht so oft vor, dass Einsätze eine außergewöhnlich hohe Belastung mitbringen. „Alles was mit Tod und Sterben zu tun hat, insbesondere bei jüngeren Menschen, ist in diesem Moment belastend“, erklärt er. Aber dennoch sei er niemand, der diese Eindrücke dann mit nach Hause nehme“, ist er erleichtert. „Und wenn ein belastender Einsatz war, dann gibt es gute Nachbesprechungen dazu. Die Kollegen haben auch ein sehr wachsames Auge darauf, wenn es jemandem nicht gut geht“, freut er sich über den Zusammenhalt. Nicht nur in der Wache, sondern auch in der Schule, dem DRK Bildungszentrum Mittelhessen, werde man sehr gut auch auf belastende Einsatzsituationen vorbereitet. „Es gibt extra Fallbeispielübungen dafür“, berichtet Eric. Doch damit noch nicht genug: „Es werden auch entsprechende Unterrichte in Gesprächsführung oder Psychologie absolviert“, erzählt er mir weiter.

Eric kann mir aber auch von ernsten Situationen berichten, in denen die Patienten gar nicht realisieren, wie knapp das eigentlich war: „Wir hatten mal einen Einsatz bei einem Betrunkenen, der sich versehentlich eine Glasscherbe in den Hals gestochen hatte“, berichtet er mir. „Der Mann hatte riesiges Glück, die Halsarterie nur knapp verfehlt, und es war eine richtig tiefe Wunde“, erinnert er sich. „Dann wollte der nicht mit fahren. Trotz des riesigen Lochs im Hals hat er immer wieder ungläubig gefragt: Das ist doch gar nichts, weshalb wollt ihr mich mitnehmen. Was soll das denn hier?“ Was im Moment des Gesprächs amüsant anmuten mag, war in Wirklichkeit jedoch sehr ernst. „Man muss bei allen Patienten, auch wenn sie mal betrunken sind und auch schon mal viele witzige und coole Sachen erzählen, trotzdem ernst bleiben und ihnen die Notwendigkeit der Maßnahmen vor Augen führen. Aber manchmal ist das nicht einfach“, erklärt er.

Einmal vielleicht Praxisanleiter zu werden, dann selbst junge Kollegen auszubilden, oder als „Paramedic“ ins Ausland zu gehen – das kann Eric sich für seine Zukunft vorstellen. „Aber erst mal will ich hier bleiben“, macht er deutlich. Ob die drei übernommen werden, steht noch nicht fest. „Aber normal schon“, hoffen alle zusammen.

Dann neigt sich unser Gespräch schon dem Ende entgegen und auch Eric bitte ich, mir etwas mitzuteilen, was er im Artikel unbedingt wieder finden möchte. Eric liegt es sehr am Herzen, „dass die Menschen sich mit Erster Hilfe auseinander setzen. Es bringt nichts, zehn Minuten auf den Rettungsdienst zu warten und bis zum Eintreffen nichts zu tun. Dann ist der Zug abgefahren“, macht der junge Mann am Beispiel einer Reanimation deutlich.

Ich habe mit Fabian, Lara und Eric drei tolle, junge und liebe Menschen kennen gelernt, die mich mit ihrer Einstellung sehr beeindrucken. Die zum Ende des Gespräches wieder mit Handschlag zu mir kommen. Die sich freundlich bedanken. Die extra wegen unserer Serie und dem Termin in ihrer Freizeit noch mal zur Dienststelle gekommen sind. Die sich eigens dafür umgezogen haben. Die sich Zeit für mich genommen haben und alle meine Fragen mit großer Geduld beantwortet haben. Die einfach richtig tolle Auszubildende sind.

Publiziert in Retter

BAD BERLEBURG. Um 11 Uhr bin ich mit Florian Kroh verabredet. Als ich da bin, treffe ich ihn jedoch nicht an. Erst um viertel nach 11 ist er zu Hause. Florian ist nicht unzuverlässig oder ungenau. Ganz im Gegenteil. Er kommt gerade von einem Feuerwehreinsatz in seiner Heimatstadt Bad Berleburg zurück. Um kurz vor 11 hatte die Leitstelle die Feuerwehr und den Rettungsdienst zu einem medizinischen Notfall alarmiert. Da war Florian dabei – selbstredend.

Seit nunmehr 21 Jahren ist der junge Bad Berleburger der Feuerwehr und dem Blaulicht überhaupt verschrieben. Angefangen hat es mit der Jugendfeuerwehr.

