Zahl der Unfalltoten im Kreis fast verdoppelt

Mittwoch, den 29. Mai 2013 um 14:46 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
19 Menschen kamen bei Verkehrsunfällen im Jahr 2012 im Landkreis Waldeck-Frankenberg ums Leben. Das Archivbild zeigt eine Unfallstelle bei Frankenberg. Dort waren im Mai 2013 drei Menschen gestorben. 19 Menschen kamen bei Verkehrsunfällen im Jahr 2012 im Landkreis Waldeck-Frankenberg ums Leben. Das Archivbild zeigt eine Unfallstelle bei Frankenberg. Dort waren im Mai 2013 drei Menschen gestorben. Foto: pfa/Archiv

WALDECK-FRANKENBERG. Während 2012 die Gesamtzahl an Unfällen im Landkreis im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant blieb, hat sich die Zahl der bei Verkehrunfällen tödlich verletzten Menschen im zurückliegenden Jahr fast verdoppelt: Die am Mittwoch vorgelegte Statistik berichtet von 19 Todesopfern auf den Waldeck-Frankenberger Straßen nach zehn Toten im Jahr 2011. "Das tut uns sehr weh und bereitet uns Sorge", sagte Hubertus Hannappel, Leiter der heimischen Polizeidirektion, bei der Vorstellung des Zahlenwerks.

Die Eckdaten der neuen Verkehrsunfallstatistik: Im Jahr 2012 ereigneten sich im Landkreis insgesamt 3783 polizeilich aufgenommene Verkehrsunfälle - ein Plus von 96 Unfällen oder 2,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011. Bei zwölf Unfällen starb jeweils ein Beteiligter, bei zwei Verkehrsunfällen auf der B 253 bei Hundsdorf und bei Rennertehausen waren jeweils zwei Menschenleben zu beklagen. Bei einem Zusammenstoß auf der Frankenberger Umgehung erlitten im Mai 2012 sogar drei Menschen tödliche Verletzungen.

Die Zahl der Unfälle mit Leichtverletzten ging im Berichtsjahr um knapp acht Prozent und die mit Schwerverletzten um rund fünf Prozent zurück. Gestiegen ist dagegen im Jahr 2012 die Anzahl an Unfällen, bei denen die Verursacher unter Einfluss von Alkohol oder/und Drogen standen - nach 98 Fällen im Jahr 2011 waren es im Berichtsjahr 111 Fälle. Bei Kontrollen wurden 263 alkoholisierte oder unter Einfluss berauschender Mittel stehende Verkehrsteilnehmer erwischt, das sind 31 mehr als im Jahr davor. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch, aber wir versuche, sie aufzuhellen", sagte am Mittwoch Wilfried Meier, Leiter der Führungsgruppe. Er hatte die Statistik gemeinsam mit Sandra Theiß vom Regionalen Verkehrsdienst erstellt. Meier kündigte ebenso wie Polizeisprecher Dirk Virnich an, die Kontrollen in diesem Feld weiter zu erhöhen. Einer der tödlichen Verkehrsunfälle im Jahr 2012 sei auf Alkohol zurückzuführen, hieß es.

Die Zahl der Unfallfluchten ging im vergangenen Jahr leicht um 18 auf 636 Fälle zurück. 210 davon konnten geklärt werden. "Es ist erschreckend, wie hoch die Bereitschaft ist, den Geschädigten auf seinem Schaden sitzen zu lassen", sagte Polizeichef Hannappel und appellierte an die Verkehrsmoral der Menschen im Landkreis. In 48 Fällen hätten die Verursacher nicht nur Sachschaden, sondern auch Verletzte zurückgelassen. Als interessant sei es einzustufen, dass der Anteil der Verkehrsunfallfluchten an allen registrierten Unfällen wie in den Vorjahren bei 18 Prozent liege.

