Mann angefahren und verletzt liegen gelassen: Geldstrafe

Mittwoch, den 28. Januar 2015 um 09:03 Uhr Verfasst von  Bernd Schünemann, HNA
Vom Korbacher Amtsgericht wurde die Frau, die eine Unfallflucht im Herbst 2013 begangen hatte und nach aufwändigen Ermittlungen der Polizei gefunden worden war, zu einer Geldstrafe verurteilt. Vom Korbacher Amtsgericht wurde die Frau, die eine Unfallflucht im Herbst 2013 begangen hatte und nach aufwändigen Ermittlungen der Polizei gefunden worden war, zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: pfa/Archiv

KORBACH. Die Angeklagte weinte bei der Urteilsbegründung und entschuldigte sich bei dem Mann, den sie angefahren hatte. Gerade war sie zu 90 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt worden – wegen Unfallflucht mit einem schwer verletzten Fußgänger.

Strafrichter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling sah es am Dienstag als erweisen an, dass die Frau einen heute 67 Jahre alten Fußgänger fahrlässig verletzt hatte. Die Strafe resultierte aber vor allem daraus, dass sie den Unfallort verlassen hatte, ohne sich um das Geschehen zu kümmern. Und das, obwohl sie wusste, dass etwas passiert war. Am nächsten Tag erfuhr sie genauer, dass es dort einen Unfall gegeben hatte, bei dem ein Mann schwer verletzt worden war.

Dieser Mann ging in der Nacht des 21. September 2013 zu Fuß von Lengefeld nach Korbach. Die Angeklagte hatte den Abend gemeinsam mit ihrem Mann bei Bekannten verbracht. Dort hatten die Männer Alkohol getrunken, die Gastgeberin und die Frau jeweils einen süßen Korn. Vor Mitternacht fuhr die Frau mit ihrem Mann nach Hause. Auf der Straße zwischen Korbach und Lengefeld hörte sie plötzlich einen Knall, nachdem sie von einem entgegenkommenden Fahrzeug geblendet worden war. Statt anzuhalten, fuhr die Frau weiter.

Sie stoppte erst kurz vor Lengefeld. Der Mann stellte fest, dass der Spiegel abgebrochen war. Bei einem Blick zurück auf die Straße sah er nichts. Der Mann schimpfte über den Schaden, berichtete die Frau im Gericht. Dann stieg er ein und das Paar kehrte nach Hause zurück.

Dort ließ der Frau das nächtliche Geschehen keine Ruhe. Sie bat ihre Tochter, an der Unfallstelle nachzuschauen. Außerdem stieß die Tochter am nächsten Tag im Internet auf 112-magazin.de auf die Unfallmeldung.

"Hervorragende Arbeit der Polizei"
Die Polizei leistete in den nächsten Tagen laut Staatsanwältin "hervorragende Arbeit". Anhand der Spiegelreste ermittelte der Beamte den Autotyp, einen älteren Volvo und grenzte die Herkunft ein. Mit weiteren Informationen und der Unterstützung westfälischer Beamter konzentrierte sich die Korbacher Polizei auf einen Wagen: das Fahrzeug, das die Frau gefahren hatte. Als die Polizisten vorfuhren, trafen sie den Ehemann. Der bestritt, dass der Wagen in einen Unfall verwickelt gewesen sei. Weil ein neuer Spiegel angebracht worden war, stellte die Polizei das Auto sicher. Bei der kriminaltechnischen Untersuchung wurden Unfallspuren gefunden. Mit Recherchen im Internet auf entsprechenden Plattformen führten die Ermittler zudem den Beweis, dass der Mann den Spiegel kurz nach dem Unfall erworben hatte.

Nach sechs Wochen zur Polizei
Erst nach sechs Wochen gab die Frau bei der Polizei zu, gefahren zu sein. Sie dachte, sie habe einen Leuchtpfosten gestreift, sagte sie im Gericht. Dass auf der Straße nichts zu sehen war, war klar: Das Unfallopfer war in den Graben geschleudert worden. Erst Stunden später gelang es dem Mann, sich nach Lengefeld zu schleppen und Hilfe zu rufen.

Die lange Zeit zwischen Unfall und Geständnis bei der Polizei führte zu der hohen Geldstrafe, die auch die Anklage gefordert hatte.


112-magazin.de berichtete über den Unfall und die Ermittlungen:
Angefahrenen Fußgänger schwer verletzt liegen gelassen (22.09.2013)
Nach Unfallflucht mit Schwerverletztem: Volvo V40 gesucht (27.09.2013)
Unfallflucht mit Schwerverletztem: Gesuchter Volvo gefunden (03.10.2013)

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Zuletzt geändert am Mittwoch, den 28. Januar 2015 um 09:20 Uhr