„Pünktlich zum 10. Geburtstag bin ich dort eingetreten“, erinnert er sich bei meinem Besuch. Der Einsatz wenige Minuten zuvor hat ihn keineswegs aus der Fassung gebracht. Ein Feuerwehrmann durch und durch eben.

„Das hat bei mir schon in Kindertagen angefangen. Lange vor dem 10. Geburtstag“, erinnert Florian sich zurück. Gemeinsam mit Vater Bernd hat er schon früh Feuerwehrluft geschnuppert: „Wenn die Feuerwehr am Marktplatz war zur Ausstellung, oder es Übungen gab – dann waren wir immer dabei“, weiß er noch heute ganz genau. „Und von daher war klar, dass ich zu meinem Geburtstag in die Jugendfeuerwehr eintrete“, fährt er fort.

Florian - Der Schutzpatron der Feuerwehr

Selbstverständlich auch, dass Florian, der seinen Vornamen von den Eltern übrigens benannt nach dem Schutzpatron der Feuerwehr erhalten hat, nach seiner Jugendfeuerwehrzeit in die aktive Einsatzabteilung eintreten würde. Da sieht man ihn häufig. Einmal die Woche zum Dienstabend, bei nahezu allen anfallenden Einsätzen, oder bei Fortbildungen ebenso, wie bei Kameradschaftsveranstaltungen oder Feierlichkeiten.

Aber innerhalb des Kernstadtlöschzuges der Bad Berleburger Feuerwehr hat Florian sich noch eine ganz besondere Aufgabe auf seine Fahne geschrieben: Er ist Jugendwart, kümmert sich um die Jüngsten der Feuerwehr. Um Kinder und Jugendliche. Die, die noch nicht am aktiven Dienst teilnehmen dürfen. Dies macht er mindestens einmal pro Woche, wenn er nicht gerade arbeiten muss, oder andere Termine hat. In so einem Fall wird Florian von seinen Stellvertretern oder anderen Kameraden der Einsatzabteilung unterstützt. Hinzu kommen unzählige Stunden, die gemeinsam mit dem Betreuerteam in Vorbereitung, Dienstplangestaltung und auch eigene Ausbildungen investiert werden. Oben drauf. On the Top, zusätzlich zum normalen Dienst.

Strahlendes Gesicht

„Ich bin selbst über die Jugendfeuerwehr in den Feuerwehrdienst gekommen. Es war mir ein großes Anliegen, die Jugendarbeit in unserem Löschzug deshalb fortzuführen und den Kindern auch eine Betreuung zu bieten, die ich selbst genießen konnte“, erzählt er mir. Nicht erst seit er als Jugendwart im Löschzug aktiv ist, tut Florian das. Viel länger schon war der gelernte Kfz-Mechatroniker, der dann über den Wehrdienst bei der Bundeswehr zum Rettungsdienst gekommen ist, als Betreuer rund um die Jugendfeuerwehr aktiv. „Die beiden damaligen Jugendwarte brauchten Unterstützung“, erklärt er. „Man kann so eine Aufgabe nicht nur auf zwei oder drei Schultern lasten“. Als es dann vor einigen Jahren zu einem kurzfristigen Personalwechsel kam, wurde Florian der neue Jugendwart und betreut seitdem 14 Schützlinge. Das ist für den jungen Mann weit mehr, als nur einen Ehrenamt oder eine Aufgabe innerhalb des Löschzuges.

Als Florian mir von den gemeinsamen Erlebnissen mit „seinen“ Kindern und Jugendlichen berichtet, da kann er seine Begeisterung darüber nicht verbergen. Ein Strahlen fährt durch sein Gesicht, als er mir erzählt, wie die Kinder bei einem 24-Stunden Übungsdienst zu nächtlicher Stunde von ihm zum fiktiven Einsatz alarmiert wurden. „Wenn die dann wie Murmelkugeln durch das Feuerwehrhaus schießen und mit nur einer Socke an den Füßen die Treppen hoch wetzen, dann ist das einfach toll“, schwärmt er. Und überhaupt macht es dem Unterbrandmeister sichtlich Freude, mit so jungen und zugleich motivierten Menschen zusammenarbeiten zu dürfen: „Sie sind unglaublich motiviert, lernbegierig und es wird das was wir den Kindern vermitteln super angenommen“, erzählt er mir. „Und das alles hält jung“, berichtet er mir. „Man ist am Ball. Man bekommt mit, was die Jugendlichen bewegt und interessiert. Man würde sonst niemals so viel mitempfinden können“, berichtet Florian.

