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SIEGEN. „Wir wurden zu einem internistischen Notfall nach Herborn gerufen und ich bin auf dem Supermarktparkplatz gelandet, weil es woanders keinen Platz gab. Dann kam eine Frau zu mir und sagte, sie hätte nun schon drei Mal beim ADAC angerufen, weil sie eine Reifenpanne habe, aber keiner würde kommen“, Gerald König erzählt in der Siegener Luftrettungsstation hoch oben auf dem Jung-Stilling-Krankenhaus von diesem Einsatz. „Ich habe sie gefragt, was sie wohl meinen würde, warum ich hier gelandet bin und ob sie einen normalen Schutzbrief, oder einen Plus-Schutzbrief hat“, erzählt er mit einem Grinsen weiter. Die Frau habe verdutzt geantwortet, dass sie nur einen normalen Schutzbrief habe, und er habe ihr wiederum geantwortet, dass der Hubschrauber des ADAC eigentlich nur für Kunden mit Plus-Schutzbrief zuständig ist, er aber heute mal eine Ausnahme machen würde. Während die medizinische Crew in der Nachbarschaft den Patienten versorgte, ging Gerald König mit der Frau und wechselt ihr den Reifen. „Die guckte mich an“, freut er sich, und fährt fort: „Wahrscheinlich guckt sie heute noch“.

Gerald König war Pilot fast von der ersten Stunde an, war früher Stationsleiter in Siegen in der Luftrettungsstation „Christoph 25“. Heute war der Einladung seiner Freunde und ehemaligen Kollegen gefolgt, um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern und aus dieser Zeit zu erzählen. Wenn man ihm dabei so zugehört hat, dann meint man glatt, er wäre nie weg gewesen. In 2016 war Gerald aber in seinen wohl verdienten Ruhestand gegangen. Heute war er noch mal da, noch mal kurz in Aktion, zum 40 jährigen Bestehen der Hubschrauberstation am Jung-Stilling-Krankenhaus, das heute mit geladenen Gästen im Rahmen eines Festkommers und einer Fortbildungsveranstaltung gefeiert wurde.

Gerald konnte in seiner Rede und seiner Präsentation, die er zusammen mit Michael Weber ausgearbeitet hatte, auf 40 Jahre Stationsgeschichte zurück blicken, und auch noch ein bisschen auf die Zeit davor. Er erinnerte sich daran, wie der Hubschrauber in den Anfangszeiten abends immer noch weg geflogen werden musste, weil es zunächst keinen Hangar gab, dass es früher oftmals Ersatzmaschinen vom französischen Typ „Eichhörnchen“, oder in Form einer BK 117 von MBB gegeben hatte. Passende Fotos dazu hatte Michael Weber parat und Wochen zuvor in die Präsentation eingebaut. Er stand heute mit vorne und unterstützte seinen Freund Gerald beim Vortrag in den technischen Belangen. „Ich bin nämlich mit Handys und Computern auf Kriegsfuß und deshalb muss der Michael das machen“, berichtete Gerald. Michael Weber, so erzählte er weiter, sei übrigens als kleiner Junge immer am Zaun gewesen und habe den Hubschrauber angeschaut und ihn später auch regelmäßig gewaschen und poliert. Auch Michael gehört in den 40 Jahren Stationsgeschichte einfach dazu.

Die Anfänge

Angefangen hatte die Überlegung, in Siegen einen Hubschrauber zu stationieren bereits früher. Wie Dr. Josef Rosenbauer, Geschäftsführer des Diakonie Klinikum Jung-Stilling berichten konnte, wurde der erste Landeplatz bereits in den 60er Jahren von einem Hubschrauber angeflogen und „eingeweiht“. Mit Errichtung eines Dachlandeplatzes sei dann auch die Frage aufgekommen, einen Rettungshubschrauber dauerhaft in Siegen zu stationieren. Ursprünglich sollte der Siegener Hubschrauber „Christoph 19“ heißen. Der steht jedoch heute in Uelzen und nach Siegen kam die Nummer 25, so lange dauerten alle Formalitäten und auch Finanzierungen, bis es zunächst mit einem Probetrieb startete und dann bis heute erhalten blieb. Im letzten Jahr erst wurde die neue Dachstation ihrer Bestimmung übergeben, von wo aus die Besatzungen nun zu ihren lebensrettenden Einsätzen abheben. Dr. Rosenbauer weiß: „Aufgrund der globalen Entwicklungen wäre diese Maßnahme heute einfach nicht mehr möglich, eine solche Dachstation zu errichten. Allein 300 Tonnen Stahl seien hierbei verbaut worden. Welche enormen Vorzüge die Station nun bringt, konnten Stationsleiter Markus Scheld und Dr. Christoph Herbst in ihrem Vortrag deutlich machen und mit Fotos untermauern. Nicht nur aus fliegerischer Sicht, in dem man die gesamte Gegend hervorragend einsehen könne, bringe dieser Standort wesentliche Vorteile mit sich. Auch die Räumlichkeiten für Material, der Hangar und die Sozialräume seien großartig eingerichtet und bieten ein erstklassiges Platzangebot. Davon konnten sich sowohl die Gäste heute überzeugen, und auch morgen besteht die Möglichkeit beim Tag der offenen Tür, sich in Gruppen in die neue Dachstation führen zu lassen.

Wie Christoph fliegen lernte

Nicht nur zur Geschichte der Station an sich gab es heute Interessantes zu hören: Jan Weber, Pilot mit Leib und Seele und in seiner Siegerländer Heimat als „Kutscher“ bei Christoph 25 engagiert, berichtete den Gästen heute seine Geschichte „Als Christoph fliegen lernte“. Mit Jan, der mit soviel Herzblut bei der Rettungsfliegerei ist und gleichzeitig auch bei der ADAC Luftrettung in ganz Deutschland Flottenchef für die EC 135 ist, der Nachtflugschulungen (NVIS) und Supervisionen für neue Piloten an seiner Station durchführt, hat man wohl zweifelsohne einen der Besten gefunden, der den Besuchern die technische Entwicklung des Einsatzmittels „Hubschrauber“ näher bringen konnte. Egal ob es technische Laien waren, oder ob es Pilotenkollegen waren, egal ob Freunde, Bekannte, oder Besucher, die Jan Weber heute zum ersten Mal gesehen haben – er hat es mit den ersten Sätzen bereits geschafft, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und das hat bis zum letzten Wort angehalten. Eindrucksvoll und fast emotional erklärte Jan die Anfänge der Fliegerei, die Niederlagen, die Komplikationen und die Durchbrüche. „Da war ein genialer deutscher Ingenieur, der hat den Durchbruch gebracht. Das war Ludwig Bölkow, von der späteren Firma MBB, Messerschmidt-Bölkow-Blohm“, berichtet Jan Weber. Er strahlt, während er von der BO 105 erzählt, die als erster ständig einsatzbereiter Rettungshubschrauber „Christoph 1“ in München zum Einsatz kam. Auch in Siegen und in der gesamten deutschen Luftrettung war dieses Hubschraubermuster ausschlaggebend und richtungsweisend. Im weiteren Werdegang berichtet Jan Weber von der neuen europäischen Luftfahrtrichtlinie JAR-OPS-3, die später eine Verwendung der BO 105 in der Luftrettung nicht mehr zuließ. In Siegen, wie auch an den allermeisten anderen Stationen kam als Ersatz fortan ein Hubschrauber vom Typ EC 135 in unterschiedlichen Varianten zum Einsatz, der bis heute den Notarzt zum Patienten bringt. „Es gibt nichts besseres, als das was im Moment draußen steht, um unseren Auftrag zu erfüllen“, berichtet Jan Weber und versichert, dass er sich jederzeit wieder für dieses Hubschraubermuster entscheiden würde. Seinen Stolz darüber, ein Teil dieses tollen Rettungsteams in Siegen zu sein, kann er nicht verbergen. Seine Zuhörer danken es ihm mit Gänsehaut, manchmal einem Kloß im Hals und kräftigem Applaus.