Schlechter Sommer? Weniger Motorradunfälle
Nicht konstant, sondern rückläufig war die Zahl an Motorradunfällen. Nach 177 Unfällen mit motorisierten Zweiradfahrern im Jahr 2011 weist die Statistik im Berichtsjahr 140 Unfälle aus. Ein Motorradfahrer kam ums Leben, in den beiden Vorjahren waren es noch jeweils drei getötete Kradfahrer. Auch die Zahl der Verletzten sei gesunken. Der Rückgang der Unfallzahlen in diesem Zweig der Statistik könne im schlechten "Motorradwetter" des vergangenen Jahres begründet liegen, sagte Wilfried Meier. Hauptunfallursachen waren dem Bericht zufolge nicht angepasste Geschwindigkeit (26 Fälle), Alkohol (12) und mangelnder Abstand (11). Wie zuletzt an Pfingsten am Diemelsee werde es weiterhin Schwerpunktkontrollen geben. Dabei wolle man mit den Motorradfahrern ins Gespräch kommen und sie über die Gefahren ihres Hobbys aufklären. "Die Knautschzone ist nun mal nur die Kombi und die Haut", sagte der Leiter der Führungsgruppe. Er selbst sei Motorradfahrer und wisse um die Risiken. Auch Fahrradunfälle sind in der Statistik verzeichnet: Davon gab es 67, die allesamt von der Radfahrern verursacht wurden und die in 18 Fällen zu schweren und in weiteren 38 Fällen zu leichten Verletzungen führten.

Als "großes Problem" bezeichneten Meier und seine Kollegin Sandra Theiß die vielen Wildunfälle. Von zuletzt 1140 im Jahr 2011 auf 1326 im Berichtszeitraum stieg die Zahl der Wildunfälle rasant an. In 1027 Fällen kollidierten Autofahrer mit Rehwild, 275 Wildschweine wurden erfasst, außerdem zwölf Stück Rotwild getroffen. Die übrigen registrierten Fälle sind dem Niederwild zuzuordnen. Ein Grund für die steigende Zahl an Wildunfällen sei das erhöhte Nahrungsangebot für Wildtiere und die damit steigenden Populationen. Der 2008 gegründete "Arbeitskreis Wild", dem neben der Polizei verschiedene Gruppierungen und Behörden angehören, hat im vergangenen Jahr mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse ein Testprojekt ins Leben gerufen: So wurden nach Auskunft von Sandra Theiß 500 blaue Reflektoren an der B 236 bei Osterfeld, an der B 253 zwischen Hundsdorf und Reinhardshausen sowie an der K 5 zwischen Schmillinghausen und Herbsen an den Leuchtpfosten installiert. Auf diesen Strecken wolle man testen, ob blaue Reflektoren das Wild vom Überqueren der Fahrbahnen bei Fahrzeugverkehr in der Dunkelheit abhalten können - und sich dadurch die Unfallzahlen senken lassen.

Beim Blick auf die Altersstruktur der Unfallverursacher ist in der Statistik zu erkennen, dass weitaus mehr 18- bis 24-Jährige Verkehrsunfälle verschulden als die über 65-Jährigen - wenngleich deren Anteil an der Bevölkerung weitaus höher ist. Von den insgesamt 3783 Unfällen im Jahr 2012 gingen 538 auf die über 65-jährigen Verkehrsteilnehmer zurück, die jungen Erwachsenen verursachten insgesamt 912 Verkehrsunfälle. Als positiv wertete die Polizei am Mittwoch das Programm "Begleitetes Fahren ab 17" - keiner der 17-Jährigen habe im vergangenen Jahr einen Unfall verursacht.

Gesamtschaden von annähernd zehn Millionen Euro
Alle registrierten Verkehrsunfälle führten im Jahr 2012 zu einem Gesamtschaden von rund zehn Millionen Euro. Um die Unfallzahlen insgesamt und somit auch die Zahl von Toten und Verletzten zu senken, appellierte Direktionsleiter Hubertus Hannappel an die Verkehrsteilnehmer, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Man solle nicht sein Recht erzwingen, sondern auch auf die Fehler der anderen achten und entsprechend reagieren. "Die Gesellschaft ist gefordert", sagte der Polizeichef.

Zuletzt geändert am Donnerstag, den 30. Mai 2013 um 04:39 Uhr