Wachtel findet "vermisste" Frau im Wald am Diemelsee

Freitag, den 03. Juli 2020 um 06:18 Uhr Verfasst von  Marvin Schreck
Haska von der Diemel: Die Suche nach einer vermissten Person am Diemelsee war erfolgreich. Haska von der Diemel: Die Suche nach einer vermissten Person am Diemelsee war erfolgreich. Foto: 112-magazin

DIEMELSEE. Ausgebildet worden ist die Wachtelhündin "Haska von der Diemel" für die Jagd auf Hase, Reh, Sauen und Flugwild - doch das reichte weder dem Besitzer und Hundeführer noch der Hündin selbst. Nach einer fundierten Jagdhundeausbildung und Anlagenprüfungen in den vergangenen zwei Jahren, absolvierten Ausbildungsprogrammen in Schweden, sowie unzähligen Nachsuchen auf angefahrenes und angeschossenes Wild, hat das Duo eine zusätzliche Herausforderung gefunden: Die Ausbildung zum Rettungshund.

Zu manchen Dingen gehören immer zwei Partner. Das ist bei der Jagd so und auch bei der Suche nach vermissten Menschen, sagt der 58-jährige Besitzer der Hündin. Bei der Ausbildung zum Rettungshund, wird nicht nur das Tier gefordert, sondern auch sein Besitzer. Aufmerksam geworden ist der Hundeführer auf die Arbeit der Retter, als er zufällig im Mai bei Eimelrod auf eine Rettungshundestaffel aus dem Schwalm-Eder-Kreis traf, die dort ihre Hunde ausbilden durften. Der Jagdpächter hatte der Staffel das Jagdrevier an diesem Tag zur Ausbildung der Hunde überlassen.

Menschenrettung im unwegsamen Gelände 

In den vergangenen Wochen wurde geübt was die Nase des Hundes und die Kondition des Führers hergab. Wurden zunächst Kleidungsstücke über Wiesen und Wälder gezogen, die der Hund finden und apportieren musste, traten mit fortschreitender Ausbildung Menschen in den Vordergrund. Da diese nicht apportiert werden können, musste eine andere Lösung gefunden werden: Der Hund wird auf der Fährte einer vermissten Person angesetzt und ist ab diesem Moment vorerst auf sich allein gestellt. Der imaginären Spur des Vermissten folgend, soll der Hund den Menschen finden, ein sogenanntes Bringsel in den Fang nehmen und zum Führer zurückkehren. Mit dem Zeigen des Bringsels erkennt der Hundeführer, dass die vermisste Person durch den Vierbeiner gefunden wurde. Im Anschluss daran soll der Hund den Führer zur vermissten Person bringen. Dieses geschieht auf Sichtweise, also in etwa 12 bis 15 Meter Entfernung, ohne dass der Führer auf den Hund einwirken muss. 

Übung mit lebender Person erfolgreich

Am 1. Juli war Premiere für das Gespann: Eine junge Frau hatte sich nach einem Streit am Diemelsee von ihrem Freund entfernt und war in einem Waldstück verschwunden, so die Übungsanlage. Die 20-Jährige hatte ihre Jacke zurückgelassen, ein wichtiger Gegenstand, den der Hundeführer sofort nutzte. Er legte der Hündin die rote Halsung mit dem Bringsel an, umgehend wurde der Hund in dem Bereich geschnallt, wo die Frau zuletzt gesehen worden war. Nach kurzem Bewinden der Jacke suchte der Hund konzentriert die Umgebung ab und verschwand im dichten Unterholz des Waldes. Etwa 500 Meter hatte die Gesuchte zurückgelegt und sich hinter einer umgestürzten Fichte versteckt. Diesen Weg verfolgte die Hündin und nach etwas mehr als sechs Minuten war Haska bei der vermissten Person, nahm dort das Bringsel in den Fang und kehrte zum Führer zurück. Der Weg durch das dichte Unterholz zur Vermissten war zwar beschwerlich, die Wiedersehensfreude aber umso größer.

Information zum Mantrailing

Die häufige Frage, ob der Rettungshund einen Socken der vermissten Person vor die Nase gehalten bekommt, damit er weiß, wen er suchen soll, ist für diese Sparte der Rettungshundearbeit mit einem deutlichen "Ja!" zu beantworten. Der Mantrailer sucht immer eine ganz bestimmte Person. Den Suchauftrag erhält er anhand eines Gegenstandes, an dem der Geruch der vermissten Person haftet. In der Regel beginnt die Suche an der Stelle, an der die Person zuverlässig das letzte Mal gesehen wurde oder losgegangen ist. Ab dieser Position verfolgt der Mantrailer die Spur der Person.

Von der menschlichen Haut lösen sich ständig winzige Hautschuppen ab. Auf diesen haften Bakterien der individuellen Hautflora des Menschen, die einen einmaligen Geruch besitzt. Hunde sind grundsätzlich in der Lage, diesen Geruch wahrzunehmen und zwischen den Individualgerüchen einzelner Menschen zu differenzieren. In der Suchart Mantrailing ausgebildete Rettungshunde lernen, die Spur eines Menschen anhand dieser mikroskopisch kleinen Zellverbände zu verfolgen. Sie unterscheiden sie von der Spur anderer Menschen und folgen ihr auch durch bewohnte Gebiete. Witterung, Untergrund, Wind, Alter der Spur, Ausbildungsstand und Rasse bestimmen neben vielen weiteren Faktoren den Schwierigkeitsgrad dieser Spur und beeinflussen so die Wahrscheinlichkeit, ob der Hund die ihm gestellte Aufgabe lösen kann oder nicht. Die Ausbildung ist sehr umfangreich. Neben den Schwierigkeiten, die dem Hund während seiner Arbeit auf der Spur begegnen, muss sichergestellt werden, dass der Hund nur die aufgezeigte Spur verfolgt. Auch unter Ablenkung muss der Hund in der Lage sein, die richtige Person anhand des Geruchsbildes zu identifizieren. Er muss zeigen, wenn er die Spur verloren hat, sie plötzlich endet (Person ist in ein Transportmittel wie Bus oder Auto gestiegen) oder sich am Startpunkt gar keine Spur von der vermissten Person befindet. Ablenkungen wie Personenverkehr, andere Hunde oder Wild dürfen ihn nicht an der Erfüllung seiner Aufgabe hindern, beschreibt der Bundesverband für Rettungshunde das Ausbildungsspektrum der Vierbeiner.

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Zuletzt geändert am Sonntag, den 05. Juli 2020 um 14:55 Uhr