Aufgeklärte Straftaten: Waldeck-Frankenberg liegt vorn

Sonntag, den 05. März 2017 um 15:30 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
Von 182 Einbrüchen in Wohnungen blieben im vergangenen Jahr im Landkreis 92 Fälle im Versuch stecken - wegen sogenannter Sicherungseinrichtungen oder weil die Täter ertappt wurden und flüchteten. Von 182 Einbrüchen in Wohnungen blieben im vergangenen Jahr im Landkreis 92 Fälle im Versuch stecken - wegen sogenannter Sicherungseinrichtungen oder weil die Täter ertappt wurden und flüchteten. Foto: ots/Archiv

WALDECK-FRANKENBERG. Zwar ist die Zahl der im Landkreis verübten Straftaten im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, die heimische Polizei hat jedoch bei der Aufklärungsquote kräftig zugelegt auf 63,2 Prozent: Kein anderer Landkreis in Nordhessen verzeichnete im vergangenen Jahr einen besseren Wert. Darauf verwiesen der Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, Achim Kaiser, und Kripochef Christian Golomb bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik.

Die Kriminalitätsentwicklung war in den vergangenen Jahren acht Jahren tendenziell rückläufig und erreichte im Jahr 2015 einen bislang absoluten Tiefstand mit 5392 registrierten Straftaten. Im Jahr 2016 verzeichneten die heimische Polizei wieder einen leichten Anstieg um 314 Fälle auf nunmehr 5706 registrierte Straftaten, was einen Anstieg um 5,8 Prozent zum Vorjahr bedeutet. Dies ist laut Kaiser die drittniedrigste Zahl von registrierten Straftaten in den vergangenen 20 Jahren in Waldeck-Frankenberg.

Die heimische Polizei legte 2016 bei der Aufklärungsquote im Vergleich zum Jahr 2015 nochmals deutlich um 5,1 Prozent auf nunmehr 63,2 Prozent zu. Damit nimmt die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg den Spitzenplatz in Nordhessen ein. "Sie ist die höchste je im Landkreis Waldeck-Frankenberg erzielte Aufklärungsquote", sagte der Leiter der Polizeidirektion nicht ohne Stolz. Traditionell sind die Mittelzentren Korbach, Bad Wildungen, Bad Arolsen und Frankenberg sowie die Tourismushochburg Willingen am stärksten mit Kriminalität belastet. Aber auch diese Kommunen lagen 2016 noch deutlich unter dem hessenweiten Durchschnitt. Mit 25 registrierten Straftaten (Vorjahr 22) ist Rosenthal die Kommune mit den wenigsten registrierten Verbrechen.

Fünf Fälle von fahrlässiger Tötung
Kaiser und sein Stellvertreter, Kripochef Christian Golomb, sowie Polizeisprecher Volker König informierten gemeinsam über das "Kriminaljahr 2016". Die Statistik weist sechs Fälle von versuchtem Totschlag sowie fünf Fälle von fahrlässiger Tötung aus. "Straftaten gegen das Leben stoßen immer auf ein besonderes Interesse der Öffentlichkeit", sagte Golomb, gleichwohl entsprächen diese Delikte im vergangenen Jahr - glücklicherweise - lediglich 0,19 Prozent aller Straftaten. In 235 (Vorjahr 219) Fällen führte die Kripo sogenannte Todesermittlungen - dies ist zum Beispiel immer dann der Fall, wenn nach dem Tod eines Menschen die Todesursache zunächst vom Arzt als "unklar" angegeben wird.

Sexualstraftaten gingen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 um 32,4 Prozent zurück auf 71 Delikte (Vorjahr 105). Die Aufklärungsquote lag hier bei 91,55 Prozent - nur sechs Fälle blieben ungeklärt. Deutlich gestiegen sind im Berichtsjahr die sogenannten Rohheitsdelikte von 685 (2015) auf nunmehr 819 Fälle. Zu diesem Deliktsfeld zählen Körperverletzung, Raub, Entführung oder andere Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Die meisten Delikte entfallen auf die Körperverletzungen mit aktuell 598 nach 502 Fällen im Vorjahr. Hier spiele häufig Alkohol eine Rolle, verdeutlichte Polizeichef Kaiser. Die meisten dieser Delikte würden in den Mittelzentren Korbach, Arolsen, Wildungen und Frankenberg sowie im "temporären Mittelzentrum Willingen", so Kaiser mit Blick auf Clubwochenenden und Veranstaltungen im Upland, verübt. Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten lag 2016 bei 92,3 (2015: 92,4) Prozent.

Fälle von häuslicher Gewalt legten im Berichtsjahr im Vergleich zu 2015 von damals 119 auf nunmehr 151 angezeigte Taten zu - die Dunkelziffer lasse sich nur schwer einschätzen. In dem von Männern dominierten Deliktsfeldgab es 2016 auch Anzeigen gegen neun Täterinnen. 40 Raubdelikte wurden im vergangenen Jahr (2015: 28) gezählt, häufig waren alkoholisierte junge Männer die Opfer. Im vergangenen Jahr gab es im gesamten Landkreis keinen einzigen Handtaschenraub.

