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KORBACH/KORFU. Mit weiteren Helfern hat die Korbacherin Julia Figge bei einer Unwetterkatastrophe auf der griechischen Insel Korfu zwei Männern das Leben gerettet: Die beiden Griechen waren von Wassermassen nach einem schweren Gewitter mitgerissen worden. Die Helfer an Land zögerten keinen Augenblick...

Die Korbacherin ist als Yogalehrerin tätig und lebt einen Teil des Jahres auf Korfu - dort betreibt Julia Figge das Angebot "Yoga auf Korfu" im Seminarhaus Evgenia in Agios Georgios-Pagi. Gruppen genießen die Schönheit der zweitgrößten der Ionischen Inseln, finden Ruhe und Entspannung in den Yogaseminaren, bei Wanderungen oder gemeinsamen Kochabenden. Die Idylle der Insel, die für die Aussteigerin aus Korbach zur zweiten Heimat geworden ist, wurde am Montagmorgen jäh gebrochen, als Naturgewalten mit voller Kraft über Korfu hereinbrachen.

Der ganze Ort überschwemmt
Ein heftiges Unwetter zog gegen 8 Uhr auf, es entwickelte sich zu einem starken Gewitter mit heftigen Regenfällen. Wassermassen kamen von den Bergen herunter. Innerhalb weniger Augenblicke "riss der Fluss bei uns im Dorf alles mit, was man sich vorstellen kann", sagt die Yogalehrerin. Eigentlich wollte Julia Figge an diesem Morgen mit ihrem Mitarbeiter Pascal Walgenbach nach Korfu-Stadt fahren, um Einkäufe für die Gruppe zu erledigen - derzeit sind zehn Gäste in dem auf einem Hügel gelegenen Seminarhaus. Von der Dachterrasse aus sah Pascal Walgenbach dann aber, dass der ganze Ort überschwemmt war.

Unten im Ort gibt es direkt am Fluss ein Geschäft, das "Frontrunners" heißt - dort verleihen die Inhaber Motorroller, Quads und Fahrräder. Pascal wollte den Betreibern helfen, weil einige Fahrzeuge bereits vom Wasser mitgerissen worden waren. Julia Figge folgte ihm, das Handy dabei, um zur Not Hilfe zu rufen. Durch teils kniehohe Pfützen gelangten sie zur Ortsmitte.

Dort sahen sie plötzlich einen Mann im Wasser - dort, wo sich zuvor eine Straße befand, hatte sich ein mehrere Meter hoher Fluss gebildet, in dem auch ein Auto schwamm. Wenig später entdeckten sie einen weiteren Mann im Wasser, der sich etwas weiter hinten am einem Ast festhielt.

Die beiden Deutschen wussten, dass sie sofort handeln mussten, und besorgten Seile. Innerhalb weniger Minuten kam noch ein Surflehrer hinzu, der im Winter bei der Bergwacht tätig ist. Der hat sich ein Seil umgebunden, um gesichert zu den beiden in Not geratenen Griechen vorzudringen. Gehalten von Julia Figge und Pascal Walgenbach, kämpfte sich der Surflehrer zu den beiden Männern vor, rettete erst den einen und wenig später den anderen aus den Fluten. "Die beiden Männer sind wohlauf und waren unendlich dankbar für die Rettung", beschreibt die Korbacherin bewegende Momente. Das Auto sei jedoch verloren gewesen. "Da waren sie schon in ihrem griechischen Stolz gekränkt, dass der Wagen weg war".

Verzweifelt Quad festgehalten - und sich in Gefahr gebracht
Nach der mutigen Rettung wandten sich die Yogalehrer wieder den Inhabern von "Frontrunners" zu, die sich selbst in größte Gefahr begaben - sie hielten verzweifelt ihre Fahrzeuge fest. So drohte ein Quad vom Wasser weggespült zu werden. "Pascal hat sofort das Risiko gecheckt und sie nur angeschrien, sie sollten loslassen - sonst würden sie mitgerissen", erinnert sich Julia Figge an den dramatischen Augenblick. Die Männer ließen daraufhin tatsächlich ihre Fahrzeuge los - ein Teil ihrer Existenz verschwand in den reißenden Wassermassen. "Das hat uns sehr bewegt und gerührt".

Etwa anderthalb Stunden später war der stark angeschwollene Fluss wieder weg. Danach wurde das Ausmaß des schlimmen Unwetters deutlich - alle Gärten rund um den Fluss sind völlig verwüstet, Keller sind vollgelaufen, Möbel, Hausrat, alles, was in den Gärten war, einfach alles wurde mitgerissen und in die Bucht am Meer gespült. "Es sieht verheerend aus", sagt die Yogalehrerin.

Taverne "Mythos" komplett weggerissen
Die Taverne "Mythos", die unten am Fluss gebaut war, ist komplett mitgerissen worden. "Das ganze Haus, das direkt am Fluss stand, alle Steine, alles ist komplett weg", verdeutlicht Julia Figge die Kraft des Unwetters. "Der Inhaber, der in einem Bergdorf wohnt, kam dort hin und sein gesamtes Haus war einfach weg".

Viele Menschen, die links und rechts des Flusses wohnten, mussten evakuiert werden - darunter auch eine junge Mutter mit ihrem vier Wochen alten Baby. "Die Frau hat das schwere Unwetter zum Glück früh genug mitbekommen. Später stand das Wasser zimmerhoch in ihrer Wohnung." Einige Straßen wurden gar zerstört.

Schaulustige vor Unglück bewahrt
Nachdem sich die Situation etwas beruhigt hatte, standen etwa 50 Schaulustige an der Kante über dem Fluss und sahen dabei zu, wie das Wasser ins Meer fließt. Auch hier war es Pascal Walgenbach, der die Gefahr erkannte: Er war besorgt, dass sich das Erdreich aufweichen und die Kante abbrechen könnte. "Wir haben denen zugerufen, sie sollen dort weggehen. Nach einer Minute haben sie reagiert und sind tatsächlich an die Seite gegangen", schildert Julia Figge, und "nach weiteren fünf Minuten wurde dann wirklich alles weggespült - ich weiß nicht, was dann passiert wäre. Die wären bei den hohen Wellen und der starken Strömung mit ins Meer gerissen worden". An dem Abend "habe ich gedacht, ich brauche Beruhigungstropfen - es war wirklich aufregend".

Strand wie eine Müllhalde
Der Strand in "ihrem" Dorf sah nach dem schlimmen Unwetter aus wie eine Müllhalde. Viel von dem, was die Wassermassen mitrissen, fand sich später am Strand wieder - Reifen, Abfall, Möbel und vieles mehr. Mit ihrer Yogagruppe ging Julia Figge gleich am Dienstagmorgen an den Strand, um mehrere Stunden lang aufzuräumen. "Es ist total schön zu sehen, wie plötzlich alle zusammenarbeiten, um den Strand wieder zu dem zu machen, was er mal war. Und viele Griechen sind zu uns gekommen, haben sich bedankt, Handschuhe oder Mülltonnen gebracht", sagt die Frau aus Korbach voller Begeisterung. Getrübt ist die Freude aber beim Anblick der Insel schon: "Es wird Wochen dauern, bis alles wieder schön ist". Die letzte Naturkatastrophe ähnlicher Art gab es auf Korfu im Jahr 2003, damals waren die Auswirkungen aber längst nicht so schlimm.

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Publiziert in Retter

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