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BAD WILDUNGEN/HEIMERZHEIM. Donnerstagmorgen, 08:30 Uhr. An seiner Arbeitsstelle bekommt Oliver Münch von der Bergwacht Bad Wildungen einen Anruf: Es werden Luftretter im Hochwasserkatastrophengebiet benötigt. Menschen sind in Lebensgefahr, müssen von umfluteten Hausdächern gerettet werden. Für den 33-jährigen Bad Wildunger und auch seinen Arbeitgeber, die Kommunalwald GmbH Waldeck-Frankenberg, gar keine Sekunde des Zögerns: Oliver Münch wird den Einsatz sofort wahrnehmen.

„Da hat mein Arbeitgeber sofort zugestimmt und war froh, dass es Menschen gibt, die in dieser Situation helfen können“, ist Oliver Münch begeistert von der unkomplizierten Einstellung seines Arbeitgebers.

Dann geht es ganz schnell: Oliver fährt zur Bergrettungswache in Bad Wildungen und rüstet sich für den Luftrettungseinsatz aus, während in Fuldatal bei Kassel zwei Hubschrauber der Bundespolizei starten. Jene Fliegerstaffel, die mit den Kameraden der Bergwacht Bad Wildungen vier Mal im Jahr in und um Bad Wildungen Luftrettungseinsätze trainiert – für den Ernstfall, der nun in einer ganz anderen Dimension eingetreten ist, als man es eigentlich erwartet. Regionale Einsätze, bei denen ein Wanderer in Not geraten ist und in unwegsamem Gelände nicht vom Rettungsdienst erreicht werden kann, hat Oliver Münch schon geflogen. Ein Hochwassereinsatz aber, bei dem Menschen ertrunken sind und einige sich in letzter Sekunde auf Hausdächer oder Bäume retten konnten, und nun auf seine Hilfe warten – das ist für den 33-Jährigen Neuland. „Da war schon eine Aufregung da“, gesteht er mir in unserem Gespräch. Aber nach dem ersten Einsatz, so erzählt er mir, habe sich das schnell gelegt.

Oliver Münch kam mit einem Hubschrauber vom Typ EC 155 in Heimerzheim, unweit der A61 zum Einsatz. Die Kollegen mit dem zweiten Hubschrauber, einer Super Puma, sind in den Landkreis Ahrweiler geflogen.

„Als wir ankamen, haben wir schon gesehen, was los ist“, berichtet Oliver mir. Der junge Mann sieht Menschen auf Hausdächern, eingeschlossen von braunem Wasser. „Einige haben uns aus der Luft zu verstehen gegeben, dass sie noch aushalten und haben uns vorbei gewunken“, erzählt er. Weiter zu den Menschen, die am Ende ihrer Kräfte waren, die sehnlichst auf die Rettung aus der Luft gewartet haben. „Die haben uns herbei gewunken“, beschreibt er seine Eindrücke. Wie dann das weitere Vorgehen war, möchte ich von ihm wissen. „Wir haben geschaut, ob nichts gefährliches in der Nähe war und dann sind wie sofort runter gegangen“, erklärt er mir. Der Fachmann der Bergrettung hing dabei am Stahlseil, das von einem Windenoperator der Bundespolizei abgelassen wurden – hunderte Male trainiert, zum Beispiel am Hahnberg bei Bad Wildungen, oder am Bilstein. Unten bei den Menschen angekommen erklärt der Bergretter ihnen kurz, was nun geschehen wird, und wie der Winch, also das Aufziehen mit der Winde, ablaufen wird. Die Piloten halten ihre Maschine währenddessen wie eine Eins in der Luft. Was unter ihnen passiert, sehen sie nur eingeschränkt. Sie müssen sich auf die Kommunikation mit Bergretter und Windenoperator verlassen. „Und das hat einfach wunderbar funktioniert mit der Bundespolizei“, freut sich Oliver Münch. Nach der kurzen Einweisung der zu Rettenden werden diese in ein so genanntes Rettungsdreieck gepackt und dann gemeinsam mit dem Bergretter an Bord der Maschine geholt. „Die waren ganz ruhig beim Winchvorgang“, erinnert sich Oliver. Wenn die Menschen an Bord des Hubschraubers waren, wurden sie zu einem nahe gelegenen Sportplatz geflogen und dort von Hilfsorganisationen untersucht und weiter versorgt oder betreut. Der Hubschrauber drehte dann direkt wieder ab, um die nächsten Menschen von den Hausdächern zu retten. „Die waren so dankbar beim Aussteigen...“, beschreibt der Bergretter seine Eindrücke von den Landungen am Sportplatz.

„Es ging wirklich Step by Step“, erinnert er sich an die Einsatzabläufe vor Ort. Als Pausen dienten nur die obligatorischen Landungen, um den Hubschrauber wieder betanken zu können. Mobile Tankwagen der Bundespolizei und der Bundeswehr sind dazu ins Schadensgebiet gefahren. In Heimerzheim waren die Retter insgesamt mit drei Hubschraubern im Einsatz: „Die Bundeswehr war noch dort, wir mit der Bundespolizei mit der EC 155 und ebenfalls die Bundespolizei noch mit einer EC 135“, berichtet Oliver. Letzterer Hubschrauber verfügt bei der Bundespolizei allerdings nicht über eine Winde. „Mit diesem Hubschrauber wurden Erkundungsflüge gemacht. Er hat nach Menschen in Not gesucht, und diese an die beiden Windenhubschrauber gemeldet“, berichtet er.

Ich frage ihn, ob es denn eine gefährliche oder haarige Situation im Einsatz gegeben hat. Gefährlich sei es nicht gewesen, aber einen sehr anspruchsvollen Winch habe es schon gegeben. „Da stand ein Mensch kniehoch im Wasser mitten in einem engen Innenhof und ich dann auch. Das war wirklich sehr eng dort und eine große Herausforderung für die Hubschrauberbesatzung“, macht Oliver deutlich. Aber alles hat super geklappt. „Da weiß man einfach, wofür man das lernt“, resümiert er den Einsatz, der noch bis 19:00 Uhr an diesem Donnerstag andauerte. „Dann sind wir zum Hauptsitz der Bundespolizeifliegerstaffel nach Sankt Augustin geflogen. Schichtwechsel für die Besatzungen. Wir haben dort übernachtet und am nächsten Tag hatten wir eine Bereitschaft aufrecht zu erhalten“, erklärt Oliver mir, der bereits seit 2010 ehrenamtlicher Luftretter bei der Bergwacht ist. Da kam es für den Bad Wildunger aber zu keinem Einsatz mehr. Gegen 21:00 Uhr war der dann am Freitag wieder zu Hause in Bad Wildungen. Mit dem tollen Gefühl, mit seinem Wissen und seinem ehrenamtlichen Engagement Menschen in höchster Not aus einer Extremsituation gerettet zu haben.

