Sind Retter auf Brände in Kliniken und Heimen vorbereitet?

Freitag, 30 September 2016 15:00 geschrieben von

WALDECK-FRANKENBERG. Der Großbrand in einer Klinik in Bochum, bei dem in der Nacht zwei Menschen starben und mehrere teils schwer verletzt wurden, wirft die Frage auf: Wie sind heimische Feuerwehren und Rettungskräfte auf derartige Fälle vorbereitet? 112-magazin.de sprach über dieses Thema mit den Stadtbrandinspektoren von Bad Arolsen, Korbach und Frankenberg sowie dem Pressesprecher der Feuerwehr Bad Wildungen.

Krankenhäuser und Kliniken, Seniorenheime oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen verfügen im gesamten Landkreis über tausende von Betten. Trotz der Vielzahl von Häusern und der ständigen Veränderungen - beispielsweise durch Umbauten oder Erweiterungen - kennen die Feuerwehren die Einrichtungen sehr genau.

"In solch sensiblen Objekten wie Altenheimen und Krankenhäusern gibt es regelmäßig Begehungen der Feuerwehr, um die örtlichen Begebenheiten genau zu kennen", unterstreicht der Korbacher Stadtbrandinspektor Friedhelm Schmidt. Dabei würden immer wieder Rettungswege, Zufahrtsmöglichkeiten für die Drehleiter und andere Einsatzfahrzeuge oder Besonderheiten in der Wasserversorgung unter die Lupe genommen. Größere Alarmübungen in Kliniken oder Heimen dienten ebenfalls der gründlichen Vorbereitung auf den Ernstfall. Im Februar diesen Jahres gab es zum Beispiel eine Übung zur Evakuierung der Intensivstation am Korbacher Stadtkrankenhaus.

Konzept zur Evakuierung von Intensivstationen entwickelt
Ein überregional beachtetes Konzept für eine solche Evakuierung war vor einigen Jahren bereits in Bad Arolsen entwickelt und im Mai 2014 in einer realitätsnahen Übung erstmals geprobt worden, berichtet der dortige Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer. Das Konzept war in enger Abstimmung zwischen Krankenhaus und Feuerwehr entstanden. Regelmäßig würden die Atemschutzgeräteträger der Arolser Feuerwehr trainieren, wie Patienten der Intensivstation im Ernstfall evakuiert werden. "Das muss schnell gehen, aber auch sicher", fasst Meyer die besonderen Anforderungen zusammen. So müssten die Einsatzkräfte die Patienten von EKG, Beatmung oder Perfusoren zur Medikamentengabe trennen und aus dem Gefahrenbereich bringen. Im Ernstfall musste die Feuerwehr vor einigen Jahren nach einem Brand ein komplettes Seniorenheim evakuieren, erinnert sich der Arolser Stadtbrandinspektor. Damals war trotz des schnellen und umfassenden Einsatzes eine Bewohnerin an den Folgen einer Rauchvergiftung gestorben.

Verständnis für Alarmfahrten
"Wir nehmen jeden Alarm aus einem Krankenhaus, einem Altenheim oder einer Behinderteneinrichtung sehr ernst", berichtet der Frankenberger Stadtbrandinspektor Martin Trost. Auch dort dienen Begehungen der Gebäude und Übungen zur besseren Vorbereitung auf einen Ernstfall. Zudem würden beim Auflaufen eines Feueralarms in einem solchen Gebäude stets neben der Wehr aus der Kernstadt auch die Kameraden aus Schreufa und Röddenau alarmiert. "Im Ernstfall brauchen wir so rasch wie möglich jeden Mann", verdeutlicht Trost. Wichtig sei dabei auch, dass das Personal einer Einrichtung die richtigen Maßnahmen einleitet, "aber nur, wenn sich dabei niemand selbst in Gefahr bringt." Der höchste Frankenberger Brandschützer wirbt um Verständnis dafür, dass die Feuerwehrfahrzeuge stets mit Alarm zum Krankenhaus oder zu anderen Einrichtungen ausrücken würden - man könne schließlich bei der Alarmierung nicht wissen, ob es sich um einen ernsten Einsatz oder einen Fehlalarm hendele.

Fast 5000 Betten in Wildungen und Reinhardshausen
Ein Lied von Fehlalarmen können die Brandschützer in Bad Wildungen singen - viermal allein im September rückten sie zu Kliniken oder einem Altenheim aus, von wo aus ein Feueralarm über eine sogenannte Automatische Brandmeldeanlage (BMA) aufgelaufen war. Diese Anlagen sind direkt bei der Rettungsleitstelle im Korbacher Kreishaus aufgeschaltet, von wo aus die Wehren alarmiert werden. Wie in den anderen Städten im Kreis rückt auch die Wildunger Feuerwehr bei einem solchen Alarm in Zugstärke mit mehreren Fahrzeugen aus. Dass in der Badestadt und in Reinhardshausen mehr Einsätze dieser Art anfallen als in anderen Orten, liegt an der Dichte dieser Häuser: Nach Auskunft von Feuerwehrsprecher Udo Paul gibt ein in der Kernstadt und im Stadtteil Reinhardshausen 21 Kliniken, davon drei Akutkliniken, mit insgesamt rund 4600 Betten. 318 weitere Betten befinden sich in den vier Alten- und Pflegeheimen. In all diesen Gebäuden finden laut Paul auf Führungsebene regelmäßig Begehungen statt, zudem werden immer wieder Übungen durchgeführt, auch in Zusammenarbeit mit Rettungskräften und Brandschutzbeauftragten.

Vorbeugender Brandschutz enorm wichtig
Eine große Bedeutung hat nach Auskunft des Korbacher Stadtbrandinspektors Schmidt bei Kliniken und Heimen der vorbeugende Brandschutz. Brandmeldeanlagen, Feuerschutztüren, Rauchklappen, Kabelschächte mit besonderer Abdichtung, die Einteilung sogenannter Brandabschnitte oder Anlagen zum Rauchabzug seien nur einige Beispiele für die Anforderung, die der Landkreis derartigen Einrichtungen zur Auflage mache. "Die Kreisverwaltung lässt sich hier auf keine Kompromisse ein", verdeutlicht Schmidt, und wirbt zugleich für diese resolut wirkende Haltung: "Man kann an vielen Dingen sparen, aber nicht an der Sicherheit", sagt der Korbacher Feuerwehrchef, "schließlich geht es um Menschenleben." (pfa) 

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Letzte Änderung am Freitag, 30 September 2016 15:46

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