Verbrecher klaut von Polizei sichergestelltes Auto: U-Haft

Samstag, den 06. Dezember 2014 um 13:06 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
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Bei einem Tankbetrug in Usseln wurde der Täter gefilmt. Inzwischen sitzt der einschlägig vorbestrafte Mann aus Hamburg in Untersuchungshaft. Bei einem Tankbetrug in Usseln wurde der Täter gefilmt. Inzwischen sitzt der einschlägig vorbestrafte Mann aus Hamburg in Untersuchungshaft. Foto: Sauerland Tank/Archiv

USSELN/OLSBERG. So einen Fall haben auch erfahrene Polizisten noch nicht erlebt: Ein Verbrecher, der mit einem fremden Auto zahlreiche Straftaten beging und dessen Fahrzeug von der Polizei sichergestellt wurde, ist in die Halle eingebrochen und mit dem Wagen davongefahren. Inzwischen sitzt der 38-Jährige in Untersuchungshaft. Ein Fall in Usseln hatte den Stein ins Rollen gebracht...

Seit Anfang November wurden im gesamten Hochsauerlandkreis und einigen umliegenden Landkreisen mehrere Fälle von sogenanntem Tankbetrug registriert - der Fahrer tankte seinen Wagen voll und fuhr davon, ohne das Benzin zu bezahlen. Zwar waren verschiedene Kennzeichen im Spiel, doch immer wieder handelte es sich um einen dunkelbraunen VW Passat Variant neuen Baujahrs. Dieses Auto tauchte nach Angaben von Polizeisprecher Ludger Rath auch in Zusammenhang mit mehreren Diebstählen von geschnittenem Brennholz im Sauerland auf.

Tankbetrug in Usseln der Anfang vom Ende
Der zunächst unbekannte Mann fuhr am 7. November dann auch nach Waldeck-Frankenberg, wo er an der Tankstelle "Sauerland Tank" in Usseln den Passat - diesmal war ein KB-Kennzeichen angebracht - mit 61,86 Liter Super zum Preis von 92,11 Euro betankte und verduftete, ohne die Rechnung zu zahlen. Von diesem Moment an zog sich jedoch die symbolische Schlinge um den Hals des Mannes zu: Der Tankstellenbetreiber nämlich veröffentlichte auf der Facebookseite seiner Firma einige Bilder aus der Überwachungskamera, worüber auch 112-magazin.de berichtete. Daraufhin kam tatsächlich ein Hinweis, der die Polizei auf die richtige Spur führte: Die Ermittler fanden den gesuchten Passat Kombi mit den gestohlenen Kennzeichen am Tag nach dem Usselner Fall in einem Ortsteil von Olsberg.

Es stellte sich heraus, dass der Wagen bei einer Autovermietung unterschlagen - also angemietet und nicht zurückgebracht - und mit dem geklauten Nummernschild versehen worden war. Den Wagen stellten die Beamten sicher und ließen ihn bei einem Abschleppunternehmen mit entsprechender Zulassung in einer gesicherten Halle unterstellen. Durch den Zeugenhinweis wurde zwar auch der Fahrer identifiziert, seiner habhaft wurde die Polizei aber zunächst nicht. Doch schon am selben Abend bekam es die Polizei wieder mit dem Täter zu tun: Er brach laut Rath mit massiver Gewalt in die Sicherstellungshalle ein und entwendete den Passat - die Schlüssel dazu hatte der 38-Jährige ja noch.

Nach Festnahme in Olsberger Ortsteil nun in U-Haft
Die Polizei fahndete weiter nach dem Flüchtigen und "seinem" Wagen. Bei den intensiven Ermittlungen erhielt die Kripo schließlich einen Hinweis auf einen möglichen Aufenthaltsort des aus Hamburg stammenden Gesuchten: Er solle sich bei einer Frau im Raum Olsberg aufhalten. Für deren Wohnung erwirkten die Ermittler schließlich einen Durchsuchungsbeschluss, der in dieser Woche vollstreckt wurde - mit Erfolg: Der 38-Jährige befand sich tatsächlich in der Wohnung. Die Kripo nahm den einschlägig vorbestraften Mann umgehend fest.

Während er laut Polizeisprecher Ludger Rath in der polizeilichen Vernehmung einige der ihm vorgeworfenen Straftaten einräumte, hüllte er sich vor dem Haftrichter in Schweigen. Der Richter ordnete daraufhin Untersuchungshaft an. Der 38-Jährige sitzt nun in einer JVA und wartet auf seine Gerichtsverhandlung. Dem Mann werden Unterschlagung, mehrere Fälle von Tankbetrug, Kennzeichendiebstahl in mindestens sieben Fällen, Urkundenfälschung und nicht zuletzt Einbruchsdiebstahl vorgeworfen - dass jemand in Krimimanier in die gesicherte Halle eines Abschleppunternehmens einbricht und mit einem von den Behörden sichergestellten Auto davonbraust, hat selbst erfahrene Polizisten verblüfft: "Das ist mir in meiner ganzen Laufbahn noch nicht untergekommen", sagte Rath.


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plateLOCK - Diebstahlsicherungen für Autokennzeichen

Zuletzt geändert am Samstag, den 06. Dezember 2014 um 13:09 Uhr