Einsatzspektrum der Siegener Luftrettung - Rettungswinde geplant und eigentlich längst überfällig

Was machen die Einsatzteams eigentlich in der heutigen Zeit? Welche Einsatzanlässe gibt es? Wie geht es manchen Patienten heute? Wie sieht das Einsatzgebiet aus? Diesen Fragen nehmen sich Stationsleiter Markus Scheld, der leitende Hubschrauberarzt Dr. Thomas Steitz, und sein Stellvertreter Dr. Benjamin Fronske, sowie Dr. Steffen Schröter, der als Chefarzt die Unfallchirurgie im Jung-Stilling-Krankenhaus leitet, an. Er kann von einem Mann berichten, der mit Christoph 25 gebracht wurde, nachdem er von seinem Pkw an die Wand gequetscht worden war und schwerste Beinverletzungen erlitten hat. Eindrucksvoll schildert Dr. Schröter zunächst den Zustand bei der Einlieferung und die vielen Operationen, die er und sein Team am Patienten, gerade einmal 36 Jahre alt, durchführen mussten. Zum Schluss seines Vortrages zeigt er ein Video, auf dem der junge Mann auf seinen eigenen Beinen läuft und lächelt. „Ich habe den Patienten noch schnell angerufen und dieses Video für meinen Vortrag von ihm geschickt bekommen“, freut er sich. Damit, und mit seinen tollen Ausführungen ist es ihm gelungen, sehr eindrucksvoll zu untermauern, was alle eigentlich schon wissen: Die Luftrettung in Anbindung an ein regionales Traumazentrum macht mehr als Sinn und rettet Menschen oder gibt ihnen die Gesundheit zurück. Benjamin Fronske beispielsweise konnte von einem Fallschirmspringer, Dennis König, berichten, der in Schmallenberg aus 1500 Metern Höhe abgestürzt war, nachdem die Schirme nicht korrekt funktioniert hatten. Der Mann landete in einer Fichte und konnte zunächst nicht gerettet werden. Schnelle Hilfe kam von einem Baumkletterer aus der Forstwirtschaft: Innerhalb weniger Minuten hatte dieser den Mann in der Fichte erreicht, ihn gesichert, das Seil der Schirme gekappt und den Mann nach unten gebracht. Der Verunfallte sei komplett instabil gewesen, schwerste lebensbedrohliche Verletzungen habe er gehabt und sei nach der Erstversorgung mit dem Hubschrauber in etwas mehr als zehn Minuten ins Jung-Stilling-Krankenhaus geflogen worden. Nur ein Jahr nach dem Unfall hat Dennis König dem „Spiegel“ ein Interview gegeben – nicht zuletzt Dank der ineinandergreifenden Zahnräder der Luftrettung und des regionalen Traumazentrums im Jung Stilling Krankenhaus. Benjamin Fronske stellte aber klar: „Der Forstwirt hat dem Mann letztlich das Leben gerettet“.  Ein Einsatz einer Drehleiter sei hier ausgeschieden, weil der Mann nicht habe erreicht werden können. Der nächste einsatzbereite Windenhubschrauber sei in Nörvenich gewesen, mit etwa einer Stunde Vorlaufzeit – dann wäre der Mann gestorben. Dies war ein Thema, was heute öfter angesprochen wurde. Wenn man den Ausführungen von Stationsleiter Markus Scheld aufmerksam zugehört und seine eindrücklichen Fotos angeschaut hat, dann war spätestens jedem klar: Eine Rettungswinde für die Siegener Luftrettung ist längst überfällig. „Wenn ich gefragt werde, was die Besonderheit an unserer Station ist, dann antworte ich -Wald-,“ berichtet Markus in seinem Vortrag und zeigt Fotos, auf denen man den Hubschrauber gar nicht sieht, weil er in mitten von jungen Buchen, oder Gestrüpp steht. Wildwiesen, Äsungsflächen, Rückegassen oder Feldwege – sie alle halten im Notfall als Landeplatz her. Oftmals weit weg vom Patienten. Dann werden Feuerwehren alarmiert, die die Hubschrauberbesatzung zum eigentlichen Notfallort fahren muss. „Das kostet Zeit und bindet Einsatzkräfte“, rechnet Markus Scheld vor. Bei den verheerenden Waldbränden in den letzten Wochen beispielsweise könne die Feuerwehr das gar nicht machen, weil sie schlichtweg keine Zeit habe und an anderer Stelle gebraucht werde, erklärt er eindrucksvoll. Nicht nur für verunglückte Wanderer, Freizeitsportler und Radfahrer, die entlang des Rothaarsteiges von Dillenburg bis Brilon verunglücken können, wird der Rettungshubschrauber alarmiert: Auch Waldarbeiter brauchen immer wieder schnelle Hilfe nach Arbeitsunfällen. „Gerade jetzt bei dem massiven Käferbefall“, unterstreicht Markus Scheld und zeigt Fotos, auf denen zu sehen ist, wie ein verunfallter Arbeiter aus einem unwegsamen Steilhang mit acht oder neun Einsatzkräften und Passanten abtransportiert wird, die sich dabei selbst in Gefahr bringen. Hier wäre eine Rettungswinde das Mittel der Wahl nicht nur für die Patienten, sondern auch die Hubschrauberbesatzung und alle übrigen Menschen, die sich bei einem zu Fuß Transport in Kahlschlagflächen oder unwegsamem Gelände immer wieder in Gefahr bringen.

Tragödien im Ahrtal

Unterstrichen wurde die Wichtigkeit einer Rettungswinde von Dr. Martin Schiffarth, Regionalleiter Medizin West bei der ADAC Luftrettung und früher selbst Notarzt bei „Christoph 25“. Er war als leitender Notarzt im Ahrtal im Einsatz und zeigte auf, wie viele Menschen dort den Hubschraubern mit Winde ihr Leben verdanken: 111 Leute wurden auf diese Weise aus den Fluten gerettet. Allerdings zeigte der Mediziner, der selbst als leitender Notarzt im Ahrtal im Einsatz war, auch andere Dinge auf: Der nächstgelegene Rettungshubschrauber des ADAC, der mit einer Winde ins Ahrtal kam, startete in München und hatte eine Anflugzeit von rund drei Stunden. Hubschrauber die näher dran waren und eine Winde hatten, gab es schlichtweg nicht. Martin zeigte Fotos zu denen er mit ruhiger Stimme erklärte: „Das war ein Kollege von mir. Er und sein Sohn haben sich elf Stunden lang an diesem Baum in den Fluten festgehalten, bis sie mit der Winde gerettet wurden. Seine Frau und sein Mädchen sind ertrunken“. Da ist es still im Hangar. Einige Zuhörer schütteln entsetzt den Kopf. Hier ist zum Greifen nahe, wie wichtig Rettungswinden am Hubschrauber sind. Unabdingbar seien natürlich intensive Trainings, gibt Martin mit auf den Weg und erklärt, dass fast alle Zwischenfälle, die bei Windeneinsätzen geschehen, auf den Faktor Mensch zurück zu führen sind.

In Sachen Rettungswinde geht der Weg in Siegen in die richtige Richtung: So konnte Benjamin Heese, Leiter Partnermanagement bei der ADAC Luftrettung, in seinem Grußwort berichten, dass im vom Land NRW erstellten Bedarfsplan die Hubschrauberstation in Siegen als Windenstation vorgesehen ist. Hier gilt es von zuständiger Seite, die Finanzierung zu sichern.

