Notfalldose: Rettung aus dem Kühlschrank

Donnerstag, den 16. März 2017 um 16:36 Uhr Verfasst von  Rita Maurer
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Martin Schmidt (Ortsbeirat Medelon) sowie Miriam Zeppenfeld und Daniel Pfennig vom Rettungsdienst zeigen die Notfalldose. Martin Schmidt (Ortsbeirat Medelon) sowie Miriam Zeppenfeld und Daniel Pfennig vom Rettungsdienst zeigen die Notfalldose. Foto: Rita Maurer/Die Redaktionsbude

HOCHSAUERLANDKREIS. Medelon war der erste Ort im Hochsauerland, der die Notfalldose Mitte Februar eingeführt hat. Jetzt zieht diese ebenso einfache wie geniale Idee weite Kreise: Die drei Städte Hallenberg, Medebach und Winterberg haben nun gemeinsam ein großes Kontingent dieses potentiellen kleinen Lebensretters bestellt und bieten sie ab sofort in ihren Rathäusern für zwei Euro an. Auch die Stadt Lichtenfels auf hessischer Seite will diese Idee für ihre Bürger umsetzen.

Martin Schmidt vom Ortsbeirat in Medebach-Medelon hörte vor einigen Wochen im Siegerland von der Notfalldose. Ihm war sofort klar: "Das brauchen wir auch. Nicht nur in Medelon, am besten überall." Denn das Prinzip der Notfalldose ist absolut simpel: In dem kleinen Behälter liegt ein vorgedrucktes Formular, das handschriftlich ausgefüllt wird. Die Informationen dort sind kurz und kompakt und gerade deshalb im Notfall eine wertvolle Hilfe für den Rettungsdienst: Neben persönlichen Daten, Krankenkasse, Hausarzt und Blutgruppe werden dort Unverträglichkeiten, Vorerkrankungen, erforderliche Medikamente und eventuelle Einschränkungen stichpunktartig angegeben.

Auch eine Patientenverfügung oder ein Organspenderausweis oder der Hinweis, wo diese zu finden sind, passen in die Dose hinein. Weiter können Angaben gemacht werden, ob Kinder, pflegebedürftige Personen oder Haustiere versorgt oder auch abgeholt werden müssen oder - nicht zuletzt - ob jemand benachrichtigt werden soll. Wenn mehrere Personen im Haushalt leben, sollte jeder eine eigene Dose bekommen und das Infoblatt mit einem Passbild versehen.

Der Dose liegen außerdem zwei kleine Aufkleber bei, von denen einer innen an der Wohnungstür und einer am Kühlschrank angebracht wird. Dies ist das offensichtliche Zeichen für den Rettungsdienst, dass eine Notfalldose in der Kühlschranktür steht. Warum ausgerechnet im Kühlschrank? Martin Schmidt hat die einleuchtende Erklärung: "Der Kühlschrank ist auch in einer fremden Wohnung auf den ersten Blick zu erkennen. Das spart wertvolle Zeit."

Bei Christof Dürwald, dem Fachdienstleiter des Rettungsdienstes im Hochsauerlandkreis, lief er mit diesem Vorschlag offene Türen ein. Die Rettungskräfte im HSK sind nun entsprechend geschult und für die Notfalldose sensibilisiert. Sie bestätigen, dass internistische Notfälle in Wohnungen einen Großteil ihrer Einsätze ausmachen. Oftmals seien die Patienten dabei nicht mehr ansprechbar oder die Angehörigen zu aufgeregt für umfassende Informationen. Die Notfalldose ist daher eine wertvolle Unterstützung, wenn es im Ernstfall um Sekunden geht.

In den Rathäusern von Winterberg, Medebach und Hallenberg sowie der Bäckerei Frankenstein in Medelon gibt es die Notfalldose zum Kaufpreis von zwei Euro.

Hintergrund
Die Idee der Notfalldose kommt ursprünglich aus Irland. Eine Firma aus Bremen hat sich die deutsche Version schützen lassen. Nähere Infos gibt es unter notfalldose.de.


Zuletzt geändert am Donnerstag, den 16. März 2017 um 17:48 Uhr