Mich interessiert abschließend, wie sein Umfeld seinen Einsatz nach der Rückkehr gesehen hat. Oliver muss nicht lange überlegen: „Die große Erleichterung war sofort als erstes zu spüren. Sie waren heilfroh, dass mir nichts passiert ist. Denn sie hatten ja auch in den Medien mitbekommen, dass dort bereits Einsatzkräfte verunglückt und auch leider ums Leben gekommen waren“, schildert er. „Und vor allem meine Frau und meine Eltern waren sehr stolz“. Wie wir finden auch mit Recht. Wir sagen „Danke für Deinen Einsatz, lieber Oliver und mach weiter so, denn das ist ganz großes Kino!“

Publiziert in Retter

WINTERBERG. Etwas Aufregung war schon dabei, als Marc Sartorius von der Bergwacht Winterberg seinen Anruf vom DRK Kreisverband Brilon, dem die Bergwacht Winterberg untersteht, entgegennahm. „Könnt Ihr Luftretter ins Flutgebiet schicken? Die Polizeifliegerstaffel NRW hat hier angefragt“, wendet sich der Kreisverband an Sartorius, der selbst ehrenamtlicher Luftretter bei der Bergwacht ist. Einer von denen, die im Einsatzfall von der Winde eines Hubschraubers zu in Not geratenen Menschen abgewincht werden, um diese dann an Bord des Hubschraubers zu bringen.

„Es musste alles ganz schnell gehen und es hieß, dass der Hubschrauber uns in Winterberg abholen würde“, berichtet Marc Sartorius. Hauptberuflich im Rettungsdienst, hatte er an diesem Tag frei. Drei weitere Kollegen hatten sich ebenfalls schnell zurück gemeldet, mit Arbeitgebern gesprochen, oder kurzfristig Urlaub genommen, um im Krisengebiet irgendwo in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen helfen zu können. Schließlich ist die Bergwacht Winterberg nur kurze Zeit später mit vier Leuten – den Luftrettern Marc Sartorius, Tobias Lutter und Marc Ramspott, sowie dem Bergretter Steffen Schnier nach Düsseldorf gestartet – zu einem der insgesamt zwei Standorte der Polizeifliegerstaffel NRW. „Eine Maschine war zu dieser Zeit bereits auf dem Weg ins Schadensgebiet, so dass wir schließlich bodengebunden nach Düsseldorf fahren mussten“, erklärt Marc Sartorius. Es sei der erste reale Luftrettungseinsatz für die Bergwacht Winterberg, berichtet Marc Sartorius. Allein deshalb schon habe sich das jahrelange Training am Hubschraubersimulator im Trainingszentrum in Bad Tölz gelohnt. Überhaupt sei deshalb auch erst die Alarmierung zu Stande gekommen: „Mitarbeiter der Polizeifliegerstaffel NRW haben damals mit uns in Bad Tölz gemeinsam trainiert und konnten sich daran erinnern, dass wir Luftretter in unserer Bergwacht haben“, berichtet Sartorius.

Kaum in Düsseldorf angekommen, erreicht die Kräfte der erste Hilferuf: Mit Hilfe der Hubschrauber soll ein Krankenhaus evakuiert werden. Da die Polizeihubschrauber jedoch über keine Krankentrage verfügen, muss dieser Einsatz schnell wieder abgebrochen werden. Die Kameraden aus Winterberg stellen nun mit einer Hubschrauberbesatzung den Grundschutz im regulären Einsatzradius des Hubschraubers sicher. Nach kurzer Zeit geht ein Notruf ein, dass ein Mensch im Rhein bei Düsseldorf treibt. Sofort startet der Hubschrauber mit den Luftrettern an Bord und nimmt Kurs in Richtung Rhein. Aus der Luft wird die vermeintliche Einsatzstelle erkundet, nach dem Menschen gesucht. Nach kurzer Zeit stellte sich allerdings heraus, dass die Person bereits nicht mehr im Rhein ist. Rückflug nach Düsseldorf. Gegen 20:00 Uhr ist der Einsatz, der für die Winterberger Kameraden gegen 12:00 Uhr begonnen hatte, beendet und sie können den Heimweg nach Winterberg antreten.

Besonders gefallen hat den Bergwachtlern die äußerst kollegiale und freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Hubschrauberbesatzungen der Polizei NRW. „Das war ein Arbeiten auf Augenhöhe, es haben alle dieselbe Sprache gesprochen. Das jahrelange Training hat sich einfach ausgezahlt“, resümiert Marc Sartorius.

Publiziert in HSK Retter

BAD WILDUNGEN. Rund 40 Grad Celsius hat es im Cockpit der EC 155 der Bundespolizei Fliegerstaffel aus Fuldatal in einer Höhe von etwa 1500 Fuß. Der Hubschrauber ist mit rund 260 Stundenkilometern auf dem Weg nach Waldeck-Frankenberg. Die Bergwacht hat die Fliegerstaffel angefordert. In die Nähe von Bad Wildungen, zum Hahnberg bei Reinhardshausen. Dort ist Jan-Lucas Krause in Not geraten – er ist in unwegsamem Gelände verunglückt, hat sich am Bein verletzt. Laufen oder auftreten kann der junge Mann nicht mehr. Für einen Rettungswagen ist die abgelegene Stelle in einem Kahlschlag-Hang, bewachsen mit Dornensträuchern und übersät mit Baumstümpfen, die dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen sind, unerreichbar.

Eine Rettung mit Bergwacht und Feuerwehr ohne Unterstützung des Hubschraubers würde mehrere Stunden in Anspruch nehmen und Helfer wie Patient bei den derzeit heißen Temperaturen der Sahara Luft von Hoch Yona schnell an ihre Leistungsgrenzen bringen. Für beide Seiten wäre dies ein mehr als gefährliches Unterfangen.

An der Jägersburg bei Bad Wildungen landet der Pilot seine Maschine zunächst, um von Gerd Windhausen, dem Technischen Leiter der Bergwacht Hessen, die wichtigsten Informationen für sich und sein Team zu erhalten, und um Luftretter der Bergwacht an Bord zu nehmen.