"Das ist ein Geräusch, das dem Leben dient"

Neben den außerordentlich tollen Fachvorträgen hat auch ein weiterer Redner den Nagel auf den Kopf getroffen. Peter-Thomas Stuberg, Gesellschafter der Diakonie Südwestfalen und Superintendent und Pastor des Kirchenkreises Siegen berichtete, dass er mit seiner Familie direkt unterhalb des Hubschraubers wohnt. Er versicherte, dass er sich mit seinen Nachbarn nicht für diese Rede abgesprochen habe, aber sie alle seien sich einig, dass es in den 40 Jahren niemals gestört habe, wenn das Rotorengeräusch über Häuser und Gärten geknattert sei. „Das ist ein Geräusch, das dem Leben dient“. In der Hubschrauberkabine werde das Leben zwischen Himmel und Erde anschaulich und dort merke man auch, dass das Leben sehr verletzlich sei. „Ihnen allen gilt mein ganzer Respekt, allerhöchste Hochachtung und ganz großer Dank!“

Rainer Michely im Rettungseinsatz 

Als einziger der drei im Moment Dienst tuenden Piloten bei Christoph 25 wurde Rainer Michely in diesem Text in dem Zusammenhang mit Fachvorträgen oder Grußworten nicht erwähnt. Dies hat einen Grund: Rainer hat heute keine Rede gehalten. Er hat von den Besuchern weitgehend unbemerkt heute etwas anderes gemacht: Rainer hatte heute, am Tag des Festkommers, Dienst in „seinem“ Christoph 25 und hat eine der medizinischen Besatzungen zunächst zu einem schweren Fahrradsturz in den Hochsauerlandkreis geflogen, den Patienten anschließend sicher in eine Klinik gebracht, während des Heimfluges zu einem schwer verunfallten Motorradfahrer geflogen und ihn mit ins Jung-Stilling-Krankenhaus gebracht. Er hat heute das gemacht, was Christoph 25 schon seit 40 Jahren tut: Mit seinem Können ermöglicht, Leben zu retten und Gesundheit zu erhalten. Sage und Schreibe 42.000 Menschen konnte Christoph 25 seit seinem Bestehen helfen.

Publiziert in SI Retter

WINTERBERG. Ein hohes Einsatzaufkommen gab es an diesem sonnigen Samstag für die Bergwacht, die Feuerwehr, den Rettungsdienst und die Luftrettung rund um Winterberg. Zigtausende Touristen hatten heute erneut den Weg auf die Skipisten gefunden – was nicht ohne Unfälle und medizinische Notfälle blieb.

13 Verletzte auf der Bobbahn - Verunglückter Skifahrer mit Drehleiter gerettet und mit Hubschrauber ins Krankenhaus

Bereits direkt am Morgen wurden Bergwacht und Rettungsdienst an die Bobbahn gerufen: Dort waren 13 Wintertouristen in einer Holzwand eingeschlagen und verletzt worden. Sie alle wurden vor Ort versorgt, teils auf privatem Wege und mit mehreren Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Nur kurze Zeit später gab es erneut Alarm für die ehrenamtlichen Helfer der Bergwacht. Diesmal wurden auch der Löschzug Winterberg und die ADAC Luftrettung aus Siegen zusätzlich zum Rettungsdienst des Hochsauerlandkreises alarmiert: Unterhalb des Slalomhanges an der Talstation unweit der Güninghauser Straße war es auf dem steil abschüssigen Skihang zu einem schweren Unfall gekommen. Ein junger Skifahrer hatte bei der Abfahrt die Kontrolle verloren, war von der Piste gefahren und ist dann in ein mehrere Meter tiefes Erdloch geflogen, wo er schwer verletzt liegen blieb. Für den Rettungsdienst zunächst nur schwer erreichbar und nahezu unmöglich schonend zu retten lag der Skifahrer im Erdkrater.

Hier kam die entscheidende Hilfe von der Feuerwehr: Mittels der Drehleiter gelang es den erfahrenen Rettern, den schwer verletzten Mann nicht nur schnell, sondern auch seinen Verletzungen entsprechend schonend zu retten. Dies alles in enger Zusammenarbeit mit der RTW Besatzung aus Winterberg und den Kameraden der Bergwacht, sowie der Besatzung des inzwischen direkt am Unfallort gelandeten Rettungshubschraubers „Christoph 25“. Gut, dass auch in der Bergwacht und in den Reihen der Feuerwehr Rettungsassistenten vertreten sind, die mit ihrem Wissen die Kollegen von Rettungsdienst und Luftrettung zusätzlich unterstützen konnten.

Nachdem der Patient gerettet worden war, wurde er im RTW für den Flug vorbereitet und dann in eine Siegener Klinik geflogen.

Intensivtransport durch die Luft

Kurze Zeit nach diesen Einsatz wurde am Krankenhaus in Winterberg ein Intensivtransporthubschrauber benötigt, um einen schwer kranken Patienten in eine Spezialklinik zu fliegen. Hier landete der Intensivtransporthubschrauber „Akkon Bochum“ am Krankenhaus und konnte nach wenigen Minuten mit dem dort bereits vorversorgten Patienten starten. „Akkon Bochum“ ist ein Intensivtransporthubschrauber der Johanniter Luftrettung und der Firma Rotorflug, der am Flugplatz Marl stationiert ist und 24 Stunden einsatzbereit ist. Noch während des Startvorganges in Winterberg landet nur wenige Kilometer wieder ein Rettungshubschrauber: Direkt in der Nähe der Bergrettungswache am Bremberg ist es zu einem Freizeitunfall gekommen. Bergwacht und RTW Besatzung haben einen Hubschrauber angefordert und „Christoph 25“ landet direkt auf einem von der Bergwacht eigens eingerichteten Landeplatz neben der Skipiste. Nach der Versorgung vor Ort startet der Hubschrauber mit dem Patienten in eine Klinik.

Noch während dieser Einsatz läuft, schlägt die Brandmeldeanlage eines Erlebnisparks am Waltenberg Alarm und ruft die Feuerwehr Winterberg ein weiteres Mal auf den Plan. Diesmal rücken auch die Kameraden aus Elkeringhausen mit aus. Glücklicherweise entpuppt sich der Alarm schnell als keine Schadenslage.

Notfall in Züschen

Parallel ist ein weiterer Hubschrauber auf dem Weg in den Hochsauerlandkreis: „Christoph Gießen“ von der Johanniter Luftrettung und der Firma Heliflight nimmt Kurs auf Züschen. Dort haben die Besatzungen von RTW und NEF der Wache Winterberg einen Patienten auf einem Campingplatz unterhalb des Skigebietes versorgt und für seinen Transport einen Hubschrauber angefordert. Die Maschine vom Typ Dauphin landet nur Minuten später auf einer Wiese unweit des Züschener Ortsausganges in unmittelbarer Nähe des Notfallortes. Auch hier wird der Patient nach der Versorgung schnellstmöglich in ein Krankenhaus geflogen.

Mein Kollege Ulrich Wahle und ich, die diese Einsätze für unser 112-Magazin dokumentiert haben, sind heute mit vielen verschiedensten Helfern, ehren- und hauptamtlich in Kontakt gekommen. Ausnahmslos an allen Einsatzstellen wurden wir mehr als freundlich empfangen und man freute sich, uns zu sehen. Es gab überall ein Lächeln, ein Winken, ein freundliches „Hallo“, oder mit den Piloten oder den Rettungsdienstlern oder Feuerwehrleuten nach der getanen Arbeit eine kurze, freundlich Unterhaltung. Das ist keineswegs selbstverständlich, und hat uns sehr gefreut. An dieser Stelle ist es einmal mehr Zeit, ein herzliches „Danke“ auch mal öffentlich zu sagen. Für das immer freundliche Miteinander, aber natürlich vor allem für die geleistete Arbeit der Retter an den unterschiedlichen Orten.

Privatsphäre wahren - Dankeschön an die Helfer

Auch, wenn für Uli und mich der heutige Tag als bekennende Hubschrauberfans fotografisch sehr, sehr erfolgreich war, dürfen wir dennoch niemals vergessen, dass, auch wenn wir unsere Arbeit sehr gerne machen, immer ein menschliches Schicksal damit verbunden ist. Es darf nie aus den Augen verloren werden, dass bei diesen Einsätzen ein Mensch in höchste Not geraten ist. Es hat oberste Priorität, die Privatsphäre der betroffenen Personen zu wahren. Es gehört zum guten Ton, beim Umladen von Patienten in den Hubschrauber wegzugehen, oder sich umzudrehen, falls das nicht anders möglich ist. Dies darf niemals vergessen werden. Heute konnten wir bei dem einen oder anderen Einsatz den Kollegen von Rettungsdienst und Luftrettung sogar zur Hand gehen, wenn es darum ging, den Patienten umzulagern, oder die Hubschraubertrage in unwegsames Gelände zu bringen. Dann bleibt die Kamera liegen.

