Im Herbst haben Wildunfälle wieder Hochkonjunktur

Samstag, den 18. Oktober 2014 um 18:20 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel

WALDECK-FRANKENBERG. Sobald sich die Blätter färben, steigt in jedem Jahr die Zahl der Wildunfälle. Oktober und November sind die Monate mit den meisten Unfälle mit Wildtieren, gefolgt vom Monat Mai. Doch mit ein bisschen Vorsicht sind die meisten Unfälle vermeidbar.

Das Horrorszenario vieler Autofahrer ist es sicherlich, auf einer Kreis-, Landes- oder Bundesstraße oder gar auf der Autobahn von einem stehenden oder die Fahrbahn wechselnden Wildschwein oder Reh überrascht zu werden. Kein Wunder, dass die Sorge bei vielen Verkehrsteilnehmern groß ist: Denn fast jeder dritte der 3727 Unfälle im Landkreis Waldeck-Frankenberg war nach der polizeilichen Statistik im Jahr 2013 ein Wildunfall. Doch wie verhält man sich in solch einer Situation richtig und was sollte man alles dabei beachten?

Wann ist das Risiko für einen Wildunfall besonders hoch?
Das größte Risiko von Wildunfällen besteht bei einsetzender Dämmerung am Abend und im Frühjahr beziehungsweise Herbst, da es in dieser Zeit zu vermehrtem Wildwechsel kommt und viele Wildtiere wie Rehe in dieser Zeit besonders aktiv sind. Gerade wenig befahrene Landstraßen, die an entlegenen Waldstücken entlangführen, sind für einen Wildunfall prädestiniert, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sich Rehe oder andere Wildtiere in die Nähe der Fahrbahn verirren. Für vermehrten Wildwechsel sorgen außerdem Treibjagden, bei denen die Wildtiere in Panik vor den Jägern und den Treibern flüchten. Dabei kann es vorkommen, dass einzelne Tiere sich in ihrer Panik unvorhergesehen verhalten und bei ihrer Flucht Straßen kreuzen und es auf diese Weise zu einem Wildunfall kommt.

So verhält man sich bei einem Wildunfall
Als Autofahrer kann man bereits präventiv sehr viel tun, um einen Wildunfall zu vermeiden. Fährt man mit seinem Auto etwa im Frühling oder Herbst über eine Landstraße, die an einem Waldstück vorbeiführt und dämmert es, so sollte man seine Geschwindigkeit deutlich reduzieren und besonders Acht geben. Bei reduzierter Geschwindigkeit lassen sich viele Kollisionen noch rechtzeitig verhindern, indem das Fernlicht ausgeschaltet, die Geschwindigkeit weiter reduziert und das sich auf der Fahrbahn befindende Wildtier kurz angehupt wird. Lässt sich dieses Manöver aufgrund der kurzen Reaktionszeit und der hohen Geschwindigkeit nicht mehr durchführen, sollte man eine Vollbremsung durchführen und dabei versuchen, seine Fahrbahn nicht zu verlassen. Ein unkoordiniertes Ausweichmanöver kann fatale Folgen für den Autofahrer, seine Mitfahrer und den Gegenverkehr haben. Außerdem kann es sein, dass das Wildtier durch das heranrauschende Auto aufgeschreckt wird, es selbst ausweicht und es daraufhin zur Kollision kommt.

Hier einige Tipps in Kürze:

  • vom Gas und die Geschwindigkeit anpassen (Empfehlung: max. 60 km/h)
  • in der Zeit mit erhöhtem Wildwechsel: Aufmerksam Wald- und Straßenränder beobachten
  • besondere Vorsicht in der Dämmerung, bei Nacht oder bei Nebel
  • neue Straßen sind besonders vom Wildwechsel betroffen, da das Wild seine gewohnten Wege beibehält
  • ein Tier kommt selten allein. Aus diesem Grund sollten Sie immer mit Nachzüglern rechnen
  • taucht ein Tier im Scheinwerferkegel auf - abblenden, abbremsen, hupen

Wenn ein Unfall unvermeidbar ist

  • Lenkrad festhalten, Fahrspur beibehalten
  • abbremsen
  • vorsichtig sein beim Ausweichen, denn das endet oft am nächsten Baum

Zahlt die Versicherung bei einem Wildunfall?
Wer einen Wildunfall hat, der muss, wie bei jedem anderen Unfall auch, das Warnblinklicht einschalten, die Unfallstelle absichern und die Polizei informieren. Befindet sich das verletzte oder getötete Tier noch auf dem Fahrstreifen, so muss man es an den Fahrbahnrand ziehen. Man sollte es jedoch aufgrund von Tollwutgefahr in keinem Fall ohne Handschuhe berühren. Wer angefahrene Wildtiere mitnimmt, macht sich der Wilderei schuldig.

Eine Vollkaskoversicherung trägt bei einem Wildunfall mit Haarwild auch ohne Nachweis den Schaden (vgl. AllSecur). Bei einer Teilkaskoversicherung ist dies anders. Hier hat man als Unfallfahrer eine Beweispflicht und muss nachweisen, dass es sich bei dem Unfall um einen Wildunfall handelt. Die Teilkaskoversicherung tritt nach einem missglückten Ausweichmanöver nur ein, wenn die Kollision mit dem Tier zu einer mindestens gleich starken Beschädigung des Fahrzeugs geführt hätte
(vgl. BGH, Az.: IV ZR 202/90).

Um bei einem Wildunfall hinterher keine Probleme mit seiner Versicherung zu bekommen und durch gefährliche Ausweichmanöver verursachte schlimmere Unfälle zu vermeiden, sollte man grundsätzlich eine Kollision mit dem Wildtier in Kauf nehmen. Dies lernt heute jeder Fahranfänger in der Fahrschule.


Quelle:
AllSecur

Zuletzt geändert am Samstag, den 18. Oktober 2014 um 19:43 Uhr