Heutige Kameraden früher in der Jugendfeuerwehr betreut

Besonders spannend ist es für den 31-Jährigen, die Kinder und Jugendlichen über eine so lange Zeit in verschiedenen Phasen der Entwicklung zu begleiten. „Das ist eine sehr schöne Empfindung und man ist eine wichtige Bezugsperson für die jungen Menschen“. Dies, so hat Florian es bemerkt, haben ihm die Jugendlichen in vielen Jahren gezeigt. Nicht zuletzt auch, weil man neben den Feuerwehrdiensten mit Florian auch einen Ansprechpartner findet, wenn der Schuh an anderer Stelle drückt. Da entwickeln sich auch richtige Freundschaften. Dies ganz sicher auch, weil es auch viele gemeinsame Veranstaltungen im Dienstplan gibt, die außerhalb der Einsatzlehre stattfinden. „Wir waren mit der Gruppe vier Tage an der Nordsee, oder es gibt viele andere Ausflüge und Unternehmungen“, berichtet er.

„Wenn ich heute im Einsatz neben Philipp oder Marek stehe, dann sind das Kameraden, die ich damals noch in der Jugendfeuerwehr betreut habe“, macht er deutlich. Das freut ihn sehr. Gar keine Frage. Das sieht man ihm jetzt auch deutlich an.

Auch als Notfallsanitäter und Ersthelfer für die Seele im Einsatz

Über seinen Beruf als Notfallsanitäter beim DRK Rettungsdienst kam er zu einer weiteren Aufgabe, die er heute wahrnimmt: Florian ist PSU-Assistent. Er ist für Menschen in den Hilfsorganisationen da, denen es nicht so gut geht. Die Hilfe dabei brauchen, im Einsatz erlebte schlimme Eindrücke zu verarbeiten, oder sich in einer privaten Notlage befinden. „Daran ist der Rettungsdienst Schuld“, lacht er. Die gute Ausbildung in Siegen habe einen großen Teil dazu beigetragen. „Man wollte Leuchttürme und Beobachter in den Rettungswachen haben, die Notsituationen der Kollegen erkennen und dann entsprechend helfen können. Deshalb wurde jeder Auszubildende zum PSU-Helfer ausgebildet“, erklärt er. Über zwei Freunde und sehr viel Interesse erweiterte Florian in diesem Bereich über die weiteren Jahre seine Kenntnisse und kommt heute auch Kreis übergreifend als PSU-Assistent zum Einsatz. Sein Hauptaugenmerk im Ehrenamt gilt aber weiterhin „seinen“ Jugendfeuerwehrkindern.

Er ist zu Recht stolz auf seine Schützlinge, aber auch auf all die anderen Kinder und Jugendlichen die sich in den Jugendfeuerwehren engagieren: „Die könnten auch den ganzen Tag an der Konsole sitzen, aber sie setzen sich für die wichtigen Dinge ein“ ist er voll des Lobes. Allein im Stadtgebiet von Bad Berleburg gebe es 170 Jugendfeuerwehrkinder, rechnet er mir vor.

Und das Ziel sei es natürlich auch, die Jugendlichen nach Erreichen der 18 Jahre für den aktiven Dienst in der Feuerwehr gewinnen zu können. „Die letzten zwei Jahre waren da sehr ergiebig. Wir konnten acht Leute in den aktiven Dienst übernehmen“, freut sich Florian. Dies, so bin ich mir nicht nur nach unserem Gespräch sehr sicher, ist zu einem ganz großen Teil Florians Verdienst.

Publiziert in SI Feuerwehr
Sonntag, 25 Juni 2017 21:12

Neues Leben im Bad Laaspher Rettungswagen

BAD BERLEBURG. Marco Klein und Luis Scholl strahlen. Man kann ihre Freude nicht übersehen. Marco Klein hält ein Baby auf dem Arm. Dieser kleine Erdenbürger hat am Freitagmorgen das Licht der Welt erblickt: Im Rettungswagen der DRK-Wache Bad Laasphe, mitten auf der L 718. Der kleine Alexander-Damian Anghel ist kerngesund. Um kurz nach 5 Uhr hatte der 34-jährige Vater den Notruf gewählt und Hilfe für seine Frau angefordert. Wenige Minuten später trafen die beiden Notfallsanitäter an der Einsatzstelle ein.