Deshalb an dieser Stelle auch von uns allen Patienten, die heute Hilfe benötigten, eine baldige gute und komplette Genesung. Wir sind uns sicher, dass die Retter vor Ort auch heute wieder ein glückliches Händchen hatten, die ihnen anvertrauten Patienten optimal zu versorgen und blicken voller Anerkennung auf Bergwachtler, Feuerwehrleute, Hubschrauberpiloten, Rettungsassistenten und Notärzte. Richtig Klasse, was Ihr heute da draußen geleistet habt. Toll dass es Euch gibt und ein großes Dankeschön!

Publiziert in HSK Retter

Elkeringhausen. Schwere Verletzungen erlitten zwei Fahrradfahrer aus den Niederlanden bei einem schweren Sturz am frühen Samstagnachmittag.

Ein 63-jähriger Mann war gemeinsam mit einer 59-jährigen Frau auf der stark abschüssigen K 50 zwischen Winterberg und Elkeringhausen unterwegs. Im Bereich einer leichten Linkskurve schaute sich der hinten fahrende Radfahrer laut Polizeibericht leicht um und verlor dabei die Kontrolle über sein Fahrrad. Er kollidierte daraufhin mit dem Fahrrad der 59-jährigen Frau, die vor ihm fuhr. Beide Radfahrer stürzten auf den Asphalt. Besonders schwerwiegend: Beide Unfallopfer trugen keinen Fahrradhalm.

Die beiden Schwerverletzten wurden vor Ort von zwei Rettungswagenbesatzungen des Hochsauerlandkreises und dem Team des Winterberger Notarzteinsatzfahrzeuges versorgt.

Aufgrund der Schwere der Verletzungen forderten die Rettungsteams für beide Verletzten jeweils einen Rettungshubschrauber an. Die Hubschrauber „Christoph 25“ von der ADAC Luftrettung aus Siegen und „Christoph Gießen“ von der Johanniter Luftrettung landeten auf einer großen Wiese am Ortsrand von Elkeringhausen, da die eigentliche Unfallstelle unter Bäumen lag. Nach kurzer Übergabezeit starteten beide Hubschrauber nach Auskunft vor Ort in das Siegener Jung-Stilling-Krankenhaus.

Die K 50 wurde während der Rettungsarbeiten und der Spurensicherung durch die Polizei für rund 90 Minuten gesperrt. Der Verkehr staute sich in beide Richtungen mehrere hundert Meter weit zurück.    

 


  

Publiziert in HSK Retter
Dienstag, 17 April 2018 16:02

Feuerwehr unterstützt Hubschraubereinsatz

FROHNHAUSEN. Die Feuerwehren aus Battenberg und Frohnhausen waren am Dienstagmittag mit zehn Kameraden im Einsatz, um den DRK Rettungsdienst aus Laisa und den ADAC Rettungshubschrauber „Christoph 25“ aus Siegen zu unterstützen.

Der RTW und die Luftretter waren zu einem medizinischen Notfall nach Frohnhausen alarmiert worden. Da der angeforderte Rettungshubschrauber nicht direkt an der Einsatzadresse landen konnte, wurde die Feuerwehr alarmiert, um die Hubschrauberbesatzung einzuweisen.

Nach der Versorgung vor Ort startete der Hubschrauber, der am Frohnhausener Ortsrand in einer Wiese gelandet war, mit Patient an Bord in Richtung Klinik. Die Feuerwehrkameraden sicherten auch dabei den Landeplatz ab und hatten zuvor geholfen, den Patienten in den Hubschrauber zu tragen. Nach rund einer Stunde war der Einsatz beendet.


Publiziert in Feuerwehr
Montag, 02 April 2018 23:37

Nächtlicher Luftrettungseinsatz am Kloster

GRAFSCHAFT. Am Ostermontagabend musste die Löschgruppe Grafschaft Landehilfe am Kloster leisten. Christoph Westfalen aus Münster war im Anflug, um einen schwer kranken Patienten in eine Spezialklinik zu fliegen.

Im Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft im Schmallenberger Sauerland werden vor allem Patienten mit Lungenerkrankungen und allergischen Problemen behandelt. Das Kloster verfügt dazu auch über mehrere Intensivstationen.

Um kurz nach 20 Uhr wurden die Kameraden der Feuerwehr Grafschaft alarmiert, um die Landung des ADAC Hubschraubers auszuleuchten. „Zwar wurde hier ein neuer Landeplatz installiert, aber die Landescheinwerfer haben noch keinen Strom. Deshalb müssen wir heute aushelfen und Licht machen“, erklärte der Einsatzleiter der Löschgruppe, die mit 15 Kameraden angerückt war. Nicht nur der Platz wurde angestrahlt – zur besseren Begrenzungsmarkierung setzten die Einsatzkräfte auch kleine Drehlichter ein, die sie auf dem Landeplatz auslegten und waren so den beiden Piloten der Grevener Maschine vom Typ H 145 eine große Hilfe.

Christoph Westfalen ist ein Intensivtransporthubschrauber, das heißt, er wird vornehmlich zu Intensivverlegungen zwischen einzelnen Krankenhäusern eingesetzt. Bei Bedarf kann er aber auch primär zum Einsatz kommen und die Notfallstelle direkt anfliegen, um einen Notarzt zu bringen.

Die Maschine der ADAC Luftrettung GmbH ist in Greven, in der Nähe des Münsterander Flughafens stationiert. Christoph Westfalen ist rund um die Uhr einsatzbereit, kann somit auch nachts zum Einsatz kommen. Im Gegensatz zum Tagdienst wird in Münster nachts mit zwei Piloten geflogen.

Weitere Maschinen, die für den Bereich HSK, Siegen-Wittgenstein und Waldeck Frankenberg auch nachts zum Einsatz kommen können stehen in Gießen, Bochum (Johanniter Luftrettung), Nörvenich (SAR 41, Bundeswehr), oder Hannover (DRF Luftrettung/HSD Luftrettung). Die Anforderung erfolgt ganz normal über die jeweilig am Einsatzort zuständige Rettungsleitstelle.

Nach rund zwei Stunden war der Einsatz in Grafschaft für die Feuerwehr beendet. Der Hubschrauber war um kurz nach 22 Uhr vom Landeplatz abgehoben, woraufhin die Feuerwehr die Beleuchtung wieder abbauen konnte.

Link zur Löschgruppe Grafschaft: http://www.feuerwehr-schmallenberg.de/einheiten/loeschzug-5/lg-grafschaft/

Link zu Christoh Westfalen: http://www.christoph-westfalen.com/

Publiziert in HSK Feuerwehr
Donnerstag, 31 März 2016 07:00

"Da geht ein Stück Luftrettungsgeschichte"

SIEGEN-WITTGENSTEIN. "Da saßen wir im Unterrichtsraum und haben uns an den Zähnen rumgefummelt. Da habe ich gedacht: Mensch, Du könntest jetzt Hubschrauber fliegen! Das war nichts für mich". Nur vier Monate hatte Gerald König es ohne "seinen" Hubschrauber ausgehalten, da kam er zurück zur Fliegerei. Und das war in jungen Jahren. Angefangen hatte er damals als Zivildienstleistender beim Bundesgrenzschutz, der heutigen Bundespolizei. "Da stand einen Tag Hubschrauberfliegen auf dem Plan. Das hat mich so sehr fasziniert, dass ich mich beim Bundesgrenzschutz verpflichtet habe und meine Pilotenausbildung gemacht habe", erinnert sich Gerald König. Danach hat er aber dann eine Lehre als Zahntechniker begonnen. Ein Fehler, wie er schnell merkte. Dann kam er zurück, wo er bis heute hingehört: In das Cockpit eines Hubschraubers. Vorne rechts. Mit Pitch, Stick und Pedalen.