Viele Ladendiebstähle
Bei den Diebstählen ging die Zahl der angezeigten Fälle von 1411 auf 1321 zurück, bei der Aufklärungsquote legten die heimischen Ermittler leicht zu von 40,8 auf nunmehr 41,2 Prozent. Das "beliebteste" Delikt in dieser Sparte ist der Ladendiebstahl. Beim schweren Diebstahl - wenn der Täter ein Hindernis beziehungsweise eine Sicherung überwinden muss, um etwas zu entwenden - ging die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von 765 auf 724 Taten zurück, die Aufklärungsquote stieg dagegen deutlich von 14,2 auf 24,2 Prozent. Mit 182 Fällen liegt hier der Einbruchsdiebstahl vorn. Zu diesem Wert trug sicherlich im ersten Quartal 2016 eine Einbruchsserie mit allein 39 Fällen in Bad Wildungen bei. Polizeisprecher Volker König riet zu Wachsamkeit: "Wenn mir etwas seltsam oder verdächtig vorkommt, rufe ich die Polizei lieber einmal mehr als zu wenig."

Bei den sogenannten Vermögens- und Fälschungsdelikten, zu denen zum Beispiel Betrug, Urkundenfälschung oder Geldfälschung zählt, gab es nahezu unverändert 961 (958) Fälle - die niedrigsten Zahlen seit Jahren. Auf das Delikt Betrug entfielen mit 687 (749) die meisten Fälle. Die hohe Aufklärungsquote lag bei 81,4 nach 80 Prozent.

1207 Straftaten (2015: 1026) wie Erpressung, Widerstand, Beleidigung, Hehlerei oder Sachbeschädigung werden in der Statistik in der Obergruppe "Sonstige Straftatbestände" zusammengefasst. Hier stieg die Aufklärungsquote um fünf auf 58,2 Prozent. Eine Erklärung, warum es zum Beispiel wesentlich mehr Beleidigungen gibt, gab Kaiser: "Der Umgangston wird rauer". In diesem Zusammenhang begrüßte Polizeisprecher König ein neues Gesetz, das Beleidigung von und Übergriffe auf Polizeibeamten und andere Einsatzkräfte härter unter Strafe stellt.

Ein Drogentoter im Jahr 2016
Drogendelikte fasst die Statistik in den sogenannten strafrechtlichen Nebengesetzen zusammen - hier finden sich auch Delikte wie Verstöße gegen das Waffengesetz, das Ausländerrecht oder Umweltgesetze. Von den 582 (437) Fällen entfielen 459 (335) auf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Diese hohe Zahl führt die Polizei auf einen Anstieg von Verkehrskontrollen zurück. Wie wichtig der Kampf gegen die Drogenkriminalität ist, zeigt sich unter anderem daran, dass es 2016 einen Drogentoten im Kreis gab.

Bei der Internetkriminalität weist die Statistik 274 Fälle aus - nach 304 Taten im Vorjahr. Im Jahr 2009 waren es noch mehr als 500 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt aktuell bei hohen 97,1 Prozent nach 96,4 in 2015. Die Zahl politisch motivierter Straftaten liegt auf einem niedrigen Niveau von aktuell 28 Fällen nach 19 im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr gelang es den heimischen Ermittlern, bei den registrierten 5706 Straftaten 2753 (Vorjahr 5392/2365) Tatverdächtige zu ermitteln. Unter ihnen befanden sich 604 (424) nichtdeutsche Tatverdächtige. Bei 202 von ihnen handelt es sich um Zuwanderer. Polizeichef Kaiser unterstrich, dass Zuwanderer nicht krimineller seien als Deutsche; allerdings räumte er auch ein, dass einige der Asylsuchenden auch gleich mehrere Straftaten begangen hätten.

Prävention hat hohen Stellenwert
Die Polizeiführung kündigte an, dem Thema Prävention weiterhin einen hohen Stellenwert zuzumessen. Veranstaltungen mit Kindergärten und Schulen, Vorträge in Vereinen oder vor Rentnern, Beratungen zum Einbruchsschutz in vieles mehr seien zwar aufwendig, aber eine gute Investition in die Sicherheit. Die Polizei werde auch weiterhin deutliche Präsenz bei Festen und Veranstaltungen zeigen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

"Wir ziehen eine positive Bilanz der polizeilichen Arbeit des vergangenen Jahres", unterstrich Kaiser, der allen Polizeiangehörigen für ihre "brillante Arbeit" dankte. Der Leiter der heimischen Polizei dankte im Zusammenhang mit der Aufklärung von Straftaten aber auch den Bürgern, die als Zeugen mit ihren Hinweisen einen wesentlichen Anteil am Ermittlungserfolg hätten. (pfa)  


Zuletzt geändert am Montag, den 06. März 2017 um 02:44 Uhr