Nebel, Laub und Wild - Gefahren zur Herbstzeit

Mittwoch, den 28. September 2016 um 05:08 Uhr Verfasst von  Redaktion 112-magazin
Im Herbst steigt die Gefahr durch Witterungseinflüsse erheblich Im Herbst steigt die Gefahr durch Witterungseinflüsse erheblich Symbolfoto: 112-magazin (Archiv)

WALDECK-FRANKENBERG. Mit Beginn des Herbstes häuft sich deutschlandweit die Zahl der Verkehrsunfälle. Wie Pressesprecher Volker König gegenüber 112-magazin mitteilte, wurden allein von Januar bis Juli dieses Jahres 772 Wildunfälle von den Beamten der vier Polizeistationen im Landkreis Waldeck-Frankenberg registriert.

Eine Ursache hierfür ist, dass viele Verkehrsteilnehmer sich auf die nun gefährlicher werdenden Straßen- und Wetterverhältnisse noch nicht eingestellt haben. Fahrbahnoberflächen nehmen im Herbst ihre ganz "eigenen" Beschaffenheiten an, es tritt häufig Nebel auf und sinkende Temperaturen sorgen mitunter für überfrierende Nässe. Durch regennasse und oft zusätzlich mit Laub bedeckten Straßen oder dichter Nebel kommt es sehr schnell zu schweren Verkehrsunfällen. Aus diesem Grund "runter vom Gas" und Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrößern. Zeitverzögerungen sollten im Herbst wie auch im Winter bei allen Fahrten mit einkalkuliert werden.

Einige Handgriffe an ihrem Fahrzeug sollten Sie bereits vor Herbstbeginn erledigt haben:

Beginnen die Temperaturen zu sinken, haben Sie durch Winterreifen einen erheblichen Haftungsvorteil auf nassen oder mit Raureif bedeckten Straßen. Es gibt keinen festen Zeitpunkt, wann Sommer- gegen Winterreifen getauscht werden sollten, jedoch hat sich die „O-bis-O-Regel" bewährt. Das heißt, von Oktober bis Ostern sollten Sie ihr Fahrzeug mit Winterreifen fahren. In jedem Fall ist es ratsam, lieber frühzeitig als zu spät auf die passende Fahrzeugbereifung umzusteigen.

Welche Profiltiefe sollten die Reifen besitzen ? Die gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Profiltiefe für Reifen beträgt 1,6mm. Der ADAC empfiehlt allerdings, Reifen unter einer Profiltiefe von 4mm nicht mehr für den Wintereinsatz zu verwenden.

Lassen Sie die Lichtanlage (Abblendlicht, Fernlicht, Warnblinkanlage) und Scheibenwischerblätter ihres Fahrzeugs frühzeitig (z.B. mit dem Wechsel auf Winterreifen) auf ordnungsgemäße Funktion überprüfen. Abblendlicht auch tagsüber einschalten. So werden Sie von anderen Verkehrsteilnehmern besser erkannt. Oberstes Gebot: Sehen und gesehen werden. Auch eine funktionstüchtige Scheibenwischeranlage ist in der kalten und nassen Jahreszeit unerlässlich.

Legen Sie einen Schwamm oder ein Tuch bereit, um beschlagene Fahrzeugscheiben zu säubern.

Hier einige Tipps für eine möglichst unfallfreie Fahrt durch den Herbst:

  • Straßenverhältnisse: Passen Sie ihren Fahrstil an die herbstliche Wettersituation an. Abruptes Beschleunigen und Bremsen auf nassen oder laubbedeckten Straßen sollte vermieden werden. Halten Sie ausreichend Abstand zu ihrem Vordermann. Der Bremsweg verlängert sich bei Nässe und rutschigen Fahrbahnoberflächen. Die Faustregel „Abstand = ½ Tacho" gilt auf nassen, rutschigen oder glatten Straßen nicht mehr !
  • Aquaplaning: Durch starken Niederschlag können sich auf der Fahrbahn Wasserflächen bilden. Bei zu hoher Geschwindigkeit kann das Fahrzeug aufschwimmen (Wasserglätte). Verringern Sie auch in diesem Fall die Geschwindigkeit. Positiv wirkt sich hier eine gute Reifenprofiltiefe aus (>4mm).
  • Frost: Überfrierende Nässe ist insbesondere in Flussniederungen sowie auf Brücken und in Waldschneisen zu erwarten. Besondere Vorsicht ist an diesen Orten geboten. Achtung: Damit sich Frost bildet müssen die Temperaturen nicht zwingend unter Null grad fallen
  • Nebel: Bei Nebel stets bremsbereit sein, um bei unbeleuchteten Hindernissen, Radfahrern oder Fußgängern sofort reagieren zu können. Bremsen Sie auf keinen Fall abrupt vor einer Nebelbank. Dies kann zu einem Auffahrunfall führen! Passen Sie ihre Geschwindigkeit an und rechnen Sie mit weiteren schlecht sichtbaren Verkehrsteilnehmern wie Radfahrern oder Fußgängern. Finger weg von den Nebelschlussleuchten, solange die Sichtweite über 50 Meter liegt, sonst blendet das grelle Licht den nachfolgenden Verkehr und schafft neue Gefahren.