Nach seinem kurzen Ausflug in die Zahntechnik hat er mit dem Hubschrauber Grenzstreifen an der See abgeflogen. Acht Jahre hat er das gemacht, dann ging er fliegerisch neue Wege: Rettungspilot. Zunächst bei der SOS Flugrettung in Sanderbusch in Friesland. Für den gebürtigen Lübecker nicht ganz soweit weg von der Heimat. Mit der Bewerbung bei der ADAC Luftrettung und der Zusage dort sollte sich das aber schnell ändern. "Der ADAC suchte damals und hat mich genommen", erzählt der humorvolle Mann mit den grau melierten Haaren, während er sein Schokomüsli löffelt. Fünf Einsätze hat er an diesem Tag schon geflogen. Ist gerade erst wieder gekommen. Mit Christoph 25, dem Rettungshubschrauber für Siegen-Wittgenstein und die nähere Umgebung.

Seit nunmehr 32 Jahren fliegt der Familienvater im Kreis Siegen-Wittgenstein den Notarzt an die Einsatzstelle. Ist damit nicht nur der Dienstälteste an der Station, sondern auch der Pilot, der die längste Zeit beim ADAC fliegt. "Da stand nur einer mit 33 Dienstjahren im Intranet. Ich habe mich erst gar nicht getraut, darauf zu klicken. Dann habe ich es doch gemacht, und dann stand da König", erzählt er.

Vollblutflieger geht in Rente
Nach 41 Jahren als Pilot und 32 Jahren in Siegen ist aber nun Schluss für den Vollblutflieger, der heute in Neunkirchen lebt. Heute, am 31. März, wird er zum letzten Mal ins Cockpit von Christoph 25 steigen, um den Menschen in Siegen-Wittgenstein und Umgebung schnelle Hilfe zu bringen. Danach wird etwas fehlen - gar keine Frage. Überall im Rettungsdienst, wo man von Christoph 25 redet, ist der Name Gerald König untrennbar damit verbunden. Jeder kennt ihn. Ihn und seinen Humor, seine herzliche Art und wenn man ihn nicht kennt, mag man auch meinen, seine brummelige Art. Den Menschen, der sich auch bei schlimmen Einsätzen dezent zurück hält, auf der Waldbank sitzt, oder sich mit Passanten unterhält. Der auch schon mal zum Kaffeetisch gebeten wird, während er mit dem Hubschrauber auf den Patienten warten muss. "Jeder muss das tun, wofür er zuständig ist. Das ist wichtig so, damit sich jeder auf seine Aufgabe konzentrieren kann", erzählt er. Ich solle ihn jetzt bloß nicht fragen, was sein schlimmster Einsatz gewesen sei, mahnt er mich. Das frage ich ihn auch nicht. "Aber natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen man mitgefühlt hat. Und das sind nicht nur kleine Kinder oder alte Menschen, sondern das Alltägliche", erzählt er.

Wie vielen Menschen er schon Hilfe gebracht hat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. "Etwa 400 Mal pro Jahr, wobei die letzten Jahre die Einsätze stetig zugenommen haben", rechnet er vor. "Zum Anfang waren es fast nur schwere Unfälle im Straßenverkehr und in Betrieben, zu denen wir geflogen sind. Heute machen wir auch oft Hausbesuche", berichtet er über die Veränderungen der Jahre. Und auch, dass der Arzt früher nur mit Sauerstoff und Koffer los gerannt sei und heute die Maschinen immer schwerer seien, weil es viel mehr Geräte an Bord gebe, die für die in Not geratenen Menschen so wichtig seien. "Wir haben am Anfang hier auch einmotorig geflogen, mit Chartermaschinen. Dann kam die BO 105 und heute ein hochmoderner Eurocopter", erinnert er sich zurück.

Stets sicher nach Hause kommen
Ob es ein Erlebnis aus den Jahren gibt, in dem er Angst hatte, weil das Wetter kritisch war, möchte ich wissen. Er ist bescheiden und antwortet, dass ihm nichts Besonderes einfällt. Sein Rettungsassistent, Dirk Werthenbach, der erzählt dann von einem Flug, der nach Freudenberg gehen sollte. "Wir sind hier hinterm Hangar raus gegangen und bis Ikea gekommen. Da war unglaublicher Wind. Was hat der Gerald da gerudert, um uns wieder sicher Heim zu bringen. Da mussten wir den Einsatz abbrechen", erinnert sich der Rettungsassistent. "Man fliegt oft mal am Limit mit dem Wetter. Man muss nur früh genug entscheiden, umzudrehen", erklärt der Pilot. Dass das spektakulär sein könnte, hört man nicht raus. Selbstverständlich eben für ihn. Auch, wenn der Einsatzabbruch aus Wettergründen keineswegs immer von allen draußen verstanden wird, muss man wissen, dass viele Meter weiter oben oft ganz andere Bedingungen herrschen, als vom Boden einschätzbar. Und wenn die Besatzung - vorrangig der Pilot - diese Entscheidung getroffen hat, dann nur mit einem Ziel: Sicher wieder nach Hause zu kommen. Seiner großen Kompetenz ist es auch zu verdanken, dass er in den über 40 Jahren seiner Tätigkeit im Cockpit nie einen Unfall hatte.

Halbes Leben auf dem Rettungshubschrauber
Wie alt er denn sei, frage ich ihn. "Meine Frau Antje hat mein biologisches Alter auf 75 Jahre ausgewertet, meine Lebenserwartung liegt aber nur bei 60 Jahren. Und wenn man 41 Jahre fliegt, kann man nicht mehr 20 sein. Ich bin 61 Jahre alt", lacht er. "Frag weiter. Was möchtest Du noch wissen?", weist er mich an. Wie er seinen letzten Dienst antreten wird, und ob es ihm Leid tut, hier zu gehen, möchte ich wissen. Da wird er still. Der Rettungsassistent hinter ihm nickt mir zu. Gibt mir zu verstehen, dass es Gerald nicht leicht fällt, hier zu gehen. "Ich habe mein halbes Leben hier verbracht", antwortet der dann. Mehr Antwort braucht es nicht. Da wird klar, dass es ihm Leid tut und ihm der Beruf schmerzlich fehlen wird. "Auch wenn es komisch sein wird, muss ich auch meinen letzten Dienst wie jeden anderen antreten", fügt er hinzu. Und was hat ihm in den ganzen Jahren nicht so gefallen? "Die ganzen Reporter". Herzliches Lachen. So kannten ihn die Leute, das war es, was ihn ausmachte. Um keinen Scherz verlegen. Das wird in Zukunft fehlen an den Einsatzstellen. Keine flotten Sprüche, keine Frotzeleien mehr. Aber auch keine aufbauenden Worte mehr, wenn es mal nötig war.

Einmal hatte er einem jungen Mann, der an einer Einsatzstelle den Hubschrauber anschaute, Hundekuchen angeboten. Hundekuchen hatte Gerald jeden Tag dabei im Dienst. "Ich liebe Hunde, und wenn welche an der Einsatzstelle waren, haben die auch immer Futter von mir bekommen", erzählt er. Der junge Mann lehnte allerdings verwirrt und dankend ab, woraufhin König ihm dann ganz trocken sagte: "Du bist ganz schön verwöhnt, Junge".

Aber zurück zum Thema: "Natürlich ärgert man sich mal, aber dass mir etwas gar nicht gefallen hat, kann ich nicht sagen", resümiert er seine langen Jahre in der Rettungsfliegerei.

Und am Besten? "Die Fliegerei". Da muss er nicht lange überlegen, das kommt von Herzen. Und was geschieht nach dem letzten Dienst? "Ich werde Ballon fahren, Gleitschirm fliegen und sehen, dass ich noch weitere Bienen bekomme. Meine Kollegen haben mir zum Geburtstag eine Honigschleuder geschenkt", freut er sich. "Und dann mal schauen, wie es weitergeht". Stationsleiter Markus Scheld spricht im Namen aller Kollegen: "Wir sind uns ausnahmslos alle einig, dass es für Gerald nie und nimmer Ersatz geben wird. Da geht ein echtes Stück Luftrettungsgeschichte..."

Möglichkeiten, als zweiter Pilot zu fliegen, hätte Gerald König noch. "Aber ich möchte nicht als zweiter Mann im BK Cockpit sitzen. Wann ist Schluss mit mir und der Fliegerei? Bis der Fliegerarzt uns beide trennt?", fragt er in die Runde, der sich mittlerweile auch ein alter Freund von Gerald zugesellt hat. "Das mache ich lieber selbst", macht er deutlich.