"Erst mal haben wir uns gar keine großen Gedanken gemacht. Wir werden häufiger zu Entbindungen alarmiert, aber dann kommen wir immer noch in aller Ruhe ins Krankenhaus", erklärt Marco Klein. "Die Frau kam uns schon entgegengelaufen. Wir sind dann direkt mit ihr ins Auto gegangen und haben dort einen Blick in den Mutterpass geworfen und die Frau befragt", schildert Luis Scholl. Die Befragung gestaltete sich nicht so einfach: "Die Frau sprach kein Deutsch, aber auch kein Englisch. Aber wir haben das trotzdem geschafft. Mit Händen und Füßen und mit Hilfe des Vaters", erinnern die beiden sich. Nachdem alles Wichtige geklärt ist, fahren sie los in Richtung Krankenhaus. Während Luis Scholl den 4,5 Tonnen schweren Mercedes Sprinter steuert, begleitet sein Kollege Marco Klein die werdende Mutter im Patientenraum des Rettungswagens.

"Es war alles gut. Die Fruchtblase war zu Hause geplatzt, der Geburtstermin passte und die junge Frau hatte Wehen im Abstand von drei Minuten", berichtet der Notfallsanitäter, selbst Vater einer kleinen Tochter. Doch dann hatte es der kleine Alexander-Damian so eilig, dass er nicht mehr bis ins Krankenhaus warten wollte. "Die Frau fing plötzlich an zu pressen. Der Muttermund war aber bis dahin noch nicht ausreichend geöffnet", berichtet Klein. "Dann habe ich versucht, ihr klar zu machen, dass sie nicht pressen sollte. Das Atmen habe ich vorgemacht", schildert er seine Maßnahmen. "Zwischendurch habe ich immer wieder nach dem Muttermund geschaut. Auf einmal schaute das Köpfchen schon raus." Auch wenn das in dem Moment sicher eine angespannte Situation für das Rettungsteam war, sie haben Ruhe bewahrt. "Anhalten. Notarzt bestellen und nach hinten kommen. Es kommt", hatte Marco Klein zu seinem Kollegen gerufen. "Ach Du Schande!", sei die erste Reaktion von Luis Scholl gewesen. "Ich hab natürlich sofort angehalten und bin nach hinten gegangen. Und da hielt der Marco das Köpfchen schon in der Hand", schildert Scholl.

Dann ging auch alles schon ganz schnell: "Bei der nächsten Wehe wurde das Kind komplett geboren." Exakt um 5.52 Uhr war das. "Ich war sehr froh, dass der Luis da war. Ohne, dass ich sagen musste, was ich benötige, hat er mir das Material zum Einwickeln und Abnabeln einfach sofort angereicht", ist Marco Klein voll des Lobes für seinen Kollegen. Überhaupt, so sagen beide, hätten sie nicht viel miteinander reden müssen. "Das ist sehr ruhig gelaufen und jeder wusste, was der andere gerade machen wollte. Das war eine super Zusammenarbeit", freuen sie sich.

Auch in der DRK-Rettungswache Bad Berleburg war zwischenzeitlich ein Alarm eingegangen: Von dort sollten ein Notarzt, eine Gynäkologin und eine Hebamme aus dem Krankenhaus zum Rettungswagen gebracht werden. Doch dazu kam es dann letztlich nicht mehr, weil der Rettungswagen dann bereits vor der Tür stand.

Dort wurde Alexander Damian dann von Hebamme Petra Walczok entgegengenommen, die bereits das Eintreffen abwartete. "Erst hieß es, die kommen mit Wehen alle drei Minuten. Dann hieß es plötzlich, das Kind ist schon da", erinnert sie sich an den Morgen. Auch sie ist voll des Lobes für die RTW-Besatzung: "Wir können froh sein, dass die Kollegen so fit sind." Denn in der Gynäkologie bekamen beide es schwarz auf weiß: "Alles zu 100 Prozent richtig gemacht. Ganz hervorragend", lautete das Resümee dort. Doch Petra Walczok macht auch deutlich: "Wenn der Gynäkologiestandort hier nicht wäre, bräuchten solche Fälle über eine Stunde bis in einen Kreißsaal. Und die Bedingungen im RTW sind nur eine Notlösung." Richtig perfekt war es dann, als von Hebamme Petra noch eine WhatApp-Nachricht ankam: "Kind und Mutter sind definitiv wohlauf. Alles gut." - "Da haben wir uns gefreut. Da waren wir stolz", berichtet Marco Klein. Das können er und sein Kollege auch jetzt nicht verbergen.

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Publiziert in SI Retter

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