Gleich zu Beginn macht der erfahrene Pilot klar: „Wir sind mit der Maschine an der Leistungsgrenze bei diesen extrem heißen Temperaturen. Wir können das Rettungsteam nur in zwei Flügen raus bringen. Alle zusammen schaffen wir heute nicht“. Die Bergretter stehen im Feld neben der Bundesstraße 253 und erhalten von Gerd Windhausen zusammen mit der Besatzung des Hubschraubers bei sengender Hitze die genauen Koordinaten der Einsatzstelle und eine Beschreibung, wo der Hahnberg sich genau befindet. Auf einer Karte können sich die Helfer die Lokalität kurz genau anschauen. „Über das Verletzungsmuster ist nichts Genaues bekannt. Ihr müsst so raus gehen, dass Ihr alle Situationen abarbeiten könnt“, gibt Gerd Windhausen seinen Kameraden mit auf den Weg. Nach der kurzen Einweisung startet der Pilot die Turbinen der Maschine und nimmt den Einsatzleiter der Bergwacht mit Rettungsrucksack an Bord.

Im Wald in Not

Derweil einige Kilometer weiter in unwegsamem Waldgelände: Jan-Lucas Krause hat es bei Temperaturen weit über 30 Grad noch geschafft, sich aus großen Pflanzenteilen einen Schattenspender über seinen Kopf zu bauen. Die mitgenommenen Wasserflaschen sind längst aufgebraucht. Da erscheint der knatternde und schnell näher kommenden Sound der EC 155 wie eine Erlösung: Als der junge Mann die Maschine kommen hört, macht er durch Winken auf sich aufmerksam. Pilot Jochen dreht den Hubschrauber ein: Sie haben Jan-Lucas erkannt. Eine steile Kurve, die Winde fährt runter und lässt den ersten Bergretter ab. Bei fast unerträglicher Hitze, in voller Montur, mit Helm und Handschuhen. Der Bergretter wird von Windenoperator Helmut präzise genau in den Hang abgelassen. So, als hätten sie alle nie etwas anderes getan. Per Sprechfunk und Handzeichen gibt der Bergretter der Hubschrauberbesatzung an, dass er sicher bei Jan-Lucas gelandet ist. Die Winde wird eingefahren und er Hubschrauber nimmt erneut Kurs zur Jägersburg: Dort werden weitere Bergretter mit dem Bergesack an Bord genommen.

Unterdessen erfährt Jan-Lucas die erste Versorgung durch den Bergretter. Er erklärt ihm auch, wie das weitere Vorgehen aussieht: „Du wirst gleich in einen Bergesack eingepackt und liegst ganz flach. Du bekommst einen Helm und eine Schutzbrille auf und Du wirst von einem der Bergretter an der Winde begleitet. Wenn Du am Hubschrauber angekommen bist, werden der Bergretter und die Bordtechniker Dich in die Maschine ziehen und wir fliegen Dich zum Landeplatz“. Wenige Augenblicke später kreist der Hubschrauber bereits am Hahnberg und lässt die Retter mit dem Bergesack ab, in den sie Jan-Lucas nach kurzer Versorgung legen. Wie angekündigt wird er mit Helm und Schutzbrille versorgt. Der Hubschrauber ist noch mal weg geflogen, um eine Verständigung bei der Versorgung zu ermöglichen und wird über Funk wieder angefordert, um Jan-Lucas und den Bergretter auszufliegen.

Tief über den Gipfeln der noch verbliebenen Fichten steuert der Pilot die Notfallstelle nun ein drittes Mal an. Zentimetergenau und präzise wird der Windenhaken abgelassen und am Bergesack befestigt. Auf das Kommando des Bergretters beginnt nun der Winchvorgang. Trotz der heißen Temperaturen hält der Pilot währenddessen seine Maschine in der Luft, wie eine Eins. Nach wenigen Augenblicken haben Bergretter und Patient den Hubschrauber erreicht und gemeinsam mit den Bordtechnikern wird Jan-Lucas in die Maschine gezogen und zum Landeplatz geflogen. Es ist unglaublich heiß im Hubschrauber. Klimaanlage ist an diesem heißen Sommertag heute Fehlanzeige: „Die schluckt unglaublich Leistung und bringt auch bei geöffneter Schiebetüre nichts“, erklärt der Pilot. Er fliegt übrigens heute mit Handtuch: „Es gibt nichts Schlimmeres als wenn Dir während des Fluges Schweiß in die Augen läuft und Du versuchst, irgendetwas zu sehen“.

An der Jägersburg angekommen wird Jan-Lucas aus der Maschine gebracht und aus dem Bergesack befreit – die Rettungsübung der Luftretter der Bergwacht Hessen und der Bundespolizei Fliegerstaffel endet hier. Alle Luftretter der Bergwacht haben ihre notwendigen Trainings absolviert und sind gemeinsam mit der Hubschrauberbesatzung und der Maschine an ihre Leistungsgrenzen gegangen.

Besondere Umstände durch extreme Hitze

Gerd Windhausen von der Bergwacht und der Pilot der Bundespolizei erklären die Besonderheiten der extrem heißen Wetterlage: „Man muss bei solchen Wetterlagen jedes Gramm Gewicht in der Maschine sparen, um noch genügend Leistung bei der praktisch nicht mehr vorhandenen Luftdichte zu haben. Heute müssen viel mehr Tankstopps als sonst eingelegt werden, weil nicht so viel Treibstoff mitgenommen werden kann. Die Teams müssen heute in zwei Flügen und nicht wie sonst in einem Flug rausgebracht werden“. Auch für die Helfer an sich ist es eine wirkliche Probe: „Die Konzentration bei solchen Temperaturen lässt nachweislich sehr schnell nach. Gebt deshalb heute besonders Acht“, mahnt der Pilot alle Teilnehmer am Morgen beim Briefing. Mit viel Wasser und einer Ruhe und Gelassenheit, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt haben die Männer und Frauen ihren Auftrag auch heute gemeistert und einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie auch in extremen Situationen sofort und kompetent da sind, um Menschen in Not zu helfen. Und was sagt Unfallopfer Jan-Lucas dazu: „Absolut geil. Vielen, vielen Dank!“

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Montag, 29 März 2021 09:54

Stetiges Training für Wanderer in Not

BAD WILDUNGEN. Es ist schon ein vertrautes Bild am Wildunger Himmel. Ein Bild, das vielen Touristen und Einheimischen in der Nationalparkregion Sicherheit vermitteln kann: Ein Hubschrauber der Bundespolizei kreist über den Altwildunger Bilsteinklippen und in der nächsten Minute steht die schwere Maschine vom Typ H155 (Früher EC 155) wie eine Eins in der Luft, einige Meter über den Bäumen am Felsen mit der Aussichtsplattform. Der Windenoperator lässt ein kaum sichtbares Stahlseil an den Felsen herunter.

Wenige Meter unter der Maschine befinden sich ehrenamtliche Helfer der Bergwacht Hessen. Luftretter. Speziell ausgebildete Bergwachtler, die im Einsatzfall von einem Hubschrauber aufgenommen werden, um zu verletzten Menschen in unwegsames Gelände abgewincht werden zu können und dann eine Erstversorgung vorzunehmen.