Jan Weber als Nachfolger
Und wer wird sein Nachfolger? "Das ist Jan Weber. Dem habe ich damals, vor rund 20 Jahren, als er als kleiner Junge hier war, den Hubschrauber gezeigt und erklärt", erzählt Gerald mit Stolz. Dann geht das Telefon. "Leitstelle!" rufen die Kollegen aus dem Wachbüro. Das heißt, dass es einen Einsatz gibt. Ein Patient soll vom Altenkirchener Krankenhaus nach Bonn verlegt werden. Der Arzt muss noch letzte Details klären, bevor es losgeht. Gerald geht schon zur Maschine. Er strahlt. "Das ist schon ein schöner Vogel", sagt er. Dann setzt er sich rein. Vorne rechts. Mit Stick, Pitch und Pedalen. Ein Lächeln, ein "Tschüss" und dann lässt er die Turbinen an. Der Arzt kommt hinzu und dann geht’s los. Mit 280 km/h zum Einsatzort. Wie so oft in den letzten 32 Jahren.

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Publiziert in SI Retter

GREVEN.  Feierabend gibt es für den Intensivtransporthubschrauber „Christoph Westfalen“ der ADAC Luftrettung GmbH in Greven nicht. Hier werden nur die Besatzungen getauscht, die Maschine ist rund um die Uhr einsatzbereit, um schwer kranke Patienten zu verlegen, oder den Notarzt schnell zur Einsatzstelle zu bringen. An diesem Abend haben die Piloten Sven Tiedemann und Ralf Lehmann um 19.00 Uhr den Nachtdienst übernommen, zusammen mit einer neuen medizinischen Besatzung, bestehend aus Rettungsassistent und Notarzt. Aus flugsicherungstechnischen Gründen ist es erforderlich, nachts mit zwei Piloten zu fliegen. Zu riskant wäre ein Alleinflug. Strommasten, Schornsteine, Baukräne, oder Bäume: All das muss auch nachts gesehen werden. Außerdem ist vor einem Nachteinsatz ein Wettercheck vor dem Abflug nötig: Während einer der Piloten die notwendigen Daten bei der zuständigen Wetterzentrale einholt, kann der zweite die Maschine vorbereiten und aus dem Hangar fahren, gegebenenfalls noch mal Treibstoff nachtanken. „Wir fliegen nachts sowohl primär als auch sekundär“, erklärt einer der Piloten und meint damit, dass neben Patientenverlegungen auch direkte Notfalleinsätze geflogen werden, bei denen der Notarzt zur Einsatzstelle gebracht wird. Häufiger Einsatzgrund seien dabei Verkehrsunfälle, erklärt er weiter.

An diesem Abend müssen Sven Tiedemann und Ralf Lehmann nicht lange warten, bis der Nachtflug losgeht. Über Telefon meldet sich die Leitstelle Steinfurt, die den Hubschrauber vom Typ BK 117 alarmiert und fragt für einen Intensivtransport von Lippstadt nach Münster an. Ein kurzer Wettercheck, der Notarzt telefoniert derweil mit dem Klinikum Lippstadt und Ralf Lehmann bereitet die Maschine vor. Der Rettungsassistent erledigt schnell die erforderlichen Formalitäten. Das Wetter ist ideal, wolkenlos und Sichten von über 30 Kilometern. Wenige Minuten nach dem Anruf der Leitstelle gehen die Männer zu ihrer Maschine. Mit einem Summen starten die Turbinen und die komplexen Systeme werden hochgefahren. Dann hebt Sven Tiedemann die Maschine sanft von der Plattform zieht sich zunächst nach hinten und dann über den Landeplatz, von wo aus er Höhe aufnimmt. „Das machen wir so, damit wir im Falle eines Triebwerkausfalls sicher auf der angrenzenden Wiese landen könnten“, erklärt er später. Die Piloten der ADAC Luftrettung GmbH sind bestens ausgebildet. Sie schaffen es den Hubschrauber auch beim Ausfall beider Triebwerke sicher zur Landung zu bringen. Dabei machen sie sich den Aufschwung der Rotorblätter zu Nutze. „Autorotation“ nennt der Fachmann das. Dafür werden alle Piloten und Bordtechniker zwei Mal im Jahr in so genannten „Checkflügen“ im echten Hubschrauber, oder im Simulator geschult.

Elegant fliegt die gelbe BK 117 der untergehenden Abendsonne entgegen, um einen kranken Menschen schnell und sicher nach Münster zu bringen. Aus Platzgründen ist ein Mitflug in der Nacht nicht möglich.
Nach drei Stunden, gegen 22.00 Uhr, kündigt sich die Rückkehr des gelben Engels durch das Aufleuchten der Landebefeuerung an der Hubschrauberstation an. Wenige Minuten später setzt die Maschine auf der Plattform auf. Ihren Einsatz haben die Männer erfolgreich erledigt, müssen verbrauchtes Material wieder nachfüllen, die Maschine betanken und in den Hangar fahren. Mittlerweile ist es stockfinster geworden. Nun hofft die Besatzung auf ein wenig Schlaf. Bis zum nächsten Morgen um sieben Uhr geht der Dienst noch, da kann noch viel passieren. Doch in dieser Nacht bleibt es ruhig.
Am nächsten Morgen um 07.00 Uhr kommt die Tagbesatzung zum Dienst. Jetzt übernehmen Pilot Markus Greve, Rettungsassistent Michael Goldberg „Goldi“ und Notarzt Dr. Michael Kros den Dienst auf „Christoph Westfalen“. Es folgt eine Übergabe durch die Nachtbesatzung und anschließend ein gemeinsames Frühstück. Sorgen bereitet den Männern der Blick aufs Wetter: Es regnet und es ist böig, am Nachmittag soll der Wind zunehmen und Gewitter sollen dazu kommen. „Aber noch hindert uns das nicht am Fliegen, die Sichten sind in Ordnung“, ist Pilot Markus Greve zuversichtlich. Dennoch checkt der erfahrene Flieger über spezielle Radarbilder und den Wetterdienst immer wieder kritisch die Flugbedingungen.

Kurz nach dem Frühstück, es dauert nicht lange, ruft die Leitstelle Steinfurt an: „Ewald, mein Lieber. Wie geht es Euch? Alles klar bei Euch?“, das Gespräch scheint locker und doch gibt es einen ernsten Hintergrund: Im Lippstädter Krankenhaus, in der Kinderklinik, liegt ein krankes Baby, das in eine Kölner Spezialklinik geflogen werden muss. Einsatz für „Christoph Westfalen“! Pilot Markus checkt das Wetter, Rettungsassistent Goldi telefoniert mit der Kölner Leitstelle wegen eines Landeplatzes und eines Rettungswagens, der die Besatzung und das Baby abholt und zur Klinik fährt und Notarzt Michael telefoniert mit dem Soester Krankenhaus, um die genauen Hintergründe der Erkrankung zu erfragen.

