Vier Tage lang auf Truppenübungsplatz trainiert / VIDEO

Mittwoch, den 22. Mai 2013 um 21:05 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
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KORBACH/WILDFLECKEN. Eine viertägige Übung haben 22 Angehörige des Korbacher THW-Ortsverbandes auf dem Truppenübungsplatz im bayerischen Wildflecken absolviert. Fahren mit Lkw in schwierigem Gelände, Rettungs-, Bergungs- und Abseilübungen unter extremen Bedingungen, der Einsatz von Atemschutz, das Unterbauen einsturzgefährdeter Gebäudeteile oder die Höhenrettung gehörten zum ebenso anspruchsvollen wie außergewöhnlichen Programm.

Bereits die Fahrt zu dem in der bayerischen Rhön gelegenen Truppenübungsplatz war Teil der Ausbildung beziehungsweise Übung, wie der Korbacher Ortsverbandschef Hans-Joachim Kegel erklärte. Denn das Fahren im geschlossenen Verband sei insbesondere für die jüngeren THW-Kraftfahrer Neuland gewesen. Das Militär-Übungsgelände stand den Helfern in Blau für insgesamt vier Tage zur Verfügung, organisiert hatte Dennis Kegel das Training - der Korbacher ist Berufssoldat bei der Bundeswehr.

An manchen Einsatzstellen gibt es keine Straßen
Das Fahrertraining in unwegsamem Gelände sei für das THW besonders wichtig, wie Vater und Sohn Kegel erklärten. Denn in Korbach seien große Pumpen stationiert, die zu Hochwassereinsätzen angefordert würden. "Bei diesen Einsätzen gibt es oft keine Straßen und Wege", sagte der Ortsverbandschef. Unter Anleitung erfahrener Gruppenführer steuerten die Lkw-Fahrer - unter ihnen auch Ailina Sude als einzige Frau im Korbacher Ortsverband mit Lkw-Führerschein - durch tiefe Wasserlöcher, über wahre Matschpisten oder extreme Steigungen hinauf. "Das waren besondere Anforderungen, und alle haben sie gut bewältigt", zeigte sich Kegel zufrieden.

Während die einen Helfer das Gelände mit Motorkraft bezwangen, waren die Höhenretter auf Muskelkraft angewiesen - sie übten wieder und wieder neue Steigtechniken ein. Auf dem Rückweg aus dem Gelände zur Kaserne kamen die - mittlerweile bereits deutlich erschöpften - Helfer zu einem simulierten Verkehrsunfall. "Davon wusste keiner etwas", sagte Kegel über den angenommenen Absturz eines Unimogs an einem Steilhang neben der Straße. Hierbei galt es, mit Rettungsgerät zu dem "Verletzten" hinab zu steigen, ihn medizinisch zu versorgen und schließlich in einer Schleifkorbtrage viele Meter Steilhang hinauf zur Straße zu transportieren. Dabei kam unter anderem ein in Deutschland seltenes und als Arachnipod bezeichnetes Spezialstativ zum Einsatz.

"Verletzten" aus einsturzgefährdetem Haus "gerettet"
Ebenfalls um die Rettung eines Verletzten ging es bei einer weiteren Übung in einem ehemals von US-Soldaten bewohnten und nun leerstehenden Gebäudekomplex auf dem Militärgelände. Angenommen war, dass das Wohnhaus einsturzgefährdet ist. Um das Haus zur Rettung gefahrlos betreten zu können, mussten es die Korbacher THW-Kräfte zunächst abstützen - dies wurde an einem Balkon geübt. Zunächst mit Schnellbaustützen und anschließend mit Kreuzstapel und Schwelljoch sicherten die Helfer die einzelnen Etagen ab. Der "Patient" wurde dann mit einem Leiterhebel aus einem der oberen Geschosse zu Boden gelassen.

Weitere Programmpunkte der viertägigen Übung waren der Bau einer 200 Meter langen Seilbahn, mit der die THWler mehr als 30 Höhenmeter überwanden, eine komplexe Atemschutzübung mit einem angenommenen Notfall in den eigenen Reihen oder ein Fahrertraining mit dem ATV der Willinger Bergwacht - im Winter übernimmt das Korbacher THW wochenendweise den Winterrettungsdienst und muss daher auch im Umgang mit den Spezialfahrzeugen des Bergwacht-Fuhrparks geübt sein.

Vor der Rückfahrt reinigten die Helfer die Fahrzeuge auf einem Waschplatz der Bundeswehr. Untergekommen waren die Korbacher in der Kaserne - für ihre Verpflegung sorgten sie jedoch selbst: Dazu wurde der Pumpencontainer für vier Tage zur Feldküche umfunktioniert.


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THW Korbach

Zuletzt geändert am Montag, den 27. Mai 2013 um 15:49 Uhr

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