So war es am Freitag an den Bilsteinklippen: Eine Fußgängerin war dort verunglückt. „Irgendwo im Bereich der Aussichtsplattform muss der Unfall geschehen sein, dort befindet sich die Frau. Die Unfallstelle ist mit Rettungswagen aber nicht zu erreichen“, weist Gerd Windhausen seine Leute vor dem Rettungsflug ein. Heute ist der Einsatz des Hubschraubers und der Luftretter der Bergwachten aus Willingen und Bad Wildungen zum Glück nur eine Übung. „Wir sind sehr froh, dass wir mit Corona-Auflagen endlich wieder praktisch üben können“, freut sich Gerd Windhausen. Ein so genanntes „Szenario-Training“ absolvierten die Einsatzkräfte im Wildunger Land. Dabei seien die Teams mit der Hubschrauberbesatzung an den jeweiligen Einsatzorten auf sich allein gestellt und bekommen zu Beginn des Fluges nur die Einsatzsituation mitgeteilt. Für die Luftretter gibt es dann verschiedene Möglichkeiten, die Patienten aus dem Gelände zu retten. Liegend, im Bergesack, oder auch in sitzender Position, durch Bergretter an der Winde gesichert.

Diese Szenarientrainings und den Einsatz mit der Winde eines Hubschraubers trainieren alle Luftretter der Bergwachten zusammen mit den Hubschrauberbesatzungen der Bundes- und Landespolizei mehrmals im Jahr. In diesem Zusammenhang galt der Dank der Bergwacht vor allem dem Landwirt, der immer wieder eine seiner Wiesen als Landestelle für die Hubschraubertrainings zur Verfügung stellt.

Somit wird das Bild von Polizeihubschraubern am Wildunger Himmel auch in der Zukunft ein vertrautes Bild bleiben. Ein Synonym für bestmöglich ausgebildete Bergretter und Hubschrauberbesatzungen für in Not geratene Wanderer, Waldarbeiter und Touristen.

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BAD WILDUNGEN. Nach langer Debatte, wer den Smart aus dem Steilhang im Sondertal herausholt und unzähligen Anfragen von Behörden auch bei überregionalen Bergungsfirmen, die alle den Auftrag ablehnten, sagte am Montag die Firma AVAS aus Frankenberg zu, den seit Samstagnacht (112-magazin.de berichtete darüber, hier klicken) im Hang liegenden Smart zu bergen.

Mit drei Firmenfahrzeugen erreichte das Frankenberger Spezialunternehmen am Dienstag das Gelände direkt am Dr. Marc-Turm. Vorausgegangen war eine intensive Beratung über Bergungsmöglichkeiten mit der Stadt Bad Wildungen, der Polizei und der Bergwacht. Zunächst wollte man den Smart von unten über das Helenental aus dem Hang ziehen. Dieser Vorschlag wurde schnell zu den Akten gelegt, man entschied sich für eine Bergung oberhalb des Sondertals. 

Um 14 Uhr begann die Bergungsaktion mit dem Schwerlastkran. Zunächst wurde das Fahrzeug rückwärts an die Klippen gefahren, ausgerichtet und gegen Wegrutschen abgesichert. Maik Neuschäfer von der Firma AVAS und ein vierköpfiges Team der Wildunger Bergwacht unter der Leitung von Yannik Wagener waren bereit, den in etwa 70 Metern Tiefe liegenden Smart nach oben zu befördern. Während Maik Neuschäfer mit dem nötigen Equipment ausgerüstet wurde, darunter ein Brust- und ein Hüftgurt sowie ein Funkgerät und ein Helm, machte sich auch Ben Schwarz von der Bergwacht bereit für den Abstieg zum Fahrzeug.  

Gemeinsam stiegen Ben Schwarz und Maik Neuschäfer unter der ständigen Sicherung durch Leinen und zwei Bergführer zum Smart hinab, legten die Abschleppgurte beim Unfallfahrzeug an und hielten über Funk Kontakt zum Bergungsfahrzeug. Vier Beamte der Bad Wildunger Polizei sperrten den Gefahrenbereich vorsichtshalber weiträumig ab. Ralf Schmidt, der Geschäftsführer von AVAS koordinierte die Bergung ebenfalls über Funk. Mit dem Teleskoparm, der bis auf 31 Meter ausgefahren wurde, konnte der völlig demolierte Smart nach etwa drei Stunden aus dem Steilhang geholt und auf einen bereitgestellten Lkw abgeladen werden.  

Wie Ralf Schmidt gegenüber dem 112-magazin mitteilte, hätte die Bergungsaktion ohne Polizei und Bergwacht nicht durchgeführt werden können.

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VÖHL. Erhebliche Kopfverletzungen durch einen Sturz in felsigem Gelände zog sich ein Wanderer am Dienstag im Bereich des nördlichen Naturparks Kellerwald zu. Der Feriengast aus Herne war mit seiner Familie im Bereich der Hünselburg, nördlich des Edersees in der Nähe von Basdorf unterwegs. Im felsigen Gelände kam er rückwärts zu Fall und verletzte sich dabei erheblich am Kopf. Bedingt durch Medikamente kam es zu einer starken Blutung. Zufällig vorbei kommende Passanten, darunter eine Krankenschwester, leisteten umgehend gekonnt Erste Hilfe.

Nach Absetzen des Notrufes war relativ schnell klar, das die Einsatzstelle mit normalen Rettungsmitteln nicht erreichbar sein wird. Hierauf alarmierte die Rettungsleitstelle, neben dem Rettungswagen aus Herzhausen, auch die Bergwachten aus Bad Wildungen und Willingen. 

Da die Koordinaten der Einsatzstelle schon von Beginn an bekannt waren, konnte die Einsatzstelle zügig lokalisiert werden. Aufgrund von Einsätzen aus der Vergangenheit war bekannt, dass die Einsatzstelle weitab von befahrbaren Wegen liegt. Hierauf entschloss sich der Einsatzleiter der Bergwacht umgehend einen Hubschrauber mit Winde nachzualarmieren. Nachdem ein Bundespolizei-Hubschrauber aus Fuldatal nicht zur Verfügung stand, wurde der Helikopter der Landespolizei Hessen aus Egelsbach noch auf der Anfahrt angefordert.

Gemeinsam trafen sich alle Einsatzkräfte am Sportplatz in Basdorf. Von dort entschied man sich, parallel zum Helikopter, einen Trupp Einsatzkräfte zu Fuß zu Einsatzstelle zu entsenden. Von Vorteil war hier die zufällige Anwesenheit des Wehrführers der Basdorfer Feuerwehr, der mit seiner Ortskenntnis die Einsatzkräfte möglichst dicht mit dem Einsatzfahrzeug an die Einsatzstelle navigieren konnte. 

