"Das ist einfach schön" - Florian Kroh ist Jugendfeuerwehrwart mit Leib und Seele

Freitag, den 07. Februar 2020 um 18:57 Uhr Verfasst von  Matthias Böhl
Florian Kroh in seinem Element: Mit viel Herzblut und Engagement kümmert sich der junge Bad Berleburger um "seine" Jugendfeuerwehrkinder. Florian Kroh in seinem Element: Mit viel Herzblut und Engagement kümmert sich der junge Bad Berleburger um "seine" Jugendfeuerwehrkinder. Fotos: Matthias Böhl, 112-Magazin

BAD BERLEBURG. Um 11 Uhr bin ich mit Florian Kroh verabredet. Als ich da bin, treffe ich ihn jedoch nicht an. Erst um viertel nach 11 ist er zu Hause. Florian ist nicht unzuverlässig oder ungenau. Ganz im Gegenteil. Er kommt gerade von einem Feuerwehreinsatz in seiner Heimatstadt Bad Berleburg zurück. Um kurz vor 11 hatte die Leitstelle die Feuerwehr und den Rettungsdienst zu einem medizinischen Notfall alarmiert. Da war Florian dabei – selbstredend.

Seit nunmehr 21 Jahren ist der junge Bad Berleburger der Feuerwehr und dem Blaulicht überhaupt verschrieben. Angefangen hat es mit der Jugendfeuerwehr.

„Pünktlich zum 10. Geburtstag bin ich dort eingetreten“, erinnert er sich bei meinem Besuch. Der Einsatz wenige Minuten zuvor hat ihn keineswegs aus der Fassung gebracht. Ein Feuerwehrmann durch und durch eben.

„Das hat bei mir schon in Kindertagen angefangen. Lange vor dem 10. Geburtstag“, erinnert Florian sich zurück. Gemeinsam mit Vater Bernd hat er schon früh Feuerwehrluft geschnuppert: „Wenn die Feuerwehr am Marktplatz war zur Ausstellung, oder es Übungen gab – dann waren wir immer dabei“, weiß er noch heute ganz genau. „Und von daher war klar, dass ich zu meinem Geburtstag in die Jugendfeuerwehr eintrete“, fährt er fort.

Florian - Der Schutzpatron der Feuerwehr

Selbstverständlich auch, dass Florian, der seinen Vornamen von den Eltern übrigens benannt nach dem Schutzpatron der Feuerwehr erhalten hat, nach seiner Jugendfeuerwehrzeit in die aktive Einsatzabteilung eintreten würde. Da sieht man ihn häufig. Einmal die Woche zum Dienstabend, bei nahezu allen anfallenden Einsätzen, oder bei Fortbildungen ebenso, wie bei Kameradschaftsveranstaltungen oder Feierlichkeiten.

Aber innerhalb des Kernstadtlöschzuges der Bad Berleburger Feuerwehr hat Florian sich noch eine ganz besondere Aufgabe auf seine Fahne geschrieben: Er ist Jugendwart, kümmert sich um die Jüngsten der Feuerwehr. Um Kinder und Jugendliche. Die, die noch nicht am aktiven Dienst teilnehmen dürfen. Dies macht er mindestens einmal pro Woche, wenn er nicht gerade arbeiten muss, oder andere Termine hat. In so einem Fall wird Florian von seinen Stellvertretern oder anderen Kameraden der Einsatzabteilung unterstützt. Hinzu kommen unzählige Stunden, die gemeinsam mit dem Betreuerteam in Vorbereitung, Dienstplangestaltung und auch eigene Ausbildungen investiert werden. Oben drauf. On the Top, zusätzlich zum normalen Dienst.

Strahlendes Gesicht

„Ich bin selbst über die Jugendfeuerwehr in den Feuerwehrdienst gekommen. Es war mir ein großes Anliegen, die Jugendarbeit in unserem Löschzug deshalb fortzuführen und den Kindern auch eine Betreuung zu bieten, die ich selbst genießen konnte“, erzählt er mir. Nicht erst seit er als Jugendwart im Löschzug aktiv ist, tut Florian das. Viel länger schon war der gelernte Kfz-Mechatroniker, der dann über den Wehrdienst bei der Bundeswehr zum Rettungsdienst gekommen ist, als Betreuer rund um die Jugendfeuerwehr aktiv. „Die beiden damaligen Jugendwarte brauchten Unterstützung“, erklärt er. „Man kann so eine Aufgabe nicht nur auf zwei oder drei Schultern lasten“. Als es dann vor einigen Jahren zu einem kurzfristigen Personalwechsel kam, wurde Florian der neue Jugendwart und betreut seitdem 14 Schützlinge. Das ist für den jungen Mann weit mehr, als nur einen Ehrenamt oder eine Aufgabe innerhalb des Löschzuges.