Sollte das vorausfahrende Fahrzeug mit Nebelschlussleuchte fahren, orientieren Sie sich auf keinen Fall an dieser. Ihr Vordermann sieht nicht besser als Sie – erhöhen Sie ihren Sicherheitsabstand, damit Bremsmanöver des vorausfahrenden Fahrzeuges rechtzeitig erkannt werden.

Das entlangtasten am Mittelstreifen kann fatale Folgen haben. Immer wieder ereignen sich hierdurch schwere Unfällen, weil Autofahrer im Gegenverkehr genau das gleiche tun und dann mit ihren Fahrzeugen auf dem Mittelstreifen zusammen prallen. Um dies zu verhindern sollte man sich am rechten Fahrbahnrand orientieren.

Wildwechsel:

Jetzt, wo die Tage kürzer werden, steigt die Gefahr von Wildunfällen stark an. Meist ist zu hohe Geschwindigkeit die Ursache. Zudem fallen Morgen – und Abenddämmerung mit den Hauptverkehrszeiten zusammen. Gerade zu dieser Zeit ist auch vermehrt Wild unterwegs. Daher: unbedingt die Warntafeln vor Wildwechsel beachten. Das Tempo reduzieren und in den Walddurchfahrten immer bremsbereit sein. Denken Sie auch daran, dass nach einem ersten Wildwechsel weitere Tiere folgen können („Nachzügler").

Durch seine Verbreitung sowie seinem Verhalten entsprechend ist das Rehwild mit großem Abstand am häufigsten an Wildunfällen beteiligt. Durch sein spontanes und rasches Flüchten mit möglichen Wendungen und erneutem Betreten der Fahrbahn ist das Verhalten von Rehen in Gefahrensituationen auf oder an Straßen nicht kalkulierbar.

Kaum jemanden ist bewusst, dass bei über 250 000 Wildunfällen in Deutschland, bei denen Sachschäden in Höhe von mehr als 125 Mio. Euro zu verzeichnen sind, 3400 Kraftfahrer verletzt und ca. 30 Menschen getötet werden. Dazu werden Wildschäden oft unterschätzt. So erreicht ein nur 17 Kilogramm schweres Stück Rehwild bei einer Kollision mit einem 100 Stundenkilometer schnellem Pkw ein Aufschlaggewicht von knapp einer Tonne !

Geschwindigkeit Gewicht / Wild Aufschlaggewicht

  • 50 km/h 17 Kilogramm schwerer Rehbock 425 kg
  • 70 km/h 17 Kilogramm schwerer Rehbock 850 kg
  • 50 km/h 80 Kilogramm schwerer Keiler 2000 kg
  • 70 km/h 80 Kilogramm schwerer Keiler 4000 kg

Fahren Sie nachts in bewaldeten Gebieten – wann immer möglich – mit Fernlicht. So wirken die Augen von Wildtieren wie Rückstrahler und sind besser zu erkennen. Taucht Wild im Schweinwerferlicht auf, sofort abblenden, bremsen und hupen. Lässt sich ein Zusammenprall nicht mehr vermeiden, Lenkrad gut festhalten, bremsen und geradeaus weiterfahren. Ausweichmanöver können schlimme Folgen haben, auch für andere Verkehrsteilnehmer !

Haben Sie ein Tier angefahren:

  • Sichern Sie unbedingt die Unfallstelle mit Hilfe der Warnblinkanlage und des Warndreiecks ab.
  • Tragen Sie unbedingt eine Warnweste und halten sich wenn möglich nicht auf der Fahrbahn auf.
  • Ziehen Sie das Tier wenn möglich an den Fahrbahnrand – verwenden Sie dazu aufgrund der Tollwutgefahr in jedem Fall Handschuhe.
  • Informieren Sie unbedingt die Polizei über den Unfall, bei Personenschäden ebenso den Rettungsdienst bzw. die Feuerwehr über den europaweiten Notruf 112.
  • Unerlaubtes entfernen vom Unfallort oder mitnehmen der Tierkadaver ist gesetzlich verboten.

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Zuletzt geändert am Mittwoch, den 28. September 2016 um 05:26 Uhr