Der nach etwa 35 Minuten eintreffende Polizeihelikopter nahm, mit noch laufenden Rotoren, sofort zwei Bergwacht-Luftretter an Bord und hob unmittelbar wieder zur Einsatzstelle ab. Beide Teams, auf dem Boden und aus der Luft trafen unmittelbar nacheinander an der Einsatzstelle ein. Der Bewuchs ließ ein Winchen an der Einsatzstelle zu, somit konnte der Patient zügig versorgt werden und seine Blutung adäquat zum Stehen gebracht werden.

Der Wanderer wurde nun unter Wärmeerhalt und Infusionstherapie in einem Luftrettungsbergesack gelagert und von einem Bergwacht-Luftretter aus seiner misslichen Lage gewincht. Am Zwischenlandeplatz in Basdorf wurde der Verletzte dann an den wartenden Promedica-Rettungswagen übergeben und von diesem zügig in das Korbacher Krankenhaus verbracht.

Die oft geübten Verfahren in der Luftrettung haben sich erneut bewährt und führten zu einem reibungslosen Einsatzablauf. In einem angemessenen Zeitfenster konnte der Verletzte aus seiner schwierigen Lage in sehr unwegsamen Gelände gerettet werden, wir wünschen ihm an dieser Stelle eine zügige Genesung, die Angehörigen des Patienten wurden anschließend noch zu ihrem Feriendomizil verbracht.  Neun Bergretter aus Willingen und Bad Wildungen sowie der Polizeihubschrauber aus Egelsbach waren drei Stunden im Einsatz.

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BATTENBERG.Am Donnerstagabend kam es zum Absturz eines Paragleiters bei Battenberg, dieser landete in einer Baumkrone in der Gemarkung „Am Eisenberg“.

Beobachtet wurde dies von Spaziergängern, die unverzüglich den Notruf bei der Leitstelle Waldeck-Frankenberg absetzten. Gegen 18:48 Uhr rückten die Feuerwehr Battenberg (Eder), Frankenberg (Eder), die Bergwacht Willingen (Upland), eine Komponente des THWs, ein Streifenwagen der Polizeistation Frankenberg, so wie der Rettungsdienst mit einem RTW und einem NEF unter dem Alarmkürzel „H Absturz Y“ zur Einsatzstelle aus.

Bei Eintreffen der ersten Einsatzkräfte war die verunfallte Person ansprechbar und augenscheinlich in guter Verfassung. Der 33-jährige Battenberger hatte eigenständig jemanden aus seinem Bekanntenkreis verständigt, der ihm mit einem Klettergeschirr aus der misslichen Lage half. Die Feuerwehr unterstützte die Rettung, bis der junge Mann dem Rettungsdienst übergeben werden konnte. Nach einer medizinischen Begutachtung vor Ort stand fest, eine Aufnahme in ein Krankenhaus war nicht notwendig. Nach ca. zwei Stunden konnte der Einsatz beendet werden.

Publiziert in Feuerwehr
Freitag, 05 Juni 2020 15:31

Mit dem Hubschrauber aus der Wand

BAD WILDUNGEN. Endlich konnten die Luftretter der Bergwacht Bad Wildungen wieder gemeinsam mit der Bundespolizei Fliegerstaffel Fuldatal die Rettung von in Not geratenen Menschen per Hubschrauber üben. Drei Termine, die in diesem Jahr bereits geplant waren, sind dem Corona-Ausbruch zum Opfer gefallen.

Heute konnten die Luftretter unter der Leitung von Gerd Windhausen und die Bundespolizei unter verschärften Hygienemaßnahmen, in einem deutlich kleineren Personenkreis, mit Mundschutz und bestmöglichem Abstand halten ihre so wichtigen Übungen durchführen. In mehreren Flugmanvöern steuerten die Bundespolizeipiloten ihren Hubschrauber vom Typ EC 155 an verschiedene Anhöhen und Plateaus im Bad Wildunger Umland. Zuvor waren dort Verletztendarsteller ausgelegt worden, die jeweils mit einem Team der Bergwacht an der Winde und den Polizeibeamten im Hubschraubercockpit und an der Bedieneinheit der Winde aus dem unwegsamen Gelände gerettet wurden. Dazu wurden die fiktiven Verletzten zunächst erstversorgt und dann in einen Luftrettungsbergesack gelagert, der dann mit der Rettungswinde und den Bergrettern an Bord des Hubschraubers gezogen wurde.

Ganz einfach waren die anspruchsvollen Manöver für die Besatzungen und die Teams nicht: Starker Wind mit ständig wechselnden Böen verlangte den Rettern alles ab. Immer wieder musste der Pilot die Erschütterungen im Hubschrauber ausgleichen, um eine ruhige Rettungsaktion zu gewährleisten. Dies gelang auch diesmal, wie bei all den vielen Übungen und Einsätzen in der Vergangenheit hervorragend. Die Besucher und Bewohner des Nationalparks Kellerwald-Edersee können sich über ein sehr gut eingespieltes und funktionierendes Team von Bergwacht und Polizeifliegern freuen, die im Ernstfall bereit stehen und bestens ausgebildet sind, Menschen aus gefährlichen Lagen zu retten. Abwechselnd in ganz Hessen üben alle Luftretter der hessischen Bergwachten, sowie die Polizeipiloten von Bundespolizei und Landespolizei die anspruchsvollen Windeneinsätze in unwegsamem Gelände.

Publiziert in Retter

WINTERBERG. Es ist kalt und zumindest etwas winterlich, als ich an der Bergrettungswache Winterberg klingele. Ich bin mit Marc Sartorius verabredet. Er ist ehrenamtlicher Bergwachtmann. Gibt auf viele Skifahrer und Besucher Acht. In seiner Freizeit. Neben seinen Diensten als Rettungssanitäter beim Hochsauerlandkreis.

Kilometerweit durch Schnee und Berge

Am späten Vormittag empfängt er mich und wir gehen in die Fahrzeughalle. Marc möchte mir zunächst sein heutiges Einsatzgebiet zeigen. Dazu fährt er ein wendiges Kettenfahrzeug aus der Halle. Ausgestattet mit Notfallrucksäcken, Blaulicht, und Einsatzhorn. Wie auf der Straße auch. Er setzt sich drauf und ruft: „So Matthias, kannst aufsteigen!“. Ich sitze hinter dem erfahrenen Bergretter und los geht es kilometerweit über Schnee bedeckte Skihänge, vorbei an tausenden von Skifahrern, an Schneekanonen, Liftanlagen und über Bergstationen, und Talstationen - an alle möglichen Punkte des Skigebietes. Den Überblick habe ich längst verloren, aber ich genieße die Fahrt durch den Schnee. Ich freue mich wie ein kleiner Junge über diese Rundfahrt und vergesse dabei fast, weshalb ich überhaupt da bin. Marc fährt mich routiniert und sicher über die Skihänge. Manchmal nur wenige Zentimeter an den vielen Gästen vorbei, während er in unzähligen Lenkbewegungen hochkonzentriert zwischen den Menschenmassen an der Liftstelle hindurch steuert. Dabei immer noch ein Lächeln für die Kleinsten, die den Mann von der Bergwacht von der Piste aus bewundern, oder ihm zuwinken. Viel zu schnell ist die Fahrt an diesem Samstagmorgen zu Ende. Dann folgen Fotos und unser Gespräch für die Serie.