Als Florian mir von den gemeinsamen Erlebnissen mit „seinen“ Kindern und Jugendlichen berichtet, da kann er seine Begeisterung darüber nicht verbergen. Ein Strahlen fährt durch sein Gesicht, als er mir erzählt, wie die Kinder bei einem 24-Stunden Übungsdienst zu nächtlicher Stunde von ihm zum fiktiven Einsatz alarmiert wurden. „Wenn die dann wie Murmelkugeln durch das Feuerwehrhaus schießen und mit nur einer Socke an den Füßen die Treppen hoch wetzen, dann ist das einfach toll“, schwärmt er. Und überhaupt macht es dem Unterbrandmeister sichtlich Freude, mit so jungen und zugleich motivierten Menschen zusammenarbeiten zu dürfen: „Sie sind unglaublich motiviert, lernbegierig und es wird das was wir den Kindern vermitteln super angenommen“, erzählt er mir. „Und das alles hält jung“, berichtet er mir. „Man ist am Ball. Man bekommt mit, was die Jugendlichen bewegt und interessiert. Man würde sonst niemals so viel mitempfinden können“, berichtet Florian.

Heutige Kameraden früher in der Jugendfeuerwehr betreut

Besonders spannend ist es für den 31-Jährigen, die Kinder und Jugendlichen über eine so lange Zeit in verschiedenen Phasen der Entwicklung zu begleiten. „Das ist eine sehr schöne Empfindung und man ist eine wichtige Bezugsperson für die jungen Menschen“. Dies, so hat Florian es bemerkt, haben ihm die Jugendlichen in vielen Jahren gezeigt. Nicht zuletzt auch, weil man neben den Feuerwehrdiensten mit Florian auch einen Ansprechpartner findet, wenn der Schuh an anderer Stelle drückt. Da entwickeln sich auch richtige Freundschaften. Dies ganz sicher auch, weil es auch viele gemeinsame Veranstaltungen im Dienstplan gibt, die außerhalb der Einsatzlehre stattfinden. „Wir waren mit der Gruppe vier Tage an der Nordsee, oder es gibt viele andere Ausflüge und Unternehmungen“, berichtet er.

„Wenn ich heute im Einsatz neben Philipp oder Marek stehe, dann sind das Kameraden, die ich damals noch in der Jugendfeuerwehr betreut habe“, macht er deutlich. Das freut ihn sehr. Gar keine Frage. Das sieht man ihm jetzt auch deutlich an.

Auch als Notfallsanitäter und Ersthelfer für die Seele im Einsatz

Über seinen Beruf als Notfallsanitäter beim DRK Rettungsdienst kam er zu einer weiteren Aufgabe, die er heute wahrnimmt: Florian ist PSU-Assistent. Er ist für Menschen in den Hilfsorganisationen da, denen es nicht so gut geht. Die Hilfe dabei brauchen, im Einsatz erlebte schlimme Eindrücke zu verarbeiten, oder sich in einer privaten Notlage befinden. „Daran ist der Rettungsdienst Schuld“, lacht er. Die gute Ausbildung in Siegen habe einen großen Teil dazu beigetragen. „Man wollte Leuchttürme und Beobachter in den Rettungswachen haben, die Notsituationen der Kollegen erkennen und dann entsprechend helfen können. Deshalb wurde jeder Auszubildende zum PSU-Helfer ausgebildet“, erklärt er. Über zwei Freunde und sehr viel Interesse erweiterte Florian in diesem Bereich über die weiteren Jahre seine Kenntnisse und kommt heute auch Kreis übergreifend als PSU-Assistent zum Einsatz. Sein Hauptaugenmerk im Ehrenamt gilt aber weiterhin „seinen“ Jugendfeuerwehrkindern.

Er ist zu Recht stolz auf seine Schützlinge, aber auch auf all die anderen Kinder und Jugendlichen die sich in den Jugendfeuerwehren engagieren: „Die könnten auch den ganzen Tag an der Konsole sitzen, aber sie setzen sich für die wichtigen Dinge ein“ ist er voll des Lobes. Allein im Stadtgebiet von Bad Berleburg gebe es 170 Jugendfeuerwehrkinder, rechnet er mir vor.

Und das Ziel sei es natürlich auch, die Jugendlichen nach Erreichen der 18 Jahre für den aktiven Dienst in der Feuerwehr gewinnen zu können. „Die letzten zwei Jahre waren da sehr ergiebig. Wir konnten acht Leute in den aktiven Dienst übernehmen“, freut sich Florian. Dies, so bin ich mir nicht nur nach unserem Gespräch sehr sicher, ist zu einem ganz großen Teil Florians Verdienst.

Zuletzt geändert am Samstag, den 08. Februar 2020 um 08:49 Uhr