Bei dem kleinen, wenige Tage alten Baby liegt eine Missbildung der Speiseröhre vor. „Die Speiseröhre endet blind, sie hat keine Verbindung zum Magen“, erklärt der Notarzt. Da das Kind noch sehr klein ist, muss es in einem Inkubator geflogen werden. Um den Inkubator mitnehmen zu können, muss die Maschine umgerüstet werden, einige Gerätschaften fliegen nicht mit, sonst würde der Platz nicht reichen und die Maschine zu schwer. „Wir fliegen jetzt zunächst die Feuerwache Lippstadt an und laden dort einige Sachen aus“, erklärt Pilot Markus, nachdem er das Wetter gecheckt hat. Die Flugbedingungen für den Einsatz sind in Ordnung und mittlerweile hat auch der Regen in Greven wieder aufgehört. Routiniert geht die Crew zur Maschine, der Vorflugcheck während dem Anlassen der BK 117 wird von Pilot und Rettungsassistent im Cockpit durchgeführt. „Kabine klar?“, fragen die beiden nach hinten und dann nimmt der gelbe Hubschrauber Kurs in Richtung Lippstadt – mit mehr als 220 km/h. Unterwegs meldet „Christoph Westfalen“ sich bei den zuständigen Leitstellen an und nach kurzem Flug setzt die Maschine im Hof der Feuerwache auf, ein Rettungswagen wartet dort bereits, um die Crew bis zum Krankenhaus zu fahren. Notarzt Michael Kros begleitet den Transport nicht. Die Kinderklinik schickt eigenes Personal mit, das auf die Versorgung dieses Krankheitsbildes beim Baby spezialisiert ist. Auf der Station im Krankenhaus informiert sich Rettungsassistent Michael Goldberg genau über den Zustand des kleinen Patienten. Dann geht es auch schon los. Mit dem Rettungswagen geht es zum Hubschrauber, der Inkubator wird eingebaut und die Intensivschwester der Kinderklinik wird in die Maschine eingewiesen und bekommt erklärt, wie sie sich beim Flug verhalten muss. „Wir fliegen etwa 25 Minuten“, kündigt Markus Greve an. Dann geht es auch schon los, etwas aufgeregt scheint das Baby zu sein, aber die Parameter sind alle in Ordnung.

Bereits nach wenigen Minuten Flug schläft das Kind tief und fest. „Das erleben wir sehr oft. Das leichte schaukeln des Hubschraubers scheint den Kindern zu gefallen“, freut sich die Besatzung. In der Klinik, so die Schwester, habe das Kind bislang einen sehr unruhigen Schlaf gehabt. Jetzt schläft es bis zur Landung in Köln. Von den Regengebieten und den Böen, die der Hubschrauber auf dem Weg dorthin überwunden hat, hat es nichts mitbekommen. Sehr sicher und routiniert hat Markus Greve den gelben Engel über das Sauerland und das Bergische Land bis nach Köln gesteuert, dabei Regengebiete und Gewitter umflogen und im starken Wind millimetergenau gegengesteuert. „Wahnsinn. Absolut faszinierend...“, ist die Krankenschwester nach der Landung auf dem Dach des Kölner St. Vinzentkrankenhauses beeindruckt. Da der Landeplatz an der eigentlichen Zielklinik gesperrt ist, muss jetzt ein Rettungswagen der Kölner Berufsfeuerwehr die letzten Meter durch die Stadt bewältigen.

In der Kinderklinik wird das Baby schon erwartet, ein Zimmer ist schon hergerichtet und nach kurzer Übergabe kann die Besatzung zurück zum Hubschrauber fahren. Die Krankenschwester aus Lippstadt muss aber vorher noch eine ganz wichtige Aufgabe erfüllen: Sie schreibt den Eltern des kleinen Patienten eine SMS, dass sie gut angekommen sind. „Die Mutter war sehr besorgt, hatte große Angst um ihr Baby während dem Flug“, erklärt die Schwester. Doch bei der erfahrenen Besatzung und dem professionellen Piloten der ADAC Luftrettung war der kleine Erdenbürger stets in besten Händen und konnte schön ruhig schlafen. Mit einem guten Gefühl geht’s zurück zum Hubschrauber, wo Markus Greve schon einen neuen Auftrag erhalten hat: Eine Patientin mit schwer krankem Herzen muss zu einer dringenden Operation in Herzzentrum nach Bad Oeynhausen geflogen werden. Der Notarzt ist darüber auch schon informiert worden, er führt von der Feuerwache Lippstadt aus schon das Arzt-Arzt-Gespräch durch.

Um den Flug durchführen zu können, müssen zunächst noch 300 Liter Jet A 1 getankt werden. Dafür landen die Luftretter an ihrer Nachbarstation bei „Christoph 8“ in Lünen im Kreis Unna. Dort können sie den Hubschrauber tanken. „Christoph 8“ ist im Gegensatz zu „Christoph Westfalen“ ein Primär-Rettungshubschrauber, das heißt, er fliegt den Notarzt direkt zur Unglückstelle. „Christoph Westfalen“ hat sich auf die Verlegungen von Intensivpatienten spezialisiert, fliegt aber auch immer wieder Notfalleinsätze, wenn andere Hubschrauber bereits unterwegs sind. Nach dem Tankstop geht es in einer steilen Linkskurve noch einmal an „Christoph 8“ vorbei, sehr zur Freude der Kindergartenkinder, die gerade die Station besichtigen. Das Wetter wird schlechter, es regnet und ist windig. Markus Greve muss die Schauer umfliegen, die Sichten werden teilweise sehr schlecht. „Mann muss dann immer sehen, wo eine Lücke ist und das Wetter besser ist. Dann muss man halt einen kleinen Umweg fliegen. Oftmals sind nur kleine Gebiete von so einem Schauer betroffen“, erklärt der Pilot während dem Flug und dreht seine BK 117 ein wenig nach rechts ein. „Da ist es hell, da können wir durch“, zeigt er an den Horizont. Nun ist es nicht mehr weit bis Lippstadt, wo der Inkubator wieder ausgeladen wird und der Flug zum Soester Krankenhaus beginnt. Das Wetter hat sich wieder gebessert und in Soest wird die Besatzung von der Sonne und milden 20 Grad begrüßt. „Aber im Bereich Osnabrück soll es schwer schauern“, ist Markus Greve besorgt.

Die Besatzung wird zur Intensivstation abgeholt, um dort die Patientin zu übernehmen. Der älteren Dame geht es sehr schlecht. Am Morgen war sie noch wach. „Die Atmung hat nicht mehr ausgereicht, der Kreislauf versagt. Wir mussten der Patientin starke Medikamente geben, sie in Narkose legen und ihr mit einem Schlauch in der Luftröhre beim Atmen helfen“, erklärt der Arzt im Krankenhaus. Jetzt ist die Besatzung des Hubschraubers gefordert. Nach und nach werden die Geräte des Hubschraubers angeschlossen. Geredet wird nicht viel, jeder weis, was er jetzt zu tun hat. Alle sind hochkonzentriert. Notarzt Michael Kros informiert sich dabei noch ausführlicher über die Krankengeschichte seiner Patientin. Nach etwa einer halben Stunde ist alles für den rettenden Flug vorbereitet. „Die Herzklappe der Patientin arbeitet nicht mehr. Das Blut kann nicht mehr richtig fließen und dadurch hat der Kreislauf versagt. Die Herzklappe muss jetzt gesprengt und durch eine künstliche Klappe ersetzt werden“, erklärt der Notarzt auf dem Weg zum Hubschrauber.

Markus Greve hat die Maschine schon vorbereitet. Einladen, anschnallen, Vorflugcheck und Abflug nach Bad Oeynhausen. Der Patientin geht es nicht gut. Durch verschiedene Wetterextreme steuert der erfahrene Pilot seine Maschine zielstrebig in Richtung Herzzentrum. Rettungsassistent Michael Goldberg unterstützt ihn bei der Navigation, während der Notarzt die Patientin überwacht. Nach einigen Minuten Flug und kurz nach einem starken Hagelschauer landet „Christoph Westfalen“ auf dem Dach in Bad Oeynhausen. Jetzt kann die Patientin direkt an die Spezialisten übergeben werden. Die Besatzung von „Christoph Westfalen“ hat ihr durch den schnellen Flug eine Chance auf ein neues Leben gegeben. Rückflug nach Greven. Während dem Rückflug ist die Besatzung entspannt. Zwei Menschen haben sie heute effektiv geholfen. Das macht sie zufrieden. Auf dem Rückflug können sie die landschaftlichen Reize der Gegend genießen. Das Wetter ist gut.

Nach der Landung an der Station – sieben Stunden nach dem Start am Morgen – wird die BK 117 wieder voll getankt. Nach kurzer Zeit meldet sich die Leitstelle erneut: Ein Mann mit einer zusammengefallenen Lungenhälfte soll in die Uniklinik Göttingen geflogen werden. Notarzt Michael ruft im verlegenden Krankenhaus an, um den genauen Zustand des Patienten zu erfragen. Diesen Einsatz wird die inzwischen eingetroffene Nachtbesatzung übernehmen, da die Sonne bereits langsam untergeht. Nach wenigen Minuten nehmen Sven Tiedemann und Ralf Lehmann Kurs mit dem gelben Engel in Richtung des Patienten. Wieder wird die Besatzung alles geben, um das ihr anvertraute Leben zu retten. Wie schon so oft in den letzten Jahren.