Marc kenne ich schon länger. Immer wieder begegne ich ihm, wenn ich zur Berichterstattung für unser 112-Magazin unterwegs bin. Beim Rettungsdienst, oder eben bei der DRK Bergwacht. Manchmal auch bei der Feuerwehr. Der junge Niedersfelder ist in allen drei Organisationen aktiv. Immer mit nur einem Ziel: Menschen in Not zu helfen.

Eine besondere Eigenschaft, wie ich finde, in so facettenreichen und zugleich unterschiedlichen Hilfsorganisationen aktiv zu sein. Deshalb möchte ich Euch, liebe Leser, Marc Sartorius und sein Engagement etwas näher vorstellen.

Schon in Kindertagen zur Feuerwehr -später zur Bergwacht und zum Rettungsdienst

Marc ist 30 Jahre alt und hat bereits vor 19 Jahren mit seiner ehrenamtlichen Arbeit in der Feuerwehr seines Heimatortes Niedersfeld begonnen – damals als kleiner Jung ein der Jugendfeuerwehr. „Eigentlich war es damals nur ein Gruppenzwang in der Kindheit“, gesteht er mir im Gespräch. Aber dann – „Das hat mir richtig Spaß gemacht“, schwärmt er noch heute von seinen Jugendfeuerwehrdiensten. Da verwundert es nicht, dass der sympathische Rettungssanitäter heute selbst unter anderem auch für den Nachwuchs der Feuerwehr aktiv ist.

Im „normalen“ Feuerwehrdienst kümmert sich Marc als Gruppenführer und als aktive Einsatzkraft um alle Belange der Niedersfelder Feuerwehr. Gemeinsam mit seinen Kameraden ist er bei Verkehrsunfällen, Umweltkatastrophen, Such- und Rettungsaktionen, und natürlich bei den klassischen Brandeinsätzen im Einsatz. Bei letzteren trägt er auch je nach Anlass eine Atemschutzflasche auf dem Rücken über seiner dicken Einsatzkleidung. „Dann ist der Bart aber abrasiert“, lacht er. Denn sonst würde die Maske nicht richtig abdichten.

Im Einsatz für Gleitschirmflieger und Skifahrer - Krafttraining in der Freizeit

„Über zwei Freunde kam ich schließlich auch zur Bergwacht“, erklärt Marc mir seinen weiteren Werdegang. Und da war es ganz ähnlich, wie anfangs bei der Feuerwehr: „Das hat mir sooo viel Spaß gemacht“, erinnert er sich zurück. Doch einfach nur „in der Bergwacht sein“, ist da nicht. Viele Stunden Ausbildung musste Marc absolvieren. Genau wie auch alle seine Kameraden. In Bad Tölz beispielsweise, wo die Bergwachtler in einer Trainingshalle den Umgang mit der Rettungswinde eines Hubschraubers trainieren. Aber auch über Naturschutz, Notfallmedizin, Sommer- und Winterrettung, oder Seiltechniken musste Marc viele Details erlernen. „Die Arbeit in der Höhe macht für mich einen ganz besonderen Reiz aus“, erzählt er mir. Dabei muss der 30-jährige oft hoch hinaus: Immer wieder kommt es zwischen Eslohe, Olsberg, Schmallenberg und Winterberg – dem Einsatzgebiet der Bergwacht – zu Flugunfällen mit Gleitschirmfliegern, die im Baum hängen bleiben und dann gerettet werden müssen. Eine Kräfte zehrende Arbeit. Denn beim Aufstieg in den Baum müssen sämtliche Äste zunächst weg gebrochen werden. „Ein Geretteter hat mit mir auf dem Schützenfest mal ein Bier getrunken“, erzählt mir Marc. So etwas freut ihn – ganz klar. Neben Gleitschirmunfällen gehören aber auch Rettungen aus unwegsamem Gelände zusammen mit der Feuerwehr oder zur Unterstützung des Rettungsdienstes zu den Bergwachtaufgaben, die übrigens alle ehrenamtlich ausgeführt werden. Hinzu kommen über die Wintermonate die täglichen Dienste an den Skipisten in Winterberg. Für einen Ausgleich in der Freizeit sorgt da ein sehr guter Freundeskreis: „Meine Freunde mag ich auf gar keinen Fall missen“, macht Marc deutlich. Krafttraining macht der 30-jährige beim vielen Sport treiben, und beim Klettern.

Auch im Rettungsdienst arbeitet Marc. Da wiederum ist er über die Bergwacht hingekommen. „Ich habe keine Sekunde bereut und gehe jeden Morgen gerne zur Arbeit“, berichtet er mir mit einem Strahlen in den Augen. Das kommt von Herzen, zutiefst ehrlich. Seit vier Jahren hat der Niedersfelder im Rettungsdienst seinen Traumberuf gefunden, vorher übrigens als Bäcker gearbeitet. Die Bürger von Winterberg und Umgebung und die unzähligen Touristen nicht nur auf den Skihängen können sich sicher sein, dass sie mit Marc einen besonderen Helfer an ihrer Seite haben. Einen, der alle Facetten der Hilfsorganisation mit sehr viel Herzblut ausführt, der stets freundlich zugewandt ist, fundierte Ausbildungen in allen Hilfsorganisationen hat und für den immer das Wohl der Menschen im Vordergrund steht.

Publiziert in HSK Retter

„In einer Stunde fliegen wir los Richtung Grimma. Wir brauchen zwei Leute, die Hubschrauber sind startklar“. Wenn Gerd Windhausen einen Anruf bekommt, dann muss es schnell gehen. Der 52-jährige Bad Wildunger ist Luftretter bei der Bergwacht in Bad Wildungen und Technischer Leiter der Bergwacht Hessen.

