"Danke"-Serie: Verletztem Behinderten das Leben gerettet

Mittwoch, den 04. Dezember 2013 um 05:51 Uhr Verfasst von 
Lob und Dank für Florian Sander, der mit seiner Beobachtung Lebenshilfe-Mitarbeiter Jens Elsner (Mitte) das Leben rettete. Mit im Bild Lebenshilfe-Vorstandsmitglied Christoph Hille, Hofgut-Leiter Bernd Kramer und Cordula Fohl, die in Rocklinghausen in der Betreuung tätig ist. Lob und Dank für Florian Sander, der mit seiner Beobachtung Lebenshilfe-Mitarbeiter Jens Elsner (Mitte) das Leben rettete. Mit im Bild Lebenshilfe-Vorstandsmitglied Christoph Hille, Hofgut-Leiter Bernd Kramer und Cordula Fohl, die in Rocklinghausen in der Betreuung tätig ist. Archivfoto: pfa

TWISTE. Die kalte Januarnacht hätte ein 22-Jähriger mit geistigen Behinderungen nach einem Sturz mit seinem Fahrrad wohl nicht überlebt - wäre da nicht ein aufmerksamer Twistetaler gewesen, der auf der Autofahrt zum Handballtraining eine kleine, aber wohl entscheidende Beobachtung gemacht hätte. Im Rahmen der "Danke"-Serie im Advent greift 112-magazin.de den Fall nochmals auf und dankt dem Lebensretter.

Rückblick: Mit seinem Fahrrad machte sich Jens Elsner, Mitarbeiter des Lebenshilfe-Hofgutes Rocklinghausen bei Twiste, am Nachmittag des 9. Januar auf den Weg nach Korbach. Doch weit kommt der 22-Jährige nicht: Mitten im Feld zwischen Twiste und dem Mühlhäuser Hammer stürzt der junge Mann mit geistigen Behinderungen, zieht sich eine schwere Knieverletzung zu und bleibt schließlich auf dem kalten Boden liegen. Nach Einbruch der Dunkelheit versucht der Verletzte, mit der Steckleuchte seines Fahrrads auf sich aufmerksam zu machen - er hält die Lampe hoch und leuchtet in Richtung Bundesstraße.

Hätte kalte Nacht nicht überlebt
Das sieht - mehr oder weniger aus dem Augenwinkel - der damals 25-jährige Twister Florian Sander, der an diesem Abend auf dem Weg zum Handballtraining in Berndorf ist. "Ich dachte, da wäre ein Spaziergänger mit seinem Hund und einer Taschenlampe unterwegs", sagte Sander später über seine Beobachtung, der er zunächst keine größere Bedeutung beimisst. Was der 25-jährige Feuerwehrmann nicht weiß: Als er nach Mitternacht vom Training zurück nach Twiste fährt, ist das Licht längst erloschen, weil die Batterie der Klemmleuchte leer ist. Doch der Verletzte liegt noch immer dort, inzwischen lebensgefährlich unterkühlt. Eine Suche der Lebenshilfe, die noch am Abend die Polizei hinzugezogen hatte, war bis zu diesem Zeitpunkt nicht von Erfolg gekrönt. Gegen 0.45 Uhr fordert die Polizei schließlich über die Leitstelle mehrere Feuerwehren zur großflächigen Suche nach dem Vermissten an.

Nachts "fiel bei mir der Groschen"
Als Florian Sander und die etwa 50 anderen Feuerwehrleute kurz nach der Alarmierung am Hofgut eintreffen und von der Polizei die Situation erklärt bekommen, "fiel bei mir der Groschen". Sofort seien er und seine Kameraden Felix Köppelmann und Pascal Meus mit einem Einsatzfahrzeug zu dem Gebiet gefahren, in dem am Abend das Licht zu sehen war. Nach kurzer Suche mit einem starken Strahler fanden die drei Brandschützer den Verletzten am Boden liegend vor. "Ich habe noch nie jemanden so stark zittern sehen", erinnert sich Sander an den Moment. Sofort forderten die Feuerwehrleute einen Rettungswagen und den Notarzt an. Dieser attestiert später: "Er hätte die Nacht nicht überlebt".

"Ein Beispiel nehmen"
Die Lebenshilfe und auch Polizeichef Hubertus Hannappel danken später dem Lebensretter für sein Handeln. Während es von der Polizei ein Dankesschreiben mit Worten der Anerkennung für das vorbildliche Verhalten gibt, ernennt die Lebenshilfe den Feuerwehrmann Florian Sander zum Ehrenmitglied. Für die Redaktion von 112-magazin.de, die über den Einsatz selbst und die Ehrung berichtete, "ist dieser Fall ein Musterbeispiel dafür, wie eine kleine Beobachtung Großes bewirken kann", sagt Redakteur Sascha Pfannstiel - und schlussfolgert: "Wer aufmerksam durchs Leben geht, kann Leben retten". Florian Sander habe dies sehr eindrucksvoll bewiesen. "Das veranlasst uns als Magazin, im Rahmen unserer Adventsserie nicht nur Dank an den Feuerwehrmann und seine Kameraden auszusprechen, sondern an alle Mitmenschen zu appellieren, sich ein Beispiel daran zu nehmen".


112-magazin.de berichtete über den nächtlichen Einsatz:
Verletzter Behinderter nach Stunden gefunden (10.01.2013)

Sind auch Sie nach einem Unfall oder Notfall dankbar für Hilfe jedweder Art, die Ihnen zuteil wurde, und wollen diesen Dank loswerden? Dann ist unsere Adventsserie zum Thema "Dank" ein gutes Forum. Nehmen Sie Kontakt zur Redaktion auf per Mail an info(at)112-magazin.de

Zuletzt geändert am Mittwoch, den 04. Dezember 2013 um 11:55 Uhr