Publiziert in KS Retter
Freitag, 20 Januar 2012 18:40

Hubschraubereinsatz im Schneetreiben

BAD BERLEBURG. Alles Gute kommt von oben. Dieses Sprichwort passte heute einmal mehr. Trotz massiver Schneefälle, die in Bad Berleburg teilweise die Sicht komplett verwehrten, ist der Siegener Rettungshubschrauber "Christoph 25" am Freitag gleich zwei Patienten in Wittgenstein zur Hilfe geeilt.

Die Besatzung mit Pilot Reiner Michely, Rettungsassistent Jörg Richter und Notärztin Prisca Schneider wurden zunächst zur Unterstützung eines Rettungswagens in Erndtebrück eingesetzt. Direkt im Anschluss transportierte der Rettungshubschrauber einen schwer kranken Patienten vom Bad Berleburger Krankenhaus aus in eine Spezialklinik.

Trotz der extremen Wetterbedingungen war es für den erfahrenen Piloten kein Problem, seinen Eurocopter 135 sicher zum Ziel zu steuern. Dabei war der Rettungshubschrauber während seines Aufenthalts neben der Bad Berleburger DRK-Rettungswache fast eingeschneit. Als die Schneefälle kurz ausblieben, startete die Maschine zu ihrem rettenden Flug nach Siegen.

Publiziert in SI Retter

SIEGEN-WITTGENSTEIN. Verkehrsunfall auf einer abgelegenen Straße Richtung Bad Laasphe. Ein Pkw ist schwer verunglückt, die Insassen sind schwer verletzt worden. Ein Passant hat einen Notruf abgesetzt und bei der Kreisleitstelle Hilfe angefordert. Der Disponent alarmiert den zuständigen Notarztwagen des Deutschen Roten Kreuzes, die Freiwillige Feuerwehr, die Polizei, sowie einen weiteren Rettungswagen. Auch ein zweiter Notarzt muss alarmiert werden. Über die Straße würde dies weit über 20 Minuten dauern, zu entlegen ist die Unfallstelle. Deshalb entscheidet sich der Disponent dazu, den zweiten Notarzt mit einem Hubschrauber einfliegen zu lassen und alarmiert den Siegen stationierten ADAC Rettungshubschrauber „Christoph 25“.

Wenige Sekunden nach dem Alarm startet Pilot Markus Scheld die Turbinen des Eurocopter 135. Er hat sich die Einsatzadresse im modernen Cockpit des Hubschraubers bereits herausgesucht und die komplexen Systeme des Hubschraubers hochgefahren. Nun steigen Rettungsassistent und Notarzt zu. Eine kurze Sichtkontrolle, ob die Abflugwege frei sind und niemand im Gefahrenbereich steht und dann hebt der Hubschrauber weniger als zwei Minuten nach der Alarmierung von der Plattform ab. Der Rettungsassistent steht in Funkkontakt mit der Leitstelle, um weitere Einzelheiten zum Unfall zu erfragen. Außerdem unterstützt er den Piloten bei der Navigation und achtet in der Luft auf Hindernisse, wie Stromleitungen, Masten, Vögel oder Baumkronen. Nach wenigen Minuten Flugzeit hat die Besatzung die Unfallstelle erkannt. Markus Scheld überfliegt die Einsatzstelle, um einen genauen Überblick zu erhalten und hat sich einen Landeplatz ausgesucht. Er parkt den Rettungshubschrauber millimetergenau auf der Straße, zwischen bäumen und Leitplanken. Noch während die Turbinen laufen, springen die Mediziner mit ihrem Material raus, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen.

Seit 30 Jahren tun das die Frauen und Männer des Siegener Rettungshubschraubers nun. Am 1. Januar in 1982 wurde der ADAC Rettungshubschrauber am Siegener Jung-Stilling-Krankenhaus stationiert. Wie vielen Menschen er und seine Besatzungen in dieser Zeit schon gerettet haben, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Allein in diesem Jahr wurde der Hubschrauber bereits weit über 1200-mal alarmiert. „Wir liegen derzeit bei rund 1260 Einsätzen. Das ist absoluter Rekord seit dem Bestehen der Station. Im Durchschnitt fliegen wir drei bis vier Mal täglich“, erklärt Pilot und Stationsleiter Markus Scheld. Dabei wird der Hubschrauber bis zu 50 Kilometer rund um seinen Standort eingesetzt, manchmal auch weiter. „Wir fliegen auch mal nach Korbach oder Meschede“, erklärt der Pilot mit Blick auf die Landkarte mit dem Einsatzradius. Der Hubschrauber wird dabei eingesetzt, wie ein Notarztwagen. Seine vorrangige Aufgabe ist es, den Notarzt schnellst möglich zum Patienten zu bringen. Der Anlass des Notfalles spielt dabei zunächst keine Rolle. Gerade auch in der sehr ländlichen Region Wittgensteins hat sich die Luftrettung dadurch einen sehr hohen Stellenwert erarbeitet.  

Aber nicht nur, um den Notarzt schnell zum Patienten zu bringen, wird der Hubschrauber eingesetzt: Durch den hohen Zeitgewinn beim Einsatz eines Hubschraubers und den schonenden Transport wird der Hubschrauber auch alarmiert, um Patienten schnell und sanft in geeignete Zielkliniken, auch wenn sie weiter entfernt sind, zu fliegen. Strecken, die mit dem Auto weit über eine Stunde dauern würden, legt der Hubschrauber in wenigen Minuten zurück. So verlegt „Christoph 25“ auch Patienten aus dem Krankenhaus in Bad Berleburg in oft hundert Kilometer entfernt liegende Spezialkliniken innerhalb kurzer Zeit.

In Siegen-Wittgenstein hat der gelbe Engel in Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten am Boden schon vielen Menschen das Leben gerettet: Im Frühjahr 2008 hat er Fabienne Ullmann schonend und schnell in eine Spezialklinik geflogen. Bei einem Kindergeburtstag war sie von der Hüpfburg gefallen und hatte sich erheblich verletzt. „Sie war zuerst gar nicht mehr ansprechbar“, erinnert sich Mutter Bianca Limper-Ullmann an die Schilderungen der Nachbarn jenem Tag. Sie selbst war mit ihrem Mann zum Fußballspiel ihres Sohnes und ist dort erst informiert worden. „Als wir ankamen, war der Notarztwagen bereits vor Ort und man sagte uns, dass der Hubschrauber angefordert worden sei, um Fabienne schonend zu transportieren. Direkt neben dem Haus der Ullmanns ging der Hubschrauber in einer Wiese zur Landung und das Team übernahm die bereits versorgte kleine Patientin in den Rettungshubschrauber. Mit Kind und Mutter an Bord ging es in weniger als 10 Minuten ins Siegener Jung-Stilling Krankenhaus. Vom flug dorthin hat Fabienne nicht viel mitbekommen. „Ich konnte nicht raus sehen und war sehr schlapp“, erzählt sie. Im Krankenhaus wurde Fabienne ausgiebig untersucht und es wurde eine schwere Stauchung der Wirbelsäule festgestellt. „Fabienne hat alles sehr gut überstanden. Sie hatte nur einige Wochen noch starke Schmerzen“, erklärt Bianca Limper-Ullmann. Heute kann das aufgeweckte Mädchen wieder zur Leicht6atlethik gehen und ihrem Hobby, dem Jazz-Tanz nachgehen. Nicht zuletzt dank des schonenden Transports mit dem Rettungshubschrauber. In den 30 Jahren seines Tuns war Christoph 25 noch öfter in Wittgenstein eingesetzt, zuletzt am Dienstagmittag. Auch im neuen Jahr wird er unermüdlich Kurs nehmen, um Menschen zu helfen – wo immer sie ihn brauchen. Dazu wünscht 112-magazin.de allzeit guten Flug und viel Erfolg.

Publiziert in SI Retter

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