Nur wenige Minuten nach dem Anruf saßen er und ein weiterer Kamerad in einem Polizeihubschrauber auf dem Weg ins Hochwassergebiet von Sachsen. In 2013 war das. Da hat Gerd gemeinsam mit einem weiteren Bergwachtkollegen, den Polizeibeamten der Bundespolizei Fliegerstaffel Fuldatal und den Wasserrettern der DLRG Leben gerettet. Von Menschen und Tieren. „Die Bundespolizei wollte mit zwei Hubschraubern – einer EC 155 und einer Superpuma – von Fuldatal aus ins Einsatzgebiet fliegen und hatte dabei jeden Hubschrauber mit einem Bergretter und einem Wasserretter besetzt“, erinnert sich Gerd, als ich in an diesem Samstagmorgen im März für die Berichterstattung anlässlich unserer Serie in seinem Heimatort Odershausen bei Bad Wildungen besuche.

Wie wir ziemlich zu Anfang unseres Gespräches auf jenen Hubschraubereinsatz zu sprechen gekommen sind, weiß ich gar nicht mehr so genau. Gerds Erlebnisse sind aber so interessant, dass ich einfach nur zuhöre und immer mehr dazu frage. „Wir haben zunächst sämtliche Verfahren geprobt. Wir wussten ja gar nicht, was auf uns zukam“, erinnert sich Gerd noch. Nachdem das alles gewohnt professionell abgelaufen war, ging es für den Odershäuser direkt ins Schadensgebiet. „Wir mussten zu umspülten Dörfern, die völlig von der Außenwelt abgeschnitten waren, fliegen und dort Verbindungen zur Außenwelt herstellen. Die Telefone funktionierten lange nicht mehr“, erinnert sich Gerd. Mit dem Polizeihubschrauber ist er in die abgeschnittenen Dörfer geflogen worden. „Wir sind dann gelandet, oder wurden abgewincht und haben bei den Leuten gefragt, ob sie medizinische Hilfe benötigen, ob Lebensmittel knapp werden, oder sie Infrastruktur brauchen“, erklärt er. Deichexperten haben sie ins Schadensgebiet gebracht, damit sie die Lage beurteilen und Hilfe organisieren konnten. Und sie haben Menschen und Tiere vor dem Ertrinken gerettet.

"Mit dem Absaufen von unten hatte niemand gerechnet" (Gerd Windhausen, Bergretter)

„Das war eine Gehöftgruppe bei Gruna, diese Familien mussten wir evakuieren“, berichtet Gerd mir. „Eigentlich“, so fährt er fort, „wollten diese Leute in ihren Höfen bleiben. Sie hatten nicht gedacht, dass die Wassermassen bei dem enormen Druck auf die Deiche auch aus dem Erdreich kommen“, erinnert er sich. „Mit dem Absaufen von unten hatte keiner gerechnet“, bringt er es auf den Punkt. Heute noch schwärmt Gerd vom Können des damaligen Polizeipiloten: „Der hat den Hubschrauber in Millimeterarbeit auf dem Deich gelandet. Wenn zwei Meter Abstand vom Rotor zur Laterne bestanden haben, war es viel“, berichtet er. „Das war absolute Maßarbeit“. Gemeinsamt mit dem Wasserretter der DLRG war Gerd nach der Landung auf sich alleine gestellt. Es galt, eine schwerst Pflegebedürftige Frau vor den Wassermassen zu retten. Sie lag zu dieser Zeit noch in ihrem Pflegebett in einem Bauernhof, der regelrecht abzusaufen drohte. „Irgendwo haben wir ein Kanu gefunden. Das haben wir uns dann genommen und sind zu dem Haus gefahren. Die Frau war wirklich schwerstpflegebedürftig und an einen anderen Transport, als im Liegen war gar nicht zu denken“, erinnert er sich. Also sind die Männer los, haben irgendwo einen Krankenwagen gesucht und sich aus diesem Wagen eine Schaufeltrage, ein spezielles Rettungs- und Transportgerät, ausgeliehen. „Wir sind dann wieder zu der Frau gepaddelt und haben festgestellt, dass sie mit der Schaufeltrage nicht ins Kanu passt“, beschreibt Gerd die nächste Schwierigkeit. Die Retter haben dann auf einem Nachbargrundstück einen eingeklappten Tisch einer Gartenmöbelgarnitur gefunden. „Den haben wir umgedreht auf das Kanu gelegt und die Frau mit der Schaufeltrage darauf. Ich war dann bei der Patientin und der Wasserretter hat uns mit dem Kanu zum Hubschrauber gebracht“, beschreibt Gerd die Rettungsaktion der Dame. „Wir haben alles mitgenommen. Hunde und Katzen, viele Erwachsene. Die Kinder waren zum Glück schon weg“, erinnert er sich. „Die einzigen, die wir da gelassen haben, waren die Schafe. Die standen auf dem Deich und konnten da Gras fressen. Die waren nicht in Gefahr“, erklärt Gerd mir.

„Die Menschen waren so unheimlich dankbar“, weiß Gerd noch heute. „Wir konnten vor Ort zwar keine persönliche Bindung aufbauen, die Zeit drängte ja sehr und wir mussten von einem Einsatz zum nächsten“, erinnert er sich. Umso mehr hat der Bergwachtmann sich über die lieben Dankesschreiben gefreut, die nach der Hochwasserkatastrophe angekommen sind. Das kann er auch in unserem Gespräch nicht verbergen. Das geht ihm nahe. Auch noch sieben Jahre später.

Völlig beeindruckt von diesen Schilderungen vergesse ich beinahe, all meine Fragen zu stellen, die ich mir für Gerd überlegt hatte. Beim Thema „Hubschrauber“ geraten wir beide schnell ins Schwärmen und vergessen die Zeit. Wir kennen uns von dutzenden von Windentrainings und schweifen immer mal wieder vom eigentlichen Thema ab, haben gemeinsame Bekannte bei der Südtiroler Landesflugrettung, oder dem Südtiroler Bergrettungsdienst, waren beide in derselben polnischen Gegend unterwegs, ohne es zu wissen. „So klein ist die Welt“, stellen wir gemeinsam fest und kommen nach einer ganzen Weile nun doch wieder auf unser eigentliches Thema zurück.

Ich möchte von Gerd wissen, was eigentlich die alltäglichen Aufgaben der Wildunger Bergwacht hier sind. „Wozu brauchen die eine Bergwacht?“, hatte mich ein Kumpel kürzlich noch gefragt.

Weit verbreitetes unwegsames Gelände

Gerd erklärt es mir: „Zum Beispiel im gesamten Nationalpark Kellerwald-Edersee gibt es viele Wanderwege, die mit Autos schlichtweg nicht erreichbar sind. Wenn da ein Mensch Hilfe braucht, kann der Rettungsdienst alleine das einfach nicht leisten“, macht er deutlich. Gerd kann aus beiden Blickwinkeln berichten: In seinem Hauptberuf arbeitet der 52 Jährige als Notfallsanitäter im DRK Kreisverband Bad Wildungen als stellvertretender Rettungsdienstleiter und auch im Einsatzdienst und kommt so für beide Institutionen regelmäßig zum Einsatz. Erinnern kann er sich nach 35 Bergwachtjahren noch an eine ganze Reihe von Notfällen: „Wir mussten mal eine Patientin vom Wüstegartenturm abseilen. Die Frau musste in jedem Fall liegend transportiert werden und man hätte sie anders nicht vom Turm bekommen“. Gerd beschreibt mir die die Tücken der Erreichbarkeit: „Der Turm war für den Rettungsdienst mit dem Auto einfach nicht zu erreichen. Die Kollegen mussten etwa 500 Meter zu Fuß zurücklegen, bei gut einhundert Höhenmetern Anstieg. Und dann noch mal den Turm hoch bis zur Aussichtsplattform und dort die Patientin versorgen“. Eine Tatsache, die man sich kaum vorstellen kann. Und trotzdem: Immer wieder kommt es zu solchen Einsätzen. „Wir haben kürzlich einen schwerstverletzten Forstarbeiter aus dem Wald gerettet, oder eine Frau mit Knöchelfraktur vom Ettelsberg in Willingen geholt“, erzählt Gerd. Auch der Einsatz bei einer Reanimation in einer Windkraftanlage ist dem Familienvater noch in Erinnerung. „Unsere Einsätze erfolgen nicht nur in Waldeck-Frankenberg. Wir werden auch immer wieder aus den Nachbarkreisen angefordert, was uns sehr freut“, berichtet er mir. Besonders stolz ist Gerd auf das exzellente Notrufkonzept im Nationalpark vor seiner Haustür: „Wir haben zusammen mit dem Nationalpark den gesamten Park mit Rettungspunkten ausgestattet. Wenn der Anrufer, der oftmals nicht von hier stammt, einen Notfall meldet, sieht er auf den Wanderwegen alle paar Meter einen Rettungspunkt und kann den angeben. Das funktioniert richtig super“, ist Gerd begeistert und kann berichten, dass die letzten Notrufe allesamt nur über diese Punkte erfolgt sind. „In der Bergrettungswache haben wir Detailkarten und wir können jedem Rettungspunkt nicht nur die zugehörige Route, sondern auch den genauen Standort zuordnen. Das spart sehr viel wertvolle Zeit“, macht er deutlich.

Viele Jahre bis zum Luftretter

Nicht nur im „normalen“ Bergwachtdienst ist Gerd Windhausen engagiert. Der Odershäuser ist auch Technischer Leiter der gesamten Bergwacht Hessen und damit für die medizinische und einsatztaktische Ausbildung der Bergwachtler verantwortlich. Und die dauert ganz schön lange: „Wenn wir jemanden haben, der wirklich Gas gibt und motiviert und voller Elan dahinter steht, ist der frühestens in drei Jahren eine fertige Einsatzkraft“, rechnet Gerd vor. Winterrettung, Sommerrettung, Sanitätsdienstausbildung, Notfallmedizinausbildung – alles das muss ein Bergwachtler lernen und beherrschen. Hinzu kommen auch Naturschutzaufgaben, die von einem eigenen Referenten vermittelt werden. „Aber das ist nicht alles“, gibt Gerd Windhausen zu bedenken. „Der Bergwachtler muss klettern können, er muss Skilaufen können und vor allem körperlich sehr fit sein“, nennt er mir die Voraussetzungen, überhaupt bei der Bergwacht mitmachen zu können. Wer das noch nicht kann, der kriegt es bei der Bergwacht beigebracht. Nach der anfänglichen Ausbildung können die Bergwachtler sich noch weiter qualifizieren und zum Beispiel Einsatzführungsaufgaben übernehmen, oder Luftretter werden.

„Das ist mit Absicht so gemacht, um viel Erfahrung und Wissen zu vermitteln, bevor man solche Aufgaben übernimmt“, erklärt mir Gerd und macht deutlich: „Wenn ein Bergretterteam in den Einsatz geht, ist es oft auf sich allein gestellt. Dann kann man zwar einen Notarzt nachbestellen, aber der kommt nicht, weil er dort nicht hinkommt“. Das führt mir vor Augen, was es eigentlich heißt, bei der Bergwacht zu sein. Das idyllische, heldenhafte, was man im Fernsehen sieht, wird man hier nicht finden. „Das ist die Königsdisziplin“, macht Gerd deutlich.

Auch, wenn er in der Funktion als Technischer Leiter einen sehr verantwortungsvollen Posten ausübt, und die Bergwacht Hessen auch im Bundesausschuss der Technischen Leiter vertritt, oder die Bergwacht Deutschland in der Luftrettungskommission der IKAR (Internationale Kommission für alpines Rettungswesen) repräsentiert und weltweit Fortbildungen besucht, ist der sympathische Mann nicht abgehoben oder hochnäsig. Ganz im Gegenteil.

Ich frage ihn, was ihm an der Bergwacht am meisten gefällt: „Die unheimlich entspannten Patienten“, sagt er mir und lacht. „Da ist ein Biker mit `ner Pedale in der Wade der sagt „macht ein Pflaster drauf und es ist wieder gut“, lacht Gerd. „Das ist einfach schön, wenn man mit den Patienten gut, liebevoll und pfleglich umgehen kann. Das ist viel mehr Wert, als eine Medikamentengabe. Da erreichst Du mehr, als mit Chemie“, erklärt er mir. Gerd lächelt. Das macht ihm Spaß. Gar keine Frage, das merkt man sofort. „Wenn wir die Patienten dann mit einem Lächeln übergeben können und die dann auch noch Danke sagen, ist das einfach das Größte“, erklärt er mir die Vorzüge seines Ehrenamtes.

Seit 35 Jahren bereits kennt Gerd diese Vorzüge, angefangen hat er in der Bergwachtjugend und ist der Bergwacht bis heute treu geblieben. Eine Altersgrenze gibt es für die Arbeit bei der Bergwacht übrigens nicht. „Jeder kann das so lange, wie er sich fit fühlt, machen“, erklärt Gerd. Dreimal die Woche geht er Laufen, zehn, zwölf Kilometer. „Ich habe da einen sehr hohen Anspruch an mich, weil ich das noch lange machen möchte, denn das macht mir einfach Spaß“.

Gibt es auch etwas, was ihm an der Bergwacht nicht so gut gefällt? „Nein. Das gibt es nicht“. Kurz und bündig.

Und so werde ich Gerd schon bald wieder treffen. Beim Windenrettungstraining mit dem Hubschrauber. Mit jenen Polizeipiloten, mit denen er seinerzeit in Sachsen Menschen und Tieren das Leben gerettet hat.

Publiziert in Retter
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